Beuggen, Deutscher Orden 

Kurzbeschreibung:

1246 Übertragung Beuggens an den Deutschen Orden – 1247 erster Konvent erwähnt – bis Anfang 15. Jh. häufiger Aufenthaltsort des Landkomturs – 14.–17. Jh. wiederholte Aus- und Umbauten – 1752–1757 barocker Umbau durch Johann Kaspar Bagnato – 1805 an Baden – 1806 Aufhebung – 1811 Tod des letzten Komturs

Patrozinium: Maria, ab 1678 zusätzlich Erzengel Michael
Ordensgliederung: Ordensballei Elsass-Burgund
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Wiesental

Ortsbezüge:
  • Beuggen
  • Karsau, Rheinfelden, Landkreis Lörrach
Ordensregel:
  • Deutscher Orden 1246-1806
Beschreibung:

Name: fratres domus hospitalis sancte Marie Theutunicorum apud Bugheim (1247);1 hospitale Ierosolimitanum sancte Marie Teuthonicorum aput Buken (1248);2 fratres domus sancte Marie Theutonicorum de Buchein (1252);3 bruoder von Bughein (1254);4 fratres […] de Bivchhaim (1263);5 bruoder des spitals sancte Marien vomme Tuschzen huse von Buchen (1269);6 conventus fratrum Theutonicourm ordinis sancte Marie Jerosolimitane domus in Bivchain (1321);7 den Tútschenherren des huses ze Búckhein (1405);8 Bückhen (1526);9 hohe ritterliche Teutschen ordens comende Beuggen (1725)10

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Deutschordenskommende Beuggen liegt unmittelbar am Rhein und entstand 1246/47 inmitten bereits existierender Besitzungen und Rechte unterschiedlicher Herrschaften. Der Ort Beuggen wurde erstmals 1218 erwähnt und verweist mit seinem Namen auf die oberhalb gelegene Rheinbiegung, wo es dem Orden in einem mehrere Jahrzehnte andauernden Prozess gelang, durch Schenkungen, Abfindungskäufe und Schiedsprozesse Fuß zu fassen. Die Literatur hat mit staufisch-welfischen, kirchenpolitischen und lokal-regionalen Macht- und Erbauseinandersetzungen auf ein ganzes Bündel unterschiedlicher und sich überlagernder Konfliktlinien aufmerksam gemacht, die im Hintergrund eine Rolle gespielt und als Motivationsfaktoren für die frühen Wohltäter gewirkt haben dürften.

Den Auftakt für die Niederlassung bildete eine Schenkung des miles Ulrich von Liebenberg.11 Dieser übertrug im Mai 1246 den Ordensbrüdern seinen Besitz in Beuggen, bestehend aus dem Patronatsrecht der Kirche, seinem befestigten Haus (munitio), Äckern, Wäldern, Gewässern und zugehörigen Rechten, sowie den Hollwangerhof bei Schwörstadt und all sein Gut in der Pfarrei Nollingen. Die immer wieder geäußerte These, dass es sich bei der munitio um eine nördlich gelegene Vorgängerburg gehandelt habe, lässt sich durch archäologische Funde nicht bestätigen, sondern scheint einzig auf den Flurnamen »Burstel« zurückzugehen.12 Ulrichs Schenkung geschah vor der Burg Sausenberg mit Zustimmung seiner Gattin Agnes und seiner Tochter Margarethe in Gegenwart von über 20 namentlich genannten Zeugen, darunter auch der später erste nachweisbare Komtur Beuggens Gottfried. Wie Ulrich von Liebenberg, kaiserlicher Burgvogt auf der Burg Stein zu Rheinfelden, zu diesem Besitz gekommen war, lässt sich nicht endgültig klären. Die königlichen Schenkungsbestätigungen 1249 und 1251 können auf Reichsgüter hinweisen, aber gleichermaßen ein Indiz dafür sein, dass sich der Orden um zusätzliche Absicherung bemühte.

Ulrich, der im Folgejahr seitens des Deutschmeisters Heinrich von Hohenlohe eine lebenslängliche Rente über 21 Mark Silber pro Jahr zugewiesen bekam, handelte keineswegs alleine. Vielmehr folgte eine ganze Reihe an Begünstigungen, insbesondere auch von anderen Anteilseignern in Beuggen. Im Mai 1247 übertrug das Augustinerchorfrauenstift →Riedern seine Güter in castro Bukhein und die dortige Vogtei, die die Brüder bereits innehatten, gegen einen jährlichen Zins von 10 Schilling dem Orden.13 Im gleichen Jahr übergab Ita von Klingen ihr väterliches Erbe in der Pfarrei Beuggen dem Orden, was wenig später ihr Sohn Walter bestätigte. Der Initiator Ulrich von Liebenberg verzichtete im Folgejahr ausdrücklich auf seine Lehens- und Pfandrechte, gleiches gilt 1266 für Hugo von Tiefenstein. Diese Begünstigungen wurden im Laufe der Konventsgeschichte in der kopialen Überlieferung als ein Vorgang zur Gründung der Kommende zusammengefasst.14 Der Orden war dabei jedoch keineswegs bloß passiver Empfänger, sondern dürfte vielmehr aktiv mitgewirkt und die Übertragungen vorbereitet oder sogar initiiert haben, worauf die rasche Etablierung eines Konvents hindeutet. Auch wenn die Schenkungen nicht auf uneingeschränkte Zustimmung stießen, konnten Widersprüche und Einwände innerhalb weniger Jahre beseitigt werden. Zwischen 1248 und 1263 gelang es dem Orden, sich gegen Mangold von Beuggen, Konrad von Liebenberg und das Konstanzer Domkapitel zu behaupten.

Bereits ein Jahr nach der Schenkung Ulrichs von Liebenberg ist zum ersten Mal ein Konvent in Beuggen nachweisbar, der fast den von den Ordensregeln vorgesehenen Idealumfang von zwölf Brüdern erreichte. Im Mai 1247 sind bei der bei Beuggen erfolgten Güterübertragung Hugos von Winzeln acht Ritter- und zwei Priesterbrüder unter den Zeugen. Diese stammten aus den bereits existierenden Schweizer und Elsässer Kommenden, allen voran Gebweiler und Rufach im Elsass, der Heimatkommende des Landkomturs Gottfried, der Anfang der 1250er-Jahre zeitweilig auch der Beuggener Kommende vorstand.

Der Komtur, dem die Oberaufsicht über das Haus und den Besitz oblag, stand seit 1252 durchgehend an der Spitze des Beuggener Konvents. Jährlich legte er auf dem Balleikapitel Rechenschaft über seine Amtsführung ab und wurde neu gewählt. Für ihn gilt dasselbe, was allgemein für die innere Verfasstheit der Kommende beachtet werden muss: es ist zwischen der mittelalterlichen Brüdergemeinschaft und der in der Anzahl deutlich reduzierten Herrenansammlung der Frühen Neuzeit zu unterscheiden. In der Hochphase Beuggens übte teilweise der für die gesamte Ordensballei Elsass-Burgund zuständige Landkomtur dieses Amt in Personalunion aus. Im 13./14. Jahrhundert waren die übrigen Brüder an den Rechtsgeschäften der Kommende beteiligt, die Komture amtierten nur wenige Jahre am Stück, kamen aber in einigen Fällen später erneut ins Amt. Von dem ausgehenden 15. Jahrhundert an vertrat der Komtur die Kommende meist alleine. Ab Georg von Homburg (1499–1519) wurden längere, durchgehende Amtszeiten die Regel. Neben dem Komtur findet sich ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in einer gewissen Regelmäßigkeit auch ein Hauskomtur, dessen Einordnung sich als schwierig erweist. Einerseits konnte damit der Komtur selbst bezeichnet werden, um ihn vom Landkomtur zu unterscheiden, andererseits wurde aber auch der Stellvertreter des Komturs so genannt. Ab dem 15. Jahrhundert setzte sich für letzteren dann die eindeutigere Bezeichnung als Statthalter durch. Weitere Ämter dienten der Unterstützung und sind vereinzelt belegt, dazu gehören der Tressler (15. Jahrhundert), der Trappier (1414), ein Kellermeister (1347), ein Zinsmeister (1372/1405), ein Küster (1367/1470) und ein Schaffner (1380). Der Hofmeister, bei dem es sich wohl häufiger um einen Halbbruder handelte, führte ab dem 14. Jahrhundert die Aufsicht über den landwirtschaftlichen Eigenbetrieb.

