Birnau, Zisterzienser
| Kurzbeschreibung: | 1384 Inkorporation der Birnauer Kapelle in die Abtei Salem – 1746 Translation des Gnadenbildes nach Salem, Abbruch der Wallfahrtskirche (Alt-Birnau) – 1750 Weihe der neuen Wallfahrtskirche (Neu-Birnau) – 1808 Aufhebung der Mönchsgemeinschaft – 1919 Erwerb der Wallfahrtskirche durch die Zisterzienserabtei Mehrerau, Gründung eines Priorats Ordensgliederung: 1751–1808 Mönchsgemeinschaft (Expositur) der Abtei Salem; 1919 Propstei der Zisterzienserabtei MehrerauKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau; 1821/27 Erzbistum Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: capella in Birnowe […] in honorem et vocabulo B. Mariae virginis (1384);1 expositi R.R. P.P. ad taumaturgam Bürnoviensem (1751)2 GeschichteDie Zisterzienserabtei →Salem besaß nach Ausweis der Urkunden seit dem frühen 13. Jahrhundert Grundbesitz in Birnau. Eine →Schwesterngemeinschaft an der örtlichen Marienkapelle hatte um 1227 nur für wenige Jahre Bestand. Die örtliche Wallfahrt ist seit dem frühen 14. Jahrhundert belegt. Nach der Inkorporation der Kaplaneipfründe in die Zisterzienserabtei Salem im Jahr 1384 betreute die Wallfahrtskapelle ein Salemer Zisterzienser, der den Titel »Präfekt« trug. In dieser Zeit dürfte auch das Gnadenbild, die »liebliche Mutter von Birnau«, entstanden sein. Regelmäßige Um- und Erweiterungsbauten belegen, dass die Birnau ein beliebter Wallfahrtsort wurde. Die 1695 gegründete Josefsbruderschaft hatte bereits 1707 mehr als 8.000 Mitglieder. Langwierige Auseinandersetzungen mit der Reichsstadt Überlingen, zu deren Territorium der Platz um die Wallfahrtskirche gehörte, führten Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer spektakulären Maßnahme von Salem, nämlich der Verlegung der Wallfahrt in das eigene Territorium. Abt Stephan II. Enroth (1745–1746) ließ das Gnadenbild am 4. März 1746 in einer Prozession unter militärischem Schutz in die Abtei verbringen; zuvor waren die bischöfliche und päpstliche Genehmigung für diesen ungewöhnlichen Schritt eingeholt worden. Die Gebäude auf dem Birnauer Hügel (Alt-Birnau) wurden abgerissen. Mit barocker Pracht wurde durch Abt Anselm II. Schwab (1746–1778) die neue, oberhalb von Schloss Maurach gelegene Wallfahrtskirche (Neu-Birnau) am 20. September 1750 eingeweiht. Das Gnadenbild kehrte zur Birnau zurück. Eine zeitgenössische Festschrift dokumentiert die mehrtägigen Feierlichkeiten.3 In dem direkt an die neue Wallfahrtskirche angebauten Priesterhaus lebte fortan eine kleine Gemeinschaft von Salemer Zisterziensern. 1751 erließ Abt Anselm II. ein in 32 Punkte gegliedertes Statut, das von Generalabt François Trouvé (1748–1790) bestätigt wurde.4 An der Spitze der kleinen Kommunität stand der Superior, der sogleich Kirchherr der Wallfahrtskapelle war. Der Präfekt war für die wirtschaftliche Verwaltung verantwortlich. Ein dritter Pater, Vikar genannt, unterstützte sie in der Wallfahrtsseelsorge. Regelungen zur monastischen Ordnung und zur Feier der Liturgie schlossen sich an. Die Säkularisation der Zisterzienserabtei Salem erfasste auch die Birnau. Die letzten Mönche verließen im April 1808 die Wallfahrtskirche. Die Anlage ging in den Besitz des Hauses Baden über. 1919 erwarb die Zisterzienserabtei Mehrerau (Vorarlberg) die Wallfahrtskirche und gründete eine vom Mutterkloster abhängige Propstei, die bis in die Gegenwart die Wallfahrt betreut. Bau- und KunstgeschichteLageDie Wallfahrtskapelle Birnau stand ursprünglich südwestlich oberhalb der Stadt Überlingen im freien Feld, mit weitem Blick über den Bodensee. Das Areal »Altbirnau« ist durch Flurbereinigung und moderne Bebauung stark verändert. Kirche und KonventsbautenDie Wohngebäude der Schwesterngemeinschaft neben der kleinen gotischen Marienkapelle können nicht sicher lokalisiert werden. 