Hechingen, Kollegiatstift St. Jakob 

Kurzbeschreibung:

1488 Gründung – 1495 Stiftungsbrief – Residenzstift der Grafen (seit 1623 Fürsten) von Hohenzollern(-Hechingen) – 1780–84 Neubau der Kirche – 1813 Stiftsvermögen unter landesherrliche Verwaltung gestellt – 1819 Wechsel des letzten Kanonikers auf eine Pfarrstelle

Patrozinium: Maria, Jacobus maior
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Hechingen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kollegiatstift St. Jakob 1488-1813
Beschreibung:

Name: capitul[um] ecclesie sancti Iacobi (Siegel), styfft zu Hechingen (1503);1 stifft in Unser Lieben Frawen cappell in unser [= Graf von Hohenzollern] statt Hechingen / Unser Lieben Frawen stifft zu Hechingen (1514);2 collegstifft Unser Lieben Frawen unnd S. Jacobs zu Hechingen (1591)3

Geschichte

Historische Entwicklung

Über die Gründungsgeschichte des Stifts berichtet ausführlich der erste Stiftsdekan Michael Zimmermann, der 1516 oder kurz darauf ain gruntliche unnderweisung des stiffts Unnser Lieben Frowen capell zu Hechingin zu Papier brachte, wie die dotiert syg mit ällen dem, swat zugehörg und notturft ist gesin.4 Zimmermann schreibt, der Augsburger Bischof Friedrich von Zollern (1486–1505) und sein Bruder Graf Eitelfriedrich II. von Zollern (1488–1512) habend sölichen stifft erigiert […] uff zwölff priester, um damit den letzten Willen ihres Vaters, des im Februar 1488 verstorbenen Grafen Jos Niklas I. von Hohenzollern, zu erfüllen.5 Dien stifft angefangen mit aller solmnitet hätten er, Michael Zimmermann aus Ostdorf, damals Dekan des Landkapitels und Pfarrer in Hechingen, und zwei Kapläne an der damaligen Hechinger Pfarrkirche St. Luzen am 2. Juli 1488. Am 23. Juni 1490 habe Papst Innozenz VIII. (1484–1492) mit einem Breve das Stift mitsampt dien almucien approbiert.6 Eine erneute Erlaubnis für die Kanoniker, Chorherrenmäntel (Almutien) tragen zu dürfen, erfolgte am 15. Mai 1498 durch den päpstlichen Legaten Raimund Peraudi, der nicht auf das päpstliche Breve Bezug nahm.7 Nach Zimmermann empfingen die Chorherren am 2. Februar 1499 feierlich die Almutien und legten sie an,8 und am 11. Oktober 1499 sei das Stift auf zwölf Personen dotiert worden.9 Mit diesem Datum bezieht er sich auf die Bestätigungsurkunde des zuständigen Konstanzer Diözesanbischofs Hugo von Hohenlandenberg (1496–1530, 1531–1532),10 der am folgenden Tag auch die Statuten bestätigte,11 die – so Zimmermann – Bischof Friedrich von Augsburg 1499 mit seinem Generalvikar, Offizial und Insiegler sowie mit Johann Geiler von Kaysersberg, predicator zu Straßburg, gesetzt hatte.12