Hinsichtlich der sozialen Zusammensetzung des Konvents ist zwischen den drei Gruppen von Ordensbrüdern zu unterscheiden. Bedeutungs- und zahlenmäßig bildeten die Ritterbrüder den Kern des Konvents. Sie entstammten bis zur Reformation überwiegend der Ministerialität, hauptsächlich aus dem Umfeld der Kyburger, Habsburger, des →Klosters Reichenau und der Konstanzer Bischöfe, vereinzelt auch aus dem Elsass, bevor der Orden im 16./17. Jahrhundert hier nur noch Ritterbürtige zuließ. Um die Seelsorge des Konvents kümmerten sich die Priesterbrüder, deren Anzahl in Beuggen meist zwischen zwei und vier lag. Ihre soziale Herkunft blieb im Gegensatz zu den Ritterbrüdern offen und insbesondere im 14. Jahrhundert lassen sich mehrfach Ordenspriester stadtbürgerlicher Herkunft in Beuggen nachweisen. Über die dritte Gruppe, die sogenannten Halbbrüder, Graumäntler oder dienenden Brüder, sind für Beuggen nur vereinzelte Aussagen möglich. Dabei bestätigt sich das allgemeine Bild, dass diese Ordensbrüder die Feldarbeit und handwerkliche Arbeit verrichteten. Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts übernahmen Diener und Eigenleute der Kommende ihre Tätigkeiten.

Neben diesen eigentlichen Ritterbrüdern waren weitere Personengruppen dem Ordenshaus auf vielfältige Weise angegliedert. Von den mit dem Orden verbundenen Laienbrüdern (familiares) ist zwar 1266 summarisch die Rede, im Detail lassen diese sich jedoch nicht greifen. Frauen werden zwar selten, aber doch kontinuierlich in den Quellen erwähnt, wobei ihre unterschiedlichen Rollen und Funktionen zu beachten sind. Möglicherweise beherbergte Beuggen für einen kurzen Zeitraum einen Konvent von Schwestern, als 1331 die Ordensfrauen aus dem bei Rufach gelegenen Suntheim nach Beuggen transferiert werden sollten. Von diesem Konvent erfährt man sonst jedoch nichts Weiteres, bei der Visitation 1393 finden sie keine Erwähnung. Dafür waren andere Frauen im 13./14. Jahrhundert auf unterschiedliche Weise mit der Kommende assoziiert: als Halbschwestern, als in Beuggen lebende Verwandte von Ordensbrüdern, oder als Beginen vor Ort. Außerdem lassen sich ab dem 14. Jahrhundert zahlreiche Mägde und Knechte nachweisen, teilweise auch in ihren einzelnen Funktionen wie Koch, Bäcker, Werkmeister, Schweineknecht, Jäger oder Senner. Auf der Rückseite einer Pergamenturkunde von 1327 werden 16 verschiedene Ämter und Dienstfunktionen mit ihrer Entlohnung aufgeführt.15 1414 standen den 14 Ordensbrüdern 35 entlohnte Diener zur Seite, wie sich aus einem Visitationsprotokoll ergibt.16 Einzelne Bedienstete sind auch als Eigenleute belegt. Für Letztere führte die Kommende ab dem 15. Jahrhundert ein Leibeigenenregister,17 das Regesten von Verträgen enthielt. Die Eigenleute wurden mit diesen vertraglich an das Ordenshaus gebunden, wozu sie in einigen Fällen auch Leihegüter im Bereich der unmittelbar um die Kommende gelegenen Niedergerichtsbarkeit erhielten. Dadurch sollte die entsprechende Arbeitskraft erhalten und gleichzeitig einer Güterentfremdung vorgebeugt werden.

Bereits unmittelbar im Anschluss entwickelte sich Beuggen rasch zu einem Hauptort in der Ordensballei Elsass-Burgund, wozu die verkehrsgünstige Lage am Rhein zwischen den bereits existierenden Kommenden beitrug. Die Bedeutung Beuggens im 13./14. Jahrhundert tritt in vielerlei Hinsicht zu Tage. Die Personenstärke blieb über längere Zeit beachtlich hoch: elf Brüder 1257 und sogar sechs Ritter-, sieben Priesterbrüder und ein Halbbruder 1393. Noch die zehn Ritterbrüdern 1414 entsprachen einem Drittel der ganzen Ballei und wurden durch vier Priesterbrüder, 35 Knechte und Mägde, zwei Ordensanwärter, einem Pfründner und zwei Pfründnerinnen ergänzt. 1451 sind sechs Brüder belegt. Finanziell gehörte Beuggen ebenfalls in die Spitzengruppe der Ballei: 1414 erzielte die Kommende die meisten Einnahmen und rangierte nach Abzug der Ausgaben hinter Altshausen auf dem zweiten Platz. Die vergleichsweise hohen Ausgaben gehen dabei auf den Neubau einer Schule und des Hauses der Küchenmeisterin zurück. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts ist die Rede von Verschuldungen in Folge mehrerer Kriegszüge durch die Gegend. Des Weiteren war Beuggen der bevorzugte Aufenthaltsort des Landkomturs, der häufig in Personalunion die Beuggener Kommende leitete. Eine besondere Förderung erlebte Beuggen durch Wolfram von Nellenburg (Landkomtur 1322–1331, Deutschmeister 1331–1361). Nicht nur dass dieser an der Übersiedlung von Ordensschwestern beteiligt war, er richtete 1345 auch eine Bibliothek ein. Im gleichen Jahr betonte er ausdrücklich, dass das Haus »vortrefflich an geistlicher Lobwürdigkeit geziert sei«.18 Bis ins 15. Jahrhundert hinein tagte in der Regel auch das Balleikapitel in Beuggen. Schließlich verdeutlichen externe Quellen den raschen Aufstieg und zeugen vom Ansehen der Kommende. Die Basler Annalen vermerken anlässlich des Ordenseintritts von Konrad Wernher von Hattstatt 1267, dass zahlreiche Adlige aus dem Elsass nach Beuggen kamen.19 Sechs Jahre später machte im Oktober 1273 die Ehefrau König Rudolfs (1273–1291) von Habsburg, Anna von Hohenberg, auf dem Weg zu ihrer Krönung in Aachen in Beuggen Station – und nicht in der benachbarten Reichsstadt Rheinfelden, deren Bürger sich zur Huldigung nach Beuggen begaben, wo die angehende Königin von den Ordensbrüdern, »die Gott ehrfürchtig dienten,« ehrenvoll empfangen wurde, wie es das Chronicon Colmariense vermerkt.20

Später geriet der Aufstieg der Kommende zum Hauptort der Ballei durch die territoriale Konkurrenz der Habsburger ins Stocken. Insbesondere in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bauten jene ihre Stellung am Ober- und Hochrhein zunehmend aus. Obwohl noch 1355 Karl IV. (1346–1378) allen Getreuen des Reichs verbot, unter anderem Beuggen in seinen Einnahmen und Rechten zu schädigen, erfolgte die Eingliederung der Kommende in den Herrschaftsverband der Habsburger. Bereits eine Generation später entrichtete sie 1388/89 die Landsteuer über 50 Gulden. Schließlich verlor Beuggen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts seine zentrale Stellung sukzessive an Altshausen. Beuggens Wirtschaftslage hatte sich kriegsbedingt verschlechtert und bei seinem Komtur handelte es sich nur um einen landsässigen Prälaten mit begrenzter Niedergerichtsbarkeit.

Als sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts der Charakter des Deutschen Ordens insgesamt wandelte, bildete Beuggen keine Ausnahme: Aus Ordensmitgliedern, die in klosterähnlichen Konventen lebten, wurden um eine standesgemäße Lebensweise bemühte Adlige. Von den 1414 in Beuggen vorhandenen vierzehn Brüdern, deren Lebenskosten nur geringfügig über denjenigen der Bediensteten standen, blieben zunächst wenige als »Herren« betitelte Ordensmitglieder und im 16. Jahrhundert ein häufig abwesender Komtur als einziger Ordensangehöriger übrig. Mit der Abschottung gegenüber Nichtadligen ging im deutschen Südwesten eine sichtbare Annäherung an die Rittergesellschaft vom St. Georgenschild einher.

Mit der Reformation spitzte sich dieser Widerspruch zwischen althergebrachtem Anspruch und aktueller Erscheinung weiter zu. Auch die Beuggener Kommende geriet Anfang des 16. Jahrhunderts in eine Krise. Zunächst hatten sich Auseinandersetzungen mit den eigenen Untertanen weiter verschärft, die während des Bauernkriegs die Kommende plünderten – womöglich ein Grund dafür, warum nur wenig älteres Schriftgut von dort erhalten ist. Der Komtur Ludwig von Reischach floh nach Basel, wo er sich in humanistischen und reformatorischen Kreisen bewegte. Verheiratet kehrte er zurück und plante die Kommende zur Versorgung seiner Familie zu nutzen, wurde vom Landkomtur abgesetzt und musste schließlich gewaltsam aus Beuggen vertrieben werden. Während der bisherige Komtur zu Mülhausen, Georg von Andlau, ab 1526 als Statthalter in Beuggen die Amtsgeschäfte übernahm, ging Ludwig erneut nach Basel und bemühte sich darum, weiterhin Beuggener Einkünfte zu erhalten. Erst 1535 konnte nach externen Einmischungen ein Kompromiss erzielt werden, der Ludwig eine Abfindung und dem Orden die althergebrachten Rechte zusprach.

