Istein, Cluniazenser 

Kurzbeschreibung:

1105 mögliche Gründung durch Dietrich von Rötteln bzw. 1200/1205 durch Bischof Lütold I. – bis 1412 cluniazensisches Nonnenkloster – ab 1412 Männerpriorat – Auflösung in der Reformation – seit dem 17. Jahrhundert Pfründe für Basler Domkanoniker – 1802 Übergang der Güter an Baden

Patrozinium: Maria
Ordensgliederung: Provinz Alemannia et Lothoringia
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Wiesental

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Cluniazenserinnen 1105-1412
  • Cluniazenser 1412-1532
Beschreibung:

Name: monasterium de Ystein Cluniacensis ordinis (1264);1 claustrum Ystein (1274);2 Istene […] domus (1270);3 closter ze Istein vff dem Rin des ordens von Cluniax (1331);4 prioratus de Istein (1356);5 gotzhuse Unser Lieben Frowen (1387);6 Ystein prepositura spectans ad sanctum Albanun Basilee ordinis Cluniacensis (1493);7 Stephan Marquis, probst zuo Istein (1532);8 prioratus ruralis non conventualis sanctae Mariae de Ystein Cluniacensis ordinis Basiliensis diocesis (1623)9

Geschichte

Die Gründung 1105 durch Dietrich von Rötteln, welche Einträge in einer Aufzählung von Gütern nach 1316 und in einem Berain des 15. Jahrhunderts berichten, lässt sich nicht erhärten.10 Dafür spricht immerhin, dass Dietrich von Bischof Burkart von Basel (1072–1107), dem Gründer des Cluniazenserklosters St. Alban in Basel, 1103 mit der Vogtei über dessen rechtsrheinische Besitzungen betraut wurde und dass er der Kirchenreform nahestand. Der Chronist Christian Wurstisen nennt als Gründer den Basler Bischof Lütold (1191–1213) um das Jahr 1200.11 Die erste Erwähnung des Klosters fällt ins Jahr 1264.12

Istein war anfänglich Cluny direkt unterstellt. Seit dem 13. Jahrhundert lebten vier bis acht Nonnen, ein Prior und ein Mönch im Kloster. Visitatoren des Ordens überprüften die geistliche, disziplinarische und wirtschaftliche Lage und das Generalkapitel in Cluny entschied über zu ergreifende Maßnahmen. Die Vogtei über das Kloster übten die Herren von Rötteln bis zu ihrem Aussterben 1315 aus; dann ging sie an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg über. 1365 kam sie nach Verzicht der Markgrafen an den Basler Bischof und das Domstift.13

Die Geschichte des Klosters erscheint nach den Visitationsberichten als eine Abfolge spiritueller, wirtschaftlicher und disziplinarischer Krisen, die sich in den Jahrzehnten um 1300 häuften.14 Eine vom Abt von Cluny 1308 verfügte Union mit dem Priorat Thicourt brachte keine Lösung.15 Sie wurde wieder rückgängig gemacht.

In einem kurz nach 1249 verfassten Verzeichnis werden Güter in Huttingen, Istein, Hägelberg, Blansingen, Efringen und Holzen genannt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts besaß das Kloster auch Güter im Elsass in den Bännen der Orte Dornach, Mülhausen, Lutterbach und Morschweiler.16 Die adlige Nonne Agnes von Altdorf legte 1331 eigenhändig einen Zinsrodel an.17 Auch in Efringen, Kirchen, am Hornberg und in Hagenbach ist im 14. Jahrhundert Besitz belegt. 1356 wurde dem verarmten Kloster die Kirche Kembs und dem Basler Kloster St. Alban als Entschädigung die Kollatur Isteins übertragen. Das Generalkapitel beschloss, keine Nonnen mehr aufzunehmen und nach deren Aussterben ein Männerpriorat einzurichten,18 aber erst 1412 ist die letzte Nonne belegt.19 In diesen Jahren ist die Klosterdisziplin wiederum völlig zerfallen. Der Prior hatte die gesamte Leitung des Priorats dem Basler Archidiakon überlassen, der alle Einkünfte des Hauses in seine Burg leitete und versprach, er baue das Kloster wieder auf.20 1387 wurde der Fronhof Huttingen vom Prokurator zusammen mit der Magistra Sophie von Masmünster, der Küsterin Sybille von Roggenbach, der Schaffnerin Margreta Reich von Reichenstein und Agnes von Altenach, auf neun Jahre verliehen. Alle hier genannten Nonnen waren Angehörige von Adelsgeschlechtern. Sie seien nicht mehr in der Lage, den Hof selbst zu bewirtschaften, da das Kloster und die Kirche kürzlich abgebrannt seien.21 Der Rückzug aus der Eigenwirtschaft fand aus akuter Not wider Willen statt. 1394 wandte sich der Prior von St. Alban, an die Gläubigen der Bistümer Basel, Konstanz, Besançon und Lausanne, dem Kloster Istein, das durch Erdbeben, Feuer und Krieg verwüstet und völlig verarmt sei, materielle Hilfe zu leisten.22 Auch das Generalkapitel 1491 rief dazu auf, das Kloster zu unterstützen, das durch den Druck der fortwährenden Kriege in seiner Nachbarschaft, durch die Überschwemmungen des Rheins und eine Feuersbrunst derart geschädigt worden sei, dass nichts übrigblieb als eine Fülle von Elend.23

