Markdorf, Kapuzinerinnen
| Kurzbeschreibung: | 1692 Umzug von Bergheim nach Markdorf – 1710 Weihe der Klosterkirche – 1808 Aufhebung Patrozinium: JosephOrdensgliederung: 1699 der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz unterstelltKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau |
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| Beschreibung: | Name: monialium monasterii de oppido seu loco Marchdorff tertii ordinis S. Francisci Capucinorum (1700)1 Geschichte1689 erwarben die →Bergheimer Kapuzinerinnen einen Bauplatz in Markdorf und begannen mit der Errichtung einer neuen Klosteranlage. Der Grund für den Umzug, der zuvor vom Konstanzer Ordinariat vorgeschlagen wurde, lag wohl in der näheren Anbindung an die Markdorfer Kapuziner. 1692 bezogen 13 Frauen die ersten fertigen Wohngebäude. 1697 gestattete Bischof Marquard von Rodt (1689–1704) bei einem persönlichen Besuch die Verwahrung des Allerheiligsten in der Kirche des Klosters.2 Die Gesamtanlage wurde 1710 von Bischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg (1704–1740) geweiht.3 Die Jurisdiktion und Visitation des Klosters lagen anfangs beim apostolischen Nuntius in Luzern, was auf die Reform des Klosters in Bergheim zurückgeht. Papst Innozenz XII. (1691–1700) übertrug 1699 beides auf Bitten von Mutter und Konvent dem Konstanzer Bischof.4 In der Regel beauftragte dieser den Provinzial der Kapuziner mit der Durchführung der Visitation; dabei wurde ihm häufig vom Markdorfer Guardian assistiert.5 Sie fanden entweder im drei- oder sechsjährigen Rhythmus statt und waren immer mit der Wahl der Vorsteherin, der Mutter und ihrer Stellvertreterin, der »Helfmutter«, verbunden.6 Dass die Visitationen nicht als störender Eingriff von außen wahrgenommen wurden, zeigt, dass Mutter und Konvent in mehreren Fällen beim Bischof um ihre Durchführung baten.7 Als Beichtväter der Schwestern fungierten die in Markdorf ansässigen →Kapuziner. Zur regelmäßigen Feier der Messe in der Klosterkirche unterhielt die Gemeinschaft einen eigenen Kaplan.8 Der Konvent bestand in der Regel aus zehn bis 15 Chorschwestern und einer geringeren Anzahl an Laienschwestern. Die Frauen kamen vor allem aus der Bodenseeregion und Oberschwaben, gelegentlich auch aus Bayern. Im Gegensatz zu ihrem männlichen Pendant in Markdorf besaßen die Kapuzinerinnen Grundbesitz am Klosterort und in weiteren Gemeinden am Bodensee. Um dessen Verwaltung bzw. das Einziehen der Einkünfte kümmerten sie sich wohl mindestens teilweise selbst, wie ein tragischer Fall aus dem Jahr 1751 zeigt, als zwei Schwestern im Bodensee ertranken, als sie beim Transport von fünf Fuder Wein von Kattenhorn nach Markdorf auf dem Bodensee in einen Sturm gerieten und das Boot unterging.9 Neben Einkünften aus dem Grundbesitz nahm die Gemeinschaft mehrere teilweise adelige Pfründnerinnen bei sich auf und erhielt Stiftungen aus dem Umfeld der Markdorfer Bürgerschaft.10 Ab 1801 unterrichteten zwei Schwestern an der örtlichen Mädchenschule.11 Die wirtschaftliche Lage des Klosters verschlechterte sich Ende des 18. Jahrhunderts zusehends. Während die Mutter Victoria Vogt dafür die Kriegszeiten verantwortlich machte, sah der Bürgermeister von Markdorf, der gemeinsam mit dem Stadtpfarrer in bischöflichem Auftrag ab 1801 die wirtschaftliche Verwaltung des Klosters übernahm, die Gründe eher in einem zu großen Konvent und übermäßiger Bautätigkeit. Der Deutsche Orden, dem das Kloster 1803 zugewiesen wurde, stellte bei einer Inventarisierung ein Gesamtvermögen von knapp 12.000 Gulden fest.12 1808 hob Baden die Gemeinschaft auf und ließ den Grundbesitz verkaufen. Das Kloster wurde zum Aussterbekloster bestimmt. Die letzten beiden noch lebenden Frauen quartierte man 1835 aus. Die Stadt Markdorf übernahm die Gebäude und richtete ein Spital ein, an dem von 1867 bis 1976 Schwestern vom Orden der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz wirkten. Über das Schicksal des Klosterarchivs lassen sich keine sicheren Aussagen treffen. Archivalien zur Gemeinschaft finden sich heute im Generallandesarchiv Karlsruhe und im Erzbischöflichen Archiv Freiburg. Im Archiv der Pfarrei Markdorf liegt heute die Konventschronik, die von der Umsiedlung des Klosters nach Markdorf bis 1792 ausführliche Notizen zur Geschichte des Konvents und seiner Mitglieder bietet.13 Bau- und KunstgeschichteAuf einer Anhöhe, nur wenige hundert Meter nordwestlich der Altstadt, befindet sich das ehemalige Kapuzinerinnenkloster, später Spital. Es ist in großen Teilen erhalten. 