Überlingen, Schwesternsammlung »Klause«, Franziskanerterziarinnen St. Gallus 

Kurzbeschreibung:

um 1370/75 Gründung als Klause – 1406 Stiftung einer Kaplaneipfründe – 1439 Verleihung von Statuten durch die Franziskaner – 1534/35 Abbruch des Klosters und Verlegung vor das Christophstor – 1784 Bau einer Mädchenschule – 1803/08 Aufhebung

Patrozinium: Gallus
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung »Klause«, Franziskanerterziarinnen St. Gallus 1375-1808
Beschreibung:

Name: closnerinen zu S. Gallen (1375);1 closen zuo Uberlingen (1394);2 inclusarum inclusorii santi Galli (1406); meistrin und convent der klusen und des huses sant Gallen ob der Nuwen statt graben (1463);3 domus sororum tercie regule S. Francisci extra muros op. Uberlingen (1483);4 in suburbio dicto zue den Vischenhyser contigua est domui sororum de tertia regula sancti Francisci, dictarum die schwestern zu sant Gallen (1535)5

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Klause bei St. Gallen dürfte kurz nach 1370 neben einer bereits seit dem frühen 13. Jahrhundert bestehenden Galluskapelle entstanden sein.6 Im Jahr 1375 soll eine Überlinger Bürgerin den Klausnerinnen einen Zins von einem Schilling jährlich überlassen haben; für das Jahr 1379 ist eine weitere Zinsstiftung überliefert.7 Ob die Klause als Abspaltung des →Schwesternhauses an der Wiese anzusehen ist, muss mangels Quellen offen bleiben. Die in der älteren Literatur kolportierte Gründungsgeschichte, Herzog Gunzo, der nach der Gallusvita im 7. Jahrhundert seinen Sitz in Überlingen hatte, habe aus Dankbarkeit für die Befreiung seiner Tochter Fridiburga von einem Dämonen das Kloster gestiftet, beruht auf der unkritischen Übernahme der legendären Gründungserzählungen der frühneuzeitlichen Überlinger Chronisten Jakob Reutlinger und Johann Georg Schinbain (Tibianus).8 Einer Erzählung der Ordenschronistik hat die Forschung dagegen Glauben geschenkt. Danach sollen die Schwestern im Jahr 1396 von einem Inquisitor des Konstanzer Bischofs Burkhard von Hewen (1388–1398) namens Konrad verfolgt worden sein. Er habe sie auflösen (eliminatas) wollen, weil ihre Einrichtung nicht approbiert worden sei.9 Dafür spricht, dass der Konstanzer Generalvikar in einer im Januar 1401 ausgestellten Urkunde ausdrücklich betonte, dass die Brüder und Schwestern des Dritten Ordens nicht belästigt werden sollten.10 Bisher ging man davon aus, dass sich diese Urkunde auf die Klause St. Gallus bezieht.11 Im Gegensatz zu St. Gallus war die Gemeinschaft an der Wiese aufgrund der freieren Lebensweise für Angriffe jedoch deutlich anfälliger und ist zudem bereits seit 1338 als Drittordensgemeinschaft belegt.12 In einer Urkunde aus dem Jahr 1401 ist weiterhin nur von den Klausnerinnen zu St. Gallus die Rede, die Überlinger Franziskaner spielen bis dahin keinerlei Rolle.13 Vielmehr agierten städtische Pfleger für den Konvent. 1406 urkundete Bürgermeister Konrad Gamerschwanger als Pfleger der Klausnerinnen. Gemeinsam mit Guta Jauch als Mitglied der Sammlung an der Wiese stiftete er eine Kaplaneipfründe.14 In der St. Galluskapelle wurden fortan wöchentlich vier Messen gelesen, in der Franziskuskapelle an der Wiese eine.15 Die Errichtung der Kaplaneipfründe, zu der ein Pfründhaus im Pfaffengässchen gehörte,16 erfolgte mit ausdrücklicher Zustimmung der Deutschordenskommende auf der →Mainau als Patronatsherrin der Überlinger Pfarrkirche und diente nicht nur dazu, Kritik am Status der Schwestern entgegenzutreten, sondern vor allem einen Konsens von Stadtregiment, Pfarrklerus, Patronatsherr und dem Konvent selbst herzustellen.

