Bürgeln, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

um 1120/25 Schenkung der Herren von Kaltenbach und Umwandlung der Pfarrkirche in eine Zelle – 1136 Weihe der Klosterkirche – 1151 Übernahme der Seelsorge für das Sanblasianer Frauenkloster Sitzenkirch – 1345 Vertrag über die Vogtei mit den Markgrafen von Hachberg – 1525 Plünderung im Bauernkrieg –1805/06 Aufhebung

Patrozinium: Johannes Baptist, Johannes Evangelist
Ordensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei St. Blasien
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg

Ortsbezüge:
  • Bürgeln
  • Bürgeln, Schliengen, Landkreis Lörrach
Ordensregel:
  • Benediktiner 1120-1806
Beschreibung:

Name: cellam in fundo sancti Blasii in loco, qui dicitur Burgelun (1131/1132);1 de Burgula cella et capella sancti Iohannis qui in loco, qui Ekkeneim dicitur sita est [...] Burgala cella et ecclesia (1132);2 cenobium quod dicitur Buirgilun, […] monasterii sancti Iohannis aput Buirgilun (um 1160/80);3 conventus claustri Burgelon (1225);4 conventui monasterii celle sancti Iohannis in Buirgelon Constantiensis dyocesis ordinis sancti Benedicti (1297);5 in cenobio prepositure in Buirgelon ordinis sancti Benedicti monasterio sancti Blasii pertinentis (1299);6 die celle und das gotzhus ze Buigelon […] hoeret aigenlich an das gotzhus von sant Blesien (1300);7 monasterium in Buerglonn ord. S. Bened. in decanatu Nuwenburg (1353)8

Geschichte

Historische Entwicklung

Ohne das bemerkenswerte Zeugnis des um 1180 entstandenen Chronicon Bürglense wäre über die frühe Zeit des kleinen Klosters Bürgeln wohl ebenso wenig bekannt wie über die nur unwesentlich größere Zelle in →Weitenau. Die Bürgelner Chronik – es handelt sich um eine Mischform von Traditionsbuch und Kartularchronik – berichtet nicht nur über die Gründung des Klosters in den 1120er Jahren, sondern erläutert in bisweilen hagiographischer Form das vorbildliche Leben der Bürgelner Gründerfamilie, der Herren von Kaltenbach.9

Das an Jahreszahlen nur wenig interessierte Chronicon schildert die Gründung als Endpunkt des Klostereintritts der im Breisgau, in (Aar-)Burgund und Churrätien begüterten Familie von Kaltenbach ins Kloster →St. Blasien.10 Zunächst sei der jüngere Sohn Werner wohl zwischen 1103 und 1113 Mönch in St. Blasien geworden, ihm dann die Eltern, Werner der Ältere und Ita, zwischen 1108/1110 und 1120 gefolgt, bevor schließlich der jüngere Sohn Wipert zwischen 1122 und 1125 in St. Blasien eingetreten sei.11 Anlässlich der mit der Profess Wiperts verbundenen Bekräftigung der Schenkung habe Werner der Ältere von Kaltenbach Abt Rusten von St. Blasien (1108–1125) gebeten, am Ort der Grablege seiner Vorfahren, nämlich der Bürgelner Kirche, ein Kloster einzurichten. Dies sollte unter Rücksichtnahme auf den dortigen Leutpriester Heribort – in ihm ist möglicherweise der Mitgründer einer vorklösterlichen Niederlassung in →Sitzenkirch zu sehen – erst dann erfolgen, wenn dieser gestorben sei.