Im Gegensatz zur mittelalterlichen Geschichte der Kommende ist diejenige der Frühen Neuzeit nur unzureichend erforscht. Die erhaltenen Balleirechnungen von 1577 und dann regelmäßiger ab 1626, sowie die Jahresrechnungen für Beuggen selbst für die Jahre 1593/94 und 1600/1608, dürften jedoch gerade für die wirtschaftlichen Verhältnisse aufschlussreich sein.21 Als wesentliche Merkmale der Zeit können das Bemühen um die Besitzerhaltung und -vermehrung, der Ausbau der Verwaltung und ordensinternen Kontrolle und die Zunahme des Versorgungsgedankens gelten. Komture befanden sich ohne Ordenserlaubnis auf Kriegszügen wie Friedrich von Homburg (1542–1551), versuchten die eigenen Söhne mit Ordensgut auszustatten wie Hans Kaspar von Jestetten (1555–1581) oder nutzten das Amt als einträgliche Zwischenstation ihrer Karriere als Offizier in kaiserlichen oder später französischen Diensten, wie Johann Kaspar von Stadion (1609–1625). Die Kommende geriet mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Streitigkeiten mit ihren Nachbarn oder den österreichischen Landesherren. Dazu zählen insbesondere Auseinandersetzungen um die Waldnutzung, Jagdgerechtigkeit, Zehntbezüge und Grundstücksgrenzen. Ein wiederkehrendes Thema waren auch Konflikte mit den eigenen Untertanen zu Karsau und Riedmatt.

Die kriegerischen Ereignisse des 17. Jahrhunderts hinterließen ihre Spuren in Beuggen. Während des Dreißigjährigen Kriegs flüchtete der Komtur Heinrich Schenk von Castell (1630–1647) und brachte das Ordenshaus temporär nach Mellingen im Aargau in das 1602 erworbene Schloss Iberghof. Unterdessen besetzten schwedisch-weimarische und französische Truppen Beuggen mehrfach. 1678 machten französische Truppen erneut Beuggen zu ihrem Quartier, wo sie von den Kaiserlichen beschossen wurden. Es verwundert daher nicht, dass sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verschiedene Klagen der Kommende über Kriegsschäden finden lassen. 1719 stand sie schließlich wieder relativ gut da.

Mit den napoleonischen Eroberungen und dem Frieden von Lunéville 1801 verlor Beuggen mit dem nun schweizerischen Fricktal bereits einen wichtigen Teil seiner Besitzungen. Im Zuge der Säkularisation fiel der restliche Besitz der Kommende 1806 an das Großherzogtum Baden. Der Hausrat und die Bibliothek wurde größtenteils versteigert. Die Schlosskirche und Firmarie kamen an die katholische Pfarrgemeinde Beuggen-Karsau. In der Folgezeit diente das Schloss unter anderem als Lazarett, Kinderheim, Tagungs- und Begegnungsstätte und Restaurant.

Besitz und Wirtschaft

Zur Gründungsausstattung gehörte neben dem Hof, der Kirche und Burg zu Beuggen auch das Gut Hollwangen bei Schwörstadt und Güter in der Pfarrei Nollingen. Hinzu traten bereits bestehende elsässische Besitzungen in Gebweiler, Pfaffenheim, Staffelfelden, Thierheim, Marckolsheim, Issenheim, Ostheim, Merxheim und Birtlinberg, die wohl von Gottfried von Rufach der neuen Kommende zugeteilt wurden. Durch Schenkungen und Käufe konnte die Kommende insbesondere im 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts ihren Besitz entlang des Hochrheins ausbauen. Dabei wurde möglichst auf eine Besitzkonzentration im Umfeld Beuggens geachtet, weiter entfernte Güter und Abgaben wurden gegen näher gelegene eingetauscht. Dennoch blieb das meiste Streubesitz. Neben Beuggen beziehungsweise Karsau verdichteten sich Besitzungen im Sisgau und im Frickgau. Verstreute Güter finden sich im Wehratal, südlichen Hotzenwald, Sundgau, in der badischen Markgrafschaft und um Gebweiler im Elsass und Lengnau im Aargau.

Beuggen besaß mit dem nahegelegenen Bauhof einen landwirtschaftlichen Eigenbetrieb. Dieser dürfte aus dem Fronhof (curtis) der Gründungsausstattung hervorgegangen sein und existierte während der gesamten Geschichte der Kommende. Ein Plan von 1781 skizziert die zugehörigen Äcker, Matten, Reben und Wälder.22 Die Bewirtschaftung der Hofgüter geschah in der Anfangszeit durch Halbbrüder, eigene Knechte und Hörige oder mittels Frondiensten. Angebaut wurde vor allem Dinkel und Hafer, aber auch Gerste, Roggen, Erbsen und Bohnen sowie Wein. Zusätzlich hielt man Schweine und Schafe für Wolle und Käse. Sowohl kurz vor als auch kurz nach 1400 machte der Eigenbetrieb fast die Hälfte des Dinkelertrags der Kommende und ein Drittel bis Viertel des Haferertrags aus. Das aus dem Verkauf der überschüssigen Erträge gewonnene Geld entsprach 1414 knapp der Hälfte des Reinertrags.23 Ein Vergleich der erhaltenen Jahresrechnungen von 1393 und 1593/94 lässt den Schluss zu, dass die Eigenwirtschaft in umfangreichem Maß bestehen blieb.24 Ein zweiter Hof in Gebweiler wurde bis ins ausgehende 14. Jahrhundert ebenfalls in Eigenregie bewirtschaftet und diente als Zentrum für die elsässischen Güter.

In den weiter entfernten Orten unterhielt die Kommende Schaffnereien als Sammelstellen für Abgaben und zur Güterkontrolle, so in Rheinfelden (ab 1329), Bellingen (im 14. Jahrhundert), Lengnau (ab 1504), Frick (ab 1580) und Säckingen (ab 1653).25 Teilweise wurde auch die Basler Kommende von einem Beuggener Schaffner verwaltet. 1725 bestanden davon noch Rheinfelden, Lengnau und Frick, dessen Schaffnereigebäude bis heute als sogenanntes Kornhaus erhalten ist; Birndorf war zu diesem Zeitpunkt als weitere Schaffnerei hinzugekommen. Die meisten anderen Güter verlieh die Kommende gegen Zinse und Gülten. Da ein mittelalterliches Urbar nicht mehr existiert, lassen sich diesbezüglich nur begrenzte Aussagen anhand einzelner Urkunden machen. In diesen ist vor allem im ausgehenden 15. Jahrhundert mehrfach von vernachlässigten Gütern die Rede. In den Orten, in denen die Kommende das Patronatsrecht der Kirche besaß, bezog sie auch Getreide- und Weinzehnten. Die eigenen Wälder lieferten Brenn- und Bauholz, das teilweise auch verkauft wurde, und dienten zur Viehhaltung sowie als Jagdrevier. Auch wenn die Ordensregel den Brüdern die Jagd eigentlich verbot, gingen diese ab dem 15. Jahrhundert ihr als einer standesgemäßen Beschäftigung nach, wovon Privilegien 1467 und 1508 zeugen.26 Eine besondere Rolle spielten aufgrund der Fastengebote die Fischereirechte im Rhein und in kleineren umliegenden Gewässern. Auseinandersetzungen mit verschiedenen Parteien sorgten im 14./15. Jahrhundert für einen regen Niederschlag in den Quellen, wobei die unterschiedlichen Ansprüche detailliert zur Sprache kommen. Insgesamt verfügte die Kommende in über 40 Ortschaften über Besitz.

