Radolfzell, Schwesternsammlung, »Klause bei St. Ursula auf Acker«, Franziskanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1371 Inklusenzelle – vor 1461 Umwandlung in eine Schwesterngemeinschaft unter Aufsicht der Konstanzer Dominikaner – 1520 Schwesterngemeinschaft des Dritten Ordens des Hl. Franziskus

Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, »Klause bei St. Ursula auf Acker«, Franziskanerterziarinnen 1371-1522
Beschreibung:

Name: congregatio uff aker (1461);1 sant Ursula closen uff acker (1509);2 klusen und gotzhus zu Ratolffzell uff acker sanndt Franziskusorden (1522)3

Geschichte

Das Radolfzeller Schwesternhaus »auf Acker« lag vor der östlichen Stadtmauer bei der 1340 erstmals bezeugten Kapelle St. Ursula. Ausgangspunkt der Entwicklung war eine traditionelle Inklusenzelle, für die Abt Eberhard von Reichenau (1343–1379) gedeihliche Grundlagen schuf, indem er am 16. Oktober 1371 zugunsten der damaligen Klausnerin Elsbeth und ihrer Nachfolgerinnnen, die sich dort einschließen würden, auf sämtliche Besitzansprüche der Abtei an vorhandenes oder noch zu erwerbendes Gut verzichtete.4

Vor 1461, zu einer Zeit, als das traditionelle Inklusentum überall am Bodensee sichtlich an Zugkraft verloren hatte, wandelte sich die Zelle in eine Gemeinschaft um, eine wenig gefestigte Institution freilich. Verfehlungen einzelner Schwestern hatten sie schon vor der Umwandlung ins Gerede gebracht und sollten dies auch weiterhin tun. Immer wieder stand die Klause leer oder wurde nur noch von ein bis zwei Frauen bewohnt. Eine dauerhafte Beziehung zu einem Männerorden konnte nicht geknüpft werden. Der Dominikaner Johannes Nider berichtet über das Häresieverfahren gegen eine Radolfzeller reclusa kurz vor dem Konstanzer Konzil. Sie habe Verzückungen gehabt und behauptet, dass an ihrem Körper an einem bestimmten Tag die Wundmale Christi erscheinen würden.5 1461 überwies Abt Johann von Reichenau (1454–1464) Schwester Ursula von der Gemeinschaft auf Acker wegen unkeuschen Verhaltens an ihren geistlichen Oberen, den Prior der Konstanzer Dominikaner. 1478 handelte dann sein Nachfolger wieder aus eigner Machtvollkommenheit ohne einen Ordensoberen und schloss Schwester Ella von Stetten wegen ihrer Streitigkeiten mit dem Radolfzeller Magistrat aus der Klause aus. Mit den ersten Belegen für eine Zugehörigkeit der Gemeinschaft zum Dritten Orden der Franziskaner endet 1520/22 die dokumentierte Geschichte der Gemeinschaft.6 Möglicherweise ist sie in einer der zahlreichen franziskanischen Schwesterngemeinschaften im Umkreis von Radolfzell aufgegangen.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: AFA 15, S. 5–12 (Johannes Gatz); KB Konstanz Bd. 4, S. 89 f. (Anneliese Müller); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster bei St. Ursula Radolfzell (Martina Wehrli-Johns).

Literatur: Wilts 1994, S. 397–399.

Anmerkungen

  • 1 GLA 67 Nr. 1101, fol. III r (1. 5. 1461).
  • 2 GLA 6 Nr. 1250 (27. 11. 1509).
  • 3 GLA 6 Nr. 1253 (21. 1. 1522).
  • 4 GLA 6 Nr. 1231 (16. 10. 1371).
  • 5 Nider 1971, S. 142 f.; vgl. dazu auch Urkunden Radolfzell 1878, Nr. 29 S. 5 (3. 2. 1400).
  • 6 Archiv Enzberg U 464 (12. 6. 1520); GLA 6 Nr. 1253 (21. 1. 1522)
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Wilts [Autor]
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