Das Ende des Klosters kam lange vor dem Übergang seiner Güter an Baden im Jahr 1802. Mit dem Prior Stephan Marquis von Istein, der 1532 zusätzlich um die Übertragung des Priorenamts von St. Alban durch die Stadt Basel ersuchte, vereinbarte die Stadt, sämtliche Einkünfte auch aus dem Sundgau, Elsass und Breisgau seien dem Kloster St. Alban zu entrichten. Es ging dem Rat vor allem darum, die nach der Reformation von Basel beanspruchten Einnahmen der Klöster nicht zu gefährden.24 Von einem Kloster in einem Ordensverband kann bei Istein demnach keine Rede mehr sein, obwohl man weiterhin Prioren bzw. Pröpste ernannte.25 Das Priorat wurde 1562 dem Franciscus ab Apponex, Propst der Kollegiatskirche St. Martin in Colmar übertragen.26 Es blieb bei einer wöchentlichen Messe und Predigten an der Dedicatio ecclesie am Tag Marci evangelistae (25. April) und zu den Marienfesten durch einen entschädigten Priester, worüber Apponex mit dem Isteiner Pfarrer einen Vertrag über eine Entlohnung mit 8 Pfund jährlich abschloss.27 Seit dem 17. Jahrhundert sind neben drei Pfarrern nur noch adlige Angehörige des Basler Domstifts als Pröpste von Istein bezeichnet worden. 1802 wurde dem mit der Aufhebung der Propstei und dem Übergang der Güter an Baden ein Ende gesetzt. Die Archivalien der Propstei finden sich heute im Staatsarchiv Basel und im Generallandesarchiv Karlsruhe.28

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster befand sich direkt am Ufer des unkorrigierten Rheinstroms, von dem Dorf abgewandt, westlich des Isteiner Klotzes. Es lag unmittelbar unterhalb einer Burg des Basler Bischofs, die 1185 erstmals urkundlich erwähnt wird.29 1387 wurden das Kloster und die Kirche bei einem Brand vollständig vernichtet30 und erst am Ende des 16. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Während die Klosterkirche in Funktion blieb, residierte der Konvent fortan in der zwischen Dorf und Isteiner Klotz gelegenen Herberge, dem so genannten »Weißen Haus«.

Obertägig sichtbare Reste des Klosters sind nicht erhalten, lediglich Flurnamen weisen auf dessen ehemaligen Standort hin: Klosterreben, Klostergiessen, Klostermatt, Klosterwörth, Klosterholen. Reste der Klostermauern wurden 1959 beim Ausbau der Rheinstraße im Gewann »Klosterreben« zwischen dem Hochgestade des Rheins und dem Isteiner Klotz erfasst und nach der Einmessung teilweise abgetragen. Man legte eine über 50 m lange und 1,70 bis 2,30 m starke Mauer aus unbehauenen Kalksteinquadern, die durch Kalkmörtel zusammengehalten waren, frei. Der Verlauf der Mauer folgte in einer Krümmung dem einstigen Verlauf des Rheins und bog dann in einem stumpfen Winkel nach Norden ab. Es handelt sich um die zum Hochwasserschutz ausgebaute Umfassungsmauer des Klosters. Die Propsteigebäude und die Kirche wurden 1783 abgebrochen.

Zwei Kapellen, die der Hl. Anna und dem Hl. Veit31 geweiht sind, liegen unmittelbar oberhalb des Klosters, bzw. des Weißen Hauses und haben die Erinnerung daran bewahrt. Die Veitskapelle (Abb. 3) wurde 1986 archäologisch untersucht.32 Sie wurde in einer 1185 erstmals erwähnten Grottenburg, die 1409 abgetragen wurde, errichtet. Die in einen Vorraum und Altarraum geteilte Veitskapelle ist 1580 erstmals erwähnt. Im 17. Jahrhundert beklagen mehrere Visitationsberichte den schlechten baulichen Zustand.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: HelvSac III,2, S. 21–140, 235–238 (Hans-Jörg Gilomen); KB Lörrach Bd. 1, S. 711–716 (Anneliese Müller); KDM Bd. 5, S. 21 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerpropstei Istein (Florian Lamke).