Mit der Datierung der Anfänge des Stifts auf das auch in der Umschrift des Stiftssiegels genannte Jahr 1488 konnte Zimmermann einen zeitlichen Bezug zu Graf Jos Niklas I. von Hohenzollern herstellen. Dieser hatte 1472 mit dem Neubau eines repräsentativen Gotteshauses beim Obertor der Stadt Hechingen, des zentralen Ortes seines Herrschaftsgebietes, an der Stelle einer älteren Kapelle begonnen und auch für eine angemessene Ausstattung gesorgt, wie eine bei Hans Eger in Reutlingen 1475 gegossene Glocke und die Beschaffung eines Altargemäldes für den Hochaltar in Antwerpen zeigen. Die Fertigstellung zog sich laut Bauinschrift bis Oktober 1488 hin, so dass der Graf sie nicht mehr erlebte. Mit diesem Bau fand ebenso wie mit dem Wiederaufbau der 1423 zerstörten Burg Hohenzollern ab 1454 die von ihm begonnene innere und äußere Konsolidierung der Grafschaft Zollern ihren sichtbaren Ausdruck. Kirchenrechtlich war das neue Gotteshaus allerdings eine Kapelle, denn Hechinger Pfarrkirche blieb bis zur Inkorporation der Pfarrei in das Stift 1536 die außerhalb der Stadt liegende Kirche St. Luzen. Wie ihre Vorgängerin war die Kapelle Maria und Jakob d. Ä. geweiht. Hauptheiliger des Stifts war Jakob, der auch auf dem Stiftssiegel dargestellt ist, doch erscheint das Stift gelegentlich auch als Liebfrauenstift in den Quellen.

Zimmermann erwähnt nicht, dass es auch eine Stiftungsurkunde gibt.13 Die Urkunde, ausgestellt von Bischof Friedrich mit Zustimmung seines Bruders Eitelfriedrich, ist auf den 7. Januar 1495 datiert, doch handelt es sich dabei um eine Rückdatierung. Denn es wird darin der im Juni 1496 verstorbenen Ehefrau Eitelfriedrichs Magdalena von Brandenburg gedacht und als Konstanzer Bischof wird der im Dezember 1496 geweihte Hugo von Hohenlandenberg erwähnt. Zur Dotation überließ Bischof Friedrich dem Stift den Großzehnten der Pfarrkirche Steinhofen und deren Filialkirchen Bisingen und Thanheim. Außerdem hatte Magdalena von Brandenburg testamentarisch dem Stift 1.000 Gulden vermacht.

Magdalena von Brandenburg war in dem neuen Hechinger Gotteshaus beigesetzt worden, das anstelle des →Dominikanerinnenklosters Stetten Erbgrablege der Grafen und (seit 1623) Fürsten von Hohenzollern-Hechingen wurde. Magdalenas Gatte Graf Eitelfriedrich ließ um 1510 bei Peter Vischer in Nürnberg für sich und seine Gemahlin ein aufwändiges Stiftergrabmal gießen, von dem noch die Grabplatte erhalten ist.

Um auf die vorgesehene Zahl von zwölf Kanonikern zu kommen, hatten Bischof Friedrich und Graf Eitelfriedrich bis 1493 zusätzlich zu den in der Pfarrkirche St. Luzen bereits bestehenden Pfründen neue Pfründen in der Kapelle gestiftet und die Pfründe am dortigen Liebfrauenaltar aufgebessert, so dass schließlich neben dem Dekan und dem Inhaber der Pfarrpfründe acht Kapläne für das Chorgebet zur Verfügung standen. Da die beiden Brüder sich nicht zu weiteren Pfründstiftungen entschließen konnten, bestimmte die formelle Stiftungsurkunde, dass neben den Pfründeninhabern zwei Kooperatoren ohne Pfründe (cooperatores, in deutschsprachigen Quellen auch als helfer bezeichnet), die den Pfarrer in der Seelsorge unterstützten, ebenfalls am Chordienst teilnehmen und dafür Präsenzgelder beziehen sollten. Das Präsentationsrecht für alle Stiftspfründen hatte der Landes- und Stadtherr inne.

