Gruol, Dominikanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1353 erstmals als Klause erwähnt – 1477 Klosterordnung – im 16. Jh. Zufluchtsort für die geistlichen Frauen der dominikanischen Klausen in Heiligenzimmern, Haigerloch und Weildorf – 1803 Aufhebung – bis 1827 Mädchenschule

Ordensgliederung: 1619 Provinz Teutonia, Nation Alsatia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Haigerloch

Ortsbezüge:
  • Gruol
  • Haigerloch, Zollernalbkreis
Ordensregel:
  • Dominikanerterziarinnen 1353-1803
Beschreibung:

Name: reclusorium in Gruorn (1360/70);1 closen (1477);2 clausen (1606);3 congregatio sororum (1619)4

Geschichte

Die frühe Geschichte der geistlichen Frauengemeinschaft in Gruol liegt größtenteils im Dunkeln. Ihre Ersterwähnung wird in der Literatur mehrheitlich, doch ohne Angabe von Quellen, mit 1353 angegeben, teils auch 13525 (wobei hier anzunehmen ist, dass es sich um einen Schreibfehler handelt). Mit großer Wahrscheinlichkeit bezieht sich diese Angabe auf den sogenannten Liber marcarum. Dieser ist Bestandteil des Liber taxationis, welcher in das Jahr 1353 datiert wird. Die aktuelle Forschung geht indes davon, dass der Liber marcarum erst um 1360/70 angelegt wurde. Insofern müsste die bisher verbreitete erstmalige Nennung der Gruoler Klause entsprechend korrigiert werden. Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts tritt die Klause immer wieder urkundlich in Erscheinung. So beispielsweise am 11. September 1433, als der Weildorfer Pfarrer Güter zur Abhaltung eines Jahrtags an den Konvent schenkte.6 Und dann nochmals 1468. Über die Ordenszugehörigkeit oder zur Frage, wie die Frauengemeinschaft in ihrer Frühzeit organisiert war, ist nichts bekannt.

Unbesehen der Tatsache, dass frühere urkundliche Belege vorhanden sind, nennt die ältere Literatur durchweg den 11. Mai 1477 als Gründungsdatum.7 Auf diesen Tag datiert eine Urkunde, in welcher neun namentlich genannte Frauen bezeugen, dass sie mit gutter vernunfft auch vorbetrachtung […] ainer ordnung und ainigkeit […] ingegangen sygen. Diese Ordnung bezieht sich darauf, dass Güter und Erbschaften, die der Gemeinschaft zufließen oder Novizinnen mitbringen, Gemeingut werden sollen (an das obgut unsser huß und closen gegeben). Auf die religiöse Praxis geht das Dokument nicht ein; es erwähnt lediglich, dass man sich nach ordens recht richten solle. Welcher Orden gemeint ist, wird nicht mitgeteilt. Der Konstanzer Bischof bestätigte diese Ordnung zehn Jahre später. Die Frauen, die aufgeführt sind, scheinen aus der Umgebung zu kommen und bäuerlicher Abstammung zu sein. Die weiteren Quellen handeln im Großen und Ganzen von wirtschaftlichen Belangen. Ende des Mittelalters besaß der Konvent 13 Äcker mit rund 6,4 Hektar Fläche und vier Wiesen mit rund 2 Hektar Fläche sowie drei Wälder. Das Vermögen des Konvents wird in der Liste des »gemeinen Pfennigs« von 1497 mit 500 Gulden taxiert.

Wir erfahren erst in der Neuzeit, dass der Konvent dem Predigerorden angeschlossen war. So wurde Gruol als die einzige Frauengemeinschaft im Raum Haigerloch, die sich halten konnte, in der Reformationszeit zur Auffangstation der Klausen in →Heiligenzimmern, →Weildorf und →Haigerloch, welche dominikanisch orientiert waren.8 Über die Frage, wem der Besitz der aufgehobenen Klausen gehörte, kam es zwischen den Grafen von Hohenzollern und der Provinzleitung der Dominikaner zu Auseinandersetzungen. Zumindest der Besitz der Klause in Haigerloch gehörte bis zu deren Ableben der letzten von dort übergesiedelten Schwester Catharina Nadler. Sie vermachte dieses Erbe am 21. November 1606 testamentarisch der Gruoler Klause, wobei sie einen Passus aufnahm, dass die Güter wieder nach Haigerloch fließen sollten, sofern dort die Klause wider ufferbauwen und mit gaistlichen persohnen ersezt würt.9 Im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen dieses Erbfalls treten im Übrigen erstmals die Predigerbrüder als geistliche Oberen der Gruoler Schwestern in Erscheinung.

Auf dem Provinzialkapitel 1619 in Freiburg wurde die Teutonia neu organisiert; dabei teilte man Gruol der natio Alsatia zu.10 Das Schicksal der Kommunität im Dreißigjährigen Krieg ist nicht erforscht. Es gibt Hinweise darauf, dass die Klause schwer getroffen wurde. So wurde etwa die benachbarte Kirche, die mit dem Kloster über einen Gang verbunden war, zerstört. Auch sei 1635 das halbe Dorf ausgestorben gewesen, darunter sollen drei Klosterfrauen zu Tode gekommen sein.11 Anhand von Quellen überprüft sind diese Angaben bislang nicht.

