Überlingen, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1618/19 Gründung – 1621 Weihe der ersten Klosterkirche – 1634 Abbruch der Klosteranlage – 1640 Weihe der zweiten Klosterkirche – 1643 Zerstörung der Klosteranlage – 1658 Weihe der dritten Klosterkirche – 1803 Inbesitznahme durch den Deutschen Orden – 1805 Übernahme durch Baden - 1808 Umzug der Patres in das Franziskanerkloster – 1820 formelle Aufhebung des Klosters Patrozinium: Mariae OpferungOrdensgliederung: Schweizerische Provinz, Kustodie Konstanz; 1668 Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Konstanz; 1781 Schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau |
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| Beschreibung: | Name: gaistliche vätter der Capuciner des convents zu Überlingen (1670)1 GeschichteDie Initiative zur Gründung eines Kapuzinerklosters in Überlingen ging vom Rat der Reichsstadt aus, der im Mai 1613 eine entsprechende Bittschrift an das Generalkapitel in Rom und im September an das Kapitel der Schweizerischen Provinz schickte. Zunächst verhielten sich die Kapuziner unter Verweis auf die hohen Verluste während der vergangenen Seuche zurückhaltend. Erst nach einer Überprüfung des angebotenen Bauplatzes 1618 stimmten sie der Gründung eines Klosters zu; bereits im April 1619 wurde als Zeichen für die Neugründung auf dem Bauplatz, am Grundtor vor den Stadtmauern gelegen, ein Kreuz errichtet.2 Unterstützt durch namhafte Spenden war der Bau bereits 1621 abgeschlossen. Überlingen gehört damit zu den frühen Gründungen der Schweizerischen Kapuzinerprovinz in Südwestdeutschland. Für die örtlichen →Minoriten bildeten die Kapuziner – durchaus im Sinn der städtischen Obrigkeit – eine starke Konkurrenz. Wie auch in anderen Städten war die Lage des Klosters vor den Stadtmauern prekär. Nach der Belagerung der Stadt durch feindliche Truppen unter General Gustav von Horn im Frühjahr 1634 ließ der Rat die Klosteranlage aus strategischen Gründen niederlegen. Ein Neubau wurde am gleichen Ort errichtet; am 29. April 1640 weihte Bischof Johann Truchsess von Waldburg (1627–1644) die neue Kirche; jedoch wurde die Anlage durch die auf dem nahen Hohentwiel stationierten Truppen unter dem württembergischen Kommandanten Konrad Wiederholt 1643 erneut zerstört. Die wenigen Mönche fanden in der Stadt Zuflucht, die Gemeinschaft wurde von 1634 bis 1657 durch einen Superior geleitet, was einer Herabstufung des Klosters zu einem Hospiz gleichkam. Für die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs durchaus typisch, mobilisierte der Guardian der Kapuziner, P. Stanislaus Sauerbeck, während der Belagerung den städtischen Widerstand; Überlingen wurde der Gottesmutter anvertraut, nach der Abwehr der feindlichen Truppen löste die Bürgerschaft mit einer Wallfahrt nach Einsiedeln ihr Gelübde ein. Die Popularität der Kapuziner wurde dadurch stark gefördert, ebenso durch die Seelsorge, als drei Kapuziner Opfer der Pestwelle von 1635 wurden. Der Neubau der nunmehr dritten Klosteranlage erfolgte 1654. Über den neuen Bauplatz hatte es längere Verhandlungen gegeben: Stadt und Orden einigten sich schließlich auf eine Fläche am Steckenmarkt, die innerhalb der Stadtmauern lag und bis an das Ufer des Bodensees reichte. 