Im Stiftungsbrief und den Statuten werden neben dem Dekan als weitere Dignitäten noch der Kantor und presentiarii erwähnt. Bei einer Visitation wurde 1624 das Fehlen eines Punktators aus dem Klerus bemängelt.14 Das Amt des Dekans wurde seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr regelmäßig besetzt. Der Stadtpfarrer (der im 16. und frühen 17. Jahrhundert nicht immer Dekan war) nahm nunmehr offensichtlich die Aufgaben eines Stiftsvorstandes wahr. Der Stadtpfarrer Franz Joseph Werner wurde 1773 als canonicus senior bezeichnet.15

Nach dem Stiftungsbrief sollte jeder Kanoniker die gleiche Portio erhalten. Sie wurde 1622 von monatlich zehn Gulden auf zwölf Gulden erhöht. Seit Ende des 17. Jahrhunderts betrug sie 200 Gulden jährlich, wobei es auch halbe Kanonikate gab. Für den Dekan bestimmte der Stiftungsbrief die doppelte Portio. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde ihm noch die anderthalbfache Portio ausbezahlt. Seit dem Rechnungsjahr 1721/22 bezog der letzte Dekan, der Stadtpfarrer Johann Martin Fischer († 1740), keine erhöhte Portio mehr.

Jeder neue Kanoniker hatte nach den Statuten pro introitu dem Stift zehn Gulden zu entrichten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren es 15 Gulden. Soweit feststellbar kamen die meisten Kanoniker aus der weiteren Umgebung Hechingens, im 16. Jahrhundert etwa aus Tübingen, Sulz oder Weilheim bei Hechingen. Oft stammten sie sogar aus der Stadt selbst. 1536 wurden zwei Geistliche aus dem Herzogtum Württemberg, die die Einführung der Reformation nicht mittrugen, in das Stift aufgenommen. Bei einem Kanoniker und Stadtpfarrer wird als Herkunft die Diözese Augsburg angegeben, bei einem anderen das bayerische Schongau. Wer von weiter her kam, verdankte um 1600 sein Kanonikat meist direkt oder indirekt seiner Qualifikation als Musiker, so der Burgunder Anton Bucquet, der Bayer Johann Gattmayr oder der Tiroler Johann Gartner. Bis auf Otto Heinrich Baldung von Löwen waren die Kanoniker alle nichtadligen Standes.

Nachdem Graf Eitelfriedrich I. von Hohenzollern-Hechingen bereits zu Beginn der 1580er-Jahre zwei späteren Kanonikern den Besuch des Münchner Jesuitenkollegs und der Universität Dillingen ermöglicht hatte, richtete er 1584 zur Gewinnung qualifizierten Nachwuchses ein Stipendium in Höhe von jährlich 100 Gulden für zwei Bürgerkinder der Stadt Hechingen bzw., falls dort niemand dazu tauglich sei, für zwei Kinder aus der Grafschaft Zollern ein. Die Stipendiaten sollten bei den Jesuiten erzogen werden und dann ein Theologiestudium absolvieren. Mit 14 Jahren hatten die Knaben zu schwören, nach ihrem Studium auf Lebenszeit im Hechinger Stift eine Pfründe anzunehmen. Wenn die Stipendiaten ihr Studium beendet hatten, sollte der regierende Graf mit Rat des Dekans und anderer Stiftsverwandten zwei neue Stipendiaten auswählen. Der Hechinger Obervogt Johann Dretzler vermachte den Stipendiaten zusätzlich ein Bücherstipendium in Höhe von 3 Gulden jährlich.

Die Besetzung des Stifts mit (einschließlich der beiden Kooperatoren) insgesamt zwölf Personen ließ sich spätestens gegen Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr halten. Ein Bericht über eine Visitation aus dieser Zeit bemerkt: mehr als acht canonicos zu haben, ist nicht zu rahten, würdt auch, wann das einkommen in zwölff theyl abgescheyden werden solt, den guthen herrn außzukommen unmöglich sein.16 Bei der Visitation von 1624 heißt es, es bestünden sechs Kanonikate, davon seien jedoch zwei Pfründen wegen der mageren Einkünfte vakant.17