Bis zum Ende des 17. Jahrhundert hat sich die Gemeinschaft personell erholt. 1669 zählte sie wieder zehn Frauen. Der Konvent scheint durchschnittlich zwischen zehn und zwanzig Schwestern umfasst zu haben. Sie rekrutierten sich in der Regel aus dem örtlichen Bürgertum, insbesondere im 18. Jahrhundert waren – den umliegenden Frauengemeinschaften entsprechend – einige aus dem Großraum Augsburg darunter. Die soziale Schichtung des Konvents ist im Einzelnen nicht erforscht.

Die Besitzergreifung des Klosters durch Hohenzollern infolge des Reichsdeputationshauptschlusses erfolgte am 14. Januar 1803 durch den Haigerlocher Oberamtmann. Aus dem Kloster wurde dabei eine Art Frauenarbeitsschule, die bis 1827 Bestand hatte. Durch gründliche Inventarisierung sind die Vermögenswerte der Gemeinschaft inklusive des häuslichen Inventars gut bekannt. Sämtliches Hab und Gut wurde nach und nach versteigert mit einem Gesamterlös von 21.579 Gulden, die abzüglich verschiedener Ausgaben für Dienstboten, Umzugskosten etc. der Regierung in Sigmaringen zuflossen.

Gruol war, wie die umliegenden Orte, nach Weildorf eingepfarrt. Die Untere Kirche in Gruol war mit einer Kaplanei ausgestattet, welche Weildorfer Kapläne betreuten. Die Schwestern der Klause wurden ebenfalls von diesen Kaplänen betreut, obwohl diese Geistliche in den Quellen als »Pfarrer« firmieren. Erst später, wobei der Zeitpunkt nicht ermittelt ist, treten auch Dominikaner als Seelsorger auf.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die Anlage bestand ab 1773 aus einem Konventsbau und mehreren Wirtschaftsgebäuden, die sich um einen großen Hof südlich der St. Klemens-Kirche, der sogenannten Unteren Kirche in Gruol (seit 1668 Pfarrkirche), beim Mühlenkanal gruppierten. Da die Schwestern keine eigene Kirche hatten, nutzten sie zur Verrichtung der Stundengebete die Pfarrkirche.

Kirche und Konventsbauten

Über die bauliche Anlage der Klause, von der einzig die Klosterscheuer erhalten blieb, ist man dank erhaltener Planunterlagen gut unterrichtet. Sie wurden anlässlich einer geplanten Erweiterung 1773 vom beauftragten Baumeister Christian Großbayer angefertigt.12 Im Plan sind die Funktionen der einzelnen Räume detailliert aufgeführt. Der Konventsbau war dreistöckig mit ausgebautem Dachstuhl, rund 28 m lang und rund 16 m breit. Er war über einen überbauten Gang mit der Kirche verbunden. Der Gang verlief von der zweiten Etage des Konventsgebäudes in den sogenannten Klosterfrauenchor. Dieser befand sich auf einer Empore im hinteren Bereich der Kirche. Diese Empore war mit einem Altar und einer Orgel ausgestattet; sie war offenbar mit einer Brüstung zur Laienkirche abgeschirmt.

Laut der älteren Literatur handelte es sich beim Konventsbau um ein Fachwerkgebäude mit Steinsockel. Die Klosterscheuer ist inschriftlich auf 1743 datiert.

Nach der Säkularisierung sollte das Gebäude, wie die übrigen Wirtschaftsgebäude, verkauft werden. Da sich kein Käufer fand, gab man sie 1833 zum Abbruch frei. Erhalten blieb die mit zwei großen Scheunentoren markante Klosterscheuer, die teils zu Wohnungen umgebaut wurde.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen haben sich Bildtafeln aus einem Retabel erhalten, die aus Gruol stammen sollen. Sie zeigen den Hl. Dominikus und einen weiteren Ordensheiligen. Im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt befindet sich außerdem ein Reliquienschrein, der mitunter Gruol zugeschrieben wird.

Bibliographie

Quellen: Pfeiffer 1884/85; Walz 1927, S. 18.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Gruol (Martina Wehrli-Johns).

Literatur: Schmid 1988 (a); Kordel 1990; Kuhn-Rehfus 1993; Frank 2002/03.

Anmerkungen

  • 1 Haid 1870, S. 98.
  • 2 Pfeiffer 1884/85, S. 116.
  • 3 Ebd.
  • 4 Kordel 1990, S. 430.
  • 5 Frank 1994, S. 263.
  • 6 StAS FAS DS 3 T 1 R 78, 14.
  • 7 StAS FAS DS 3 T 1 R 78, 72, hier zitiert aus: Pfeiffer 1884/85, S. 117.
  • 8 Kuhn-Rehfus 1993, S. 113; Frank 2002/03, S. 304; Kuhn-Rehfus 1993, S. 113.
  • 9 Zitiert nach Pfeiffer 1884/85, S. 121.
  • 10 Kordel 1990, S. 430.
  • 11 vgl. Pfeiffer 1886/87.
  • 12 StAS Ho 177 T 4 Nr. 548
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Yvonne Arras [Autor]
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