Im unmittelbar der Kommende benachbarten Karsau-Riedmatt und in Lengnau im Aargau erlangten die Ordensbrüder die Niedergerichtsbarkeit. Über erstere war die Kommende ab dem 15. Jahrhundert Teil der vorderösterreichischen Landstände. Diese Gerichtsbarkeit brachte sie aber auch in Konflikt mit den Inhabern der Hochgerichtsbarkeit, zunächst den Pfandherren auf dem Stein zu Rheinfelden, später den österreichischen Landvögten. Für das 15. Jahrhundert sind aber auch Fälle der Zusammenarbeit bekannt, die sich gegen Beuggener Leibeigene richteten. In den Bauernunruhen 1525 beschwerten sich die Karsauer über den Komtur, dass dieser sie nicht nur mit maßlosen Frondiensten belaste und ihre Allmenderechte zurückdränge, sondern auch, dass er sie vor Gericht mit Haftaufenthalten von bis zu mehreren Wochen bestrafe. Der Rheinfelder Burggraf stellte sich zunächst auf die Seite der Bauern und die Auseinandersetzungen um die Gerichtsfrage blieben für gut ein halbes Jahrhundert bestehen, wovon zahlreiche Prozessakten zeugen. 1580/86 konnten sie vorläufig beendet werden und 1738, als dem Beuggener Komtur die hohe und mittlere Gerichtsbarkeit überlassen wurde, gingen sie im Wesentlichen zu Ende. Für Lengnau, wo die Kommende wohl seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert ebenfalls die Niedergerichtsbarkeit innehatte, sind im Gegensatz zu Karsau-Riedmatt keine Streitigkeiten mit der Landesherrschaft, vertreten durch den Landvogt zu Baden im Aargau, belegt. Doch auch dort musste vom Ende des 14. bis ins 16. Jahrhundert mehrfach zwischen dem Komtur und seinen Untertanen vermittelt werden. In anderen Orten und Höfen gelangte die Kommende zwar kurzzeitig um 1300 herum in den Besitz von Gerichtsrechten, gab diese aber augenscheinlich rasch und konfliktfrei wieder auf. Häufig behielten sie allein den Kirchsatz, wie in Hasel. Weitere temporäre Zwing- und Bannrechte betrafen bestimmte Höfe in Oltingen, einen Hof zu Buus, die Hälfte von Minseln und Anteile von Nollingen, um die im 14./15. Jahrhundert mit den Markgrafen von Hachberg gerungen wurde. Die alles in allem eher bescheidene Niedergerichtsbarkeit mit ansonsten verstreuten Herrschaftsrechten war einer der Gründe, dass Beuggen Anfang des 15. Jahrhunderts seine zentrale Stellung innerhalb der Ballei an Altshausen verlor.

Religiöses und kulturelles Wirken

Insbesondere in der Frühzeit entfaltete die Kommende eine besondere religiöse Attraktivität für ihr Umfeld. Davon zeugt nicht nur die erste Erwähnung der Kirche 1298 mit mindestens zwei Altären – einmal für die Hll. Katharina, Verena und 11.000 Jungfrauen und dann für die Hll. Elisabeth, Maria Magdalena und 10.000 Märtyrer. Bereits kurz nach der Gründung beabsichtigen einzelne Edelherren, sich in Beuggen bestatten zu lassen. Die dem Orden eigene karitative Tätigkeit spielte ebenfalls eine Rolle. 1290 erbaute der Priester Rudolf von Tüllikon das Haus unmittelbar südlich des Hauptgebäudes und stiftete es nach seinem Tod dem Orden als Firmarie für alte und kranke Ordensbrüder sowie als Pfründhaus. Von der Gebetsgemeinschaft zeugt ein 1294 erwähntes und heute nicht mehr existentes Jahrzeitbuch. In diese Zeit fällt auch der einzige bislang bekannte Beleg für eine kulturelle Tätigkeit. 1293 verfasste der zwei Jahre zuvor als Konventuale in Beuggen bezeugte Hugo von Langenstein eine Reimerzählung über das Martyrium der Hl. Martina.27 Dieses Werk gibt einen Einblick in den Bildungshorizont der Ordensbrüder, verarbeitet Hugo darin doch zahlreiche lateinisch-geistliche Werke wie auch höfische Literatur. Einen zweiten Höhepunkt erreichte die eigene Schriftlichkeit mit der Abfassung der Oberrheinischen Chronik etwa 50 Jahre später.

Beuggen erwarb im Lauf der Zeit das Kirchenpatronat in 15 Orten, in denen man meist auch den Zehnten und das Kirchengut beanspruchen konnte. Während einige dieser Patronate (wie Birndorf, Lengnau, Herten oder Wintersingen) durch Schenkungen und meist in Zusammenhang mit größeren Höfen erworben wurden, betrieb der Orden anderswo eine beharrliche Erwerbspolitik durch Zukäufe, um seinen Besitz zu ergänzen, zuweilen auch gegen größere Widerstände (wie in Hertingen, Buus, Hasel, Nollingen und Wyhlen). In folgenden Orten besaß die Kommende das Patronatsrecht: Beuggen (ab 1246), Birndorf (ab 1264; 1494 nicht genannt), Lengnau im Surbtal (ab 1269), Buus (ab 1307; 1494 nicht genannt), Hertingen (ab 1307), Herten (ab 1310; 1494 nicht genannt), Wintersingen (ab 1313; 1494 nicht genannt), Hasel (ab 1318), Nollingen (ab 1321), Wyhlen (ab 1321), Möhlin (ab 1327; 1494 nicht genannt), Rickenbach (vor 1380), Gelterkinden (ab 1399; 1494 nicht genannt), Frick (ab 1492; 1494 nicht genannt) und Minseln (ab dem 16. Jahrhundert). Da der Orden mit seinen Priestern einen eigenen Ordensklerus besaß, geriet die bischöfliche Investitur in der Regel zur reinen Formsache. Dies hängt auch damit zusammen, dass Beuggen wie alle Niederlassungen und Personen des Deutschen Ordens von der Gewalt der Diözesanbischöfe eximiert war. Während dies in anderen Balleien in häufigen Konflikten resultierte, bestand zwischen Beuggen und den Konstanzer und Basler Bischöfen in der Regel ein gutes Verhältnis. Eher ausnahmsweise kam es um 1400 zu Streitigkeiten um die Präsentation, was jedoch 1420 mit der Konstanzer Kurie größtenteils zu Gunsten des Ordens geklärt werden konnte. Der Bischof hatte die vom Orden präsentierten Priester und Vikare zu bestätigen, die im Gegenzug zu Ehrerbietung ihm gegenüber und dem Besuch der Diözesansynoden verpflichtet waren. Mit der Basler Kurie wurde 1614 eine ähnliche Regelung getroffen. Im 18. Jahrhundert wurden einzelne Neuregelungen notwendig. Im 16. Jahrhundert führten insbesondere die Pfarrkirchen des Ordens, die in reformierten Gebieten lagen, immer wieder zu Konflikten. 1529 konnte sich Beuggen nicht dagegen wehren, dass in Wintersingen ein reformierter Prediger eingesetzt wurde. Gleiches galt 1556 für Hasel bei Schopfheim. Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Veränderungen betrafen auch die Beuggener Ordenskirche selbst. Für 1457 und 1656 sind je eine ganze Reihe (neu) geweihter Altäre zu Beuggen belegt. 1587 stiftete Komtur Hartmann von Hallwyl eine den Hll. Sebastian und Rochus geweihte Bruderschaft, die bis ins ausgehende 18. Jahrhundert bestehen blieb, und gab ihr eine Ordnung.28 Ebenfalls bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden die Ritterbrüder und Komture in einer eigenen Gruft bestattet, die sich wohl unterhalb des heutigen Chors befand. 1782 besaß die Ordenskirche Altäre, die der Hl. Elisabeth sowie den Hll. Sebastian und Rochus geweiht waren. Ende des 17. Jahrhunderts übernahm die Beuggener Schlosskirche die Funktion der Pfarrkirche auch für Karsau und Riedmatt, nachdem die dortige Kirche in den 1670er-Jahren zerstört worden war.

Bibliothek und Archiv

Am 22. September 1345 richtete der Deutschmeister und ehemalige Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund, Wolfram von Nellenburg, in Beuggen eine Bibliothek ein, von der jedoch keine anderweitigen Spuren zeugen. Spätere Akten verweisen nur auf vereinzelte Werke.

Eine früheste Archivordnung lässt sich für das 14. Jahrhundert aus den Rückvermerken auf Beuggener Originalurkunden erkennen, wobei später Umstrukturierungen folgten. Eine solche steht in Zusammenhang mit dem 1410 angelegten nach seinem Umschlag benannten »Schwarzen Buch«, das nach einem Pertinenzprinzip geordnete Abschriften der mittelalterlichen Urkunden enthält.29 Durch Kriegswirren wurde das Archiv später aus Sicherheitsgründen immer wieder verlegt, wobei auch zahlreiche Dokumente verloren gingen. Weder ein 1292 erwähntes Jahrzeitbuch, noch für 1505 und 1508 bezeugte Urbare sind erhalten. Abgesehen von einem Berain für Bellingen von 149130 stammen die heute im Generallandesarchiv Karlsruhe vorhandenen Urbare Beuggens aus dem 16.–18. Jahrhundert.31 Ein 1725 angelegtes Aktenverzeichnis32 gewährt einen Einblick in die damals vorhandenen und ebenfalls pertinenzmäßig geordneten Archivalien. Neben einzelnen Urkunden fallen das »Schwarze Buch«, die Ordensstatuten, eine historische Ordenschronik von 1528, Beraine zu verschiedenen Ortschaften aus dem 16.–18. Jahrhundert und Rechnungsbücher für die Jahre 1627, 1665, 1667 und 1670 ins Auge. Bei Flüchtungen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde ein Teil des Schriftguts verstreut. Der wesentliche Teil des Übriggebliebenen kam nach der Auflösung der Kommende in das Generallandesarchiv Karlsruhe.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage und Aufbau

Die einzigartig gut erhaltene Kommende Beuggen liegt bis heute siedlungsfern am Ufer des Hochrheins oberhalb der Stadt Rheinfelden. Der Bau des Rheinfelder Wasserkraftwerks 1898 mit Aufstauen des Rheins veränderte die Ufersituation; seit 2010 ist der Rhein durch das neue Kraftwerk nochmals höher aufgestaut. Das Areal der Kommende hat einen annähernd halbkreisförmigen Grundriss mit dem Rheinufer im Osten. Der Zugang führt von Süd- und Nordwesten in den mit Graben und Mauer umwehrten Wirtschaftshof hinein, der dreiseitig die Hauptburg umschloss. Nordwestlich des Kommendenareals stand an der Landstraße die Beuggener Pfarrkirche St. Michael (1678 kriegszerstört).33 Vom Baubestand, der 1246 an den Deutschen Orden übergeben wurde, gibt es bislang keine Nachweise. Der heutige Zustand entstammt dem barocken Ausbau, enthält allerdings umfangreiche Baureste des Mittelalters. Bauuntersuchungen und kleinräumige Ausgrabungen fanden um 1990 und 2005–08 am Hauptgebäude und der Kirche statt; Pläne des 18. Jahrhunderts belegen ältere Bauzustände.

