Überlingen, Johanniter
| Kurzbeschreibung: | um 1250 Gründung – 1282 Konflikt mit der Stadt um Wegerechte und Mauerbau – 1359 Eintritt in das Bürgerrecht der Stadt Überlingen – 1467 Gründung einer St. Johannesbruderschaft – 1805/06 Auflösung – 1818 Abbruch der Johanniterkirche Patrozinium: Johannes Baptist, HeiligkreuzOrdensgliederung: Großpriorat DeutschlandKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau |
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| Beschreibung: | Name: sanctae domui hospitalis Jerosolemitane […] fratres predicte domus (1257);1 domus hospitalis sancti Johannis in Uiberlingen (1260);2 des huses ze Uoberlingen des ordins des heiligen spitals von Jerusalem (1272);3 fratres domorum hospitalis sancti Johannis Jerosolimitani in Uberlingen et in Loenegge (1273);4 das hus sant Johans zu Uiberlingen in der statt uf sant Lucißberg gelegen (1463)5 GeschichteHistorische Entwicklung1257 schenkte der Reichskämmerer Heinrich von Bienburg einen Hof im Dorf Überlingen an das Haus des Heiligen Jerusalemer Hospitals.6 Diese Urkunde wurde als Stiftungsurkunde des Überlinger Hauses interpretiert,7 man war sich aber nicht einig, wo der Hof, der als erster Sitz der Johanniter in Überlingen interpretiert wurde, zu suchen ist – innerhalb der Stadtmauern auf dem Luzienberg bzw. Blutschenberg, wo die Johanniterkommende später belegt ist, oder im sogenannten Dorf außerhalb der Mauern und Gräben nördlich der Stadt.8 Dabei bezieht sich der Text der Urkunde eindeutig auf den außerhalb der Mauern gelegenen Siedlungs- und Rechtsbezirk des Dorfs. 1257 wurde somit lediglich die Stiftung eines Hofes an das bestehende Johanniterhaus beurkundet. Dafür spricht auch, dass das Überlinger Haus nach 1257 in dichter Folge in den Quellen belegt ist: 1260 tauschte es mit dem Konstanzer Bischof Eberhard von Waldburg (1248–1274) das Patronatsrecht zu Hagnau gegen das in dem direkt neben Überlingen gelegenen Goldbach; 1265 verkaufte es den übrigen Hagnauer Besitz an den Konstanzer Bischof; 1270 schenkten zwei Brüder von Bodman an das Überlinger Haus, 1272 Rudolf von Ramsberg und dessen Söhne anlässlich ihres Eintritts in den Orden; im gleichen Jahr verkaufte Ulrich von Klingen Besitzungen in Herdwangen, ein Jahr später zwei Grafen von Heiligenberg Besitzungen in Leonegg und Hermannsberg.9 Damit wird das adlige Unterstützerfeld der Kommende deutlich: Bis Mitte des 14. Jahrhunderts sind zahlreiche weitere Familien aus dem Bodenseehinterland als Unterstützer überliefert, etwa die Schenken von Schmalegg und Winterstetten, die Herren von Hohenfels, Ritter Heinrich Grämlich und immer wieder die Herren von Bodman.10 Ein wichtiger Förderer war auch Heinrich von Leonegg, der bereits vor seinem Eintritt in das Überlinger Haus umfangreiche Güter in Altheim an dieses schenkte.11 1272 ist er als Komtur genannt.12 Ein Jahr später ist sogar von Brüdern der Häuser des Johanniterordens in Überlingen und Leonegg die Rede.13 Offenbar hatte während Heinrichs Amtszeit die bei Hattenweiler (Gde. Heiligenberg) gelegene Stammburg des Adelsgeschlecht zeitweise als zweite Niederlassung der Überlinger Brüder gedient. Nur gelegentlich kommen die Unterstützer des Hauses aus weiter entfernten Regionen, etwa von der Donau und der Schwäbischen Alb.14 Nur ein einziges Mal ist im 14. Jahrhundert ein Überlinger Bürger als Mitglied des Johanniterhauses nachgewiesen.15 Überhaupt scheint es um dessen Beziehung zur Stadt Überlingen nicht zum Besten gestanden zu haben. 