Sipplingen, Franziskanerterziarinnen
| Kurzbeschreibung: | 1393 Gründung eines Bruderhauses – 1421 letzte Nennung – vor 1445 Übernahme der Hofstätte durch eine Schwesterngemeinschaft des Dritten Ordens des Hl. Franziskus – 1560 Auflösung nach einem Brand – 1607 Neugründung – 1650 und um 1707 erneute Brandkatastrophen – 1722 Neubau des Klosters im Dorf Sipplingen – 1784 Aufhebung Patrozinium: UlrichOrdensgliederung: (Straßburger) Oberdeutsche Minoritenprovinz, Kustodie BodenseeKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Stockach |
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| Beschreibung: | Name: schwöstern der clausen im Örlen ob Süpplingen von der dritten Regel sannt Francissen orden (1534);1 beginen schwestern (1593)2 GeschichteAuf der Hofstätte in den Erlen oberhalb des Dorfes Sipplingen entstand im Jahre 1393 eine Einsiedlerklause. Gründer waren der Priester Konrad Keller von Steißlingen, der hier ein religiöses Leben führen wollte, sowie die adeligen Herren Burkard und Walter von Hohenfels und die Bauern des Dorfes Sipplingen, die das erbetene Areal zur Verfügung stellten und dabei eingehende Bestimmungen zum Schutz der Pfarrrechte und des Stiftungszweckes trafen.3 So wurde unter anderem festgelegt, dass die Stifter auch weiterhin nur gemeinsam über die Hofstätte verfügen dürften und in der Kapelle niemals eine Priesterpfründe oder Messstiftung errichtet werden könnte. Zum Zeitpunkt der Stiftung hatte das Eremitentum am Bodensee freilich seine besten Tage längst hinter sich. Landauf, landab übernahmen Frauengemeinschaften die bestehenden Eremitagen, so auch in den Erlen, wo seit 1445 ein franziskanischer Drittordenskonvent bezeugt ist. Die Schwestern sicherten sich damals das Recht zur Aufbewahrung des Altarsakramentes und machten damit einen ersten Schritt hin zu einer besseren religiösen Betreuung, der vermutlich kurz danach um eine gestiftete wöchentliche Messe ergänzt wurde.4 Jedenfalls ist im Jahr 1478 eine eingeschlossene Schwester im Konvent belegt, die auf regelmäßige Gottesdienste in der Kapelle angewiesen war.5 Zur dauerhaften Aufspaltung des Konventes in Klausur- und Ausgehschwestern, wie sie bei den Schwesternhäusern an Pfarrkirchen im 15. Jahrhundert gang und gäbe war, scheint es jedoch nicht gekommen zu sein. Dafür besaß die Gemeinschaft weder die erforderliche Mitgliederzahl noch die nötigen Mittel. Im Jahre 1534 lebten hier nur vier Schwestern aus bäuerlichen Familien und dem städtischen Handwerker- oder Ackerbürgertum. Auch wenn der Konvent mit der Messstiftung über die engen Grenzen des Stiftungsbriefes von 1393 hinausgreifen konnte, stand er sonst voll und ganz unter Kuratel. Zur Herrschaft Hohenfels und zur Gemeinde Sipplingen stieß 1591 sogar noch die Landgrafschaft Nellenburg hinzu, so dass jetzt sechs Pfleger alle geschäftlichen Angelegenheiten regelten und bis hin zur Aufnahme von Mitgliedern tief in das Konventsleben hineinregierten. 1534 landete der dagegen rebellierende Schwesternkonvent geschlossen im Stockacher Gefängnis und wurde erst freigelassen, als er für die Zukunft Gehorsam gelobte. Über dem kleinen Schwesternkonvent stand auch in der Folgezeit kein guter Stern. Um 1560 brannte das Gebäude nieder und die Terziarinnen zerstreuten sich oder fanden in anderen Konventen Unterschlupf. 1607 von der Minoritenprovinz mit sechs Franziskanerinnen aus umliegenden Konventen neu besiedelt, brannte es 1650 und um 1707 erneut. Den Neubau verwirklichten die Schwestern 1722 nicht mehr auf den Erlen, sondern im Dorf Sipplingen. 1769 lebten zehn,6 1782 sieben Schwestern im Konvent. Nicht zuletzt wegen des teuren Klosterbaus verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage im 18. Jahrhundert stetig. Jedes unvorhergesehene Ereignis, Einquartierungen und schlechte Ernten brachten die Gemeinschaft sofort in Bedrängnis. Wiederholt mussten die Klöster der Umgebung und die Franziskanerprovinz um Unterstützungsbeiträge gebeten werden. 