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam das Stift in eine Krise: Die Präsenzgelder hatte man auf die einzelnen Kanoniker umgelegt, ohne – wie es der Stiftungsbrief vorschrieb – eine Teilnahme am Chorgebet zu verlangen. Die Kanoniker hatten deshalb keinen materiellen Anreiz mehr, alle officia und horas zum fleißigsten zu besuchen.18 Hinzu kam, dass sich manche Priester nitt [...] inn priessterlicher zucht und erberkaith verhielten, wie es 1577 heißt.19 Ein Kanoniker riss 1589 mit der hurren aus,20 andere lebten anscheinend – wie man an ihren Kindern sieht – mehr oder weniger offen mit Frauen zusammen. Wieder ein anderer hatte Alkoholprobleme. 1560 entleibte ein Kooperator einen Juden, ein Kanoniker schlug an Fastnacht 1593 einen Hofmusiker des Grafen mit dem Schwert zum Krüppel. Ein weiterer konvertierte zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum Luthertum. Wie wenig man dem Stift als geistlicher Institution zutraute, zeigt der Vorschlag, die Pfarrei durch einen Ordensgeistlichen versehen zu lassen, wobei sicher an einen Mönch aus dem neu gegründeten →Franziskanerkloster St. Luzen bei Hechingen gedacht war.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war zunächst der Pfarrer der einzige Weltgeistliche in Hechingen, bei der Visitation von 1671 wird ein weiterer Kanoniker erwähnt, 1685 gab es wieder einen Kooperator, 1694 neben dem Pfarrer zwei Kanoniker und den Kooperator. Dies war grundsätzlich auch die Personalausstattung des Stifts im 18. Jahrhundert.

Auch gegen Ende des 17. Jahrhunderts stand das Stift nicht gerade in hohem Ansehen. Am Stift habe man nicht täglich Vesper und Amt, auch würden die alten Statuten nicht gehalten. So kam 1699 der (allerdings nicht in die Tat umgesetzte) Gedanke auf, von den drei Kanonikern zwei abzuschaffen und dafür Jesuiten nach Hechingen zu holen, die Predigtdienst, Seelsorge und Schulunterricht übernehmen könnten.

Noch 1802 wollte Fürst Hermann Friedrich Otto (1798–1810) ein weiteres Kanonikat errichten. Dieses konnte nicht besetzt werden. Allerdings wurden die 400 Gulden, die der Kanoniker jährlich hätte erhalten sollen, dem Beichtvater des säkularisierten Dominikanerinnenklosters Stetten angewiesen. Bis zum Tode des Stadtpfarrers und Kanonikers Joseph Anton Weiger 1816 wurde die Zahl von drei Kanonikern beibehalten, das heißt, nach dem Ableben eines Kanonikers dessen Kanonikat jeweils wieder besetzt. Für Weiger wurde kein Nachfolger im Kanonikat berufen. Die letzten beiden verbleibenden Kanoniker übernahmen 1818 bzw. 1819 Pfarrstellen in Thanheim und Burladingen.

Der Hechinger Stadtpfarrer und Dekan des Landkapitels Bulach nahm 1851 an, das Stift sei 1806 ganz aufgehoben worden,21 doch lässt sich dies anhand der Quellen nicht verifizieren. Allerdings ließ sich in dieser Zeit der Landesherr Subsidiengelder aus dem Stiftsvermögen auszahlen und zog es auch zur Bestreitung von Ausgaben für die Hofhaltung heran. Genannt werden Fleischrechnungen, Contos für Juwelen, Tücher usw.22 Das Stiftsvermögen ging so von 30.019 Gulden im Rechnungsjahr 1792/93 auf 7.245 Gulden im Jahr 1813/14 zurück. 1813 stellte der Fürst das Stiftsvermögen als Sondervermögen mit eigener Rechnung unter die Verwaltung der fürstlichen Hofkammer Hechingen. In der Revolution von 1848 erklärte der Fürst indes, dass es sich bei dem noch vorhandenen Vermögen um ein Kirchenvermögen handle. Es wurde deshalb bei der Abtretung der hohenzollerischen Fürstentümer an Preußen 1850 nicht als Domanialgut behandelt, sondern als kirchliche Stiftung und damit als fortbestehende selbständige juristische Körperschaft, da die preußische Verwaltung davon ausging, es sei das Stift zwar nicht secularisirt, sondern lediglich [...] incamerirt, d. h. in Verwaltung genommen worden.23