1282 schlichtete König Rudolf von Habsburg (1273–1291) einen bereits seit einigen Jahren bestehenden Streit um Ummauerung und Zugänglichkeit der Kommende zwischen Bürgern und Spital der Reichsstadt sowie den Johannitern.16 So durften die Ordensritter ein Tor errichten und das Konventsareal mit einem Holzzaun, nicht aber mit einer steinernen Mauer umgrenzen. Sie mussten der Stadt zudem einen Weg über das Areal der Kommende zum Turm der Stadtbefestigung einräumen und anstelle eines bis vor einigen Jahren bestehenden alten Weges einen neuen Weg entlang des Zaunes in die Stadt errichten, der breit genug für einen Karren ist. Die Urkunde macht deutlich, dass die Kommende zu diesem Zeitpunkt bereits eine Weile bestand und nicht – wie häufig postuliert – kurz zuvor vom Dorf in die Stadt verlegt wurde.17 Vielmehr war sogar bereits eine Kirche vorhanden. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts war die Gründungsphase des Konvents abgeschlossen. 1291 weihte der Konstanzer Weihbischof zwei Altäre in der Kapelle zu Ehren des Hl. Kreuzes sowie der Hll. Maria, Nikolaus und Katharina von Alexandrien und verlieh den Brüdern zugleich einen Ablass.18 Neben ihrem bereits beträchtlichen Grundbesitz verfügten die Johanniter bereits damals über das Patronat der Kirchen in Goldbach und Lippertsreute. Weiterhin scheinen jedoch vielfältige Konflikte mit der Stadt bestanden zu haben.19 Einen davon schlichtete der Basler Domdekan Walter von Klingen im Jahr 1359.20 Die Ursachen der mit unzuht, mit krieg, mit fraeveli ald mit anderen stößen gen enander geführten langjährigen Auseinandersetzung sind nicht gänzlich ersichtlich, dürften aber mit Fragen von Strafen und Gerichtsbarkeit zusammenhängen. Zur Beendigung der Streitigkeiten traten die Johanniter gegen eine jährliche Abgabe von 3 Pfund für 60 Jahre in das Bürgerrecht der Stadt Überlingen ein und akzeptierten so insbesondere, dass Konflikte zwischen Bürgern und Orden vor dem Stadtgericht auszutragen waren und der Orden Schenkungen innerhalb des Stadtetters an die Stadt verkaufen musste. Als äußerliches Zeichen der Versöhnung sollte drei Sonntage hintereinander eine Prozession (krutzgang) der städtischen Würdenträger von der Leutkirche zum Johanniterhaus stattfinden. Anlässlich der Verlängerung des Bürgerrechts der Johanniter um weitere zehn Jahre im Jahr 1419 heißt es, dass dieses kain kumber noch schade sondern nur fuirderung und fruintschaft bewirkt habe.21 Ab dem beginnenden 14. Jahrhundert war der Konvent weniger erfolgreich. Die bisher reichlichen Schenkungen kamen weitgehend zum Erliegen – eine der letzten Erwerbungen dürfte wohl um 1300 Dorf und Kirchensatz von Hoppetenzell im Hegau gewesen sein.22 Vermutlich hatte das Erstarken des Deutschordenshauses auf der Mainau die Attraktivität der Überlinger Kommende gemindert. 