Betrachtet man die religiöse Lebensweise, so fällt auf, dass um 1400 regelmäßig von den Klausnerinnen und einer Klause die Rede ist.17 Ein Wandel in der Lebensweise scheint bis in die 1430er-Jahre eingetreten zu sein, dann differenziert sich der Konvent in Klausnerinnen und Schwestern aus.18 Während erstere sich zur Klausur verpflichteten, hielten letztere, auch als Vorschwestern bezeichnet, den Kontakt zur Außenwelt. Teilweise wird davon ausgegangen, dass diese Zweiteilung bereits seit der Gründung der Klause bestanden hat.19 Es ist jedoch nahelegend, sie mit der Hinwendung zu den Franziskanern zu erklären.

So erließ der Visitator der See-Kustodie der Franziskaner 1439 – vermutlich anlässlich der Eingliederung der Klause in den Dritten Orden – Statuten.20 Diese sahen zwar vor, dass alle Mitglieder des Konvents unter Zurücklassung des eingebrachten Guts das Kloster wieder verlassen konnten. Im Falle von frevlerischem Handeln waren die Vorschwestern aber auszuschließen, während die Klausnerinnen im Konvent bestraft werden sollten. Auf Bitten der Sammlung änderte der Konstanzer Bischof Burkhard von Randegg (1462–1466) am 13. August 1465 die Statuten:21 So sollten Ausweisung oder Einkerkerung künftig nach Maßgabe des Einzelfalls beurteilt werden. Darüber hinaus wurde vermutet, dass die Statuten den Mitgliedern der Klause unter Wahrung ihres persönlichen Gelübdes den Eintritt in einen anderen Orden ermöglichen sollten.22 Genau dies tat Meisterin Arnoltin einige Jahre später: 1470 gestattete ihr Bischof Hermann III. von Breitenlandenberg (1466–1474) den Übertritt in einen strengeren Orden und erteilte dafür die Freigabe des von ihr in den Konvent eingebrachten Besitzes.23 1513 kam es zu einer weiteren Änderung der Statuten durch den Kustos der Franziskaner am Bodensee: »Frevlerische« Vorschwestern sollten nun nicht mehr ausgeschlossen, sondern eingekerkert werden – vermutlich hatten sich auch die Vorschwestern mittlerweile auf Lebenszeit verpflichtet.24

Dass die Frage des Status der Klausnerinnen und Vorschwestern umstritten war, zeigt der Prozess, den die 1526 ausgetretene Schwester Dorothea Ott 1534 gegen den Konvent führte.25 Sie hatte vor dem Überlinger Stadtgericht auf Rückzahlung der bei ihrem Eintritt gezahlten Mitgift von 500 Gulden geklagt. Im Prozess versuchte der Konvent nachzuweisen, dass Drittordensangehörige ewige Gelübde ablegten, und daher der Prozess vor einem geistlichen Gericht verhandelt werden müsse. Demgegenüber argumentierte ihr Ehemann und Prozessvertreter Hans Bretzel, dass die Schwestern als Drittordensangehörige keine Gelübde abgelegt hätten und seine Frau lediglich Gehorsam geschworen habe. Zur Begründung beriefen sich beide Prozessparteien auf Zeugenaussagen und ältere Dokumente, ohne jedoch die maßgeblichen Bullen der Päpste Sixtus IV. (1471–1484) und Leo X. (1513–1521) zu berücksichtigen, die den kirchenrechtlichen Status der Terziarinnen neu definiert hatten. Die kirchenrechtliche Stellung der Klause und des Dritten Ordens war in Überlingen zu Beginn des 16. Jahrhunderts offenbar nicht bekannt. Nachdem das Stadtgericht 1536 ihre Klage abgewiesen hatte, wandte sich Dorothea Ott an das Reichskammergericht.26 Über den Ausgang des dortigen Prozesses ist nichts bekannt. Neben Austritten gab es in der Reformationszeit aber auch Eintritte aus anderen Gemeinschaften: So bat der Abt von Salem 1527 um die Aufnahme von drei Schwestern eines Konstanzer Hauses in die Überlinger Klause.27

