Rangendingen, Dominikanerterziarinnen
| Kurzbeschreibung: | 1431 erste urkundliche Erwähnung – vor 1576 Erlöschen der Gemeinschaft – um 1600 Neubesiedlung – seit den 1770er Jahren vom Kloster Stetten im Gnadental verwaltet – 1802 Besitznahme des Klosters durch Hohenzollern – 1804 Umzug der Schwestern ins Kloster Stetten im Gnadental Patrozinium: Hl. KreuzOrdensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Suevia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Hechingen |
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| Beschreibung: | Name: domus sororum de tertia regula (1497);1 congregatio Rangendingensis (1810)2 GeschichteZur frühen Geschichte des Klosters Rangendingen kursieren widersprüchliche Angaben. Laut der Ortstradition, die auf einer Pfarrchronik von 1802 beruht, geht das Kloster auf die Stiftung eines – historisch indes nicht nachweisbaren – Ritters namens Hans Heinrich von Lindach im Jahr 1303 zurück.3 Die Ordenshistoriographie hingegen setzt die Gründung eines Klosters namens »Gnadenbrunnen« ins Jahr 1302.4 Demnach habe ein nicht näher bezeichneter Friedrich, Graf zu Hohenzollern, eine frühere »Mördergrube« in das »Jungfrauencloster« verwandelt.5 Die erste urkundliche Nachricht datiert auf den 23. Januar 1431. In dem Lehenbrief ist von einer Priorin und einer Klause die Rede.6 1453 wird das Kloster im Zusammenhang mit der Dotation einer Frühmesse erwähnt. Nachdem der Konvent als im Dekanat Hechingen liegende Drittordensgemeinschaft in der Einzugsliste des »Gemeinen Pfennigs«, der 1495 erhoben und 1497 eingesammelt wurde, nochmals erwähnt wurde, verlieren sich die urkundlichen Spuren der geistlichen Frauengemeinschaft für einige Jahrzehnte. Auch im 16. Jahrhundert ist nur sehr sporadisch und in wirtschaftlichen Kontexten von einer Klause die Rede. Im Jahr 1564 erwarben die Frauen in Frommenhausen eine Korngült von 5 Malter Roggen um 90 Pfund Heller. Das weitere Schicksal der Frauengemeinschaft ist unklar. Rund 25 Jahre später werden die Güter und Gebäude der Klause in einem Lagerbuch als verpachtet erwähnt. Eitelfriedrich I. von Hohenzollern-Hechingen (1576–1605) erwähnt bei seinem Regierungsantritt im Jahr 1576, dass die Klause in genztlichem verlaß und abgang sei.7 Ebenso, wie derselbe Graf im Rahmen der katholischen Reform Mittel und Mühe in die anderen in Hohenzollern gelegenen Klöster und Stifte →St. Luzen, →Stetten im Gnadental und →St. Jakob in Hechingen steckte, war er auch in Rangendingen bemüht, die geistliche Frauengemeinschaft wiederumb zu der ehr Gottes nach und nach an gebew und anderen zugehörungen zu erneuern.8 Verdingzettel mit in der Gegend ansässigen Schreinern belegen, dass der Graf die Klause renovieren ließ. Zwischen 1596 und 1604 scheinen vier namentlich bekannte, bürgerliche Klosterfrauen in die wieder hergestellte Behausung eingezogen zu sein. Eitelfriedrich I. sicherte den Fortbestand des Konvents, indem er ihn urkundlich am 8. April 1604 dauerhaft von Lasten und Abgaben befreite.9 Inwiefern der Dreißigjährige Krieg und dessen Auswirkungen den Konvent tangierten, ist nicht erforscht. Bekannt sind an das Kloster Stetten im Gnadental gerichtete Schreiben, die besagen, dass sowohl das Hechinger Oberamt wie auch Stadt und Gericht der Stadt Hechingen von den Klöstern Stetten und Rangendingen Kriegskontributionen forderten. Nachdem die Stettener Nonnen hiergegen Beschwerde beim Fürsten eingelegt hatten, bestimmte dieser, dass beide Konvente aufgrund ihrer Immunität unangetastet bleiben sollten. Die Entwicklung des Klosters scheint im Verlaufe des 17. Jahrhundert stagniert zu haben. So sind zwischen 1657 und 1682 keine Eintritte in den Konvent überliefert. Umso mehr bedarf der plötzliche Wohlstand der Schwestern am Beginn des 18. Jahrhunderts einer Erklärung, die bislang aussteht. Ausgehend vom Erwerb von vier Höfen von Fürst Friedrich Wilhelm von Hohenzollern (1663–1735) am 21. Juni 1689 erlebte das Kloster bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Blütezeit. Davon zeugen nicht nur die nun in großer Zahl fließenden historischen Quellen, augenscheinlich wird der Aufschwung insbesondere mit der Errichtung einer repräsentativen Klosterkirche mit angeschlossenem, beachtlichem Konventsgebäude. 