Sitzenkirch, Benediktinerinnen
| Kurzbeschreibung: | um 1125/1130 Gründung als unregulierte Frauengemeinschaft – 1151 Eingliederung in den Sanblasianer Klosterverband – 1260 Konflikt mit St. Blasien, Gründung von Gutnau – 1272 Zerstörung durch Rudolf von Habsburg – 1525 Plünderung im Bauernkrieg, Exil der Klosterfrauen – 1582 Aufhebung Patrozinium: HilariusOrdensgliederung: Priorat der Benediktinerabtei St. BlasienKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg |
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| Beschreibung: | Name: sorores que […] iuxta ecclesiam nostram Sicinchilcha consederunt […] et secundum regulam sancti Benedicti ordinemque Berowensium perpetualiter Deo servire (1151);1 cellas […] Sizzenchilcha (1173);2 conventum monialium claustri, quod dicitur Sizenchilche (1243);3 conventus monasterii de Sitzenkilch ordinis sancti Benedicti Constantiensis diocesis (1251);4 magistra et conventus celle de Sicenchilche nostro monasterio subiecte (1262);5 samenunge von Sizin[kin]k(ilche)(1295);6 conventus monasterii in Sitzenkilchen per magistram et priorissam soliti gubernati (1325)7 Geschichte1151 unterstellte Abt Gunther von →St. Blasien (1141–1170) jene Schwestern, die sich bereits zu Zeiten seines Vorgängers Abt Berthold (1125–1141) neben der Sitzenkircher Kirche niedergelassen hatten, dem Kloster St. Blasien. In der Urkunde bestimmte er, dass die Schwestern gemäß der Benediktsregel sowie dem Ordo der Sanblasianer Zelle →Berau leben sollten, wies ihnen Besitzungen der nahegelegenen Zelle →Bürgeln zu und betraute deren Prior mit der Seelsorge.8 Der Ursprung dieser bis dato wohl unregulierten Gemeinschaft könnte auf die Schenkung eines Gutes zurückgehen, das St. Blasien vor 1125 unter dem Vorbehalt des lebenslangen Nießbrauchs von einer Frauengruppe um den Priester Herbord und dessen Schwester Friderun geschenkt wurde.9 Da die ins Kloster St. Blasien eingetretenen Brüder Wipert und Werner von Kaltenbach 1151 als Fürsprecher der Sitzenkircher Gemeinschaft erschienen und mindestens eine ihrer Schwestern Nonne in Sitzenkirch gewesen sein soll, ist auch eine prominente Rolle der Gründerfamilie des Priorats Bürgeln bei der Entstehung und Inkorporation Sitzenkirchs in den Sanblasianer Klosterverband anzunehmen.10 Anders als Berau, Bürgeln und →Weitenau wird Sitzenkirch allerdings erst 1173 in einer päpstlichen Bestätigung explizit als Sanblasianer Zelle bezeichnet.11 Wie die genauen Abhängigkeitsverhältnisse Sitzenkirchs von Bürgeln und St. Blasien aussahen, bleibt schemenhaft. Zu einem größeren Konflikt mit dem Abt kam es Mitte des 13. Jahrhunderts, als ein Teil der Sitzenkircher Nonnen auf der Suche nach größerer institutioneller und religiöser Freiheit das Kloster verließ und nach →Gutnau (nahe Neuenburg am Rhein) übersiedelte.12 Nach einem längeren Konflikt unterstellte sich Gutnau 1262 der Herrschaft des Sanblasianer Abtes, behielt aber weitgehende Freiheiten. In der Folge veränderte Abt Arnold II. auch seinen Zugriff auf Sitzenkirch, wo ein Teil der Nonnen verblieben war. Einerseits kam es dort zu einer (vorübergehenden) Intensivierung der Herrschaftsausübung durch den Abt und der Betonung von Sitzenkirchs abhängigen Status, zugleich entschied er aber auch einen Streit zwischen Bürgeln und Sitzenkirch zugunsten der Nonnen und förderte das Kloster nach der Zerstörung durch Rudolf von Habsburg 1272.13 Im Verlauf des späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts scheinen sich die Sitzenkircher Nonnen dann aber zunehmend vom Abt von St. Blasien gelöst zu haben. Als Garanten dieser allmählichen Emanzipierung dürften die seit 1231, wohl in Nachfolge der Zähringer, als Sitzenkircher Vögte belegten Markgrafen von Hachberg zu gelten haben.14 Seit dem frühen 14. Jahrhundert sind intensivere Kontakte zu dem Kloster sowie Begräbnisse belegt.15 Seit dem späten 13. Jahrhundert treten innere Organisation und Lebensweise der Frauen, aber auch die wirtschaftlichen Grundlagen der Gemeinschaft stärker in den Quellen hervor. 