Zwei Gräben und ein Wall umgaben im 13. Jahrhundert Hauptgebäude und Kirche; der innere Graben wurde im 15. Jahrhundert verfüllt und überbaut, der äußere war zumindest im Westteil bis ins 18. Jahrhundert vorhanden, als der gesamte Hofbereich einheitlich aufplaniert wurde. Von der äußeren Umwehrung der Wirtschaftsgebäude sind in der Südhälfte umfangreiche Teile des doppelten Mauerrings sowie die zwei Tore noch vorhanden. Der vor der Mauer gelegene Wassergraben ist im Südwestteil als Weiher erhalten. Zum Ende der Kommendezeit gab es an der Zwingermauer sechs halbrunde Mauertürme. Südlich außerhalb des Kommendeareals liegt der Meierhof,34 im Norden war außerhalb des Grabens ein groß geplanter Barockgarten angelegt worden. Das Rheinufer wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit einer neuen, ca. 185 m langen Uferbefestigung versehen. Es handelt sich um eine hölzerne Rahmenkonstruktion, deren Zwischenräume mit Bauschutt und Erde verfüllt wurden und deren Oberfläche ein steinernes Pflaster bildete. Durch die moderne Aufstauung des Rheins liegt sie heute ca. 1,2 m unter der Wasseroberfläche.

Kirche und Konventsbauten

Kirche

Die barocke Kirche ist ein Saalbau auf rechteckigem Grundriss mit polygonalem Schluss, der mit der rückwärtigen Schmalseite an das Schloss angrenzt. Durch diesen baulichen Zusammenhang ist die Kirche nicht geostet, sondern annähernd nach Nordosten ausgerichtet. Über dem Triumphbogen erhebt sich ein verschindelter Dachreiter mit welscher Haube, die Glockenstube weist an vier Seiten segmentbogige Schallöffnungen auf.

Im Mauerwerk der Kirche sind vermutlich Reste der 1298 mit zwei Altären (Katharina und Elisabeth) geweihten Ordenskirche enthalten; weitere nicht näher bezeichnete Baunachrichten betreffen den Zeitraum, als der Beuggener Komtur Eberhard von Sulzberg Deutschmeister war (1305–1323). Die Deutung von kleinräumig ergrabenen Bauten, die nördlich der Kirche auf tieferem Niveau standen, ist ungeklärt.

Die anfangs vielleicht freistehende Kirche wurde 1366/67 (d) durch Überbauung einer ca. 4,8 m breiten Lücke mit dem damaligen westlichen Steinhaus verbunden. Ihr Innenraum wies nun drei kreuzgewölbte Joche auf und endete in Höhe des heutigen Triumphbogens mit einem Sanktuarium auf polygonalem Grundriss; außen wurden Strebepfeiler an die Mauern angefügt. Über dem Deckengebälk saß ein vorkragendes, wohl profan genutztes Fachwerkobergeschoss. Dessen Dachwerk wurde beim barocken Umbau auf die Deckenbalken der heutigen Kirche gesetzt.

Auf der Nordwestseite ist ein kleines gotisches Spitzbogenportal nahe der Schlossfassade erhalten. Ebenfalls nur Nebeneingänge waren die Türen vom spätgotischen Treppenturm an der Südostecke, die ins Erdgeschoss und zu einer Empore führten.

Eine umfassende Umgestaltung der Raumschale und der Anbau eines Chorraums fanden ab 1752 unter dem Deutschordensbaumeister Johann Kaspar Bagnato statt (Dachwerk 1755/56 [d]). Zu dieser Zeit wurden die Gewölbe der drei Joche abgebrochen und durch die heutige freskierte Flachdecke ersetzt. Die Kirche erhielt schmale Rundbogenfenster und einen neuen Eingang unter dem mittleren Fenster der Nordwestseite. Die abgeschrägten Ecken des Saals, vor denen nun Seitenaltäre stehen, sind die alten Polygonseiten, während die Scheitelmauer durchbrochen wurde, um eine Verbindung zum neu errichteten Chorraum zu schaffen. Der Chor der Ordensleute war nur von der angrenzenden Sakristei aus zu erreichen. Aus dieser Umbauphase stammen auch die drei Fensterdurchbrüche in der rückwärtigen Schmalseite des Kirchenschiffs und damit einhergehend die Abtrennung eines logenartigen Oratoriums neben dem Tafelzimmer des Komturs.

In Chor und Kirchenschiff zeigen die Deckenfresken die Krönung Mariens und in ikonographisch ähnlicher Weise eine Szene mit der Hl. Elisabeth von Thüringen. Sie werden Franz Ludwig Herrmann aus Konstanz zugeschrieben und datieren in die Zeit ab 1752. Im Kirchenschiff wird in der breiten Deckenvoute die Architektur des Raums fortgeführt, die dort gemalten oberen Fenster rezipieren die Fenster der Kommendekirche am Hochmeistersitz in Bad Mergentheim (1731–36, Architekt Franz Joseph Roth). Am Deckenansatz der rückwärtigen Schmalseite wurde oberhalb des Oratoriums eine Fürstenloge gemalt, die ebenfalls einen Bezug zur Kommendekirche in Mergentheim erkennen lässt. Unter den dargestellten Personen finden sich Würdenträger des Deutschen Ordens; ganz links und rechts sind als Bauherren Landkomtur Philipp Joseph von Froberg (1736–1757) und Komtur Christian Moritz von Königsegg (1752–1757) identifizierbar. Unterhalb der Logenfenster befinden sich auf einer Stuck-Draperie neun gemalte Wappen als Epitaphe von Deutschordensrittern hauptsächlich des 17. Jahrhunderts, die in der Beuggener Gruft bestattet sein sollen. Beim Einbau der Orgelempore im 19. Jahrhundert wurden die Stuckaturen der Pozzi-Werkstatt teilweise abgeschlagen und die Logenfenster im unteren Teil verdeckt.

Gemalte Wappen des Komturs Franz Joseph von Lerchenfeld (1784–1791) und des Landkomturs Beat Konrad Reuttner von Weil (1775–1803) auf der Ostwand des Altarraums deuten auf jüngere Umbauten hin. Dieser Zeit zuzurechnen sind das betont geradlinige Stuckgesims mit den darunter angeordneten Triglyphen und Guttae und einige Ausstattungsstücke. Die derzeitige Fassung von Innenraum und Außenbau entstammt der Restaurierung von 1997/98. Unter dem Kirchenfußboden wurden Reste der in schriftlichen Quellen erwähnten Begräbnisgruft gefunden.

An der Südostseite der Kirche ist die Sakristei als schmales, annähernd längsrechteckiges und eingeschossiges Gebäude mit Pultdach an der Südostseite der Kirche angelehnt (1609 [i]). Beim Umbau von 1752 wurden an dieser Stelle die gotischen Strebepfeiler der Kirche belassen. Unterschiedliche Mauerdicken und ein Knick in der Flucht in Verbindung mit der Raumunterteilung zeigen, dass auch dieser Anbau verschiedene Bauphasen hat. Die Sakristei hat einen Außenzugang an der südlichen Schmalseite. Von hier aus führt außerdem eine steile Treppe zur Kanzel, die sich etwa mittig an der Südostseite des Kirchenschiffs befindet.