23 Dazu kamen finanzielle Probleme: 1316 und 1330 verkaufte die Kommende umfangreiche Besitzungen in Altheim an Kloster →Salem,24 1337 ihren Hof in Lippertsreute inklusive des Kirchensatzes für 575 Pfund an die Mainauer Deutschherren, die seit 1343 auch im Besitz des Patronatsrechts der Kirchen in Aufkirch und Überlingen waren.25 Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts kamen Brüder und Komture nicht mehr zwangsläufig aus dem Adel. Hospital- und Krankendienste leisteten die Überlinger Brüder keine – die Stadt war mit dem Heiliggeistspital in dieser Hinsicht gut versorgt. Der Hauptzweck der Überlinger Kommende lag deshalb in der Verwaltung des Besitzes. Seit Beginn des 15. Jahrhunderts scheint sich die Lage gebessert zu haben. Es kam nun auch wieder zu Neuerwerbungen, etwa des Hofes Schönbuch bei Lippertsreute 1405 und – wenn auch nur vorübergehend – des Patronats der in Oberschwaben gelegenen Kirche Oberstadion.26 1462/63 konnten die Johanniter schließlich die Kirche und umfangreichen Besitz in Andelshofen erwerben.27 Zur wirtschaftlichen Konsolidierung legten sie 1414 ein neues Zinsregister an; 1481 und 1524 folgten zwei Beraine, die den Besitzstand des Hauses am Ende des Mittelalters dokumentierten.28 1494 konnte die Kommende einen jährlichen Überschuss von stattlichen 494 Gulden erwirtschaften.29 Bei der Steuereintreibung des Gemeinen Pfennigs 1495 weigerte sich der Komtur aufgrund des exemten Status seines Ordens und Hauses aber, etwas beizutragen.30 Zu diesen Bemühungen um den Besitz passt, dass es im 15. Jahrhundert zugleich zu zahlreichen kleineren Nachbarschaftskonflikten kam, etwa mit Bürgern der Stadt, Untertanen der Kommende, aber auch mit Bischof und Bürgern von Konstanz.31 Dennoch scheinen die Beziehungen zur Reichsstadt Überlingen im 15. Jahrhundert verhältnismäßig gut gewesen zu sein: So durfte die Johanniterkommende 1422 den bisherigen Zaun um ihr Gelände durch eine mannshohe Mauer ersetzen, 1434 schlichteten Bürgermeister und Rat für die Johanniter, 1462 ist ein Überlinger Bürger als Konventsherr belegt; vor allem aber wurde 1467 unter Beteiligung zahlreicher Stadtbürger eine Johannesbruderschaft eingerichtet.32 Während der Komtur schon seit dem 14. Jahrhundert häufig nicht in Überlingen amtierte und sich vertreten ließ, wohnten seit dem Ende des 15. Jahrhunderts auch nur wenige Brüder im Haus. 1495 unterstanden dem Komtur noch zwei Konventualen sowie zwei Kapläne, von denen nur einer Ordensangehöriger war.33 Anlässlich der Visitation 1541 wurde das Haus durch Prokurator Johann Faig verwaltet.34 Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es in Überlingen keine Brüder mehr, die Gottesdienste wurden von drei städtischen Kaplänen gehalten.35 1571 ermahnte der Rat diese, zunächst ihre städtischen Pfründen zu erfüllen; ab 1573 wurden zu deren Unterstützung auch Lateinschüler eingesetzt, im Dreißigjährigen Krieg hielten die Franziskaner den Gottesdienst.36 Die personelle Schwäche der Kommende sowie deren Abhängigkeit vom Überlinger Markt nutzte die Stadt zu ihren Gunsten. So erreichte der Rat, dass das Amt des für alle administrativen Aufgaben zuständigen Schaffners an Überlinger Bürger verliehen wurde.37 1555 verbot der Rat dem Komtur, Leibeigene des Ordens, die im Landgebiet der Reichsstadt lebten, ins Gefängnis der Kommende zu legen.38 1561 erwarb die Stadt das Patronatsrecht der innerhalb des Überlinger Stadtetters gelegenen Kirche in Goldbach mit allen Rechten.39 Der Rat versuchte durch diese Maßnahmen, seine Bürger und Untertanen aus der Rechtsprechung des Ordens zu lösen und nur noch dem Stadtgericht zu unterstellen.40 Dies führte auch zu persönlichen Konflikten: So soll der Komtur Philipp Flach von Schwarzenberg Stadtbürger, darunter einen Zunftmeister, mit dem Gewehr bedroht haben.41 1570 verwies der Überlinger Rat die Konkubinen Philipp Flachs der Stadt und beschwerte