1654 wurde das Kreuz auf dem Bauplatz errichtet, 1658 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Verehrung des Hl. Fidelis von Sigmaringen wurde durch den Bau einer Kapelle, die zu Ehren des 1729 seliggesprochenen Kapuziners 1731 errichtet wurde, gefördert. Ab 1783 unterhielten die Mönche eine Normalschule. P. Romuald von Stockach, der Historiograph der Ordensprovinz, verstarb am 16. April 1745 im Überlinger Konvent. Zeitweise war ein Kapuziner Prediger in der Stadt- und Stiftskirche →St. Nikolaus. Ebenso waren die Mönche für die Seelsorge im städtischen Spital zuständig. Da die Kapuziner gemäß ihren Ordensstatuten über kein Eigentum verfügten, waren sie auf Spenden angewiesen. Von Bedeutung waren besonders die Zuwendungen vom städtischen Spital und Rentamt, darunter wöchentlich 20 Pfund Rind- und 18 Pfund Kalbfleisch, in der Fastenzeit wurde Fleisch durch Käse ersetzt. An den Festen der Ordensheiligen kamen 24 Bratwürste dazu. Der vom Kaiser durchgesetzte Ausschluss der Kapuzinerkonvente, die nicht im habsburgischen Herrschaftsbereich lagen, aus der Vorderösterreichischen Provinz führte 1781 zur Gründung einer Schwäbischen Provinz, zu der auch der Überlinger Konvent zählte. Das Kloster war damit von den benachbarten Mitbrüdern in →Konstanz, →Radolfzell oder →Stockach abgeschnitten. 1750 lebten 16 Patres und fünf Laienbrüder im Konvent (1769: 22 Patres, 4 Professen, 4 Laienbrüder; 1771: 16 Patres, 7 Studenten, 4 Laienbrüder).3 Mit dem Reichsdeputationshauptschluss fiel das Kloster an den Deutschen Orden, der es im Februar 1803 provisorisch in Besitz nahm. Zu diesem Zeitpunkt lebten zwölf Patres und vier Brüder im Konvent. Das geringe Vermögen der Kapuziner wurde auf 10.892 Gulden geschätzt. Mit dem Frieden von Pressburg (1805) kam das Kloster an Baden. Die Kapuziner hatten 1808 in das Franziskanerkloster umzuziehen. Die Liegenschaften fielen an Baden. Das Verbot der Seelsorge und des Bettels in Gebieten des Königreichs Württemberg schränkte die Mönche stark ein. 1820 wurde das Kloster, in dem noch der Guardian und ein Laienbruder lebten, formal aufgehoben. Der Verbleib des Archives ist nicht geklärt. Die Bibliothek gelangte zumindest zum Teil in die Leopold-Sophien-Bibliothek in Überlingen. Bau- und KunstgeschichteDer erste Klosterbau stand westlich der Stadtmauer, vor dem Grundtor (Grünthor), nahe eines Krautgartens des Spitals. 1619 erfolgte die Grundsteinlegung und bereits am 8. September 1621 die Weihe der Klosterkirche durch Weihbischof Mirgel (1597–1629) zu Ehren Mariae Opferung (Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem). Der Komplex bestand aus einer kleinen dreischiffigen, gewesteten Kirche und einem südlich vorgelagerten zweistöckigen Konventsgebäude, dem östlich ein isolierter kleiner Bau (Abort?) vorgelagert war. 1634 wurde die Anlage durch die Reichsstadt abgebrochen, damit sie den anrückenden Schweden keine Deckung bieten konnte. Nach deren Abzug erhielten die Kapuziner die Erlaubnis, ihr Kloster wiederaufzubauen. Am 28. April 1640 konnte die Kirche durch Bischof Johann Truchsess von Waldburg (1627–1644) geweiht werden, doch bereits im Mai 1643 wurden die Kapuziner erneut aufgefordert, ihr Kloster zu verlassen, das daraufhin unverzüglich abgebrochen und das dabei gewonnene Baumaterial anderweitig verbaut wurde. 1650 stellte die Reichsstadt den Kapuzinern einen neuen Bauplatz zur Verfügung, doch gab es wegen dessen Zuschnitt Kontroversen. Erst 1655 konnte auf einem nun leicht veränderten Bauplatz an der Südwestecke der Stadt, innerhalb der Stadtmauern, die Grundsteinlegung erfolgen. Bereits am 26. Oktober 1658 wurde die neue Klosterkirche durch Bischof Franz Johann von Altensumerau und Prasberg (1645–1689) geweiht. Drei Jahre später wurde den Kapuzinern erlaubt, den Gerberbach durch ihr Grundstück umzuleiten. Nach den Abbrüchen im 19. Jahrhundert ist heute nur noch die profanierte und mehrfach umgebaute Klosterkirche erhalten. Der Baubestand bei der Aufhebung des Klosters ist in vier Plänen dokumentiert. Die Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor ist gewestet und besitzt noch ihre