1730 war noch in einer Beschreibung der Süddeutschen Provinz vermerkt worden, dass die Drittordensgemeinschaft den Gottesdienst in der Pfarrkirche besuche, da ein eigener Bau fehle. 1751 besaß das Kloster Liegenschaften im Umfang von 54 Jauchert Äcker, 20 Jauchert Gärten und 12 Jauchert Waldungen. 4.000 Gulden waren verliehen, während der Konvent keine Schulden besaß.10 Im 18. Jahrhundert gehörten die namentlich bekannten Beichtväter und geistlichen Betreuer der Frauen – im Unterschied zur vorbarocken Zeit – dem Predigerorden an. Somit werden das geistliche Leben und die religiöse Praxis der Frauen erstmals fassbar. Außerdem änderte sich die soziale Zusammensetzung des Konvents, der sich im 18. Jahrhunderts fast ausschließlich aus Frauen bayerisch-schwäbischer Herkunft rekrutierte. Er entbehrte größtenteils ortsansässiger Konventualinnen oder solcher aus der Umgebung. 1744 umfasste der Konvent 13 Schwestern, 1769 waren es 15, 1797 noch sieben. Der starke Zuzug von Schwestern aus dem Augsburger Raum schlug sich - ähnlich wie auch in Stetten im Gnadental und Binsdorf in der Ausstattung der Klosterkirche nieder. Ob die für die beiden Nachbarkonvente nachweisbare regional gefärbte Frömmigkeitspraxis (z. B. Bestand an Büchern, Kunstwerke) auch für Rangendingen gegeben war, ist noch nicht untersucht. Die Prachtentfaltung der Rangendinger Schwestern endete in einer Insolvenz. Der Konvent hätte sich ohne genugsam berechnung der kosten […] tief in schulden11 gesetzt. Selbst Darlehen von verschiedenen Stellen – so erhielten die Frauen etwa 5.000 Gulden von der Süddeutschen Ordensprovinz – konnten nicht verhindern, dass der Fürst in Abstimmung mit den Dominikanern dem Konvent um 1780 die Wirtschaftsverwaltung entzog und er zu einem strikten Sparkurs angehalten wurde. Um Kosten zu sparen, wurde sogar die Beichtvaterstelle aufgehoben, sodass die Schwestern seelsorgerisch wieder wie früher vom Ortspfarrer betreut wurden. Zum Administrator der Klostergüter wurde der Beichtvater der Dominikanerinnen von Stetten im Gnadental bestellt, der die Verwaltung des Klosters bis zur Aufhebung 1804 übernahm. Rangendingen war mithin gänzlich vom Kloster Stetten im Gnadental abhängig. Hierüber entbrannten unter den Klosterfrauen Konflikte. Insbesondere die Priorin, Augustina Glanerin aus Augsburg, geriet ins Visier; die übrigen Schwestern bezeichneten sie aufgrund ihrer Sparmaßnahmen als tyrannisch.12 Die Aufhebung des Klosters fiel mit jener Stettens im Gnadental zusammen. Die verbleibenden Schwestern mussten im Herbst 1804 ins Beichtvaterhaus nach Stetten übersiedeln. Bau- und KunstgeschichteDie Klostergebäude stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfarrkirche St. Gallus auf einer Anhöhe. Pfarrkirche und Klostergebäude bilden somit auch optisch den markanten Ortsmittelpunkt. Die jetzige Anlage entstand zwischen 1752 und 1770. Die Kirche besteht aus einem einfachen knapp 12 m langen und rund 8 m breiten Saalbau mit eingezogenem, knapp sieben Meter langem 5/8-Chorschluss, der nach Süden polygonal geschlossen ist. Unmittelbar an die Ostseite der Kirche angeschlossen ist ein dreistöckiger, sattelgedeckter Konventsbau, dessen Breite der Länge der Kirche nahezu entspricht. Er wurde nach der Aufhebung des Klosters zum Rathaus umgewidmet. Rechtwinklig an den Konventsbau angrenzend wurde ein ebenfalls dreistöckiger Annexbau gleichfalls mit Satteldach errichtet, der nach der Säkularisation als Lehrerwohnung