sich über das unzüchtige Leben der Komture.42 Komtur Walter von Hausenstein, der 1575 seiner unehelichen Tochter 500 Gulden Unterhalt zuwies, musste sich wegen Beleidigungen gegen die Bürger beim Rat entschuldigen.43 Dass die Komture sich auch nach dem Konzil von Trient nicht am Ideal der Keuschheit, sondern an weltlichen Lebensentwürfen orientierten, wurde von der städtischen Bürgerschaft offensiv kritisiert: Ein 1586 ans Tor der Kommende gehefteter Schmachzettel bezeichnete diese als huor hauß, darinnen hat die ehebrecherey genommen uberhandt.44 Wiederholt war es zudem nötig, mit der Stadt die bereits im Mittelalter geregelten Fragen, darunter insbesondere den Zugang zu den städtischen Verteidigungsanlagen neu zu verhandeln. So regelte man 1523 den Zugang zum neu errichteten Wehrturm.45 Der Komtur versprach keine Fenster mehr in die Ringmauer zu brechen und gestattete der Stadt militärisches Gerät durch Kirche und Gelände der Kommende zum Turm zu bringen. Ähnliche Fragen der Zugänglichkeit und Verteidigung wurden 1612–16 am Vorabend des Dreißigjährigen Kriegs erneut verhandelt,46 während dem das Amtsgebäude der Kommende – laut einer Tafel am 1658 erbauten Neubau – 1643 abbrannte.47 Es sind aber auch weiterhin Konflikte mit Stadtbürgern, insbesondere um Wasserrechte, überliefert.48 Trotz aller Konflikte kann die Kommende nicht pauschal als »Fremdkörper« in der städtischen Gesellschaft beschrieben werden, denn Komtur und Rat bewirteten sich zu bestimmten Anlässen gegenseitig und auch die seit 1462 bestehende Johannesbruderschaft verband Kommende und Bürgerschaft.49 Die Geschichte der Kommende nach der Mitte des 17. Jahrhunderts ist schlecht erforscht. Nach der Mediatisierung der Reichsstadt Überlingen 1803 wurde 1805 auch die Johanniterkommende aufgelöst.50 Der Besitz wurde Mitte 1806 auf ca. 162.000 Gulden geschätzt und fiel zum Großteil an das Großherzogtum Baden. Lediglich das Pfarrdorf Hoppetenzell gehörte aufgrund des Pressburger Friedens bis 1810 zu Württemberg. Der letzte Komtur Franz Thaddäus von Ulm bezog noch bis 26. September 1807 die Einkünfte aus der Kommende; er erhielt danach eine jährliche Pension von 2.500 Gulden und behielt seine dortige Wohnung bis zu seinem Tod 1813.51 Besitz und WirtschaftDen größten Teil ihres Grundbesitzes erwarb die Johanniterkommende in den ersten 70 Jahren ihres Bestehens durch Schenkungen des lokalen Adels. Der Besitz war im Bodenseehinterland konzentriert, vor allem in einem schmalen Streifen nördlich von Überlingen im Landgebiet der Reichsstadt. Nachdem der Konvent im 14. Jahrhundert in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, konnte die Kommende im 15. Jahrhundert ihren Besitz stabilisieren. Ein großer Teil der Erträge wurde durch den Verkauf von Getreide und Wein auf dem Überlinger Markt erzielt. In der Frühen Neuzeit wurde weiter entfernter Besitz abgestoßen. Wichtiger wurden die Dörfer Andelshofen und das im Hegau gelegene Hoppetenzell, in denen die Kommende das Patronatsrecht und die Niedergerichtsbarkeit besaß, sowie der Hof Hagenweiler bei Lippertsreute.52 Religiöses und kulturelles WirkenWährend im ersten Jahrhundert des Bestehens kaum Seelenheilstiftungen in der Johanniterkirche bekannt sind, erfolgten ab den 1350er-Jahren gelegentlich Ewiglichtstiftungen von Überlinger Bürgern bzw. Lehensinhabern der Johanniter an die Kommende.53 1467 wurde unter Mitwirkung von