Wenn die Bürgelner Chronik das monastische Leben im Kontrast zum Dienst des Weltklerus auffällig preist,12 so dürfte dies in einem Konflikt mit regionalen Weltgeistlichen begründet liegen, der nur wenige Jahre nach der Gründung der Klosterzelle ausbrach. Gemäß dem Bericht des Chronicons und einer später verfälschten, im Hinblick auf den Ablauf des Konflikts aber wohl zuverlässigen Urkunde, hätten sich zahlreiche Priester aus der unmittelbaren Umgegend von Bürgeln an den Konstanzer Bischof Ulrich I. von Dillingen (1111–1127) gewandt und diesen gebeten, aus Bürgeln wieder eine Pfarrkirche zu machen.13 Der auf päpstliche Bitte mit der Vermittlung betraute Mainzer Erzbischof beauftragte seinen Konstanzer Amtskollegen Bischof Ulrich I. mit der Konfliktlösung. Zu einem Vergleich kam es auf Vermittlung des Konstanzer Erzpriesters Diemo und eines Schiedsgerichts unter Nachfolger Bischof Ulrich II. von Konstanz (1127–1138) anlässlich von zwei zwischen 1127 und 1130 in Liel und Eggenen abgehaltenen Tagen. Gemäß der Schlichtungsurkunde sollte St. Blasien den Bürgelnberg mit allen Zinsen als Kloster behalten. Außerdem erhielt Bürgeln im Tausch wichtige Güter aus dem Besitz der alten Kirche, unter anderem in Sitzenkirch. Der restliche Besitz sollte einem Weltgeistlichen unterstehen, für den in Eggenen auf Sanblasianer Grund eine neue Kirche zu errichten war. Die Grundzüge dieses Kompromisses bestätigte Papst Innozenz II. (1130–1143) im Jahr 1132.14 Wie sehr St. Blasien weiterhin den Konflikt mit dem Weltklerus fürchtete, zeigt die anlässlich der Weihe der Bürgelner Zelle 1136 vom päpstlichen Kardinallegaten Dietwin von St. Rufina ausgestellte Urkunde: Der Leutpriester der Eggener Kirche soll die Mönche nicht stören und wer die Zelle entweihe, der ziehe den Zorn der heiligen Apostel Petrus und Paulus auf sich.15

Die Kaltenbacher Brüder Werner und Wipert spielten auch nach ihrem Klostereintritt eine wichtige Rolle für die Bürgelner Entwicklung. Zusammen mit zwei weiteren Sanblasianer Brüdern und mit dem Amt des Propstes versehen, wurde Werner gemäß dem Chronicon Bürglense nach Bürgeln geschickt.16 Es war aber insbesondere Wipert, der sich als späterer Propst intensiv um die Mehrung der Bürgelner Besitzungen bemühte. Die Traditionsnotizen des Chronicon Bürglense17 betonen seine Rolle beim Erwerb zahlreicher Güter. Eine genaue Analyse der Schenkungen zeigt, dass Wipert auch nach dem Klostereintritt gezielt sein Netzwerk aktivierte und Verwandte, seiner Familie herrschaftlich verbundene Familien (insbesondere im oberen Kandertal), Besitznachbarn und vermutlich Freunde (insbesondere um Schliengen) zur Schenkung an Bürgeln motivierte.18 Von der Ausstrahlung der jungen Gründung zeugen auch Schenkungen aus dem Umfeld der Herren von Rötteln, von Ministerialen der Klöster St. Gallen und Murbach und vor allem Herzog Konrads von Zähringen (1122–1152). Dieser hatte wie in St. Blasien auch in Bürgeln das Amt des Vogtes inne. Nach dem Aussterben der Zähringer ging die Vogtei an die Markgrafen von Baden über.19

