Möggingen, Schwesternsammlung »Klause«, Franziskanerterziarinnen
| Kurzbeschreibung: | 1378 Gründung (?) – 1472 erste gesicherte Nennung als Klause – 1517 Franziskanerterziarinnen – 1580 Brand und Wiederaufbau durch Schwestern aus Kloster Thalbach, Bregenz – 1792 Aufhebung – 1860/79 Abbruch der Klosteranlage Patrozinium: Antonius von PaduaOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie BodenseeKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Stockach |
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| Beschreibung: | Name: klusen und gotzhus (1520);1 kloster des 3. ordens S. Francisci ad S. Antonium de Padua (1656)2 GeschichteDas Dorf Möggingen liegt beim Mindelsee auf dem Bodanrück, das Kloster stand unmittelbar bei der Pfarrkirche im Ort. Eine erst im 17. Jahrhundert geschriebene Urkunde, die wohl auf einem verlorengegangenen Original basiert, überliefert die Klostergründung, die mit gleichem Inhalt, aber mit dem (falschen) Datum 1278 auch in chronikalischer Form überliefert ist.3 Demnach soll der Kirchherr und Leutpriester von Möggingen, Johannes Keller, 1378 einem Bruder Burkhard, der als Einsiedler im →Bodenwald ob Bodman lebte, einen an den Kirchhof angrenzenden Weingarten verkauft haben. Die leibliche Schwester des Burkhard, Adelheid von Walspüren (Mahlspüren im Hegau oder im Tal, beide heute Stadt Stockach), habe auf diesem Weingarten mit Hilfe von Almosen ein »Clausenhaus« errichtet. Sie wird aus dem Rückblick der Frühneuzeit als Terziarin bezeichnet (monialis tertiaria). Besagte Adelheid von Mahlspüren wäre demnach als Gründerin der Klause bei der Pfarrkirche Möggingen anzusehen. Über die Frühzeit des Klosters ist ansonsten so gut wie nichts bekannt, da die eigenen älteren Urkunden und Dokumente bei Bränden und Zerstörungen 1525, 1580, 1632 und 1637 verlorengingen. Die früheste gesicherte Nachricht stammt aus dem Jahr 1472, als die Brüder Hans Jakob und Itelhans von Bodman ihr Erbe teilten, wobei unter anderem Abgaben der Mögginger Klausnerinnen aufgezählt werden.4 Im Jahr 1483 wird spezifiziert, dass die closneren zu Möggingen für ihr Gut dem Itelhans von Bodman jährlich 10 Pfund Pfennige geben müssen.5 Erst 1517 wird ein Weingarten ausdrücklich an die Mutter und die Schwestern der Klause und des Klosters zu Möggingen, dem Franziskanerorden zugehörig, verkauft.6 1520 wird das Kloster als klusen und gotzhus des Franziskanerordens bezeichnet.7 Eine wirtschaftliche Grundlage der Schwestern war das Weben, unter anderem für Bürger der Stadt Überlingen. Wolf von Homburg, Ortsherr in Möggingen, schrieb 1524 an den Rat der Stadt, dass die Weberzunft dies nun untersagt habe, dass es aber altem Brauch gemäß gestattet gewesen sei, nicht nur in Überlingen, sondern auch in anderen Städten der Gegend. Die Schwestern seien arm, hätten kaum Einkünfte aus Besitz und Zinsen und seien deshalb auf die Einnahmen aus dem Weben angewiesen. Mehrere der insgesamt sechs Schwestern kämen zudem aus Überlingen, der Rat möge daher weiterhin den Verkauf gestatten.8 Im Bauerkrieg brannten 1525 Pfarrkirche und Kloster nieder, im Jahr 1580 gab es einen weiteren Brand. Im Zuge dessen scheint das Kloster fast eingegangen zu sein, denn im Jahr 1590 wurden Schwestern und die Vorsteherin Ursula Hahnengöttin aus Kloster Thalbach in Bregenz nach Möggingen berufen, um die Gemeinschaft wiederaufzubauen. Die Vorsteherin regierte dort 28 Jahre und starb 1625. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster 1632 und 1636 schwer beschädigt oder ganz zerstört, 1653–56 aber neu wiederaufgebaut. Die Schwestern fanden zeitweise wohl im stets eng verbundenen Kloster Thalbach Zuflucht. Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation rief der Provinzial der Minoritenprovinz anlässlich des Kirchenneubaus 1654 zu Spenden für das Kloster auf.9 Papst Innozenz XII. (1691–1700) stellte 1695 für den Altar des Hl. Antonius von Padua einen Ablassbrief aus.10 Im 18. Jahrhundert besaß und bewirtschaftete das Kloster den zur Selbstversorgung nötigen Grundbesitz. Neben der Mutter (Vorsteherin) lebten 1755 im Kloster 14 Schwestern, 1769 waren es 18, 1779 wieder 14. Doch bereits 1792 wurde das Kloster wegen hoffnungsloser Überschuldung aufgehoben, die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 8.557 Gulden. Die Klosterfrauen wurden auf andere Klöster verteilt oder auf Wunsch mit einer Pension entlassen. Wo das Archiv und – falls vorhanden – die Bibliothek abgeblieben sind, ist nicht überliefert. Bau- und KunstgeschichteVom Kloster Möggingen ist vor Ort nichts mehr erhalten. Archäologisch ergrabene Mauerreste westlich der Kirche könnten als Einsiedlerklausen gedeutet werden. Möglicherweise haben die Klausnerinnen die Pfarrkirche mitgenutzt, eine kleine und schlichte Saalkirche mit südlich anschließender Sakristei. Einen Einschnitt bedeuteten Brand und Wiederaufbau 1580/90, ebenso die Zerstörung 1632/36. 1653–56 ist das Kloster unmittelbar südlich der Kirche neu errichtet worden, nun in der Art eines dreiflügeligen repräsentativen Baus. Die Schaufassade war nach Süden ausgerichtet, von wo die Landstraße von Radolfzell heranführte. Lage und Größe des Gebäudes konnten archäologisch erschlossen werden.11 Die Schwestern baten 1650 die Herrschaft, hinten an die pfarrkirche ein bettkirchlein oder oratorium anbauen zu dürfen, was ihnen 1653 auch gestattet wurde.12 Die Pfarrkirche wurde dafür nach Westen verlängert. Durch neugeschaffene Portale in der Nord- und Südwand konnten Laien in die Kirche gelangen. Für die Klosterfrauen gab es einen direkten Zugang von Süden über einen Gang vom Konventsbau her. Der Gebetsraum der Schwestern bestand aus einer über den gesamten Anbau reichenden Empore mit drei Altären, die von der Pfarrkirche durch eine durchfensterte Scheidewand getrennt war. Am 20. August 1656 wurde die Kirche geweiht, 1686 erhielt sie einen neuen Altar des Hl. Antonius von Padua. Das 1779 datierte Hochaltarbild zeigt unten links eine auf den ersten Blick wirklichkeitsnah wirkende Ansicht von Möggingen mit Burg, Kirche und Kloster, die immer wieder für Verwirrung gesorgt hat. Das Kloster ist hier von Süden, die Kirche aber von Nordwesten dargestellt, und auch die Burgansicht ist in vielen Details falsch. Nach der Auflösung wurden im April 1793 die Altäre abgebrochen, die Anlage wurde verkauft. Johann Baptist von Bodman erwarb 1803 die Gebäude, die Familie wohnte dort während des Umbaus des Schlosses bis 1825. 1860 ließ der nachfolgende Besitzer den Konventsbau größtenteils abreißen und richtete im Westteil der Kirche eine Brauerei ein. Nach einem Brand 1879 wurden die letzten oberirdischen Reste des Konventsbaus entfernt, und bei einer umfassenden Umgestaltung der Kirche verschwanden auch dort die letzten baulichen Spuren des Klosters. BibliographieQuellen: Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 634. Handbücher und Lexika: AFA 9, S. 67–80 (Max Heinrichsperger); KB Konstanz Bd. 4, S. 69 f. (Anneliese Müller); KDM Bd. 1, S. 308 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster Möggingen (Stephanie Zumbrink). Literatur: Weber 1932; Harder 1960; Zettler 1979; Wilts 1994, S. 384–386; Stadler 2010; Zettler 2010. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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