Pfullendorf, Schwesternsammlung, Dominikanerterziarinnen »Maria zu den Engeln« 

Kurzbeschreibung:

1335 Ersterwähnung – 1437 Augustinusregel – 1687 Weihe der neuen Klosterkirche – 1803 Aufhebung – 1807 Verkauf der Klostergebäude

Patrozinium: Maria, Königin der Engel
Ordensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Suevia, 1619 Nation Helvetia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, Dominikanerterziarinnen »Maria zu den Engeln« 1335-1803
Beschreibung:

Name: die swestern in der samnung ze Phullendorf hinder der kilchun Bredger ordens (1335);1 Pri[orissa] V[el] Conv[entus] Ter[tii] Ord[inis] S[ancti] Dominici. D[as] weisse Kl[oster] z[u] Pfullendorf (1760);2 gottshaus Maria der Englen [...] ordinis S. P. Dominici (1783)3

Geschichte

Die Anfänge des Dominikanerinnenklosters in der Reichsstadt Pfullendorf gehen auf eine Terminierherberge zurück, die von den Konstanzer →Dominikanern um 1255 in der ihnen von den Rittern von Ramsberg überlassenen »Herrenburg« bei der Pfarrkirche eingerichtet und – nach einer Chronik von 1774 – von einige[n] jungfrauen, so in gemeinschafft Gott dieneten, als pfleegnerinen betreut wurde.4 Erstmals urkundlich erwähnt wird die Schwesternsammlung 1335.5 Papst Eugen IV. (1431–1447) bezeichnet die Gemeinschaft 1437 als unter der Augustinusregel und der Aufsicht der Dominikaner lebend und erlaubt ihr die Aufnahme weiterer Schwestern.6 1487 konnte sie laut der Chronik von 1774 ihre Herberge käuflich erwerben.7 Vor dem 17. Jahrhundert taucht die Frauengemeinschaft in den Quellen nur spärlich auf. Die Anzahl der Schwestern scheint sich lange auf drei bis fünf zu beschränken. Der Grundbesitz auf der Stadtmarkung und mit wechselnden Lehensgütern in der Umgebung war bescheiden, so dass die Frauen auf zusätzliche Einkünfte aus Erwerbsarbeit und Almosen angewiesen waren. Bis zum Einbau einer kleinen Kapelle in ihrem Kloster 1602 verrichteten die Schwestern ihr Chorgebet in der benachbarten, später durch eine gedeckte Brücke mit dem Kloster verbundenen Pfarrkirche.8 1624 werden für das »Weiße Kloster« unter der Leitung von Priorin Barbara Schedler elf Schwestern und eine Magd genannt.9

Eine Konsolidierung der klösterlichen Strukturen und eines kontemplativen und – kanonisch formell allerdings erst 1742 – klausurierten Gemeinschaftslebens erfuhren die Pfullendorfer Dominikanerinnen unter der von 1640 bis 1689 amtierenden tüchtigen Priorin Anna Katharina Egenroth. Nach dem Erwerb des Jonerschen Hauses bereits 1521 gelang den Schwestern 1683 mit dem Kauf des bisherigen Stadthauses des Zisterzienserinnenklosters →Wald die entscheidende bauliche Erweiterung, so dass sie jetzt oberhalb des Rathauses einen geschlossenen Gebäudekomplex innehatten, zu dem zu einem allerdings strittigen Zeitpunkt noch die sogenannte Obere Färbe hinzukam. Durch den Umbau des Walder Hauses gewannen die Dominikanerinnen eine 1687 geweihte Klosterkirche, darüber liegende Zellen für die Schwestern und späterhin noch eine Sakristei (1709) und eine Gruft im Kellergeschoss (1735) als Grabstätte für die verstorbenen Schwestern.10

Nicht zuletzt durch den Beitritt und die Mitgiften von Pfullendorfer Bürgertöchtern sowie von einigen wenigen Adligen verbesserte sich im 17. und 18. Jahrhundert zeitweise die wirtschaftliche Lage des Weißen Klosters, so dass verschiedene Baumaßnahmen, eine Erweiterung des Konvents auf bis zu 20 Schwestern sowie bescheidene Grundstückskäufe möglich wurden. Für zusätzliche Einnahmen sorgen die Fertigung von Kerzen und Hostien für die Pfarrkirche, die Aufnahme von Pensionärinnen sowie ein Schulpensionat.11 Bei der Säkularisation 1803 bestand der Immobilienbesitz des noch neun Frauen, zwei Laienschwestern und eine Pensionärin umfassenden Dominikanerinnenklosters in den Klostergebäuden nebst Gästehaus und eingebauter Kirche im Wert von 7.000 Gulden sowie in fünf Schupflehenhöfen und verschiedener Einzelfelder im Wert von 25.804 Gulden. Einem jährlichen Ertrag von 1.930 Gulden standen feste Ausgaben von 2.148 Gulden gegenüber.12 Von den zwischen 1616 und der Säkularisation namentlich überlieferten 75 Schwestern stammten 15 aus Pfullendorf und ca. 25 aus der oberschwäbischen Nachbarschaft.13 Als Beichtväter sind im 18. Jahrhundert sowohl der Stadtpfarrer und Kapläne aus Pfullendorf wie auch Konstanzer Dominikaner anzutreffen.14