Noch zu Lebzeiten von Werner und Wipert von Kaltenbach übernahmen die Bürgelner Mönche zudem die cura animarum über die 1151 eingerichtete Sanblasianer Frauenzelle Sitzenkirch, an deren Einrichtung die Kaltenbacher Brüder gemäß urkundlichem Zeugnis ebenfalls mitgewirkt hatten.20 1155 wurde Bürgeln die Kaltenbacher Kirche inkorporiert, erst danach, um 1159/1160 starben die beiden Brüder.21 Mit dem Ende des Berichtzeitraums des Chronicon Bürglense sinkt auch die Zahl der Nachrichten über das kleine Kloster. Die Zahl der dortigen Mönche betrug, exklusive des Propstes, nicht mehr als zwei oder drei. 1225 beteiligte sich Bürgeln ebenso wie das Mutterkloster St. Blasien am Bau der neuen Basler Rheinbrücke und erhielt dafür Freiheit vom Brückenzoll.22 1268 brannte das Kloster ab; der Sanblasianer Abt bat um Schenkungen und Almosen. Vermutlich im Zuge des Wiederaufbaus wurde ein Heilig-Kreuz-Altar in Bürgeln errichtet und 1277 vom Konstanzer Weihbischof geweiht.23 Trotz des Brands taxiert der Liber Decimationis die jährlichen Einkünfte des Klosters auf 50 Mark Basler Münze.24

Ansonsten ist aus dem 13. Jahrhundert wenig über Bürgeln bekannt. Gelegentliche Schenkungen deuten auf eine anhaltende Anziehungskraft.25 Bürgeln taucht aber vor allem dann in den Quellen auf, wenn es um die Rechte des Bürgeln zugeordneten Klosters Sitzenkirch oder die eigene Position gegenüber dem Mutterkloster St. Blasien ging. So entschied der Bürgelner Propst Heinrich von Bräunlingen 1260 einen Streit zwischen Sitzenkirch und dem Neuenburger Spital zugunsten des Frauenklosters.26 Nur ein Jahr später urteilte aber Abt Arnold II. von St. Blasien (1247–1276) in einem Streit um Eigenleute zwischen Sitzenkirch und Bürgeln zugunsten Sitzenkirchs und wies explizit darauf hin, dass Bürgeln wie Sitzenkirch St. Blasien unterstellt seien.27 Offenbar wollte der Sanblasianer Abt den ansonsten recht selbstständig agierenden Bürgelner Propst ein Stück weit in die Schranken weisen. In einer undatierten Urkunde bekräftigte Abt Heinrich II. von St. Blasien (1276–1294) denn auch die Abhängigkeit Bürgelns vom Mutterkloster. St. Blasien habe volle Gewalt in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten; er verbat dem Propst ohne Erlaubnis des Abtes Güter zu verkaufen und verpflichtete ihn fortan jährlich Rechnung zu legen.28

Wohl deshalb ist im 14. und 15. Jahrhundert eigenständiges Handeln der Pröpste selten belegt. Dagegen erscheint Bürgeln vermehrt in Konflikten mit den seit 1306 aus der markgräflichen Linie Hachberg-Sausenberg-Rötteln stammenden Vögten. 1345 einigten sich Abt Peter von St. Blasien (1334–1348) und Markgraf Otto von Hachberg (1318–1384), dass der Abt von St. Blasien im Gebiet der Zelle Bürgeln die hohe und niedere Gerichtsbarkeit hatte. Der Markgraf aber sollte innerhalb des in der Urkunde umschriebenen Bürgelner Banns die Blutsgerichtsbarkeit ausüben, wofür ihm die Bürgelner Untertanen eine Vogtsteuer zu entrichten hatten. Gleichwohl würde es Abt und Propst zustehen, gegebenenfalls einen anderen Vogt zu erwählen.29 Der ein Jahr später verfasste Dingrodel – dem Propst stand der Vorsitz beim drei Mal jährlich tagenden Eggener Dinggericht zu – und das 1348 von Propst Heinrich von Teningen verfasste Bürgelner Urbar (inklusive Weistum über Obereggenen) zeugen von der auch im Mutterkloster St. Blasien und anderen abhängigen Gemeinschaften beobachtbaren Verdichtung der klösterlichen Herrschaft.30 Einige Schenkungen, die Inkorporationen der Kirchen von Marzell und Obereggenen (1379 und 1398) sowie die in mehreren Zinsverzeichnissen vom Bürgelner Propst zu leistenden Abgaben sprechen dafür, dass Bürgeln in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts prinzipiell gut aufgestellt war.31 Zugleich gibt es aber auch Anzeichen für eine Krise: 1377 bis 1417 wurde die Bürgelner Propstei von Weitenau aus versorgt, 1427–1454 residierten die Pröpste in Sitzenkirch.32 Urkunden legen zudem nahe, dass die Markgrafen Besitz aus der Bürgelner Vogtei in Allodialbesitz umwandelten und Zinse an sich zogen.33 Im 15. Jahrhundert ließen die Markgrafen sogar ihre Jagdhunde auf der Propstei Bürgeln versorgen und verglichen sich mit St. Blasien 1477, 1480, 1500 und 1548 wegen wiederkehrender Konflikte um Rechte und Einkünfte.34 Insbesondere der Vertrag von 1500 zeigt, dass die Markgrafen zahlreiche Rechte an sich gebracht hatten: So konnten diese einen vom Abt ernannten Amtmann in Obereggenen, durch einen »tauglichen« ersetzen, Strafgebühren einziehen, falls Bürgelner Untertanen nicht zum Dinggericht erschienen und umfangreiche Steuern und Zinse einnehmen.

