Laiz, Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1356 Klause in Laiz belegt – vor 1440 Franziskanerterziarinnen – 1440 Aufspaltung des Konvents in Schwestern und Vorschwestern – 1526/27 Wiederaufbau nach einem Brand – 1687 Anbau an die Kirche mit Oratorium für die Schwestern – 1782 Aufhebung

Patrozinium: Unsere Liebe Frau
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Meßkirch

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen 1356-1782
Beschreibung:

Name: closen ze Laizze (1356);1 maisterin und swestran […] in der clusen ze Laitz (1432);2 frawen closter (1733)3

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Frauenklause lag direkt neben der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Laiz, zunächst auch Pfarrkirche der Stadt Sigmaringen, nach 1480 Filialkirche von Sigmaringen. Der erste schriftliche Beleg für sie datiert vom 29. Dezember 1356.4 Die Anfangszeit des Klosters ist nur schwer nachvollziehbar, da wohl bei zwei Bränden vor 1440 und vor 1526 schriftliche Quellen verlorengingen.5 Schenkungs- und Verkaufsurkunden wurden Ende des 14./Anfang des 15. Jahrhunderts vorwiegend für die Kirche und die dortigen Pfründen ausgestellt; allein 1399 werden die Laizer Klausnerinnen in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Erst in Urkunden ab 1424 treten Meisterin und Klause als Ausstellerinnen auf.6

Ein Vergleich von 1440 zwischen den Laizer Schwestern und der Stadt Sigmaringen dokumentiert den Stand der »Verklösterlichung« des Konvents. Die Schwestern strebten eine klösterlich-kontemplative Lebensweise an, hatten ursprünglich aber die Tätigkeiten eines Mesners zu übernehmen. Dies gefährdete die Klausur, verhinderte ein intensives Gebetsleben und bedeutete auch eine finanzielle Belastung. Die 1440 neu vereinbarten Tätigkeiten sollten die Schwestern möglichst nicht mehr aus der Klausur führen. Sie sollten die Messbücher und Handschriften der Pfarrkirche ebenso wie die Altartücher, Messgewänder und gesamten Paramente verwahren und für die Gottesdienste richten. Der Vogt und die Pfleger der Kirche sollten jährlich zwei Schwestern oder Vorschwestern der Klause für die Küsterei und Pflege der Gewänder auswählen. Gaben, die in der Klause an das Gotteshaus gegeben wurden, sollten den beiden Schwestern ausgehändigt werden, die sie dem Vogt und den Pflegern jährlich anzuzeigen hatten. Aus dem der Kirche gehörenden Wachs sollten die Klausnerinnen Kerzen ziehen. Damit die Bereitstellung des Opferweins für die Messen die Klausur nicht gefährdete, sollte er über dasjenige Fenster gereicht werden, an dem sie selbst die Kommunion empfingen. Dafür erhielt der Konvent jährlich 1 Pfund Heller als Entschädigung. Schließlich wurde die Anzahl der in der Klause lebenden Schwestern auf zwölf beschränkt. Den Vertrag besiegelten die Klause und deren Visitator, der Lesemeister und Kustos der Minoriten am Bodensee. Da der Visitator ein Minorit war, liegt es nahe, dass die Schwestern vor 1440 Terzarinnen geworden waren. Zudem belegt der Vergleich eine Aufspaltung des Konvents in Schwestern und Vorschwestern (gewilot bzw. klosnerinan und vorschwoestran). Die Klausnerinnen trugen den schwarzen Schleier (Weil) als Zeichen der Chorfrauen, denen das Chorgebet und die Mitwirkung beim Gottesdienst oblagen. Die Laienschwestern besorgten die häuslichen Arbeiten und die Feldgeschäfte.7

Das Kloster Laiz lag in der Herrschaft, ab 1460 Grafschaft Sigmaringen, deren Inhaber wohl von Anfang an das Vogteirecht besaßen. Unter dem letzten Grafen von Werdenberg scheint das Kloster eine besondere Förderung erfahren zu haben, denn Graf Felix (1500–1530) ließ nicht nur das Kloster 1526/27 nach einem Brand wieder aufbauen, sondern er und seine Gemahlin versahen es 1527 mit umfangreichen Stiftungen.8 1535 erhielten die Grafen von Zollern die Grafschaften Sigmaringen und Veringen als österreichische Lehen, damit waren ab 1576 die Grafen bzw. ab 1623 die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen die Schirmherren. Obgleich Habsburg vielfach seine lehens- und landeshoheitlichen Ansprüche gegenüber den zollerischen Lehensinhabern durchzusetzen wusste, entrichtete das Kloster bis zur Aufhebung 1782 Schirmgeld und -hafer an den Fürsten.9