Trotz der Diskussionen über die Lebensweise der Frauen blühte der Konvent auf. 1496 lebten mindestens zehn Schwestern im Kloster, darunter auch einige aus dem vermögenden Bürgertum.28 Durch die zum Teil hohen Aussteuern konnten von 1431 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zahlreiche Güter erworben werden.29 Darüber hinaus ist für das späte 15. Jahrhundert auch Handarbeit der Schwestern belegt: 1478 klagten sie vor der römischen Kurie gegen das vom Rat ausgesprochene Verbot, ihre Wollspinnereien an Überlinger Bürger zu verkaufen.30 Außerdem hätten die Schwestern auch von Almosen gelebt. Anders als in vielen franziskanischen Frauengemeinschaften spielte die Krankenpflege dagegen keine Rolle, das Leben der Klausnerinnen und Vorschwestern war vorwiegend kontemplativ.31 1519 ging die Seelsorge für den Konvent von den Franziskanern (wieder?) auf den Kaplan der Kapelle über.32

Einen bedeutenden Umbruch stellte die Verlegung des Konvents dar. Bereits 1463 soll ein Teil des Gartens der Klause in den Stadtgraben, vermutlich den sogenannten Blatterngraben, gerisen und hingeuallen sein.33 Im Zuge des Aufbaus der Befestigung plante die Stadt die Anlage eines tiefen Befestigungsgrabens, der das ganze Überlinger Dorf außerhalb der Mauern und Gräben nördlich der Stadt umfassen sollte. Im Jahr 1510 wurde auf Wunsch der Schwestern eine Ortsbesichtigung durchgeführt und der Verlauf des Grabens abgesteckt.34 1534 wurde das Kloster für den Aushub des Gallergrabens abgebrochen und in die sogenannte Fischerhäuservorstadt näher am See verlegt.35 Möglicherweise hatte die Plünderung und Zerstörung der Klause durch Herzog Ulrich von Württemberg (1498–1550) im Jahr 1524 zu dieser Entscheidung beigetragen.36 Die Verlegung des Konvents scheint von den führenden Gruppen der Stadt massiv unterstützt worden zu sein: So sollen der Patrizier Clemens Reichlin von Meldegg und der damalige Ratsherr Konrad Gamerschwanger mit seiner Frau Guta Zechin durch Schenkungen und Wohltaten zum Bau beigetragen haben.37 Während die Schwestern 1535 vom Konstanzer Bischof die Erlaubnis erhielten, die Messe mit einem Tragaltar zu feiern, wurde die neue Kirche bereits 1536 geweiht.38 1569/70 erwarben die Schwestern das neben dem Kloster gelegene Armenhaus und ein weiteres Haus.39 Anlässlich dieses Kaufs gestattete der Provinzial der Franziskaner den Klausnerinnen, sich auch in den neu erworbenen Häusern aufzuhalten.40 Wie streng die Klausur im späten 16. Jahrhundert gehalten wurde, ist unklar, doch deutet vieles darauf hin, dass der Orden an einer strengen, der Rat an einer lockeren Klausur interessiert war.41

Obwohl der Rat noch 1598 eine Schenkung zur Renovierung der Kirche machte, sind seit Beginn des 17. Jahrhunderts Konflikte um die Lebensführung der Schwestern zu beobachten.42 Während sich der Rat 1601 an den Provinzial des Ordens wandte, um Disziplin und wohl auch die Einhaltung der Klausur im Konvent anzumahnen,43 kam es wenig später zu einem langwierigen Konflikt zwischen Rat und Pfarrgeistlichkeit auf der einen sowie Konvent und Franziskanern auf der anderen Seite. Auslöser war die Ausübung von Pfarrrechten durch den Kaplan Hans Grimm ab 1613.44 In den schwelenden Konflikt, der sich vor allem um die Durchführung und den Ort der Begräbnisse der Schwestern drehte, schaltete sich 1617 auf Bitte der Schwestern der Provinzial der Franziskaner ein und versuchte die Seelsorge der Schwestern an den Orden zu ziehen.45 Ein Kompromiss von 1620, 1687 erneuert, sah vor, dass die Schwestern wie bisher auf dem Überlinger Friedhof begraben werden sollten und alle Pfarrrechte dem Überlinger Pfarrer zustanden.46 Es war den Schwestern jedoch gestattet, bei einem anderen Welt- oder Ordenspriester, also einem Franziskaner, zu beichten. Die Aufnahme von Novizinnen und die Profess lagen in der Hoheit des Ordens. Dennoch kam es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu Konflikten über die Fragen, ob die Schwestern Pfarrangehörige seien und wo diese begraben werden sollten, aber auch um die Einhaltung der Klausur.47 1676 gestattete der Rat den Schwestern schließlich einen eigenen Friedhof auf dem Gelände des Klosters – die Überreste von elf Schwestern sowie Grabbeigaben wurden dort 2016 ergraben.48