Obwohl Propst Ulrich von Rümlang 1480/81 umfangreiche Renovierungen am Propsteigebäude und der Kirche vornehmen ließ, scheint die Propstei immer unattraktiver geworden zu sein. Die meisten Pröpste blieben nur noch kurze Zeit in Bürgeln, eine Tendenz, die sich nach der Plünderung Bürgelns im Bauernkrieg und der anschließenden Auflösung Sitzenkirchs verschärfte.35 Ebenso entscheidend waren die Konflikte mit den Markgrafen von Baden und die Reformation. Bereits unter Markgraf Ernst (1533–1555) war der Bürgelner Propst Georg Bötz wegen eines vermeintlich ungebührlichen Lebenswandels im Turm der Röttler Burg festgesetzt worden. Dies ist nicht im Sinne einer eindeutig reformatorischen Positionierung des Markgrafen zu verstehen, sondern dessen Einsatz für eine Kirchen- und Klosterreform geschuldet. Die Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Baden durch Karl II. (1552–1577) im Jahr 1556 brachte einen endgültigen Bedeutungsverlust für Bürgeln. Die bisher in der Seelsorge tätigen Patres waren nun ohne Aufgabe, statt der einstigen vier bis fünf Mönche blieb neben dem Propst noch maximal einer in Bürgeln. Die Propstei Bürgeln wurde zur reinen Verwaltungsstätte der Sanblasianer Besitzungen und Gefälle im Markgräflerland. Ein 1561 geschlossener Vertrag sah vor, dass St. Blasien und Bürgeln die im Vergleich zum 14. Jahrhundert ohnehin geschrumpften Besitzungen im Markgräflerland behalten konnten, im Gegenzug aber die evangelischen Pfarrer der Sanblasianer Pfarreien zu bezahlen und die Baulast der Kirchen zu tragen hatten.36 Immer wieder kam es in der Folge zu Streitigkeiten zwischen den Bürgelner Pröpsten und der Markgrafschaft, etwa um die Ernennung von Pfarrern oder das ab 1660 nicht mehr tagende und 1726 von der markgräflichen Regierung endgültig außer Kraft gesetzte Dinggericht. Zu Problemen kam es auch zwischen der Propstei Bürgeln und den evangelischen Bauern, die sich teilweise weigerten, an den katholischen Propst Zinse zu zahlen. Viele Pröpste des 17. und 18. Jahrhunderts blieben denn auch nur wenige Jahre in Bürgeln. Unter diesen ragte nur Ignaz Gumpp (1747–1749) heraus, der eine Geschichte der Propstei verfasste.37 Gumpp schildert deren desolaten Zustand ausführlich, sodass es nicht verwundert, wenn 1762–64 ein Neubau errichtet wurde. 1796 wurde Bürgeln durch die Franzosen geplündert, 1805 fiel es an Baden. Die Propstei wurde aufgelöst, der letzte Propst Martin Schmid zum Seelsorger der katholischen Bevölkerung in der Gegend ernannt.