Ausstattung der Kirche

Für 1719 sind drei Altäre überliefert: der Marienaltar stand im Chorraum, der spätgotische Altar der Vierzehn Nothelfer auf der rechten Seite im Kirchenschiff (zweite Hälfte 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich von Komtur Burkhard von Schellenberg gestiftet), der Altar der Hl. Elisabeth auf der linken Seite. Vom Nothelfer-Altar sind die Holzfiguren der Hll. Katharina und Margaretha erhalten. Von einer hochbarocken Ausstattung stammen zwei Leinwandgemälde im Chor mit der Vision des Hl. Antonius von Padua und dem Martyrium des Hl. Sebastian (um 1680). Das U-förmig aufgestellte, 17 Sitze umfassende Chorgestühl gehört zum Teilneubau in der Mitte des 18. Jahrhunderts; sein siebensitziger mittlerer Teil stand ursprünglich an der Trennwand unter dem Triumphbogen (heute unter der Empore aufgestellt). Zu dieser Ausstattung gehören zwei Beichtstühle und die zwei Seitenaltäre, deren Retabel und Skulpturen nicht erhalten sind; sie waren ursprünglich wie die Kanzel in Weiß und Gold gehalten. Anstelle eines Retabels wurde um 1790 über dem Choraltar ein Wandbild geschaffen. Es zeigte den Weg nach Golgotha mit Jerusalem im Hintergrund, gerahmt von gemalten klassizistischen Stuckpilastern und einem Gebälk (1885 durch das Bild des Hl. Michael ersetzt). Die heutige Fassung der Ausstattung stammt von 1885/86 und wurde 1959–61 erneuert.

Konventsgebäude (Schloss)

Den Kern der Anlage bildet das viergeschossige, Südost–Nordwest ausgerichtete Schloss, von dem die Kirche nach Nordosten hin vorspringt. Ein zweites Gebäude der Kommende steht rheinseitig im Süden. Ältester sichtbarer Baubestand ist die rheinparallele Umfassungsmauer im Bereich des Hauptgebäudes, die zugleich als uferseitige Stützmauer dient. Die frühen Bauten innerhalb dieser Mauer sind bislang nicht erfasst. Wohl im Spätmittelalter wurde das Areal mit einer weiter zum Rhein hin die Gebäude verbindenden Stützmauer befestigt.

1266/67 (d) wurde ein zweigeschossiges Steinhaus von rechteckigem Grundriss (ca. 13,7 × 17,2 m) rheinseitig an diese Stützmauer angebaut (»Altes Schloss«, ehem. Komturhaus). Seine Nordostmauer weist eine ungewöhnliche Dicke von ca. 2,3 m auf. Das Erdgeschoss wurde im Nordosten durch zwei gotische Lanzettfenster belichtet und erst später zum teilweise tonnengewölbten Keller umgestaltet. Die Aufhöhung des Bodenniveaus dürfte durch die Hochwassergefährdung bedingt sein. Im ersten Obergeschoss, heute in Erdgeschosshöhe des barocken Hofareals, dürfte in der ersten Bauphase ein ungeteilter Saal anzunehmen sein. Der gebrochene Unterzug der Holzbalkendecke wurde nachträglich durch eine Nordost-Südwest-verlaufende Trennwand gestützt. Nach Nordwesten hin verläuft auf heutigem Hofniveau ein rheinparalleler Verbindungsgang (»Pfarrgang«), vermutlich ein zunächst ungedeckter Hofbereich.

Das innerhalb der Hauptburg an diesen Gang angrenzende westliche, dreigeschossige Steinhaus (wohl das Konventshaus) hat einen annähernd quadratischen Grundriss (ca. 14,3 × 15 m) und ersetzt wohl ein Wohngebäude aus der Frühzeit der Kommende. Es steht nicht in direktem Zusammenhang mit dem östlichen Steinhaus; die einander gegenüberliegenden Seiten sind nicht parallel zueinander und weisen auch unterschiedliche Längen auf, so dass der Grundriss des Zwischenbereichs ein unregelmäßiges Trapez darstellt.

Die Kubatur des westlichen Steinbaus lässt sich bis ins heutige dritte Obergeschoss nachweisen. Seine Außenmauern sind bis zu 2,4 m dick. Die Balkendecke des saalartigen Erdgeschosses stammt von 1278 (d). Der Keller wurde nachträglich abgetieft.

Dem östlichen Steinhaus (Komturei) wurden 1423–25 (d) zwei weitere Steingeschosse (heute erstes und zweites Obergeschoss) aufgesetzt, möglicherweise anstelle älterer Fachwerkobergeschosse. Sie trugen ein Walmdach. Die rheinseitige Fassade erhielt rustizierte Eckquader und wurde mit zwei Eckerkern oder Ecktürmchen ausgezeichnet. Am Unterzug des neuen Saals im ersten Obergeschoss (»Rittersaal«) ist das geschnitzte Wappen des Landkomturs Marquard von Königsegg (1411–1436) angebracht. Die leicht gewölbte Bohlenbalkendecke wird von einer Mittelstütze getragen.

Bei diesem Umbau wurde der Zwischenbereich überdacht und abgeschlossen. An seiner Südwestseite erhielt er ein spitzbogiges Türgewände aus Buckelquadern; eine darüber eingelassene Tafel zeigt die Wappen von Landkomtur Ludwig von Landsee (1437–1443) und Komtur Burkhard von Schellenberg (1432–1440) und wird auf 1438 datiert. Im Erdgeschoss erhielt der Durchgang später ein Tonnengewölbe, der als Gang genutzte Obergeschossraum ein Kreuzgratgewölbe. 1504–09 wurde nördlich dieses Verbindungsgangs im Winkel zur Kirche ein runder Wendeltreppenturm erbaut. Er ist am Türsturz im ersten Obergeschoss auf 1504 datiert. Ein wenig jüngerer Außenzugang im Norden gehört zu einem tieferen Bodenniveau und datiert von 1509 (i).

In den Jahren 1545–49 (d/i) wurde über dem östlichen Steinhaus ein drittes Obergeschoss aufgeführt, das bis an das westliche Gebäude heranzog. Das Haus erhielt nun ein Satteldach und an der rheinseitigen Fassade einen repräsentativen Treppengiebel. Das erhaltene Dachwerk entstand 1545/46 (d); der Bekrönungsstein des Treppengiebels (heute in der Durchfahrt des Storchenturms aufgestellt) zeigt ein Wappen und eine Bauinschrift von 1549. Auch nach Nordwesten hin endete das Dach ursprünglich an einem Treppengiebel (Darstellung im Wappenkalender vor 1702). Vor Erdgeschoss und erstem Obergeschoss der rheinseitigen Fassade wurde damals ein prächtiger zweigeschossiger Erker angefügt. Er erhielt im Obergeschoss ein Rippengewölbe und ist ebenfalls mit Wappen und Jahreszahl auf 1549 datiert. In seine Wände sind vier Reliefplatten eingelassen, die jeweils zwei Wappen zeigen: im Obergeschoss von Erzherzog Ferdinand von Österreich und Landkomtur Werner von Reischach sowie von Komtur Friedrich von Homburg als Bauherrn und Komtur der Mainau Sigmund von Hornstein, im Erdgeschoss die drei Wappen des Komturs von Mülhausen Franz von Fridingen, des Freiburger Komturs Wolfgang von Hohenegg, des Rufacher Komturs Sigmund von Eptingen sowie ein leeres Wappen. Die Teilungsmauer zwischen den Erdgeschossräumen erhielt damals ein spätgotisches Türgewände und darüber eine Tafel mit den Wappen Friedrichs von Homburg und des Deutschen Ordens. Der Grundriss des ersten Obergeschosses ist frühneuzeitlich, mit Mittelgang Richtung Nordostfassade und jeweils zwei Räumen rechts und links davon. Der Erker gehört zur Stube im Nordosten; der südöstliche Raum erhielt ein aufwendiges Gruppenfenster und Wandvertäfelungen, der Nordwestraum einen Kamin. Bei diesen Räumen wurden in der Barockzeit die Balkendecken verkleidet. An der Nordostfassade wurde ein Aborterker angefügt, der bis ins zweite Obergeschoss hinaufreichte.

An den westlichen Steinbau wurde um 1579 (d)/1587 (i) ein weiterer Gebäudeteil nach Nordwesten hin angefügt, wohl als neue Trysolei. Das in Renaissanceformen errichtete, später barock umgestaltete Gebäude ist viergeschossig und hat heute ein hohes Walmdach. Die Nordwestfassade dieses Hauses wurde im inneren Graben tief gegründet. Unter dem heutigen Bodenniveau blieb die Eckquaderung erhalten, die im Sockelbereich Bossenquader und darüber repräsentative Diamantquader aufweist. Die Südwestecke war ehemals durch einen Eckturm ausgezeichnet, der erhaltene Turm an der Nordostseite nahm die Aborte auf. Im Anschluss an den nun mittleren Steinbau wurde ein Treppenturm auf polygonalem Grundriss errichtet. Der bauzeitliche einräumige Keller ist tonnengewölbt. Dieser Neubau ist durch Wappen von Landkomtur Hugo Dietrich von Hohenlandenberg (1578–1600) und Komtur Hans Hartmann von Hallwyl (1582–1603) datiert; des Weiteren ist ein Wappen des Baumeisters mit den Buchstaben HL vorhanden. Auf der Ansicht von 1702 ist das Gebäude mit Satteldach dargestellt.