Literatur: Dietschi 1930; Schmidt-Thomé 1987 (a), (b); Schülin 31994; Lamke 2009, S. 345–354; Gilomen 2023.

Anmerkungen

  • 1 UB Basel I, Nr. 427 S. 313 f. (5. 3. 1264).
  • 2 Annales Basilieenses, in: MGH SS 17, S. 196.
  • 3 Charvin I, Nr. 72 S. 318 (vor 4. 5. 1270).
  • 4 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein A, A 3. 5 Charvin III, Nr. 322 S. 474 (vor 15. 5. 1356).
  • 6 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein A, B, Urbar des 15. Jh., fol. 56 v-57 r.
  • 7 Zell/Burger 1895, S. 219.
  • 8 Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation VI, Nr. 108 S. 87 f. (17. 6. 1532).
  • 9 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein C, Dietschi 1930, Nr. 115 S. 181 f., Breve des Papstes Urban VIII. (17. 6. 1623).
  • 10 StA Basel Klosterarchiv Istein Urk. 11 = Dietschi 1930, Nr. 77 S. 166 f.
  • 11 Wurstisen 1580, S. 62.
  • 12 UB Basel I, Nr. 427 S. 313 f. (15. 3. 1264).
  • 13 Trouillat/Vautrey IV, Nr. 93 S. 216 f. (5. 3. 1365); Dietschi 1930, Nr. 29 S. 153.
  • 14 Charvin I, Nr. 101 S. 396 f. (12. 5. 1280); Duckett 1893, S. 231; Charvin I, Nr. 112 S. 424 (vor 30. 4. 1284); Charvin I, Nr. 126 S. 459 (22. 2./26. 4./28. 3.); Charvin II, Nr. 1 32 S. 6 (23. 4. 1290); Charvin II, Nr. 135 S. 23 (13. 5. 1291); Charvin II, Nr. 160 S. 148 (6. 3.-1. 5. 1300); Charvin II, Nr. 175 S. 220 (12. 2.-vor 29. 4. 1304); Duckett 1893, S. 318 (1317).
  • 15 Charvin II, Nr. 185 S. 265 (5. 5. 1308); Charvin II, Nr. 197 S. 323 (14. 4. 1312).
  • 16 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein Urk. 5 (25. 8. 1301). Eine Güterbeschreibung von 1478 gibt einen Gesamtumfang von rund 50 Jucharten nebst einigen Einzelgütern, StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein A, B, fol. 29 v-31 r.
  • 17 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein A, A 3.
  • 18 StA Basel-Stadt Klosterarchiv St. Alban A, S. 10 (6. 7. 1356). Siehe auch Dietschi 1930, Nr. 27 S. 153 (6. 7. 1356) nach einer Abschrift im Gemeindearchiv Huttingen.
  • 19 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein Urk. 12.
  • 20 Charvin IV, Nr. 350 S. 136 f. (1. 5. 1379).
  • 21 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein C, 4, (27. 5. 1387); StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein ebd. A, B, fol. 56 v-57 r. Siehe auch Trouillat/Vautrey IV, S. 796 (27. 5. 1387).
  • 22 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein Urk. 10.
  • 23 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein Urk. 18 (25. 4. 1491); Regest bei Dietschi 1930, Nr. 82 S. 173.
  • 24 Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation VI, Nr. 108 S. 87 f. (17. 6. 1532).
  • 25 StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein Urk. 21 (24. 9. 1538), Regest bei Dietschi 1930, Nr. 95 S. 175 f.
  • 26 Bader 1866, S. 204; Dietschi 1930, Nr. 100 S. 178 (18. 9. 1562). Siehe auch Dietschi 1930, Nr. 101 (10. 10. 1563).
  • 27 Bader 1866, S. 205 (24. 6. 1578).
  • 28 Vgl. Dietschi 1930, S. 193 f.
  • 29 Trouillat/Vautrey I, Nr. 260 S. 399 ff. (7. 1185): Rupem istam (Ystein) […] muniendo firmabit […].
  • 30 Dietschi 1930, Nr. 49 S. 157 f. (27. 5. 1387) bringt nur eine Abschrift aus Bader 1866, S. 21 5-219; StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein C, 4 (27. 5. 1387), StA Basel-Stadt Klosterarchiv Istein A, B, fol. 56 v-57 r. Siehe auch Trouillat/Vautrey IV, S. 796 (27. 5. 1387).
  • 31 Kraus 1958, S. 240 f.
  • 32 Schmidt-Thomé 1987 (a), S. 23 6-241; Schmidt-Thomé 1987 (b), S. 4 2-47
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Hans-Jörg Gilomen [Autor]
  • Bertram Jenisch [Autor]
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