1275 sind gemäß dem Zeugnis des Liber decimationis 20 Nonnen belegt,16 an deren Spitze standen eine Meisterin und eine Priorin. Die jährlichen Einkünfte waren mit 40 Mark zwar eher gering, lagen aber deutlich über einem Kloster wie Gutnau. Stiftungen (etwa 1305/06 von Königin Agnes von Ungarn) und Ablässe haben die wirtschaftliche Stellung Sitzenkirchs gestärkt, zugleich war der Klosterbesitz von Entfremdungen bedroht. Das auf älteren Quellen basierende Urbar von 1492 zeigt, dass der Besitz im Wesentlichen zwischen Basel und Neuenburg konzentriert war.17 Der gelegentlich postulierte wirtschaftliche Niedergang im 15. Jahrhundert ist fraglich, die in der Literatur berichtete Eingliederung als Sanblasianer Propstei 1492 beruht auf einer Verwechslung mit Gutnau.18 Die Lebensweise der Sitzenkircher Klosterfrauen kann im 14. und 15. Jahrhundert als stiftisch charakterisiert werden: Sie verfügten über eigenen Besitz, hielten wohl keine Klausur und lebten quasi seculariter.19 Das Kloster wurde so insbesondere im 15. Jahrhundert zum Fluchtpunkt von Nonnen aus anderen Konventen (etwa dem Cluniazenserinnenpriorat Feldbach bei Pfirt, dem Klarissenkloster in Kleinbasel, vor allem aber dem ebendort befindlichen Dominikanerinnenkloster Klingenthal), die nach der Reform der eigenen Konvente eine weniger strenge religiöse Lebensweise suchten.20 Die bekannten Sitzenkircher Klosterfrauen und Meisterinnen stammten aus niederadligen Familien des Oberrheingebiets und des Basler Stadtadels.21 So groß war das Selbstbewusstsein der Sitzenkircher Meisterinnen, dass sich Ursula Seevöglin und Barbara Truchsessin von Rheinfelden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Äbtissinnen bezeichneten.22 1525, als das Kloster im Bauernkrieg verwüstet wurde, flohen die Sitzenkircher Nonnen und ihre Meisterin Ursula Hursterin vielleicht nach Basel. Zu einer Rückkehr kam es nicht, die meisten Frauen verließen das Kloster und traten wohl zur Reformation über. Zur Bewahrung des Klosterbesitzes setzte der Abt von St. Blasien einen Schaffner ein. Seit 1537 übte der Sanblasianer Konventuale Bartholomäus Ramspach dieses Amt aus, der mit der zurückgekehrten Sitzenkircher Klosterfrau Dorothea Sebechin zusammenlebte und mit ihr eine Tochter hatte. Eine Abberufung durch den Abt konnte Ramspach aufgrund der Fürsprache Markgraf Karls II. von Baden-Durlach (1553–1573) verhindern. Nach der Einführung der Reformation in der Markgrafschaft 1556 strebte der Markgraf eine Säkularisation des Klosters an, wollte aber zu Lebzeiten des Bartholomäus Ramspach darauf verzichten. So entstand umfangreiches Konfliktschriftgut zwischen St. Blasien und dem Markgrafen, darunter auch zahlreiche urbarielle Aufzeichnungen des Sitzenkircher Klosterbesitzes.23 Zum offenen Konflikt kam es erst nach dem Tod Ramspachs 1581. In einem 1582 geschlossenen Vergleich musste der Markgraf zwar auf die Säkularisation des Klosterbesitzes verzichten, St. Blasien aber zugleich versprechen, in Sitzenkirch keine Verwalter mehr einzusetzen. Mit dem Vergleich war das Kloster, mehr als 50 Jahre nachdem die Nonnen es Richtung Basel verlassen hatten, endgültig aufgelöst worden. Bau- und KunstgeschichteLageIn Sitzenkirch, am südlichen Ausläufer des Blauen, liegt zentral im Ort das einstige Klosterareal, das im Norden vom Lippisbach um- bzw. durchflossen wird. Die im Nordosten gelegene Kirche