Wirtschaftlich scheint es dem Konvent nicht mehr ganz so gut gegangen zu sein. Bereits 1658 sind Schwierigkeiten bekannt, 1678 stellte der Rat fest, dass die rechnung in ganzer confusion stehe und protestierte dagegen, dass die Schwestern gegenüber dem Provinzial der Franziskaner und nicht den städtischen Pflegern Rechnung legten.49 Die Geschichte des Klosters im 18. Jahrhundert ist noch unerforscht.50 Im Konvent lebten zwischen zehn und 15 Schwestern.51 1803 fiel der Besitz des 13 Mitglieder zählenden Klosters an den Deutschen Orden; 1808 wurde es endgültig aufgelöst und die Schwestern mit einer Pension von 200 Gulden versehen.52

Besitz und Wirtschaft

Wohl aufgrund der reichlich fließenden Aussteuern beim Klostereintritt konnte das Galluskloster im 15. und 16. Jahrhundert auch über den Nahbereich der Stadt Überlingen hinaus zahlreiche Höfe im reichsstädtischen Einflussgebiet im Bodenseehinterland erwerben, etwa in den heutigen Gemeinden Stockach, Salem, Deggenhausertal, Ostrach und Ilmensee.53 Daneben trugen auch Stiftungen von Überlinger Bürgern zur finanziellen Ausstattung des Konvents bei; die Einkünfte aus Handarbeit und Almosen dürften dagegen eine geringe Rolle gespielt haben.54 Während die Schwestern 1444 Güter im Wert von 819 Pfund versteuerten, waren es 1527 bereits 2.655 Gulden.55 Nach finanziellen Schwierigkeiten im 17. Jahrhundert scheint sich die Lage im 18. Jahrhundert konsolidiert zu haben. 1782 konnte der Konvent größere Umbaumaßnahmen vornehmen.56 Bei der Auflösung 1803 betrug der Wert der Immobilien fast 69.194 Gulden bei einem jährlichen Ertrag von 2.778 Gulden.57

Religiöses und kulturelles Wirken

Ein ausgeprägtes Totengedenken ist – abgesehen von einigen Messstiftungen – für die Klause nicht belegt. Die Einrichtung einer Mädchenschule 1782/84 scheint der städtische Rat durchgesetzt zu haben, wohl um einer Auflösung des Konvents im Zuge der josephinischen Reformen entgegenzuwirken.58 Der Konvent steuerte 1.000 Gulden bei und einige der Schwestern erhielten im Dominkanerinnenkloster →Zoffingen in Konstanz eine Ausbildung als Lehrerinnen.59

Bibliothek und Archiv

Von einer Bibliothek finden sich keine Spuren. Das Archiv des Frauenklosters gelangte nach dessen Auflösung ins Generallandesarchiv Karlsruhe; einzelne Urkunden sind im Stadtarchiv Überlingen.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die Überreste des Klosters sind im Westen der Überlinger Altstadt in der Gebäudereihe an der Nordseite der Christophstraße 15–21 enthalten. Sie bilden mit dem ehemaligen Kirchenschiff im Osten und dem im Westen anschließenden Konventsgebäude eine lange, geschlossene Bauzeile, die durch ihre Größe und Lage direkt vor dem einstigen Christophstor die Fischerhäuservorstadt stark prägte. Nach Norden und Westen erstreckte sich der Klosterbezirk bis zur heutigen Gartenstraße, im Osten schloss er zum inneren Stadtgraben ab.

Von den Nebengebäuden auf dem ehemals rückwärtigen, nördlichen Klosterhof ist nur das veränderte frühere Gesindehaus erhalten (Christophstraße 19). Daran grenzte nördlich das 1784 erbaute eingeschossige Mädchenschulhaus an, westlich davon eine Scheune und ein Holzschopf. Dahinter erstreckte sich der weitläufige, im 19. Jahrhundert überbaute Klostergarten. Nördlich der Kirche (Südteil Christophstraße 23) befand sich der 1676 eingerichtete Friedhof.60

