Hoppetenzell, Kanonikerstift, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 777 Ersterwähnung – seit 784 im Besitz von Saint-Denis – bis 817 Mischregel – von 817 bis 832 Kanonikerstift, dann Benediktinerkloster – 10. Jh. Aufhebung bzw. Lösung von Saint-Denis Patrozinium: GeorgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau |
|---|---|
| Ortsbezüge: |
|
| Ordensregel: |
|
| Beschreibung: | Name: Adalungocella (777);1 Radulfesboch (777);2 Adalungocella (782);3 Adalungi cella (856);4 Hadalongcella in pago Heegeuua (866)5 GeschichteDie um 750 von Adalung gegründete Cella ist Ausgangspunkt des Ortes Hoppetenzell und wird erstmals 777 im Testament Abt Fulrads von Saint-Denis (749–784) als quinta cella, quae dicitur Adalungocella bzw. als quarta cella, qui dicitur Radulfesboch erwähnt. Darin vermacht dieser seinem Kloster bei seinem Tod neben etlichen anderen Zellen »eine fünfte Zelle, die mir Adalung übertragen hatte, Adalungszell genannt, wo der Hl. Georg ruht«. Adalung war möglicherweise ein Verwandter der alemannischen Herzogsfamilie und der spätere Abt von Lorsch (804–837). Der 866 in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen (840–876) als cellula bezeichnete kleine Konvent lebte nach den Gewohnheiten von Saint-Denis. Die Georgsreliquien hatte Fulrad bei seinen politischen Missionsreisen von Rom ins Frankenreich überführt.6 Der Standort der Zelle wird auf Grund des Patroziniums und ihrer Lage in pago Heegeuua in Hoppetenzell, im nordöstlichen Hegau, lokalisiert, in dessen Ortskern die Pfarrkirche St. Georg steht. Über die innere Struktur und Besitzverhältnisse der Klerikergemeinschaft liegen keine Nachrichten vor, doch hat zur Besitzausstattung vermutlich im Bereich der Kirche ein größerer Wirtschaftshof gehört. Fulrads Besitzerwerb steht im Kontext mit der Zerschlagung des alemannischen Herzogtums (746) und Integration Alemanniens ins Frankenreich. Die Besitzübergabe Adalungs erfolgte möglicherweise nicht freiwillig, sondern mit dem Ziel, seine Klosterzelle unter dem Schutz des Abtes vor dem Zugriff des fränkischen Fiskus zu bewahren. Die Zelle kann wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an der aus dem Schweizer Mittelland zur Donau führenden Fernstraße aber auch als Bindeglied zwischen den Besitzungen Saint-Denis in Herbrechtingen und am Rheinknie bzw. im Veltlin angesehen werden. Nach dem Tod Fulrads (784) trat Saint-Denis die Erbfolge an, doch wird die Adalungszelle erst 856 in einer Besitzbestätigungsurkunde Karls des Kahlen (840–877) und in einem Diplom Ludwigs des Deutschen vom 28. Juli 866 wieder erwähnt, in dem der Ostfrankenkönig den in Alemannien gelegenen Gütern der Reichsabtei, insbesondere quasdam cellulas sitas in Alamannia […] et Hadalungcella, in pago Heegeuua, ubi sanctus Georgius requiescit seinen besonderen Schutz und Immunität verleiht. Spätestens im 10. Jahrhundert reißt die Verbindung mit Saint-Denis ab. Die Entfremdung könnte durch die schwäbischen Herzöge geschehen sein. Im Liber decimationis von 1275 erscheint der Ort unter dem Namen Celle als Pfarrei im Besitz der Herren von Bodman. Von der frühmittelalterlichen Cella Adalungs gibt es keine archäologischen und baugeschichtliche Zeugnisse. Die heutige Pfarrkirche St. Georg wurde 1858 anstelle einer spätgotischen Vorgängerkirche erbaut. BibliographieQuellen: Tangl 1906. Handbücher und Lexika: GermBen V, S. 317 f. (Franz Quarthal); KB Konstanz Bd. 4, S. 408–414. (Anneliese Müller); kloester-bw, Zelle Hoppetenzell (Fredy Meyer); SKHB, S. 621–623 (Stefan Kötz). Literatur: Fleckenstein 1957; Stoclet 1993; Meyer 2021 (a), (b). Anmerkungen
|
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
|
Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
|---|
leobw