Markdorf, Kapuziner 

Kurzbeschreibung:

1652 Grundsteinlegung – 1659 Weihe der Klosterkirche – 1817 Aufhebung mit Tod des letzten Paters – um 1820 Abbruch der Anlage

Patrozinium: Unbefleckte Empfängnis Mariens
Ordensgliederung: 1668 Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Konstanz; 1781 Schwäbische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kapuziner 1659-1817
Beschreibung:

Namen: PP Capucinis in Markdorf (1717);1 Kapuziner zu Markdorf (1741)2

Geschichte

Nach der Vertreibung der Kapuziner aus Ravensburg im Jahr 1649 bemühten sich der Konstanzer Bischof Franz Johann von Altensumerau und Prasberg (1645–1689) und Graf Heinrich von Montfort, die Gemeinschaft in ihren Territorien anzusiedeln. Nachdem der apostolische Nuntius in Luzern und die römische Kurie eingeschaltet worden waren, konnte sich der Bischof zwar durchsetzen, musste allerdings seinen ursprünglichen Plan verwerfen, die Kapuziner in Meersburg anzusiedeln, und man einigte sich auf Markdorf als neuen Ort der Niederlassung.3 Hier legte der Bischof 1652 persönlich den Grundstein für das neue Kloster, das sich in unmittelbarer Nähe der Wallfahrtskapelle am Bildbach befand. Die Kapelle blieb im Eigentum der Stadt, die sie den Kapuzinern zur Betreuung überließ. Die dort bisher ansässigen Kaplaneien wurden mitsamt ihrem Vermögen und Einkünften an die →Stiftskirche übertragen. Da Glockentürme den Kapuzinern nicht erlaubt waren, wurde der Turm der Kapelle abgerissen und die Steine zum Bau des Klosters verwendet. 1655 bezogen sie einen ersten fertigen Gebäudeteil, und 1659 weihte der Bischof Franz Johann die Anlage, was als Gründungsdatum anzusehen ist. Der Bischof blieb Zeit seines Lebens eng mit der Gemeinschaft verbunden, tätigte mehrere Stiftungen und vermachte ihr nach seinem Tod 1.000 Gulden.4 Dies galt auch für die Nachfolger Franz Johanns, etwa Marquard von Rodt (1689–1704), dessen Bruder unter anderem Guardian in Markdorf war und im Kloster im Beisein seines Bruders verstarb, und Kasimir Anton von Sickingen (1743–1750), der 1748 seine erste Messe bei den Markdorfer Kapuzinern las.5

Die Zahl der Konventualen hielt sich konstant zwischen zehn und 14 Patres, dazu kamen noch Laienbrüder. Die Inventarisierung 1803 hielt fest, dass die Gebäude Platz für 20 Personen böten.6 Wohl wegen der Abgeschiedenheit des Ortes befand sich in Markdorf anfänglich auch das Noviziat der Provinz, das 1697 nach →Waldshut verlegt wurde, im Jahr 1739 jedoch wieder nach Markdorf zurückkehrte.

Die Markdorfer Brüder nahmen eine Vielzahl an Aufgaben wahr. Sie betreuten den bei ihrem Kloster liegenden Wallfahrtsort. Als Beichtväter fungierten sie in der Stiftskirche, wo sie auch regelmäßig predigten, ebenso bei den in Markdorf ansässigen →Kapuzinerinnen und dem 1735 in Meersburg eröffneten bischöflichen Priesterseminar. Immer wieder halfen sie in der Seelsorge in der Umgebung aus. Daneben hielten sie jährlich vier Jahrtagsfeiern in der Kapelle des bischöflichen Schlosses in Markdorf ab. In der Gottesdienstordnung der Stiftskirche sind mehrfach im Jahr Messen und Prozessionen notiert, die in der Kapuzinerkirche abgehalten werden sollten.7 Durch die Übernahme dieser Aufgaben, sowie das Sammeln von Almosen, finanzierten die Kapuziner ihren Unterhalt. Dabei gerieten sie in einen Konflikt mit dem Konstanzer Bischof und Kardinal Hugo Damian Schönborn (1740–1743) über den Umfang des Bettelns im Hochstiftsterritorium, der erst unter seinem Nachfolger Kasimir Anton von Sickingen beigelegt werden konnte.8