Ab 1752 wurden der mittlere und der westliche Baukörper mit einer einheitlichen barocken Fassade und einem durchlaufenden Dach (1778/79 [d]) zum »Neuen Schloss« zusammengefasst. Der innere Graben war zuvor verfüllt worden; der Umbau rechnet bereits mit dem heutigen Geländeniveau. Dabei wurden die Geschosshöhen angeglichen und die zehn Fensterachsen vereinheitlicht; ein innenliegendes Treppenhaus ersetzte den Treppenturm auf der Südseite. Ein neuer Haupteingang mit repräsentativem, zweizonigem Gewändeaufbau stammt wohl von Francesco Pozzi. Pilaster mit Wilden Männern als Hüfthermen stützen ein verkröpftes Gesims und darüber Urnen auf Balustern und rahmen den Treppenaufgang zur Pforte. Die leicht eingeschweifte, pilastergerahmte Supraporte schließt ein Fenster des Piano Nobile mit ein. Sie ist mit Grotesken und Rocaillen geziert und inschriftlich datiert (1755).

Im Erdgeschoss waren Amtsstuben und Botenzimmer untergebracht, im ersten Obergeschoss befand sich das Appartement des Komturs, im zweiten Obergeschoss das Appartement für den Landkomtur und Räume für höhergestellte Gäste, im Mezzanin die Räume für gewöhnliche Gäste.35 Die Ausstattung dieser Wohnungen war insgesamt schlicht; weder der Komtur noch der Landkomtur verfügte über einen größeren Saal; einen Kamin wiesen nur die zwei Räume im Nordosten auf (Kabinett). Nur die Tafelstube des Komturs (»Bagnatosaal«) ist mit figürlichen Stuckaturen ausgezeichnet. Der Zugang zum Keller erfolgte nun an der Nordwestseite über eine breite Treppe.

Südlich der mittelalterlichen Komturei steht an der Rheinseite die ehemalige Firmarie (seit dem 19. Jahrhundert Pfarrhaus). Das dreigeschossige Gebäude ist ebenfalls außen an die Stützmauer angebaut; der heutige Eingang führt vom Hof in das erste Obergeschoss. Das 1290 gestiftete Gebäude wurde 1534, 1614 und 1665/66 (i) umgestaltet; sein heutiges Erscheinungsbild mit dem großen Walmdach entstammt einem Umbau von 1774/75. Auf den Ansichten von 1702 und 1777 ist rheinseitig eine kleine Krankenkapelle dargestellt. Ihre genaue Lage ist unsicher.

Wirtschaftshof

Die meisten Gebäude des Wirtschaftshofs wurden entlang der Ringmauer errichtet. Südlich der Hauptburg, jenseits des ehemaligen inneren Grabens steht rheinseitig die Mühle. Der Mühlbach entsprang einer gefassten Quelle westlich des oberen Tors, deren Wasser in neun Brunnen geleitet wurde.36 Der Bach speiste mehrere äußere Weiher und den äußeren Graben. Sein Lauf querte mit einer schmalen Kanalbrücke den äußeren Graben und führte quer durch den Hof zu den nordöstlich am Mühlengebäude befindlichen Räderwerk. Im Plan von 1808 weist das Aquädukt vier gemauerte Bögen auf.

Die Mühle mit dem Backhaus (heute Wohnhaus) ist ein zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach, traufständig zum Hof ausgerichtet. Sie stand auf tieferem Niveau und besaß an der Nordostseite, zum ehemaligen inneren Graben hin drei, 1808 nur noch zwei oberschlächtige Mühlräder mit den Mahlgängen. Die Mündung des Mühlbachs in den Rhein war mit Holzwänden befestigt. Vom Hof aus gelangte man über eine Treppenrampe in das damalige Erdgeschoss (heute Untergeschoss; Bereich heute aufgeschüttet). An der südwestlichen Giebelwand waren zwei Backöfen angebaut. Die Balkendecke über dem Mühlenraum ist 1479/80 (d) entstanden, Wappensteine mit Jahreszahlen 1614 und 1710 sind Umbaumaßnahmen zuzuordnen.

Im inneren Graben wurde wohl im 18. Jahrhundert an die ehemalige Firmarie ein rechteckiges Wirtschaftsgebäude angebaut (mit der Waschküche, 1881 abgebrochen),37 dessen Außenwand die Lager der Mühlräder aufnahm. In diesem Bereich hatte sich zuvor eine Abortanlage befunden. Eine Treppe führte vom Hof in den Anbau und weiter hinab zum Rhein.

Die rheinseitige Südwestecke des Wirtschaftshofs nahmen 1808 Schweineställe und der Dunghof ein. Abgerückt vom Rhein, wohl in der Flucht der inneren Stützmauer, erhebt sich der »Storchenturm«. An dessen Seiten sind im Erdgeschoss Baubefunde zu erkennen, die ein älteres Tor belegen: Zwei schmale Gebäude waren an die südwestliche Umfassungsmauer angebaut und begrenzten einen Durchgang. Der 1414–17 als Torturm gebaute »Storchenturm« ist auf die Stirnseiten der abgetragenen älteren Gebäude aufgesetzt; er weist an drei Seiten massives Mauerwerk auf, die Hofseite der Obergeschosse ist mit Fachwerk geschlossen. An seiner Außenseite ist in das Torgewände eine flache Nische eingearbeitet, in die eine Zugbrücke bündig einschlagen konnte. Im spitzbogig Tor sind die Angelpfannen und -ringe der zwei Torflügel erhalten. Im Geschoss über dem Durchgang sind außen achsensymmetrisch ein Fenster für den Torwärter und eine Wappentafel vorhanden; die Wappentafel (Original 1986 im Durchgang angebracht) ist auf 1416 (i) datiert und zeigt das Wappen des Landkomturs Marquard von Königsegg (1411–1436). In einem Rechnungsbericht von 1414 werden unter anderem aufwendige Arbeiten an einem Turm erwähnt, die möglicherweise auf diesen Turm zu beziehen sind; sein Dachwerk stammt von 1416/17 (d).

Im 18. Jahrhundert wurde westlich des Turms ein neues Tor mit einer neuen, repräsentativen vierbogigen Steinbrücke erbaut, die Durchfahrt im Storchenturm bis auf ein Fenster zugemauert (um 1995 wieder geöffnet). Die Baugestalt des barocken Tores ist unbekannt.

Nordwestlich des neuen Tors bestand die Umwehrung bis zum 18. Jahrhundert aus einer inneren, zinnenbekrönten Wehrmauer und einer äußeren Zwingermauer mit vier halbrunden Schalentürmen. An das Tor angebaut war ein dreigeschossiges Wirtschaftsgebäude mit Treppengiebeln und Strebepfeiler an der Nordwestseite. Die schmalen Erdgeschossräume waren 1808 als Pferdestall und Gewächshaus genutzt (später abgebrochen, Bereich 1977/78 mit Schulhaus überbaut). Nach 1753 waren die Zwingerbereiche mit niedrigen Nebengebäuden besetzt worden: Schweineställen, Brennhaus, Dörrofen, Spritzenhaus (1786 [i]) und Werkstätten.

Im mittleren Bereich wurde 1794 (i) eine große Wagenremise mit Lagerräumen erbaut. Sie trug die Wappen von Landkomtur und Komtur; den Bauplan entwarf wahrscheinlich Franz Anton Bagnato. Den sieben großen Bögen der Fassade entsprachen in der inneren Teilungsmauer vier Bögen.

Das westliche Tor steht annähernd im Scheitel des Halbkreises des Kommendeareals. Ältester Bauteil ist vermutlich das Erdgeschoss des späteren Torhauses auf quadratischem Grundriss, das mit seinem sorgfältigen, gotischen Buckelquadermauerwerk (um 1300?) vor die Mauer vorsprang. 1534 wurde das spitzbogige Eingangsportal ausgebaut und in eines neues, südlich anstoßendes Torgebäude eingefügt. Zeitgleich dürfte für eine neue Zugbrücke die flache, rechteckige Ausnischung im Torgewände hergestellt worden sein. Die ältere Öffnung wurde zugemauert, das Gebäude um ein steinernes Geschoss aufgehöht und mit einem leicht vorkragenden Fachwerkoberstock versehen. Die hofseitigen Zinnen des neuen Tores gehören wohl noch zur inneren Wehrmauer. Die Tür zum zeitgleich im südlichen Zwingerbereich erbauten Torwärterhaus ist 1534 (i) datiert. An das Torhaus wurde zum Hof hin ein zunächst zweigeschossiger Anbau angefügt (später: Schmiede), dessen Wappenstein die Jahreszahl 1533 trägt. Im Nordosten führt eine Wendeltreppe in die Obergeschosse. Sie trägt einen Wappenstein wohl des Komturs Friedrich von Homburg (1542–1551). Möglicherweise diente das Gebäude als Amtshaus.