Die Klöster Laiz und →Gorheim wurden im 15. Jahrhundert von den Überlinger →Minoriten betreut und gehörten auch in der Neuzeit zu den Konventualen. Beide Klöster wurden vom Provinzial visitiert.10 Möglicherweise wurden in Laiz um 1630 die Provinzsatzungen, die unter anderem die gleiche Ausstattung der Zellen und das Verbot von Privateigentum vorschrieben, nicht eingeführt, denn die Zellen waren 1782 unterschiedlich ausgestattet und die Schwestern hatten Privatbesitz.11

Obwohl die Anzahl der Schwestern 1440 auf zwölf beschränkt worden war, wurde diese Zahl im 17./18. Jahrhundert überschritten. Bis zu 17 Schwestern, drei Laienschwestern zuzüglich einer Novizin befanden sich im Kloster. Neben der Meisterin, der Vorsteherin des Klosters, gab es verschiedene weitere Funktionsträgerinnen, so 1782 unter anderem eine Seniorin, Novizenmeisterin, Kastnerin, zwei kustnerinnen, Kellermeisterin, Gastmeisterin, Küchenmeisterin und Krankenwärterin. Eine der Laienschwestern war Gärtnerin, die andere Köchin. Im 17./18. Jahrhundert entstammten die Frauen bürgerlichen und bäuerlichen Schichten. Im 16. Jahrhundert ist eine niederadlige Schwester nachweisbar. Erst bei der Aufhebung des Klosters 1782 wird die geographische Herkunft der Frauen fassbar. Die meisten Schwestern kamen damals aus dem bayerischen Raum, dem Allgäu und aus Oberschwaben, zwei Schwestern stammten aus Tirol. Frauen aus Hohenzollern-Sigmaringen befanden sich keine im Kloster.12

Die Seelsorge war seit Beginn durch den Stadtpfarrer und die Geistlichkeit in Laiz gesichert, aber mit einer gewissen Abhängigkeit des Konvents vom Pfarrer verbunden. Im 15. Jahrhundert beichteten die Laizer und Gorheimer Schwestern bei den Überlinger Minoriten und empfingen von ihnen Sakramente. Als der Laizer Pfarrer dies verbieten wollte, wohl um eine zu starke Anbindung an den Orden und eine Verselbstständigung der Konvente Laiz und Gorheim zu verhindern, forderte das Konstanzer Ordinariat den Pfarrer 1443 auf, die Franziskaner nicht am Beichthören der Schwestern zu hindern.13 Ab 1663 kam der Beichtvater für die Konvente Laiz und Gorheim wieder vom Überlinger Franziskanerkloster. 1671 erhielten beide Klöster einen Franziskanerkonventualen als Beichtvater, wegen dessen Unterhalt Spannungen zwischen den Konventen entstanden, die 1699 in einem Vergleich beigelegt wurden. Laiz löste sich nie so weit wie Gorheim von den Bindungen an die Pfarrei. Als der Sigmaringer Stadtpfarrer 1760 gegenüber den Schwestern beider Klöster Pfarrrechte beanspruchte, wogegen die Schwestern behaupteten, sie seien Ordenskinder, akzeptierten die Laizerinnen 1761 die Entscheidung des Konstanzer Generalvikars, dass sie Pfarrkinder seien und dass sie dem Pfarrer die Aufnahme von Novizinnen anzuzeigen hätten.14

Im 17. Jahrhundert gab es Streitigkeiten zwischen dem Kloster Laiz und der Stadt Sigmaringen wegen der Besteuerung der dem Kloster gehörenden Güter auf städtischem Gebiet und damit verbunden um die Beteiligung des Klosters an Steuern und Kontributionen (Kriegssteuern). Die Differenzen wurden 1660 mit einem Vergleich beigelegt.15

Nachdem Österreich im Rahmen der theresianischen Reformen begonnen hatte, die Landeshoheit über Sigmaringen energischer wahrzunehmen, wurden die Klöster Laiz und Gorheim unter Kaiser Joseph II. (1764–1790) gleich bei der ersten Klosteraufhebungswelle 1782 aufgehoben. Hinsichtlich des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen war es zugleich ein Akt der Durchsetzung und Demonstration der österreichischen Landeshoheit, der nicht einmal offiziell über die Aufhebungen informiert wurde. Der österreichische Kommissar, der Stockacher Oberamtsrat und Landschreiber Sebastian Biermann, und sein Beigeordneter fuhren nach der Aufhebung Gorheims am 1. März 1782 in derselben Weise mit Laiz fort. Der Sigmaringer Stadtpfarrer hob im Namen des Konstanzer Bischofs die Klausur auf. Der gesamte klösterliche Besitz wurde ebenso inventarisiert wie das Privateigentum der Schwestern, das ihnen jedoch verblieb. Am 13. August 1782 wurde das Kloster Laiz aufgehoben. Die Schwestern mussten an diesem Tag weltliche Kleider anlegen und das Kloster verlassen.16