Besitz und Wirtschaft

Das Stift und die Kanonikerpfründen hatten 1544 Besitz und Zinseinkünfte in über 20 Orten, vor allem in Hechingen und Dörfern der Umgebung, aber auch in Rottenburg, Hirschau, Wurmlingen und Bebenhausen.24 1612 betrugen die Jahreseinkünfte des Stifts 1.914 Gulden, nach dem Dreißigjährigen Krieg, genauer 1651, waren es noch 248 Gulden.25 Sieben der zehn Pfründen verfügten 1593 über ein eigenes Haus, 1688 gab es noch fünf Kanonikathäuser, um 1800 zwei.26

Religiöses und kulturelles Wirken

Die beiden Ämter am Jahrtag der 1513 gegründeten und bis ins 19. Jahrhundert bestehenden Sebastiansbruderschaft sollten laut deren Satzungsurkunde mit allen Stiftsherren in der Stiftskirche begangen werden. 1773 wurde die Rottenburger Marianische Bürgerkongregation nach Hechingen in die Stiftskirche übertragen.

Das Stift war in die hochstehende Musikkultur am Hofe Graf Eitelfriedrichs I. von Hohenzollern-Hechingen (1576–1605) eingebunden. Geistliche Werke wurden von der gräflichen Hofkapelle in der Stiftskirche aufgeführt. Kanonikate wurden mit musikbegabten Geistlichen besetzt, die bei der gräflichen Hofkapelle und Kantorei mitwirkten. Johannes Gartner, Stiftsdekan seit 1619, tat sich als Komponist hervor.27

Der ehemalige Karmelitenpater Joseph Müller wurde 1782 eigens als Kanoniker nach Hechingen geholt, um an der dortigen Stadtschule einen fähigen Religionslehrer zu haben.28

Bibliothek und Archiv

Bis 1515 hatte das Stift für liturgische Handschriften und Drucke 366 Gulden 6 Schilling 9 Heller ausgegeben, darunter für eine Antiphon 100 Gulden, für ein Graduale 40 Gulden und für zwei Spezial einer Antiphon 80 Gulden.29 Gegen Ende des 16. Jahrhunderts forderte eine Visitation, eyn nutzliche kleyne bibliotheck einzurichten und von jahren zu jahren zu verbessern, für die der Graf auch was darzue geben wollte.30

Ende des 16. Jahrhunderts ist eine fundation lad erwähnt, in der Unterlagen zur Gründung des Stifts lagen.31 1624 heißt es, die Archivschlüssel habe der Dekan. Das Archiv des Stifts befand sich 1694 hinter dem Hochaltar. Allerdings wurden hier nicht immer alle Dokumente aufbewahrt. In den 1680er-Jahren wurde die fürstliche Verwaltung aufgefordert, dass die besagtem stüfft zuegehörigen [...] acta und documenta selbigem getreulich restauriert werden.32 1747 waren ale instrumenta, documenta et pretiosa wie auch alle rechnungen, bezüg- und handbücher samt kapitalbriefen und barem geld beim Stiftspfleger.33

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die Stiftskirche in Hechingen liegt am Kirchplatz in der Oberstadt, dem Merian-Stich zufolge ursprünglich wohl nahe der südlichen Stadtmauer und unweit vom Marktplatz, auf dem das Rathaus steht, entfernt. Die Saalkirche ist ein bedeutendes Zeugnis des Frühklassizismus in Südwestdeutschland.