1775 und 1780 blieb nur der Ausweg, Schwestern in andere Klöster zu versetzen. Ein Rechnungsbuch des Jahres 1779 belegt, dass die Frauen damals tatsächlich von der Hand in den Mund lebten.7 Für sieben noch verbliebene Mitglieder mussten 441 Gulden an Einnahmen reichen. 25 % davon waren Almosen und ein ebenso großer Teil stammte aus der eigenen Handarbeit. Die Schwestern stellten Skapuliere und Rosenkränze her, strickten Strümpfe und Pulswärmer, arbeiteten am Webstuhl und besorgten die Kirchenwäsche. Zudem versorgten sie Pfründner, nahmen dafür Kostgeld ein und konnten sich Hoffnung auf eine größere Erbschaft beim Ableben machen. 1784 wurde der verarmte Konvent im Zuge der josephinischen Klosterreformen aufgelöst. Teile der Bibliothek gelangten wohl in die Universitätsbibliothek Freiburg. Ein Verzeichnis der im Kloster zum Zeitpunkt der Aufhebung befindlichen Bücher hat sich im Archiv der Universität Freiburg erhalten.8 Bau- und KunstgeschichteDer mehrteilige Gebäudekomplex des ehemaligen Franziskanerinnenklosters befindet sich in ortscharakteristischer Hanglage an der nordwestlichen Randzone des Sipplinger Altdorfes. Die für eine Terziarinnengemeinschaft verhältnismäßig groß dimensionierte Klosteranlage bildet eine zusammenhängende, um einen Innenhof angeordnete Baugruppe, welche sich aus der ehemaligen Klosterkapelle St. Ulrich im Südosten (Klosterstraße 1, 3) und dem winkelhakenförmigen Konventsflügel entlang der Schul- und St.-Martin-Straße zusammensetzt. Neben den weitgehend schmucklosen Außenfassaden des Konventsflügels tritt die im Zuge der Klosteraufhebung 1784 profanierte Klosterkapelle nach wie vor als gestalterischer sowie repräsentativer Schwerpunkt hervor und ist trotz ihrer früh vollzogenen Umnutzung zum Wohnhaus (und später zu einem Teil des Gasthofes Adler) nach außen noch offenkundig als Sakralbau zu erkennen. Beim 1722 erfolgten Klosterneubau wurde die Kapelle als ursprünglich verputzte Saalkirche mit dreiseitig geschlossenem Polygonalchor auf hohen Substruktionen realisiert, welche durch die Hanglage bedingt sind. Während die teils kreuzgratgewölbten Innenräume der über einen zweigeschossigen Zwischenbau mit dem Konventsflügel verbundenen Kapelle durch die nachträglichen Umnutzungen zum Wohn- bzw. Gasthaus stark verändert wurden, präsentiert sich der Außenbau noch mit seiner aufgemalten barocken Fassadengliederung. So sind die straßenzugewandten Schaufassaden des ehemaligen Langhauses durch eine aufgemalte Pilastergliederung mit antikisierenden Triglyphenkapitellen bzw. durch eine korbbogige Säulen- und Pfeilerarkatur ausgezeichnet. Bemerkenswert sind ebenso die verkröpften und hochovalen Langhausfenster, deren Gewände an der südöstlichen Schaufassade kassettiert sind. Die heutige Außengestalt des Chors mit zweigeschossigem Aufriss und einfachen Rechteckfenstern ist wiederum durch die profane Nachnutzung der Kirche bedingt. Von der weitgehend verlorenen Kapellenausstattung sind bei einer Renovierung des Gebäudes in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch fünf hölzerne Bildtafeln aufgetaucht, auf welchen musizierende Putti und die Muttergottes als Himmelskönigin sowie als Überwinderin der Ursünde dargestellt werden. Wie in der Kapelle ist auch im zweigeschossigen Konventsflügel insbesondere im Bereich der Substruktionen noch mit Resten einer spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Vorgängerbebauung aus dem 16. bzw. 17. Jahrhundert zu rechnen. Schließlich ist der gesamte Komplex neben seiner teilweisen Nutzung als Wohnhaus ab 1788 v. a. durch die seit 1820 bezeugte Nutzung als Gasthof bestimmt. BibliographieHandbücher und Lexika: AFA 13, S. 190–199 (Kurt-Erich Maier); KDM Bd. 1, S. 585 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster Sipplingen (Andreas Butz). Literatur: Schatz 1930, S. 58, 62 f.; Maier 1957; Wilts 1994, S. 438–440. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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