Weppach, Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1384 erster urkundlicher Beleg – vor 1443 Annahme der franziskanischen Drittordensregel – 1493 Konsekration der St. Anna-Kapelle – 1802 Inbesitznahme durch Fürstenberg – 1828 letzte Schwester verlässt den Konvent – nach 1829 Abbruch der Konventsbauten und Umbau der Klosterkirche

Patrozinium: Anna
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen 1384-1802
Beschreibung:

Name: schwestran in dem Wegbach (1424, 1441);1 in dem Weppach (1430, 1443);2 wald swöstran im Wepbach (1453);3 clause im Webbach (1539)4

Geschichte

Im 14. und 15. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt der Beginenbewegung am Bodensee von den Zentren ins Hinterland. Es entstanden hier unzählige Konvente mit mehr oder weniger klösterlichen Lebensformen. Die Schwestern in Weppach lebten, wie ihre Bezeichnung wald swöstran 1453 zeigt,5 zurückgezogen im Schutz des Waldes ein einsiedlerisches Leben, während zur gleichen Zeit andere Konvente an das Inklusentum anknüpften und sich in Zellen unmittelbar neben Pfarrkirchen einschließen ließen. Ihres Zusammenhangs mit der karitativ tätigen Beginenbewegung waren sich die Weppacher Schwestern gleichwohl noch im 18. Jahrhundert bewusst. In ihrer Hauschronik benannten sie zwei Beginen aus dem Leprosenhaus der Abtei →Salem in Wespach als Gründerinnen, die sich bei einem wundertätigen St. Anna-Brunnen niederließen, um Pest- und Leprakranke zu pflegen. Zeitlich lässt sich dieser Vorgang durch Urkunden von 1384 und 1424 näher eingrenzen. Demnach dürften Markdorfer Bürger den Schwestern um 1380 die Hofstätte zur Konventsgründung überlassen haben. Während sich die meisten Frauenkonvente des 14. und 15. Jahrhunderts schon bei der Gründung mit einem Orden verbanden, bildeten die Weppacher Schwestern jahrzehntelang eine nur locker strukturierte Gemeinschaft. Die ersten Hinweise auf die dritte Regel des Franziskanerordens und die Leitung des Konventes durch eine Mutter und Meisterin datieren ins Jahr 1443.6 Bis zum Jahre 1493, als die mit Almosen neu erbaute St. Anna-Kapelle geweiht wurde, waren die Schwestern ausschließlich auf den Gottesdienstbesuch in der Pfarrkirche Bermatingen und die sporadische Betreuung durch die Überlinger →Franziskaner angewiesen. Die wenigen Besitzungen lagen allesamt im nächsten Umkreis der Niederlassung und wurden von den Schwestern selbst bewirtschaftet. Auch die Aufnahme von Pfründnern ist belegt. In dieses Bild eines bescheidenen Schwesternkonventes fügt sich die »weltliche Stellung« der Weppacher Sammlung. Sie unterstand wohl von Anbeginn an der Pflegschaft der nahegelegenen Stadt Markdorf und verfügte selbst im Jahre 1562 noch über kein eigenes Siegel. Dem guten Ruf der Gemeinschaft tat dies keinen Abbruch. Er beruhte auf der Armut und einem intakten religiösen Leben und hatte Schenkungen und Klostereintritte aus den fernen Orten Konstanz und St. Gallen zur Folge. »Klösterlicher« wurde der Konvent erst im 17. und 18. Jahrhundert. Stiftungen von 1601 und 1680 sorgten für regelmäßige Messen in der Kapelle, in der seit 1609 das Altarsakrament aufbewahrt werden durfte. Ab 1686 stellte der Franziskanerorden einen eigenen Beichtvater für den Konvent. Ansichten und Pläne zeigen, dass das gesamte Klosterareal mit Zäunen und Mauern umgeben war.7 Bei der Profess verpflichteten sich die Schwestern jetzt gewöhnlich auf die Klausur. Zu seinen besten Zeiten beherbergte der Konvent 14 Schwestern.

Schwer litt die Gemeinschaft im Dreißigjährigen Krieg. Das abgeschieden gelegene, schutzlose Kloster wurde völlig ausgeplündert und die Vorsteherin ermordet. Die Schwestern mussten sich nach Markdorf und Konstanz flüchten. Der sukzessive Neubau der Klosteranlage, der mit der Weihe der Klosterkirche 1780 abgeschlossen war, zeigt eine gewisse Blüte im 18. Jahrhundert. Als Fürstenberg 1802 das Klostervermögen in seinen Besitz nahm, war die wirtschaftliche Situation in Weppach jedoch desolat, wohl nicht zuletzt nach Plünderungen durch französische Truppen in den Jahren zuvor.8 Der neunköpfige Konvent wurde auf den Aussterbeetat gesetzt. Die letzte, nach dem Tod ihrer Mitschwester allein zurückgebliebene Konventualin trat 1828 mit Genehmigung des bischöflichen Ordinariats in die Welt zurück.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster Weppach lag oberhalb des gleichnamigen Baches etwa 1,5 km nordöstlich von Bermatingen. Von den abgegangenen Vorgängerbauten des Klosters ist nur eine Kirche mit dem Weihedatum 1493 belegt.9 Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage zeitweise verlassen und zerstört, aber nach 1650 wieder besiedelt und aufgebaut.10 1683 ist der Bau eines Gast- und Beichtvaterhauses verzeichnet.11 1701 wurden eine Scheune und die Friedhofsmauer errichtet.12 Mit der Ausbesserung der Kloster- und Ökonomiegebäude 1739 begann offenbar eine langwierige Erneuerungsphase, für die 1761 eine weiträumige Sammlung abgehalten wurde.13 Ihren Endpunkt markierte wohl erst der Neubau und die Weihe der Kirche St. Anna 1780, die wenige Jahrzehnte später profaniert wurde und heute als einziges Bauzeugnis erhalten ist.14