Kirche

Die Stiftskirche wurde ursprünglich als einschiffige Kapelle mit polygonalem Chorschluss und südlich angesetztem Glockenturm mit achtseitigem Helmdach angelegt. Das Bauwerk, dessen Grundstein Jos Niklas von Zollern 1472 legte und das 1488 Maria geweiht wurde, war in seinen Ausmaßen deutlich kleiner als der heutige Bau. Anfang des 18. Jahrhunderts brach man die spätgotische Marienkapelle ab, um ein sehr großzügiges, rund 18 m breites und 53 m langes Gotteshaus zu errichten. Es besteht aus einem einschiffigen Langhaus, das östlich in querschiffartige Ärmchen übergeht, an welche ein eingezogener, halbrund geschlossenen Chor angestückt ist. Ein rund 55 Meter hoher, quadratischer Westturm, der in halber Breite aus der Flucht des Langhauses herausragt, bildet die Fassade zur Straße hin und enthält zugleich das Hauptportal der Kirche. Über ihm befindet sich eine Inschrift, die besagt, dass das steinsichtige Bauwerk von Joseph Wilhelm Fürst von Hohenzollern (1750–1798) 1782 errichtet wurde. Der ausführende Architekt war der Franzose Pierre Michel d’Ixnard, der unter anderem Kloster und Kirche von →St. Blasien entwarf. Seinen, im Recueil d’architecture von 1791 veröffentlichten Plänen zufolge wurde die Kirche zwischen 1778 und 1784 geplant und errichtet. Die Grundsteinlegung fand am 15. Mai 1780 statt. Als örtlicher Bauleiter fungierte zunächst der in Hohenzollern seinerseits anerkannte und durch zahlreiche Kirchenbauten profilierte Baumeister Christian Großbayer aus Haigerloch, da d’Ixnard mehrere Aufträge gleichzeitig bearbeitete und nicht vor Ort war, während der Bau umgesetzt wurde. Nachdem es Differenzen zwischen ihm und d’Ixnard gegeben hatte, übernahm Johann Georg Scheyer die Bauleitung.

Rundbogenfenster in Langhaus und Chor, die an den Ecken von Pilastern flankiert werden, rhythmisieren das Gebäude, dem ansonsten durch umlaufende Gesimse und ein mächtiges Satteldach eine gewisse horizontale Schwere anhaftet.

Im Innern wandert der Blick vom Foyer durch einen zentralen Mittelgang in einen lichtdurchfluteten, geräumigen Chor hin zum mächtigen Hauptaltar im Chorscheitel. Das übergroße Altargemälde, das die Kreuzigung zeigt, ist bereits beim Eintreten deutlich zu erkennen. Das Spiegelgewölbe, welches das Langhaus über einer Hohlkehle nach oben schließt, nimmt keine Rücksicht auf die mit jeweils einem Altar ausgestatteten Querschiffärmchen, sodass sie in der Raumflucht des Langhauses gleichsam verschwinden. Im Westen des Schiffs befindet sich eine mittig angelegte Fürstenloge, die von konsolenartigen Atlasfiguren gleichsam getragen wird. Die Loge weist Deckenmalereien des Hofmalers Andreas Meinrad von Au auf.

Im Chor befindet sich links und rechts das 26 Stallen umfassende Gestühl des Stiftskollegiums. Die Ausstattung des Raumes ist insgesamt sparsam; es dominieren helle, weiße Farbtöne. Dekorative Elemente wie die Kapitelle der Pilaster, die das verkröpfte Gesims tragen, auf dem das Deckengewölbe ruht, sind vergoldet. Vergoldet sind außerdem die Rahmen der Gemälde, die die Altäre in den Seitenkapellen bekrönen. Der Raumeindruck besticht insgesamt durch sein aufgeräumtes, monumentales Gliederungssystem mit horizontalen und vertikalen Elementen. Unter dem Chorbogen befindet sich der Zugang zur ursprünglich angelegten, heute nicht mehr zugänglichen Fürstengruft. Sie diente seit der Gründung des Stifts als Grablege des Hauses. Nach der Säkularisation 1802 wurden die bis 1488 im Kloster Stetten im Gnadental bestatteten Grafen von Zollern im Rahmen einer Prozession hierhin überführt.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Aus dem Vorgängerbau erhalten blieb die bronzene Grabplatte des Sarkophags Eitelfriedrichs II. von Hohenzollern und seiner früh verstorbenen Gemahlin, Markgräfin Magdalena von Brandenburg. Sie ist im Chor der heutigen Kirche auf der Nordseite in die Wand eingelassen (Abb. 3). Die beiden waren die ersten, die im neu fundierten Stift bestattet wurden, nachdem das Kloster Stetten bis dahin als Grablege des Hauses gedient hatte.