1689 begonnen und 1710 mit der Weihe der Klosterkirche durch Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg vollendet, bestand die Anlage aus einer dreiseitigen Hofanlage, deren Ostflügel die Kirche St. Peter und Paul bildete. Im Süden verlief dicht vor der Kirchenfassade eine Mauer. Auf das einschiffige Langhaus mit schöner Kassettendecke folgt ein leicht eingezogener Chor, der etwas länger ist als das Schiff. Er ist in einen Altarraum und einen Psallierchor geteilt, wobei sich im Psallierchor der aus Bergheim mitgebrachte gotische Altar befand. Dieser innere Chor war vom Westflügel aus zugänglich, wo die Zellen der Nonnen lagen. 1693 waren der innere und der äußere Chor vollendet.14 Die teilweise Unterkellerung weist auf eine Gruft hin, jedoch scheint auch ein Friedhof im Garten angelegt worden zu sein.15 Der Chor ist gewölbt und trug ursprünglich einen Dachreiter, dessen Unterkonstruktion im vollständig erhaltenen Dachwerk noch erkennbar ist. Erst mit dem Abbruch der Südmauer 1960 wurde der Dachreiter auf dem Langhaus errichtet. Die Kirche folgt dem ansteigenden Gelände, ihr Fußboden steigt über drei Stufenanlagen an. Der zweigeschossige Nordflügel beherbergte ursprünglich die Zellen der Nonnen, die, in der Regel 6 m² groß, beidseitig eines Mittelganges lagen. Hier ist vom Klosterbestand nur wenig mehr als die Außenwände und das Dachwerk erhalten. Zeitgleich ist der nördliche Teil des 1930 aufgestockten Westflügels. Der breitere, etwa quadratische, dreigeschossige Kopfbau mit einem Mansarddach trägt über dem Portal im Süden das Datum 1776. Hier sind Fenster, Stuckdecken und Dachstuhl erhalten. Nach Norden schließt die Torkelscheuer an, ein Fachwerkbau mit einem Gewölbekeller und Sprengwerkkonstruktion im Dachstuhl, der als letztes Gebäude des Ensembles entstand. Der Hauptaltar zeigt auf dem Altarblatt eine Geburtsszene, flankiert von den Figuren der Hll. Petrus und Paulus, darüber Gottvater und der Hl. Geist. Seitlich des rundbogigen Choreingangs zwei mächtige Barockaltäre, alle drei Altäre von Paul Zeller, 1707 geweiht. Der linke besitzt ein Altarblatt mit Mariae Tempelgang, darüber ein Bild der Hl. Klara mit Monstranz, begleitet von Putten. Auf dem Altartisch ein Glasschrein mit den Reliquien der römischen Blutzeugin Martina, 1754 in der Priscilla Katakombe gefunden und nach Markdorf gebracht, dahinter eine erläuternde Inschrift. Auf dem Reliquienkasten eine Schutzmantelmadonna in einem Glasschrein. Seitlich Klosterarbeiten. Auf dem rechten Seitenaltar die Hll. Antonius und Franziskus. Im Gesprenge die Francesca Romana, auf dem Altar eine Heilige Familie. Alle drei Altäre besitzen Antependien aus bestickter Seide. An der Nordwand des Chores befindet sich ein großes Tafelbild mit dem Tod des Hl. Josef wohl von Matthäus Zehender um 1700. Weitere Tafelbilder gibt es auf der Empore – Maria mit Kind, die Hll. Klara, Antonius und Franz von Assisi, an der Emporenbrüstung zwölf Apostelbilder. An der Südwand des Langhauses eine Kreuzigung des 18. Jahrhunderts, an der Nordwand hinter einer Verglasung eine Leinwand mit Veronikabild, der sogenannten »Longitudo Christi«. Die Kanzel entstammt der Spätrenaissance, der Beichtstuhl ist barock. BibliographieHandbücher und Lexika: AFA 13, S. 163–174 (Benvenut Stengele/Max Wetzel); KDM Bd. 1, S. 517 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Kapuzinerinnenkloster Markdorf (Elmar L. Kuhn). Literatur: Stengele 1887; Wetzel 1910; Freyas 1994. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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