Bei einem Umbau der Zugbrücke mit obenliegenden Schwungruten musste die Fassade des Tors erhöht und mit hohen, schmalen Schlitzen versehen werden. Sie erhielt als Bekrönung einen Zinnenkranz. Für das Pultdach dahinter wurden gotische Wasserspeier in die Ecken der Fassade eingefügt. Die steinerne Brücke über den äußeren Graben entstand wohl zusammen mit einem Vortor bei dem Umbau von 1663 (i), der durch einen Wappenstein für Landkomtur Johann Hartmann von Roggenbach belegt ist.

Nördlich des Torhauses war die innere Wehrmauer bis um 1740/50 noch erhalten; die Zwingermauer wies in diesem Abschnitt vier Halbrundtürme auf. An die innere Mauer angebaut waren frühneuzeitliche Wirtschaftsgebäude. Das erste ist ein nach ihrem Abbruch erbauter Kuh- und Pferdestall von 1746/47. Der zweigeschossige querrechteckige Bau ist stilistisch einheitlich mit ungerader Achsenzahl, Eingang und dahinterliegendem Treppenhaus in der Mittelachse einem Vollwalmdach und der Bauaufgabe entsprechend einfachen Rechteckfenstern. Die Tore für die Tiere befinden sich in den Mittelachsen der Schmalseiten; die Sohlbänke im Bereich des Kuhstalls (südliche Hälfte) liegen höher als beim Pferdestall, so dass dieser Gebäudeteil bereits von außen als Stall erkennbar ist. Im Obergeschoss waren Kammern für Kutscher und Knechte sowie Heuböden untergebracht.

Die folgende Fruchtscheune war ein bemerkenswert großes, wohl dreigeschossiges Gebäude, das wegen seiner Treppengiebel ins 16. Jahrhundert datiert wird. Im Erdgeschoss befanden sich zwei Durchfahrten für Fuhrwerke (1900 abgebrannt). Der Wohnhausneubau von 1902 enthält in seiner Nordwand noch Bausubstanz der älteren Scheune.

In der Nordostecke zur rheinseitigen Mauer steht die »Schütte« (heute Wohnhaus). Sie ist ein mehrfach erweiterter zweigeschossiger Bau mit Halbwalmdach, in dessen Erdgeschoss Kelter, Küferei und Schreinerei, darunter der Weinkeller untergebracht waren; im Obergeschoss und Dach gab es Fruchtböden mit Ladeluken in der nordwestlichen Schmalseite. Möglicherweise ist in der Außenwand der Nordostseite noch Bausubstanz der inneren Wehrmauer erhalten. Auf einem Eichenbalken im Gebäudeinneren findet sich das Datum 1668 (i), über dem Eingang ist ein 1780 datierter Wappenstein von Landkomtur Reuttner von Weil eingelassen. Im östlichen Teil mit etwas abknickender Flucht ist ein Spitzbogengewände von einem älteren Bauzustand erhalten. Südlich der Schütte stand eine Kutschenremise (1838 abgebrochen).

Im Bereich des ehemaligen inneren Grabens östlich der Kirche ist die Umfassungsmauer schräg geführt. Hier waren 1808 Hühnerställe angebaut. Ein großer runder Eiskeller war im Winkel neben der Kirche eingegraben worden.

Gärten

Die barocken Gärten sind in mehreren Plänen dargestellt. Pläne von 1753 und ca. 1810/2038 zeigen nördlich an das Kommendeareal anschließend entlang des Rheins einen formalen Garten mit Brunnenbecken in der Mittelachse und acht Parterres, die von einer Allee umschlossen werden. Eine zweibogige Steinbrücke führte vom Kommendenhof auf die Mittelachse. Das schmiedeeiserne Tor am Haupteingang ist 1790 datiert. Der von Mauern eingeschlossene Wassergraben endete zum Rhein hin mit einer neu gestalteten Kaskade. Erhalten ist nur das Gartenhaus nahe dem Rheinufer, das mit dem Wappen von Reinach und der Jahreszahl 1694 datiert ist.

Westlich folgen ein großer Obstgarten und ein zweiter, dem ersten ähnlicher formaler Garten, der bis an den schräg verlaufenden Zufahrtsweg heranreicht. Diese Gärten werden von einer gemeinsamen Mauer umschlossen. Vor 1810 war in einem Teil des Obstgartens ein dritter formaler Garten angelegt worden.

Südwestlich der Kommende gab es einen großen Baumgarten mit mehreren Weihern.

BibliograPHie

Quellen: Müller 1917.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 75–77 (Dagmar Zimdars); HelvSac IV,7, S. 659–696 (Peter Heim); KB Lörrach Bd. 2, S. 266–268, 315 f., 345 f.; kloester-bw, Deutschordenskommende Beuggen (Andreas Butz).

Literatur: Klentschi/Zeller 1894; Heim 1977; Becker 1990; Schmid/Hunziker/Reding 2007; Schmidt-Thomé 2008; Bigott/Schmidt-Thomé 2009; Galioto u. a. 2012; Jenisch 2013; Bihrer 2022.

Anmerkungen

  • 1 Gmelin 1876, Nr. 11 S. 103.
  • 2 Gmelin 1876, Nr. 17 S. 107 f.
  • 3 Gmelin 1876, Nr. 12 S. 10 9-111 = GLA 18 Nr. 12 (16. 3. 1252), sowohl bei Gmelin als auch im Findbuch des GLA falsch datiert.
  • 4 Gmelin 1876, Nr. 27 S. 116 f.
  • 5 Gmelin 1876, Nr. 35 S. 12 2-124.
  • 6 Gmelin 1876, Nr. 51 S. 392 f.
  • 7 Gmelin 1877, Nr. 167 S. 23 0-233.
  • 8 Gmelin 1878, Nr. 355 S. 299 f.
  • 9 Gmelin 1879, Regest Nr. 527 S. 174.
  • 10 Gmelin 1879, Regest Nr. 642 S. 228.
  • 11 Gmelin 1876, Nr. 8 S. 10 0-102 = GLA 18 Nr. 181.
  • 12 Vgl. Bigott/Schmidt-Thomé 2009, S. 343 f. mit Aufstellung der älteren Literatur dazu.
  • 13 Gmelin 1876, Nr. 10 S. 102.
  • 14 So das Kopialbuch des 15. Jahrhunderts, GLA 67 Nr. 242, fol. 1 ff., und eine Beschreibung in GLA 86 Nr. 117 b (19. 4. 1719); vgl. dazu und darauf aufbauenden Thesen Heim 1977, S. 28 f.
  • 15 GLA 18 Nr. 186 a; vgl. Heim 1977, S. 117 Anm. 54.
  • 16 Müller 1917, S. 68.
  • 17 GLA 86 Nr. 111.
  • 18 Gmelin 1877, Nr. 213 S. 25 8-260, hier S. 258.
  • 19 Annales Basileenses, in: MGH SS 17, S. 193.
  • 20 Chronicon Colmariense, in: MGH SS 17, S. 244.
  • 21 Vgl. Müller 1917, S. 52. Die Balleirechnungen liegen im St AL.
  • 22 GLA H Beuggen 8; vereinfachte Darstellung bei Heim 1977, S. 126 f.
  • 23 Müller 1917, S. 5 6-70; vgl. auch zum Folgenden, Heim 1977, S. 131 f., 13 5-139.
  • 24 Müller 1958, S. 1 9-22; Gmelin 1879, S. 21 4-219.
  • 25 Vgl. Heim 1977, S. 14 2-144; Schmid/Hunziker/Reding 2007, S. 12 3-125.
  • 26 GLA 21 Nr. 4867; GLA 18 Nr. 26.
  • 27 Einzige erhaltene Handschrift UB Basel Cod. B VIII 27. Zu Hugo als Zeuge, vgl. Gmelin 1876, Nr. 83 S. 419 f.
  • 28 GLA 18 Nr. 194.
  • 29 GLA 67 Nr. 242.
  • 30 GLA 66 Nr. 665.
  • 31 GLA 66 Nr. 666, 668, 670, 77 7-792, 79 7-801, 941, 2118, 2122, 3006, 3019, 3020, 3024, 3392, 345 0-3452, 3687, 3692, 4250, 4251, 4253, 546 4-5469, 597 9-5989, 599 1-5995, 599 7-5999, 6003, 6012, 7966, 10039, 1005 3-10055, 10059, 10070, 10074, 10078, 10081, 10082, 10092, 10773, 11620, 11633, 11980; GLA 66 Ausland Nr. 100, 12 3-126, 156, 223.
  • 32 GLA 86 Nr. 22.
  • 33 GLA H Beuggen 2.
  • 34 GLA G Beuggen 16.
  • 35 GLA G Beuggen 13.
  • 36 GLA G Beuggen 8.
  • 37 GLA G Beuggen 8.
  • 38 GLA G Beuggen 11, H Beuggen 5, vgl. H Beuggen 2
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Benjamin Torn [Autor]
  • Andreas Diener [Autor]
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