diente. Die ehemalige Nutzung der aneinander angeschlossenen Konventsgebäude und deren ursprüngliches Raumprogramm sind nicht erforscht. Wie die Gebäude der geistlichen Frauen vor dem Neubau der Mitte des 18. Jahrhunderts beschaffen und ausgestattet waren, ist bislang nicht bekannt. Ob die Frauen – wie umliegende derartige geistliche Frauengemeinschaften (etwa Hirrlingen, Binsdorf, →Gruol) – zum Gottesdienst die benachbarte Pfarrkirche nutzten oder einen eigenen Sakralbau zur Verfügung hatten, ist unklar. Quellen besagen, dass Eitelfriedrich I. von Hohenzollern-Hechingen den Schreiner Michael Lörch aus Haigerloch am 18. Oktober 1596 unter anderem mit der Anfertigung von 1 bank, das gestühl in der kirche, den tritt in der kapelle vor dem altar beauftragte.13 Ob eine mutmaßliche erste Kirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, wie die Literatur vorschlägt, ist nicht belegt. Ausstattung und Disposition der neuen Kirche haben sich im Wesentlichen aus der Erbauungszeit erhalten. Der Raumeindruck besticht durch eine helle Rokokofarbgebung, die das Schiff zum Chor hin durch einen dreipassförmigen, auf profilierten, reich mit Rocaillen, Muschelformen und Blumengebinden stuckierten Pilastern geschmückten Triumphbogen öffnet und den Blick auf den mit Säulen, Kranzgesims und Rocaillen gezierten Hochaltar lenkt. Das Altarblatt zeigt – entsprechend dem Patrozinium – die Kreuzigung Christi. Der obere Abschluss des Altars berührt das Deckengewölbe, welches mithilfe von Stuckornamenten kuppelartig geformt ist und auf Pilastern ruht. Wandpfeiler gliedern das Schiff in zwei Hälften mithilfe eines flachen Gurtbogens. Im hinteren Teil der Kirche befindet sich die Nonnenempore, deren Gitter ein prächtiges Rokoko-Schnitzwerk darstellt. An die Empore grenzt beinahe die in die östliche Langhauswand eingelassene Kanzel, die ihrerseits einen reichen Formenschmuck aufweist. Im vorderen Teil des Schiffs fällt der Blick auf die Seitenaltäre, die vor dem Triumphbogen stehen und diesen gleichsam einleiten. Sie sind reich ausstaffiert mit Muschelornamenten, Gesimsen, Vasen. Die Ausstattung der Kirche an Bildern und Gemälden gibt einen Eindruck von der Spiritualität des Predigerordens im 18. Jahrhundert. Abgesehen vom Hochaltar vereint das Bildprogramm der Kirche dominikanische Ordensheilige, ergänzt um Jesuiten. So zeigen die Seitenaltäre die Rosenkranzspende und Petrus Martyr (Evangelienseite) sowie Thomas von Aquin und Vinzenz Ferrer. Langhaus- und Chorwände zieren zudem vier weitere, in hölzerne Rokokorahmen gefasste Gemälde: zwei Jesuitenheilige und die Dominikaner Petrus Gonzales und Heinrich Seuse. Die Kirche ist mit einem steilen Satteldach bedeckt. Unter dem Dach waren die Zellen der Schwestern untergebracht. Am 28. August 1762 wurde die Kirche vom Konstanzer Weihbischof geweiht. Anschließend ging der Konvent an die Errichtung der Konventsgebäude. Bauakten sind bislang nicht gefunden worden. So ist unklar, wer für den Entwurf verantwortlich zeichnet. Unbekannt ist gleichfalls, wer die Stuckarbeiten ausgeführt hat. Die Literatur schreibt sie dem Umkreis Johann Michael Feuchtmayers zu. Gesichert ist hingegen, dass Franz Magnus Hops die Holzarbeiten schnitzte und F. C. Lederer die Altarblätter (mit Ausnahme des Hauptbildes des Hochaltars) signierte. Die gesamte Anlage wurde im 20. Jahrhundert mehrfach renoviert: 1936 und 1961 mit einem neuen Außenputz und einer Dachdeckung, 1976 bis 1978 wurde die Kirche generalsaniert. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 549 (Dagmar Zindars); KDM Hohenzollern Bd. 1, S. 254–259 (Friedrich Hossfeld); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Hl. Kreuz Rangendingen (Martina Wehrli-Johns). Literatur: Arras 2015/16. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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