Besitz und Wirtschaft

Durch das Chronicon Bürglense sind die Bürgelner Besitzungen im 12. Jahrhundert außerordentlich gut dokumentiert.38 Sie lagen, von wenigen Ausnahmen wie Wolfenweiler abgesehen, im Umfeld des Klosters, insbesondere im Oberen Kandertal, bei Eggenen, Bürgeln und Sitzenkirch und in der Vorbergzone zwischen Schwarzwald und Rhein mit Besitzschwerpunkten um Schliengen und bei Gupf/Tannenkirch. Die Besitzlandschaft des Klosters spiegelt die Besitzschwerpunkte und Einflusssphäre der Gründerfamilie im Breisgau. Die außerhalb des Breisgaus liegenden Kaltenbacher Besitzungen (vor allem im Kt. Solothurn) fielen direkt an St. Blasien. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts konnte Bürgeln den Besitz kontinuierlich erweitern und vor allem im Raum Eggenen bedeutend verdichten. Davon zeugen zwei Bannbeschreibungen der Jahre 1345 und 1346, die jeweils vom Gipfel des Hochblauen ausgehend das zusammenhängende Bürgelner Territorium bis in die umliegenden Täler beschreiben.39 Seit dem späten 14. Jahrhundert scheint der Besitz dagegen, vor allem durch Einwirken der Markgrafen von Hachberg als Vögte, nach und nach geschrumpft zu sein. 1806 erbrachte der Verkauf nur noch rund 30.000 Gulden, für das Anwesen der Propstei konnten weitere 10.000 Gulden erlöst werden.40

Religiöses und kulturelles Wirken

Das außer dem Propst nur wenige Mönche umfassende Kloster Bürgeln war seit der Inkorporation des Frauenklosters Sitzenkirch in den Sanblasianer Klosterverband 1151 für die Seelsorge für die Sitzenkircher Nonnen verantwortlich. Diese Aufgaben wurden zunächst von einem Prior versehen, der auch die Einhaltung der Klausur zu überwachen hatte. Da dieses Amt zuletzt 1261 belegt ist,41 scheinen die Pflichten danach vom Propst und den weiteren Mönchen übernommen worden zu sein. Als Königin Agnes von Ungarn 1305/1306 einen Altar in Sitzenkirch stiftete und dort täglich die Messe gelesen werden sollte, verfügte der Sanblasianer Abt sofort eine Aufstockung auf bis zu vier Mönche.42 Die übrigen Mönche waren als Seelsorger an den Bürgeln inkorporierten Kirchen in Kaltenbach, Sitzenkirch und ab dem 14. Jahrhundert auch Obereggenen und Marzell tätig.

Bibliothek und Archiv

Die wichtigste Bürgelner Handschrift, das in Form eines Rodels gehaltene Chronicon Bürglense, gilt heute als verloren. Im GLA Karlsruhe ist lediglich eine Abschrift des Notars Ulrich Buck von 1494, inkl. einer deutschen Teilübersetzung erhalten.43 Das Original lag dem ersten Editor, dem Sanblasianer Mönch Rusten Heer, noch vor, dürfte aber schon damals in St. Blasien gewesen sein. Anlässlich der Auflösung des Klosters wurden kaum Bücher in Bürgeln gefunden, vermutlich ist der mittelalterliche Handschriftenbestand schon im 15. Jahrhundert, inklusive der Archivalien nach St. Blasien gekommen und von dort nach St. Paul im Lavanttal und ins Generallandesarchiv Karlsruhe verbracht worden.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die schlossartige Anlage liegt über dem Eggener Tal und ist in eine große Gartenanlage eingebettet. Der nördliche Zugang führt durch 1914 bzw. 1920–26 neu errichtete Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude hindurch zum zentral angeordneten, seit 1912 vierflügeligen Propsteihauptgebäude. In den Innenhof springt das Treppenhaus samt Aborten vor, die Flügel werden vom Vestibül her mittels zum Hof gerichteten Fluren erschlossen. Der Nordflügel nimmt die Kapelle mit zwei vom Obergeschoss zugänglichen Oratorien auf.