1803 wurde das Kloster zuerst dem Deutschen Orden übertragen, der die wirtschaftliche Situation des Klosters erfassen ließ.9 Die zu diesem Zeitpunkt im Kloster lebenden Kapuziner durften dort auch nach dem Übergang an Baden bleiben und erhielten von der neuen Regierung sogar Unterstützungszahlungen, die zuvor der Bischof von Konstanz geleistet hatte. Mit dem Tod des letzten Paters im Jahr 1817 erlosch das Kloster. Der letzte Markdorfer Laienbruder, der mit einer Pension versehen in die Stadt zog, starb 1824.

Ein Klosterarchiv und eine Konventschronik müssen existiert haben, sind aber heute verloren. Einige Bände der Bibliothek gelangten nach der Aufhebung an die Leopold-Sophien Bibliothek in Überlingen.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Markdorfer Kapuzinerkloster lag am Bildbach im Westen vor der Stadt, an der Ausfallstraße nach Bermatingen.

Nach Ausweis einer Kaplaneistiftung von 1388 existierte an diesem Ort eine Wallfahrtskirche, die zwischen 1450 und 1469 erneuert wurde. 1464 soll sie zwei oder drei gotische Altäre gehabt haben.10 Neben dieser Kirche, die anstelle des älteren Glockenturms einen Dachreiter bekommen hatte, entstand das Kloster, das der Konstanzer Bischof 1659 weihte. Das Konventsgebäude bestand aus Wohnräumen für 20 Patres und war von einer Mauer umfasst, die auch einen Garten einschloss. Offenbar maß die Kirche 132 Schuh (ca. 43 m) in der Länge, 31 Schuh (ca. 10 m) in der Breite und 68 Schuh in der Höhe (ca. 22 m) und gehörte der Stadt.11

Die 31 ursprünglich in der Gruft bestatteten Kapuziner wurden 1818 auf dem Friedhof beigesetzt. Auf einer Skizze von Eiermann sieht man die Kirche, drei Gebäude um einen kleinen Innenhof und die Umfassungsmauer, während zwei Stadtansichten übereinstimmend das dreigeschossige Konventsgebäude zeigen, das etwa mittig senkrecht an die Kirche anstößt.12 Um 1820 wurde das Kloster nach Aufhebung auf Abbruch verkauft.13 Heute sind Spuren allenfalls im Boden erhalten.

Die Ausstattung der Wallfahrtskirche wurde im Rahmen der Gründung des Kapuzinerklosters an die Stifts- bzw. Pfarrkirche übergeben, darunter auch die Schutzmantelmadonna von 1447.

Das gemalte Antependium des Hochaltars ging an die Mauritiuskapelle beim ehemaligen Heiliggeistspital in Markdorf. Nach der Auflösung des Kapuzinerklosters wurde dessen Ausstattung auf verschiedene Kirchen verteilt, so bekam St. Vitus in Friedrichshafen-Fischbach das Hochaltarblatt, eine Stiftung des Bischofs, das die Hl. Familie neben einer (schwer erkennbaren) Stadtansicht von Markdorf darstellt, die Kirche Mariä Geburt in Hasenweiler bei Horgenzell den Tabernakel.

Bibliographie

Quellen: Romuald von Stockach 1747, S. 130–134.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerkloster Markdorf (Elmar L. Kuhn).

Literatur: Stengele 1894; Wetzel 1910; Zierler 1928.

Anmerkungen

  • 0 1 StadtA Markdorf A 1-97 c. 2 Ebd. 3 Romuald von Stockach 1747, S. 131. 4 StadtA Markdorf A 1-97 c. 5 PfA Markdorf Nr. 574, S. 32. 6 Stengele 1883, S. 147. 7 PfA Markdorf Nr. 2502, fol. 14 r-16 r. 8 StadtA Markdorf A 1-97 c. 9 Stengele 1883, S. 14 6-148. 10 Stengele 1894, S. 46 f. 11 Wetzel 1910, S. 156. 12 Eiermann 1936. 13 Wetzel 1910, S. 157
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Krämer [Autor]
  • Ulrike Laule [Autor]
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