hat ihre Umfriedung teils bewahrt, während das restliche Areal nach späteren Parzellierungen eingeschränkt ablesbar ist; im mittleren Bereich südwestlich der Kirche ist ein heute als Scheune genutztes Wohnhaus erhalten (Mühlenstraße 4). Archäologisch fassbare Bestattungen, darunter eine mittelalterliche samt Platte mit Wappen (heute in der Kirche aufgestellt), zeigen die Lage des klösterlichen Friedhofs nördlich, östlich und südlich der Kirche. Kirche und KonventsbautenDie seit 1556 als evangelische Pfarrkirche genutzte, einstige Klosterkirche ist ein Saalbau mit eingezogener halbrunder Apsis und Dachreiter. Das Langhaus aus dem 12. Jahrhundert, das 1272 brandzerstört wurde und angesichts von bezeugten Altarweihen 1277 wieder benutzbar war, erhielt Ende des 15. Jahrhunderts fünf spitzbogige Fenster im Langhaus und ein spätgotisches Eingangsportal, bewahrt jedoch nach wie vor auch Rundbogenfenster in romanischen Formen. Im Südosten ist eine spitzbogige Pforte eingelassen, vermutlich für den Priester. Unter einem Dachstuhl von 1710 ist das Innere 1898 neu flachgedeckt worden, die Orgelempore ruht auf zwei Stützen. Das Sanktuarium wurde 1787 abgebrochen und anschließend kleiner wiederaufgebaut. Die zweigeschossigen Gebäude des Konvents schlossen offenbar im Südwesten an die Kirche an, wo archäologisch eine Mauerstruktur beobachtet wurde; hinter der heutigen Orgel auf der Empore der Kirche ist zudem eine vermauerte Türöffnung erhalten, die den Nonnen als Zugang vom Dormitorium her gedient haben dürfte. Welche Funktion das zweigeschossige, möglicherweise in der Flucht des Dormitoriums stehende, einstige Wohnhaus (Mühlenstraße 4) unter Satteldach hatte, ist nicht geklärt – denkbar ist, dass hier ein Verwalter wohnte; es weist spätgotische Fenstergewände auf, sein Obergeschoss und seine Giebel sind bzw. waren aus Fachwerk gefügt. Westlich davon steht ein Wohnhaus des 18./19. Jahrhunderts, das wohl einen älteren Kern aufweist – beobachtet wurden hier Formen des 14. Jahrhunderts: »Kreuzstöcke, vermauerte gothische Thüre und zwei kleine gothische Mauerschlitze.«24 1534 brannte ein »unter Haus«, möglicherweise ebenfalls Teil der Konventsgebäude, ab.25 Es ist vielleicht identisch mit dem genannten westlichen und dürfte demnach im 16. Jahrhundert wiederaufgebaut worden sein. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungIn der Kirche befinden sich ein romanischer Taufstein und die mittelalterliche Grabplatte eines Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, vermutlich Ottos I. († 1384), da in den Ecken die Wappen der Eltern, Markgraf Rudolf von Hachberg-Sausenberg und Agnes von Rötteln, zu sehen sind. Die Platte könnte zwar auch für den ebenfalls in Sitzenkirch 1318 begrabenen Heinrich gefertigt worden sein; stilistisch weist sie jedoch eher ins späte 14. Jahrhundert und dürfte deshalb für Otto I. geschaffen worden sein. Daneben gibt es eine weitere Grabplatte aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts – möglicherweise für einen Herrn von Geroldseck (Abb. 3) – sowie eine frühneuzeitliche für den Sanblasianer Mönch und Schaffner zu Sitzenkirch, Bartholomäus Ramspach von 1581 (i). Mittelalterliche Wandmalerei ist bislang nicht entdeckt worden; die heutige Wandmalerei stammt ebenso wie Altar, Kanzel und Gestühl aus den 1960er Jahren. BibliographieHandbücher und Lexika: KB Lörrach Bd. 2, S. 65 f. (Anneliese Müller); KDM Bd. 5, S. 144–147 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerinnenkloster Sitzenkirch (Adam Widera/Karl- Heinz Braun). Literatur: Trenkle 1930 [ND 2006]; Waldschütz 2021. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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