Kapelle und Konventsgebäude

Erhalten sind Reste der vermutlich um 1110 erbauten Johanneskapelle mit Kreuzgratgewölbe;44 die Reste einer Kapelle von 1593/94 wurden vermutlich in die spätbarocke Kapelle im Nordflügel integriert, welche in den 1920er Jahren in großen Teilen neugestaltet wurde und seit 1926 evangelisch geweiht ist.

Das Propsteihauptgebäude, ein ursprünglich dreiflügeliger, zweigeschossiger Massivbau wurde 1762–64 im Auftrag von Propst Alois Mader und Fürstabt Meinrad Troger von St. Blasien (1749–1764) in typisch strenger äußerer Form durch Franz Anton Bagnato errichtet, nachdem die 1593/94 durch Propst Martin Gleichauf errichteten Vorgängerbauten überwiegend abgebrochen worden waren. Gebäudeecken, Fenstergewände und Dachansatz sind rot gefasst, hinter dem Dach des Dreiecksgiebels mit Uhr ist ein achteckiges, zwiebelbehelmtes Türmchen zu sehen, darauf der springende Hirsch, das Wappentier St. Blasiens. Das Gebäude besitzt im Inneren eine äußerst qualitätvolle Rokokoausstattung und eine umfangreiche Gemäldesammlung im zentral angeordneten Bildersaal im zweiten Obergeschoss des Westflügels. Im Obergeschoss des Nordflügels befindet sich das Prälatenzimmer, dessen Stuckornamente Krummstab und Abtsinful, Fürstenhut und Schwert zeigen. Der Südflügel wurde 1855 zu Wirtschaftszwecken umgebaut, der Ostflügel nach 1912 im Stil der Heimatschutzarchitektur angebaut. Das Hauptgebäude erhielt 1920–26 ein neues Portal, die doppelläufige Freitreppe wurde vergrößert und die umgebenden, formalen Terrassengärten neu angelegt.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Von den vielen, in situ erhaltenen Ausstattungsstücken sind ein barockes Uhrwerk, das die Uhr im Giebel sowie sieben Uhren in Obergeschoss-Zimmern betreibt, sowie der Bildersaal mit Porträts, Stilleben und Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts hervorzuheben. Die zahlreichen Supraporten mit Darstellungen fast aller Sanblasianer Besitzungen sowie eine Supraporte, die das Mutterkloster im Schwarzwald vor dem großen Brand 1768 zeigt, stellen eine bedeutende Bildquelle überwiegend verlorener Bauzustände dar. Bemerkenswert sind auch die Kachelöfen aus der klostereigenen Manufaktur in Grafenhausen sowie die wandfeste Ausstattung – u. a. Holzlambris, Papiertapeten und Stuckdecken von Franz Anton Vogel. Die Deckengemälde in der Kapelle von Johann Anton Morath aus Grafenhausen zeigen die Taufe Christi im Jordan, umgeben von den vier Evangelistensymbolen. Das Mobiliar in der gesamten Anlage ist teils original, teils nach 1920 ergänzt; der Original-Altar der Kapelle von 1666 befindet sich heute in der Jakobuskirche zu Weinheim-Hohensachsen.

Bibliographie

Quellen: Chronicon Bürglense.

Handbücher und Lexika: GermBen V, S. 175–183 (Rosemarie Reichstein); KDM Bd. 5, S. 102–106 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerinnenkloster Berau (Georg Pfeiffer / Karl- Heinz Braun).