Kirche und Konventsbauten

Der Vorgänger des Klosters scheint ein Haus neben der Galluskapelle gewesen zu sein, die außerhalb der Stadt auf dem Gallerberg lag.61 Er musste 1534 aufgrund der Anlage des Stadtgrabens abgebrochen werden.62 Vom Klosterneubau in der Fischerhäuservorstadt zeugt die Weihe der Kirche 1535/36 mit dem Hauptaltar St. Gallus, den Seitenaltären der Gottesmutter sowie der Hll. Anna und Elisabeth.63 Die Erweiterungen 1569/70 durch die Zukäufe des Armenhauses und weiterer Anwesen sind Ausdruck der zunehmenden Größe und Bedeutung des Frauenkonvents.64 Für die Erneuerung der im Dreißigjährigen Krieg verwahrlosten Klosteranlage sollte 1624 eine Sammlung sorgen, doch umfassende Neu- und Umbauten sind erst 1782 urkundlich belegt, wenige Jahre vor der Aufhebung des Klosters 1803 und seiner Versteigerung 1817.65

Eine bauhistorische Untersuchung wies 2005 im Erdgeschoss der Christophstraße 21 Reste spätmittelalterlicher Bausubstanz sowie Ansätze von Spitzbogen der früheren Klosterkirche nach.66 Sie belegen mit den gekehlten Fenstergewänden an der Hausrückseite den ursprünglichen spätgotischen Kirchenbau von 1535/36, der auf der Stadtansicht von 1640 als kleine Kapelle mit östlichem Giebelreiter abgebildet ist. Die einstige Sakralfunktion ist heute nicht mehr am Gebäude erkennbar, nur noch die profilierten, giebelseitig verkröpften Traufgesimse deuten auf den spätbarocken Kirchenumbau von 1782. Die Klosterkirche wurde bis 1849 als Filialkirche genutzt, ihr Schiff ca. 1852 zu einem dreigeschossigen Wohnhaus umgebaut.67 Dieses diente 1864–77 als Pfarrhaus der 1867 direkt nördlich errichteten evangelischen Kirche (Christophstraße 23), für deren Bau der eingezogene dreiseitige Chor der Klosterkirche abgebrochen worden war.68

Das ehemals stattliche Klostergebäude ist in den Außenwänden von Christophstraße 15, 17, 19 erhalten.69 Die drei verputzten, dreigeschossigen Bauten mit Satteldächern bzw. Walmdach über dem Eckgebäude Nr. 15, das früher den Gästetrakt aufnahm, sind in ihrer Größe, Ausdehnung und einheitlichen Ausführung der spätbarocken Erneuerung 1782 zuzurechnen. Der ursprüngliche ebenfalls dreigeschossige, aber kürzere Konventsbau mit Satteldach ist auf der Stadtansicht eines 1670 von einer älteren Vorlage kopierten Votivbildes sichtbar. Sein großes mittiges Rundbogentor könnte mit dem heutigen an Christophstraße 17 übereinstimmen. Der Klosterbau diente ab 1808 als Beamtenwohnung und enthielt noch 1892 im Inneren, trotz des vorigen Einbaus von Mietwohnungen 1877, die Zellenaufteilung.70

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Von der einstigen Ausstattung des Klosters, ihrem Umfang und Verbleib ist wenig bekannt. 1598 wurde ein vom Stadtrat gestiftetes Altarblatt eines Malers namens Blattvogel mit Darstellungen aus dem Leben des Hl. Franziskus genannt.71 Bis 1809 waren die Kirchengeräte eingezogen, das Inventar und Kirchensilber größtenteils verkauft. 72 Zwei Glocken – wohl die 1887 im Kunstdenkmalinventar genannten zwei von 1608 sowie 1746 – sowie eine unbekannte Anzahl an Altären wurden 1817 versteigert.73 1852 waren noch zwei Altäre und eichene Kirchenstühle vorhanden, die für die Friedhofskapelle erworben wurden.74

Bibliographie

Quellen: Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 638–640, 648; Baier 1922, S. 467.

Handbücher und Lexika: AFA 14, S. 255–273 (Sigismund Keck/Gerda Koberg); KDM Bd. 1, S. 622 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster St. Gallus Überlingen (Elmar L. Kuhn).

Literatur: Stengele 1887, S. 62–71; Schmid 1976, S. 79–82; 1980, S. 74–76; Enderle 1990, S. 289–293; Wilts 1994, S. 448–452; Uhl 2005; Schneider 2008, S. 245–251; Fellgiebel u. a. 2016; Breuer 2020; Stadt Überlingen 2023.