Bürgern der Stadt Überlingen eine St. Johannesbruderschaft im Johanniterhaus begründet.54 1484 wurden deren Statuten durch Bischof Otto IV. von Sonnenberg (1474–1491) bestätigt.55 Die Attraktivität der Bruderschaft, insbesondere für die städtische Oberschicht, bezeugen bis 1656 überlieferte Mitgliederlisten.56 Für das seit der Gründung der Bruderschaft brennende ewige Licht in der Ordenskirche übernahmen zunächst einzelne Komture, 1714 dann die Kommende die Kosten.57 Bibliothek und ArchivDas Archiv der Überlinger Johanniter kam nach der Auflösung des Konvents in das Generallandesarchiv und wurde dort in den Bestand Überlingen-Pfullendorf eingegliedert. Überlieferung zur Einbettung in den Orden findet sich im Bestand 20 »Johanniterarchive« des Generallandesarchivs sowie im Archiv des Malteserordens in Malta. Archivalien mit Bezug zur Stadt sind im Stadtarchiv Überlingen überliefert. Über den Verbleib einer Bibliothek ist nichts bekannt. Bau- und KunstgeschichteLageDie ehemalige Johanniterkommende befindet sich auf dem sog. Blutschenberg und markiert zusammen mit dem weithin sichtbaren St. Johann-Turm (auch Weißer Turm genannt) den östlichen Eckpunkt der ehemals befestigten Kernstadt. Von der einstigen Niederlassung des Ritterordens in Überlingen sind heute noch das dreigeschossige, unmittelbar an die hier vorbeiführende Stadtmauer angrenzende Komtureigebäude sowie der teils zu Grünflächen umgestaltete Hofraum mit Resten der Einfriedung überliefert. Da die Kommende aufgrund ihrer Stadtrandlage stets mit den hier liegenden Fortifikationseinrichtungen der Stadtbefestigung in Verbindung stand, werden der 1522/23 errichtete St. Johann-Turm – ein runder Geschützturm mit versetzt angeordneten Maul- und Fensterscharten (aufgestockt um drei Feueretagen 1632/33) – sowie die Fundamentreste der ehemals städtischen St. Johann-Schanze zu erweiterten Bestandteilen der Anlage gezählt. An die im Jahr 1818 abgebrochene Ordenskirche St. Johann, welche rechtwinklig an das Komtureigebäude angeschlossen war, schloss sich an deren nördlicher Langseite der einstige Begräbnisplatz der Kommende an. Das um 1831 errichtete Waschküchenhaus unmittelbar nördlich des Komtureibaus steht im Kontext der Nachnutzungen der Kommende als großherzoglich-badisches Forstamtsgebäude. Kirche und KonventsbautenDie heute noch in Teilen oberirdisch erhaltene Johanniterkommende wurde wohl um 1250 gegründet. Über den strukturellen Aufbau oder gar die konkrete architektonische Erscheinung dieser Ursprungsanlage aus dem 13. Jahrhundert lassen sich mit Ausnahme der Befestigungsverhältnisse keine gesicherten Aussagen treffen. Aufgrund der angrenzenden Lage zu den städtischen Befestigungsanlagen behielt sich die Stadt das Wege- und Zugangsrecht vor, um die Befestigungsanlagen weiterhin zu erreichen. Unter Einbeziehung der Weihe von zwei Altären im Jahr 1291 kann so von einem Ordenshaus mit dort integriertem bzw. unmittelbar anschließendem Oratorium sowie zugehörigen Wirtschafts- und Lagergebäuden ausgegangen werden. Ein wohl spätgotischer Kirchenneubau ist archivalisch zwischen 1424 und 1462 belegt. Dieser ersetzte die ursprüngliche Kapelle und bildete so das neue geistlich-religiöse Zentrum der Kommende, zu welchem ein eigenes Friedhofsareal im umliegenden Außenbereich gehörte. Veränderungen erfuhr die spätmittelalterliche Anlage zudem durch die Neuerrichtung des St. Johann-Turms 