ursprünglichen Dachwerke (W 1657/58 [d]). Der kreuzgratgewölbte Chor war mit einer Mauer geteilt: Im Osten der Chor mit dem Hochaltar; im Westen der Mönchschor, der unmittelbar vom Westflügel der Klosteranlage aus zugänglich war. Nördlich an den Chor waren zwei Sakristeiräume angebaut, von denen der größere einen Zugang zum Chor der Kapuziner und der kleinere einen Zugang zum Altarraum aufwies. An der Südseite der Kirche war 1731 eine Fideliskapelle im Bereich des alten Friedhofs angebaut worden. Dabei dürfte es sich um den zweijochigen, zum Kirchensaal hin geöffneten Raum gehandelt haben, unter dem auch eine neue Gruft angelegt wurde. Kurz darauf erhielt das Kirchenschiff ein neues Hängewerk (W 1735/36 [d]). Die Konventsgebäude waren für ein Kapuzinerkloster ungewöhnlich stark aufgegliedert. Von der Seeseite zeigte sich ein asymmetrischer Bau mit unterschiedlich langen Seitenflügeln und Kopfbauten mit Krüppelwalmdächern. Um den längsrechteckigen Kreuzgang im Zentrum der Anlage waren die verschiedensten Funktionsräume angeordnet. Südlich lag das große Refektorium, dessen fünf Fensterachsen auch die Südansicht dominieren. Westlich davon lag die Klosterküche. In dem südwestlichen Anbau befanden sich eine Waschküche und die Badstube des Klosters, die ihr Wasser aus der Heilquelle bezog und auch bei Romuald von Stockach Erwähnung findet. Im Ostflügel waren neben dem Treppenhaus zum Obergeschoss auch ein kleiner (Pferde-)-Stall mit drei Ständen untergebracht. Im Westflügel befand sich neben zwei beheizbaren Räumen auch der Hauptzugang zum Kloster. Die Nutzung des südöstlichen Annexes ist nicht geklärt. Im Obergeschoss waren im seeseitigen Flügel die unbeheizten Zellen untergebracht. Einzelne größere Räume waren mit Öfen ausgestattet. Ein großer, längsrechteckiger Raum über dem Westflügel dürfte der Bibliothekssaal des Klosters gewesen sein. Das Inventar der Kapuzinerkirche gilt als verschollen. Die drei Altäre der Kirche sollen nach Sipplingen verkauft worden sein. In der dortigen Pfarrkirche sind zwei Nebenaltäre erhalten, die aus den 1760er Jahren stammen und Arbeiten von Franz Anton Dirr nahestehen. Die großen Skulpturen der Altäre, ein Ecce Homo und eine Schmerzhafte Mutter Gottes sind Arbeiten der Schenck-Werkstatt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und könnten noch der Erstausstattung der Klosterkirche entstammen In der Überlinger Franziskanerkirche befindet sich ein Tafelbild mit dem Martyrium des Hl. Fidelis von Franz Joseph Spiegler, 1729 signiert und datiert, das aus der Fideliskapelle des Kapuzinerklosters stammt (Abb. 4). Vermutlich stammt auch das kleine Tafelbild mit der Traditio Clavium im Überlinger Münster aus dem Bestand des Kapuzinerklosters. Nach der Aufhebung des Klosters wurden die Gebäude 1808 an Ignaz Amman verkauft, der hier eine Wirtschaft und eine Badstube betrieb. Nach dessen Bankrott 1812 kauft die Stadt das Kloster mit dem Badhaus. Das Bad wurde schließlich 1825 an Joseph Jakob Ackermann verkauft, der die Badanstalt am alten Ort westlich des Klosters neu errichtete. In diesem Zuge wurden die restlichen Konventsgebäude abgebrochen: die ehemalige Klosterkirche diente als Stall und Remise sowie als Logis für ärmere Badegäste. BibliographieQuellen: Romuald von Stockach 1747, S. 212–221. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 741 (Peter Findeisen); KDM Bd. 1, S. 624 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Kapuzinerkloster Überlingen (Matthias Ilg). Literatur: Schmid 1976; Mayer 1975–1977, S. 357–367; Schneider 2008, S. 255–257; Stadt Überlingen 2023. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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