Anmerkungen

  • 1 StadtA ÜB Reutlinger XII, fol. 27 r.
  • 2 GLA 66 Nr. 12438, S. 75.
  • 3 GLA 3 Nr. 3014.
  • 4 GLA 2 Nr. 2446.
  • 5 StadtA ÜB Reichsstadt A 1727.
  • 6 Baumann 1877, S. 68, 79 (1220/26); GLA 2 Nr. 113 (14. Jh.); im Liber Marcarum noch nicht erwähnt, Haid 1870, S. 111.
  • 7 StadtA ÜB Reutlinger XII, fol. 27 r; StAS Dep 45, T 1, U 69 (Urkunde von 1556).
  • 8 Stengele 1887, S. 62 mit Bezug auf den Ordenschronisten Berard Müller (vgl. AFA 19, S. 213; Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 638); AFA 14, S. 261; Baier 1922, S. 467.
  • 9 Vgl. AFA 19, S. 213; Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 638.
  • 10 REC III, Nr. 7687; sowie die notarielle Abschrift für die Überlinger Franziskaner GLA 2 Nr. 2945.
  • 11 Vgl. Wilts 1994, S. 448 mit Anm. 6.
  • 12 StadtA ÜB Spital 134, die Ordenschronistik des 17. und 18. Jahrhunderts hat diese nicht erwähnt und die Gallusklause zur ersten franziskanischen Frauenniederlassung in Überlingen stilisiert.
  • 13 StadtA ÜB Reichsstadt A 1724.
  • 14 GLA 2 Nr. 2372.
  • 15 Vgl. dazu AFA 14, S. 257 f.
  • 16 Vgl. Schneider 2008, HT 116 S. 269 f.
  • 17 StadtA ÜB Reichsstadt A 1724; GLA 2 Nr. 2372.
  • 18 GLA 2 Nr. 3294 (1431), 3296 (1432), 1174 (1452), 1175 (1459).
  • 19 Wilts 1994, S. 448 f.; kloester-bw, Franziskanerinnenkloster St. Gallus Überlingen.
  • 20 Inseriert in GLA 2 Nr. 2964 (9. 10. 1546).
  • 21 Ebd.
  • 22 Wilts 1994, S. 450 f.
  • 23 REC IV, Nr. 13691.
  • 24 Vgl. mit dieser These Wilts 1994, S. 451, der von einer Verpflichtung auf »Keuschheit, Armut und Gehorsam« ausgeht.
  • 25 StadtA ÜB Reichsstadt C 1726, Fasc. 2 f., 6-10; vgl. Wilts 1994, S. 451 f.
  • 26 Vgl. den abschriftlich überlieferten Brief Karls V., StadtA ÜB Reichsstadt C 1726, Fasc. 7.
  • 27 StadtA ÜB Reichsstadt C 1726, Fasc. 1.
  • 28 StadtA ÜB Reutlinger VII, S. 8; vgl. Wilts 1994, S. 450 mit Anm. 12, dessen Zuschreibung einzelner Schwestern zum Patriziat aber zweifelhaft ist.
  • 29 Vgl. Anm. 53.
  • 30 EAF UH 133 = REC V, Nr. 15031.
  • 31 Vgl. Wilts 1994, S. 451 und die Mess-und Jahrzeitstiftungen GLA 2 Nr. 3023, 3041; GLA 5 Nr. 419.
  • 32 GLA 225 Nr. 556, 2, fol. 5 2-54.
  • 33 GLA 2 Nr. 2259; GLA 3 Nr. 3014.
  • 34 StadtA ÜB Ratsprotokolle 150 7-18, S. 158.
  • 35 StadtA ÜB Reutlinger VIII, fol. 21 f.; Reutlinger IX, fol. 121 v; vgl. Schneider 2008, S. 250.
  • 36 Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 639.
  • 37 Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 639; ein Clemens Reichlin war bis 1511 Bürgermeister; ein zweiter erscheint 1552 als Amman; vgl. Gutmann/Waldschütz 2023, S. 68 1-683.
  • 38 EAF Ha 114, S. 37; StadtA ÜB Vormerkbuch Stadtschreiber, 1535/36, fol. 9 r; vgl. Schneider 2008, S. 250.
  • 39 GLA 2 Nr. 2927, 2947.