Literatur: Gerwig 1903; 1907; Schmidt-Clever 1912; Trenkle 1930; Ott 1963; Waldschütz 2025.

Anmerkungen

  • 1 UB St. Blasien, Nr. 163 S. 213 f.
  • 2 UB St. Blasien, Nr. 164 S. 214 f.
  • 3 Chronicon Bürglense, S. 380.
  • 4 UB St. Blasien, Nr. 272 S. 358.
  • 5 UB St. Blasien, Nr. 726 S. 944 f.
  • 6 UB St. Blasien, Nr. 748 S. 975 f.
  • 7 Krieger I, Sp. 349.
  • 8 Haid 1870, S. 88.
  • 9 Chronicon Bürglense, S. 370 f. (Gründung), 37 4-379 (Hagiographie).
  • 10 Chronicon Bürglense, S. 366 f.
  • 11 Chronicon Bürglense, S. 36 8-370.
  • 12 Chronicon Bürglense, S. 366, 370, 371.
  • 13 Chronicon Bürglense, S. 37 1-374; UB St. Blasien, Nr. * 157 S. 20 2-204.
  • 14 UB St. Blasien, Nr. 164 S. 214.
  • 15 UB St. Blasien, Nr. 168 S. 218.
  • 16 Chronicon Bürglense, S. 370.
  • 17 Chronicon Bürglense, S. 37 9-384.
  • 18 Waldschütz 2025.
  • 19 UB St. Blasien, Nr. 284 S. 374 f.
  • 20 UB St. Blasien, Nr. 197 S. 261 f.
  • 21 UB St. Blasien, Nr. 200 S. 267 f.
  • 22 UB St. Blasien, Nr. 272 S. 368.
  • 23 UB St. Blasien, Nr. 523 S. 674 f.
  • 24 Person-Weber 2001, S. 310, 330.
  • 25 UB St. Blasien, Nr. 294 S. 386 f., Nr. 726 S. 944 f., Nr. 748 S. 975 f.
  • 26 UB St. Blasien, Nr. 409 S. 529.
  • 27 UB St. Blasien, Nr. 418 S. 543.
  • 28 UB St. Blasien, Nr. 507 S. 656.
  • 29 GLA 11 Nr. 1970.
  • 30 GLA 66 Nr. 1476 (Rodel), 1475 (Urbar), dort fol. 1-4 das Weistum. Zum Dinggericht vgl. Trenkle 1930, S. 4 8-51; Ott 1963, S. 8 f.
  • 31 Schenkungen: Gerwig 1903, S. 12; Marzell: GLA 65 Nr. 140, S. 48; Obereggenen: Trenkle 1930, S. 228; Liber Marcarum: Haid 1870, S. 88; Papstzehntrodel: Ott 1963, S. 124, 126 f.
  • 32 Ohne Angabe von Quellen: Trenkle 1930, S. 211; Gerwig 1907, S. 85.
  • 33 RMB I, h 751, h 774; vgl. auch Trenkle 1930, S. 5 3-55.
  • 34 RMB II, Nr. 1168 (1423); GLA 11 Nr. 693 (16. 11. 1500); Gerwig 1903, S. 14.
  • 35 Seith 1926, S. 52, 138.
  • 36 Burger 1984, S. 6 5-70.
  • 37 GLA 65 Nr. 140.
  • 38 Chronicon Bürglense, S. 37 9-384.
  • 39 GLA 11 Nr. 1970; GLA 66 Nr. 1476 (Rodel), 1475 (Urbar).
  • 40 Schmid 1980, S. 178 f.; Gerwig 1907, S. 82 f.
  • 41 UB St. Blasien, Nr. 418 S. 542 f.
  • 42 GLA 11 Nr. 4533, 4544.
  • 43 GLA 65 Nr. 139, für weitere Teilabschriften vgl. UB St. Blasien, Nr. 130 S. 157 f.
  • 44 Ottersbach 2022, S. 387
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Waldschütz [Autor]
  • Kristina Hagen [Autor]
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