1384 wird die Kapelle als »alt« bezeichnet (antiquitus constructa et edificata). Sie wurde wohl im Frühbarock mit einem größeren Kirchengebäude überbaut. Ein Priesterwohnhaus mit Stall stand nun westlich der Kapelle, neben diesem das nicht dem Kloster gehörende Wirtshaus, das zu ständigen Auseinandersetzungen mit der Reichsstadt führte. Mit dem Neubau der Wallfahrtskirche in der Mitte des 18. Jahrhunderts war ein Ortswechsel und zugleich die Entscheidung für einen deutlich größeren, architektonisch und künstlerisch anspruchsvollen Neubau verbunden. Er wurde auf dem Areal der 1722–40 als Abtsresidenz schlossartig neugebauten Salemer Grangie Maurach weithin sichtbar auf einer Hangterrasse des Bodensees errichtet. Abt Stephan II. Enroth berief 1745 Peter Thumb als Baumeister; unter Abt Anselm II. Schwab konnte der Bau mit der Grundsteinlegung am 11. Juni 1747 beginnen, 1750 wurde das Gnadenbild aus Salem zur Birnau gebracht und am 25. September die neue Kirche geweiht. Die aufwändige Stuckausstattung der Kirche führte Joseph Anton Feuchtmayer mit Johann Georg und Franz Anton Dirr aus, die Fresken und Altarbilder die Werkstatt von Gottfried Bernhard Göz. Die zum See hin gerichtete, über einem hohen Sockel dreigeschossige Turmfassade der Kirche bildet die Mittelachse des Konventsgebäudes. Thumb hatte sie viel breiter entworfen, und auch später erschien sie eher als Fassade einer »reichsstiftischen Sommerresidenz« (Lieb). Der große, fünfachsige Kirchensaal mit halbrunden Querarmen ist mit einem quadratischen, zweiachsigen Chorraum und einem überhalbkreisförmigen Sanktuarium verbunden. Außen wird die Kirche mit Pilastern und einem reich verkröpften Gebälk ausgezeichnet. Über dem Chor erhob sich ein Dachreiter; nördlich schloss die Sakristei an (1824 abgebrochen). Der Innenraum wird durch eine ausschwingende Galerie einheitlich zusammengefasst; die vier gestaffelten Seitenaltäre (St. Bernhard, St. Benedikt, St. Johannes Evangelist, St. Johannes der Täufer) sind weitgehend in die Wandgliederung integriert; ihre Disposition entspricht der Klosterkirche in Salem. Am Hochaltar und an den zwei Querarmaltären des Laienraums (St. Joseph, St. Erasmus) wurden demonstrativ die hochbarocken Altarblätter aus Alt-Birnau eingefügt. Die spätgotische Wallfahrtsmadonna wurde ebenfalls im großen baldachinartigen Hochaltar aufgestellt, war nun also den Gläubigen nicht mehr unmittelbar zugänglich. Das Deckenfresko vor dem Chorbogen zeigt zu Seiten von Maria die Äbte Stephan und Anselm mit dem Kirchenentwurf. Von höchster Bedeutung ist die erhaltene bauzeitliche Ausstattung mit Kanzel, kleinen und großen Stuckfiguren sowie dem überreichen, asymmetrisch gestalteten Stuckdekor. Ein aufwändiges, ungewöhnlich großes Uhrwerk im Turm, um 1750 vom Salemer Laienbruder Maurus Undersee geschaffen (1979 restauriert), steuert sieben unterschiedlich gestaltete Uhren an, davon befinden sich vier am Turm, drei im Kirchenraum. 1790 erhielt der Hochaltar ein neues Alabasterretabel von Johann Georg Wieland, das die Wallfahrtsmadonna wieder in den Mittelpunkt des Altars rückte. Das dreigeschossige Konventsgebäude schließt mit je fünf Achsen an den Eingangsturm an, die drei äußeren sind jeweils als Eckpavillons gestaltet, mit Kolossalpilastern und geschwungenen Walmdächern betont. Hier wird die Reduktion einer anfangs viel größeren Planung noch spürbar. Das erste Obergeschoss nahm die Gemeinschaftsräume und das Prälatenzimmer auf, das zweite die Zellen. Gasträume waren nicht vorgesehen. Im Inneren verläuft an der Ostseite jeweils ein kreuzgangartiger Flur; die Haupttreppe steigt nördlich des Turms auf. Von der Ausstattung der Räume sind die glasierten Kachelöfen der Bauzeit erhalten. Das Prälatenzimmer erhielt eine farbig gefasste Stuckdecke nach Entwurf von Feuchtmayer; im Mittelfeld präsentieren Putti das Wappen von Abt Anselm. Um 1760/80 entstanden die Stuckdecke und die Holzvertäfelung des Refektoriums in Régence-Formen. Alle übrigen Räume blieben schmucklos. Eine Mauer umgab die von Gärten umschlossene Anlage. Südlich der Kirche war ursprünglich ein formaler Barockgarten geplant. Auch die von Feuchtmayer prächtig entworfene, vom See heraufführende Freitreppe samt Springbrunnen kam nicht zur Ausführung. Das Gestühl der Kirche gelangte nach 1808 teilweise nach Salem und Mimmenhausen, die Beichtstühle nach Weildorf, Mimmenhausen und Seefelden, die Orgel nach Altnau (Thurgau CH). Kirchengerät ist nicht mehr nachweisbar. Das aus (Alt-)Birnau übernommene Hochaltarbild war schon 1790 in die Zisterzienserinnenabtei Rottenmünster bei Rottweil abgegeben worden. Das Chorgestühl und die Glocken sind nicht erhalten. BibliographieQuellen: Sartorius 1708; Bisemberger 1751. Handbücher und Lexika: kloester-bw, Zisterzienserkonvent Birnau (Elmar L. Kuhn). Literatur: Kremer 2000. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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