Bau- und Kunstgeschichte

Ausgehend von der Dominikaner-Herberge in der ehemaligen Herrenburg wuchs das zur Pfarrkirche St. Jakobus und dem reichsstädtischen Rathaus benachbarte »Weiße Kloster« durch sukzessive Erwerbungen von Nachbargebäuden sowie nachfolgende Um- und Neubaumaßnahmen bis ins 18. Jahrhundert zu einem stadtbildprägenden Baukomplex heran, der unterhalb der Gret vier bis sechs Stockwerke in die Höhe ragt, während es oberhalb der Hangkante zur Pfarrkirche hin nur zwei Etagen sind. Ihr geschlossenes, durch Fensterreihen gegliedertes Erscheinungsbild erhält der aus fünf Einzelgebäuden bestehende Klosterbau durch Um- und Neubauten zunächst in den 1680er Jahren des Walder Hauses, 1729 der Herrenburg und 1756 schließlich noch der Oberen Färbe, die in den oberen Stockwerken das Gästehaus des Klosters birgt und unten die klösterliche Ökonomie.15 Der zurückhaltende Fassadenschmuck beschränkt sich auf mehrere Supraporten mit dem Dominikanerwappen sowie zwei barocke Reliefs einmal mit der von Engeln in Wolken umgebenen Himmelskönigin Maria mit Krone und Zepter und der Inschrift »Maria der Englen« und zum anderen dem Doppelwappen der Dominikaner und der Priorin Egenroth von 1686 an der Ostseite des ehemaligen Walder Hauses.

Bei der Versteigerung des Klosterbesitzes 1807 gelangten die Gebäude zum größeren Teil an die Stadt Pfullendorf, die sie lange Zeit für schulische Zwecke und neuerdings für die expandierende Kommunalverwaltung nutzt.16

Die Sakral- und Kunstausstattung des Klosters ist bei der Säkularisation und der damit verbundenen Versteigerung des Mobilbesitzes ebenso abgegangen wie der Dachreiter über der Klosterkirche im Walder Haus.17 Der barocke Kreuzweg wurde aus dem Kloster in die benachbarte Pfarrkirche transferiert, die Orgel der Klosterkirche in die Wallfahrtskirche Maria Schray. In der Pfarrkirche erinnern außerdem fünf Oratorien auf der Südseite des hohen Mittelschiffs sowie ein barockes Deckenfresko des Ordensgründers Dominikus mit Fackel und Hund über der Orgelempore an die Pfullendorfer Dominikanerinnen und deren Mitnutzung der Stadtkirche.

Bibliographie

Quellen: Walz 1927.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 536 (Dagmar Zimdars); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster »Maria zu den Engeln« Pfullendorf (Franz Kanzler).

Literatur: Schupp 1963; Kanzler 2005.

Anmerkungen

  • 1 Kaufurkunde vom 16. August 1335 über ein Gut zu Mettenbach (GLA 70 Pfullendorf, Akten, Spezialia, Konv. 34 Nr. 841, zitiert nach Schupp 1963, S. 17).
  • 2 Umschrift des Konventsiegels auf Urkunde vom 13. 6. 1760 (GLA 70 Pfullendorf, Erbschaftsakten, Nr. 65, zitiert nach Schupp 1963, S. 15).
  • 3 Gedrucktes Konventverzeichnis von 1783 (GLA 70 Pfullendorf, Akten Nr. 591, zitiert nach Schupp 1963, S. 41).
  • 4 Rogg 1982, S. 186 f.
  • 5 Kaufurkunde vom 16. August 1335 (wie Anm. 1)
  • 6 Rippol 1725, S. 80 f.
  • 7 Rogg 1982, S. 188 f.
  • 8 Zur verzögerten klösterlichen Entwicklung und der bescheidenen materiellen Ausstattung der Gemeinschaft Wilts 1994, S. 39 3-395; Schupp 1963, S. 16 f., 21 f.
  • 9 Schupp 1963, S. 23.
  • 10 Zur teilweise unterschiedlich datierten und interpretierten Erwerbungs-und Baugeschichte des Klosters vgl. Schupp 1963, S. 2 0-22, 2 8-37; Rogg 1982, S. 18 9-195; Kanzler 2005, S. 33 9-347.
  • 11 Schupp 1963, S. 38.
  • 12 Erhebung vom 4. 10. 1803 (GLA 217 Nr. 231; zitiert nach Schmid I, S. 255).
  • 13 Kanzler 2005, S. 354.
  • 14 Schupp 1963, S. 38
  • 15 Zu den einzelnen Baubestandteilen und der baulichen Entwicklung vgl. Groner 1988, S. 84; Groner 1982, S. 18 9-195; Kanzler 2005, S. 33 9-347.
  • 16 Schupp 1963, S. 57; Kanzler 2005, S. 36 0-362.
  • 17 Groner 1982, S. 195; Kanzler 2005, S. 344, 359
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Edwin Ernst Weber [Autor]
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