Die in baulicher Ausführung und Ausdehnung bescheidene Klosteranlage setzte sich aus der geosteten, verputzten Saalkirche mit Satteldach und dem südlich parallel giebelständigen Konventsbau zusammen – ein zweigeschossiges verputztes Gebäude mit Satteldach, das durch Ecklisenen und Stockwerksgesimse zurückhaltend gegliedert war. Rückwärtig wurden sie durch einen gedeckten Gang zu einer kleinen Dreiflügelanlage geschlossen. Westlich des eingefriedeten Klosterbezirks befand sich das kleine Gast- und Beichtvaterhaus, an das sich ein großer winkelförmiger Ökonomiebau aus Fachwerk anschloss – wohl die 1701 errichtete Scheune.15 Zum Kloster gehörte auch ein 1698 geweihter Friedhof.16

Die Klosterkirche entbehrt heute des Chors und des markanten Dachreiters mit Zwiebelhaube, die beide offenbar abgebrochen wurden. Dennoch sind die einstige Sakralfunktion und die spätbarocke Gestaltung an den großen Segmentbogenöffnungen, den Ochsenaugen und den profilierten, giebelseitig verkröpften Traufgesimsen ablesbar. Auch innen zeugen noch Westempore, Deckenkehle und spärliche Freskenreste davon. An den Wänden waren einst die Apostel, an der Decke Tempelgang sowie Tod Mariens und über der Empore eine Ansicht des Klosters dargestellt.17

1829 gelangte das Kloster in Privatbesitz.18 Die Kirche wurde als Lager genutzt bzw. teils zum Wohnhaus umgebaut, der Konventsbau abgerissen und durch eine Gastwirtschaft ersetzt.19 Die Ausstattung wurde versteigert, die qualitätvolleren Paramente kamen in die Heiligenberger Schlosskapelle, die Altäre wohl in Kapellen der Umgebung.20

Bibliographie

Handbücher und Lexika: AFA 13, S. 151–163 (Benvenut Stengele); KDM Bd. 1, S. 664 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Schwesternsammlung Weppach (Elmar L. Kuhn).

Literatur: Schmid 1980, S. 294 f.; Wilts 1994, S. 458–460; Zitzlsperger 2000.

Anmerkungen

  • 1 FFA 17 1/2 (Klosterarchiv) I/1 (18. 4. 1424); StadtA KN Gemächtebuch A IX 1, S. 135 (1. 12. 1441).
  • 2 FFA Eccl. 17 1/2 (Klosterarchiv) II/1 (2. 10. 1430), II/2 (22. 9. 1443) II/3 (14. 11. 1443).
  • 3 FFA Eccl. 17 1/2 (Klosterarchiv) II/5 (5. 7. 1453).
  • 4 GLA 4 Nr. 6442 (16. 7. 1539), ähnlich GLA 4 Nr. 6440 (5. 7. 1490); FFA (Klosterarchiv) II/8 (2. 2. 1524).
  • 5 FFA Eccl. 17 1/2 (Klosterarchiv) II/5 (5. 7. 1453).
  • 6 FFA Eccl. 17 1/2 (Klosterarchiv) II/2 (22. 9. 1443), II/3 (14. 11. 1443).
  • 7 GLA H Weppach 1 (29. 4. 1702).
  • 8 Schmid 1980, S. 295.
  • 9 AFA 13, S. 153; KDM Bd. 1, S. 665.
  • 10 AFA 13, S. 15 4-156.
  • 11 AFA 13, S. 156.
  • 12 AFA 13, S. 156 f.
  • 13 AFA 13, S. 157 f.; Zitzlsperger 2000, S. 14.
  • 14 AFA 13, S. 158; Schmid 1980, S. 295; kloester-bw, Schwesternsammlung Weppach.
  • 15 AFA 13, S. 156; Zitzlsperger 2000, S. 16.
  • 16 AFA 13, S. 156.
  • 17 Staiger 1863, S. 225; AFA 13, S. 162.
  • 18 Schmid 1980, S. 295.
  • 19 AFA 13, S. 161 f.; Schmid 1980, S. 295.
  • 20 AFA 13, S. 162; Zitzlsperger 2000, S. 16
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Wilts [Autor]
  • Katrina Wei?er [Autor]
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