Bekannt ist außerdem, dass Jos Niklas für die spätgotische Stiftskirche Bestellungen von Ausstattungsstücken unter anderem in Antwerpen tätigte, so beispielsweise ein heute verlorenes Altarretabel.

Bibliographie

Quellen: Riegger 1934; Kraus 1951; 1963 (a), (b); 1966.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 283–285 (Dagmar Zimdars); KDM Hohenzollern Bd. 1, S. 154–165 (Friedrich Hoßfeld); kloester-bw, Kollegiatstift St. Jakob Hechingen (Volker Trugenberger); SKHB, S. 241–247 (Volker Trugenberger).

Literatur: Schmid 1962; Franz 1983; Werner 1987; 2002/03 (a).

Anmerkungen

  • 1 StAS Ho 1 T 1-6 Nr. 152.
  • 2 StAS Ho 1 T 1-6 Nr. 179.
  • 3 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 78, 139.
  • 4 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35.
  • 5 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 1 r.
  • 6 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 6 v.
  • 7 PfA Hechingen Nr. 404; vgl. StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 6 v.
  • 8 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 7 r.
  • 9 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 6 r.
  • 10 PfA Hechingen Nr. 403.
  • 11 K raus 1951; vgl. StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 7 r.
  • 12 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 7 r.
  • 13 PfA Hechingen Nr. 403, Transfix an der Bestätigungsurkunde Bischof Hugos von Hohenlandenberg (11. 10. 1499).
  • 14 Kraus 1963 (a), S. 41.
  • 15 Des Hochlöbl. Schwäbischen Crayses vollständiges Staats-und Addreß-Buch auf das Jahr 1773, S. 231.
  • 16 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 78, 12.
  • 17 Kraus 1963 (a), S. 41.
  • 18 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 78, 12.
  • 19 StAS FAS HH 1-50 T 1-5 A 1442.
  • 20 Zitiert nach Schmid 1962, S. 320.
  • 21 StAS Ho 235 T 25 Nr. 423, Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg an die Preußische Immediatkommission in Sigmaringen (14. 3. 1851).
  • 22 Ebd.
  • 23 StAS Ho 235 T 25 Nr. 424 (Bericht der Preußischen Regierung Hechingen an die Preußische Immediatkommission für die Fürstentümer Hohenzollern vom 3. 12. 1850).
  • 24 StAS FAS DH 1 T 7 R 78, 6.
  • 25 Kraus 1963 (b), S. 163.
  • 26 StAS FAS DH 1 T 7 R 78, 10; Baur 1933, S. 52; Werner 2002/03 (a), S. 183.
  • 27 Schmid 1962, S. 3 28, 335, 346.
  • 28 Werner 2002/03 (a), S. 180.
  • 29 StAS FAS DH 1 T 1-6 R 83, 35, fol. 10 v-11 r.
  • 30 Zitiert nach Riegger 1934, S. 55, 57.
  • 31 StAS FAS HH 1-50 T 1-5 A 1415.
  • 32 Zitiert nach Riegger 1934, S. 62.
  • 33 Zitiert nach Werner 2 002/03 (a), S. 177 aus der handschriftlichen Chronik der Stadtpfarrei Hechingen, verfasst vom Hechinger Stadtpfarrer Konstantin Holl († 1919)
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Volker Trugenberger [Autor]
  • Yvonne Arras [Autor]
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