  • 40 Vgl. Johann Georg Schinbain = Baier 1922, S. 467 mit der Bezeichnung occlusae.
  • 41 Vgl. GLA 225 Nr. 836 (12. 6. 1620); Enderle 1990, S. 290 mit Anm. 107.
  • 42 StadtA ÜB Ratsprotokolle 159 7-1603, fol. 60 r.
  • 43 GLA 225 Nr. 836; StadtA ÜB Missivprotokolle, 160 1-1603, fol. 7; vgl. Enderle 1990, S. 291.
  • 44 GLA 225 Nr. 552 (13. 6. 1617).
  • 45 GLA 225 Nr. 552 (9. 9. 1617); Enderle 1990, S. 292; Stengele 1887, S. 64 f.
  • 46 GLA 225 Nr. 552 (1. 9. 1620); GLA 225 Nr. 553 f., 887, fol. 1; Enderle 1990, S. 293.
  • 47 GLA 225 Nr. 553 f.; vgl. mit Nachweisen auch AFA 14, S. 267 f.; Schneider 2008, S. 251; Stengele 1887, S. 6 6-68.
  • 48 StadtA ÜB Ratsprotokolle 165 5-1693, fol. 87; Breuer 2020.
  • 49 AFA 14, S. 268.
  • 50 Ausnahme: 1714, Konflikt mit der Stadt um den durch das Klostergelände verlaufenden Mühlbach GLA 2 Nr. 2847.
  • 51 GLA 225 Nr. 853; AFA 14, S. 269 f.
  • 52 GLA 233 Nr. 2281; Schmid 1980, S. 74 f.
  • 53 GLA 2 Nr. 738 (1464, Hof in Hildegrund), 763 (1452, Weinberg in Hödingen), 764 (1463, Gut in Hödingen), 939 (1529, Zins in Immenstaad), 1054 (1473, Hof in Limpach), 117 4-1176 (1453/1459/1525, Gut in Mennwangen), 1199 (1547, Gut in Neubrunn, Gde Ilmensee), 1228 f. (vor 1492/1520, Hof und Haus in Obersweiler), 1246 (1535, Hof in Ochsenbach, Gde Ostrach), 2716, 2722 (1468/1498, Weingärten in Überlingen), 3175 (vor 1589, Mühle in Untersiggingen), 3183 (vor 1492, Gütlein in Wahlweiler), 3257 (vor 1551, Gut in Wattenreute), 329 4-3296 (1431, Güter und Wiese in Wittenhofen), 3398 (1550, Gut in Waldsteig).
  • 54 Wilts 1994, S. 450; StadtA ÜB Reichsstadt C 1726; GLA 2 Nr. 3023, 3041; GLA 5 Nr. 419.
  • 55 StadtA ÜB Steuerbuch 1444, fol. 8 r; Steuerbuch 1527, fol. 22 r.
  • 56 StadtA ÜB Ratsprotokolle 178 0-1783, S. 306 f.; Schneider 2008, S. 251.
  • 57 GLA 233 Nr. 2281; Schmid 1980, S. 75.
  • 58 StadtA ÜB Ratprotokolle 178 0-1783, S. 306 f.; Schneider 2008, S. 251.
  • 59 GLA 313 Nr. 3265; Schmid 1980, S. 75.
  • 60 Fellgiebel u. a. 2016, S. 306.
  • 61 AFA 14, S. 262; Wilts 1994, S. 448; Schneider 2008, S. 249.
  • 62 AFA 14, S. 264; Schneider 2008, S. 250.
  • 63 Ebd.
  • 64 Wilts 1994, S. 449 f.; Schneider 2008, S. 250 f.; Enderle 1990, S. 289.
  • 65 AFA 14, S. 268 f.; Schneider 2008, S. 251.
  • 66 Uhl 2005, S. 3.
  • 67 Schneider 2008, S. 251.
  • 68 Schneider 2008, S. 251; Fellgiebel u. a. 2016, S. 305 f.
  • 69 Schneider 2008, S. 251.
  • 70 Schneider 2008, S. 251 f.; Schmid 1980, S. 67.
  • 71 AFA 14, S. 264; Schneider 2008, S. 251.
  • 72 Schneider 2008, S. 251; Schmid 1980, S. 81.
  • 73 Schmid 1980, S. 82; KDM Bd. 1, S. 622.
  • 74 Schneider 2008, S. 251
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Waldschütz [Autor]
  • Katrina Wei?er [Autor]
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