1522/23. So behielt sich die Stadt vor, die erstmals 1561 genannte Pfisterei beim St. Johann-Turm im Kriegs- oder Verteidigungsfall abzubrechen. Einen weiteren noch heute ablesbaren Eingriff in die bauliche Struktur der Anlage seitens der Stadt erfolgte 1565 im Zuge der Errichtung der St. Johann-Schanze unmittelbar südlich des heutigen Komtureibaus. Die auch als Burgwall bezeichnete Schanze (wohl 1644 durch die französischen Stadtbesatzer sowie 1733 erneuert) prägt noch heute den mit der Stadtbefestigung in Verbindung stehenden Teil der Kommende. Nach kleineren baulichen Ausbesserungen und Erweiterungen im frühen 17. Jahrhundert erfuhr der noch weitgehend spätmittelalterliche Baubestand im Zuge der Beschießungen der Stadt durch die schwedischen Truppen im Jahr 1634 sowie durch die bayerische Belagerung 1643/44 weiterreichende Zerstörungen. Die Folge waren Wiederaufbau- und Reparaturmaßnahmen in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Ab 1722 sind die drei Altäre der spätgotischen Ordenskirche, geweiht Johannes dem Täufer, Unserer Lieben Frau und dem Heiligen Kreuz, gesichert überliefert. Mit dem Neubau der Ordenskirche und dem heute noch bestehenden Komtureigebäude 1732/33 durch den Emmendinger Baumeister Johann Jacob Hering erlangte die Kommende schließlich ihre letzte Ausbaustufe vor der Aufhebung 1805/06. Die barocke Anlage bildete mit dem St. Johann-Turm samt Wagen- und Holzremise im Südosten, der Schanze im Süden, den Ökonomiebauten im Westen sowie dem winkelhakenförmigen Kirchen- und Komtureibau im Norden und Osten annähernd ein Rechteck um den zentralen Innenhof, der auf seinem Südabschnitt noch einen Brunnen aufwies. Bei der mit dem Chorraum nach Osten ausgerichteten und 1818 abgebrochenen Ordenskirche handelte es sich nach dem Grundrissplan des frühen 19. Jahrhunderts um eine Saalkirche, deren Langhaus vier Fensterachsen besaß und deren gerade abgeschlossener Chorraum im Osten unmittelbar auf die Stadtmauer traf. Aufgrund des eher niederrangigen Status der Kommende ist der Komtureibau als Sitz des Komturs bzw. seines weltlichen Verwalters vergleichsweise zurückhaltend gestaltet und äußerlich durch sein zeittypisches Walmdach sowie seine streng symmetrisch aufgebauten und weitgehend schmucklosen Schaufassaden mit rundbogigem Hauptportal zum Innenhof ausgezeichnet. Der Teilabbruch 1818 schloss neben der Kirche auch Stallungen und den Torkel (Weinpresse) mit ein. Die Wagen- und Holzremise wurde zwischen 1833 und 1841 mit dem Übergang der Anlage in private Hand abgebrochen. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDer Innenraum der Kirche erfuhr 1774 seine spätbarocke Ausgestaltung, wobei auch die Altäre erneuert wurden. Die barockzeitliche Innenraumgestaltung des Komtureigebäudes, welches ab 1814 als badisches Forstamtsgebäude genutzt wurde und 1833 in Privatbesitz überging, spiegelt sich noch anschaulich an den bauzeitlichen Stuckdecken mit Bandel-, Blatt- und Knorpelwerkornamentik wider. BibliographieQuellen: Roth von Schreckenstein 1877; 1880. Handbücher und Lexika: KDM Bd. 1, S. 622 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Johanniterkommende Überlingen (Walter G. Rödel). Literatur: Stengele 1887, S. 21–35; Rödel 21972; Schmid 1978 (b); Enderle 1990; Schneider 2008; Stadt Überlingen 2023. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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