Wertgegenstände und Kapitalien wurden dem Rentamt Stockach abgeliefert. Ende April 1782 versteigerte man die Mobilien, das vorhandene Vieh und die entbehrlichen Naturalvorräte des Klosters. Im Februar 1783 erfolgte die Versteigerung der Liegenschaften des Klosters. Der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen erwarb neben dem Klostergebäude die Besitzungen des Klosters an Äckern, Wiesen und Wäldern um Sigmaringen sowie die in seinem Herrschaftsgebiet liegenden Höfe. Die Güter und Zinsgefälle außerhalb Hohenzollern-Sigmaringens kauften Interessenten vor Ort. Insgesamt nahm der Religionsfonds etwa 41.000 Gulden ein. Der Fürst veräußerte das Klostergebäude mit Äckern, Wiesen und Gärten noch im September 1783 an den Laizer Schultheißen Johann Philipp Schwab. Trotz der angeblich schlechten Bausubstanz wurde das Gebäude weiter genutzt.17

Bei der Aufhebung waren noch 13 Schwestern, zwei Laienschwestern und eine Novizin im Kloster, die sich an unterschiedliche Orte begaben: drei entschieden sich für das »Institut« Gorheim zur Unterbringung von Schwestern aufgehobener vorderösterreichischer Klöster, eine für das Kloster Margrethausen (bei Ebingen), die übrigen gingen in die Welt, häufig in Kost zu Geistlichen oder auch zurück zu ihren Vätern. Die nicht üppigen Pensionen trug zunächst der österreichische Religionsfond. Mit Erhalt der Souveränität Hohenzollern-Sigmaringens 1806 gingen die Verpflichtungen an das Fürstentum über. Die Frauen, die sich im Institut Gorheim aufhielten, teilten das Schicksal der dort untergebrachten Frauen, d.h. sie wurden wohl nach der Aufhebung des Instituts im Jahre 1807 nach Inzigkofen umgesiedelt. Die letzte Exkonventualin des Klosters Laiz verstarb 1833 im Alter von circa 90 Jahren in Ochsenhausen.18

Besitz und Wirtschaft

Die Entwicklung des Besitzes und der Stiftungen des Klosters Laiz sind praktisch nicht mehr nachvollziehbar. Überliefert ist, dass Graf Felix von Werdenberg und seine Gemahlin im Jahre 1527 eine umfangreiche Stiftung tätigten.19 Bei der Aufhebung des Klosters 1782 bestand der Besitz aus dem Klostergebäude, einem »Neubau« und Wirtschaftsgebäuden, wie Scheuer und Stallungen. An Vieh besaß der Konvent sechs Pferde, drei Kühe und elf Schweine. Er verfügte über 48 Jauchert Ackerfeld, 12 Mannsmahd Wiesen, 92 Jauchert Wälder sowie einen Baum- und Krautgarten. An Lehensgütern besaß Laiz je einen Schupflehenhof in Laiz und Heudorf bei Meßkirch, drei Schupflehenhöfe in Sigmaringendorf und je einen Erblehenhof in Harthausen und Menningen. Hinzu kamen Reben sowie Wein-, Frucht- und Geldgefälle in Sipplingen. Weitere Fruchtgülten vom Spitalamt Überlingen wegen eines Hofes zu Waldsteig sowie Geld- und Naturalgefälle von einem Hof in Sigmaringendorf kamen hinzu.

Die eigene Landwirtschaft bildete nachweislich im 18. Jahrhundert die Lebensgrundlage des Klosters. Sie wurde von den Vorschwestern und sieben festangestellten Personen besorgt. Der Wein kam aus den dem Kloster gehörenden Rebgütern in Sipplingen. Geldeinnahmen flossen dem Kloster aus Zinsen von verliehenen Kapitalien zu. Das Geld stammte wohl vornehmlich von den Mitgiften der Schwestern. Die Gesamteinnahmen des Konvents wurden 1782 mit jährlich 1.993 Gulden beziffert. Dem standen Ausgaben in Höhe von 1.595 Gulden gegenüber, davon allein 1.100 Gulden für Löhne. Mit Handarbeit wurde 1782 nichts verdient, sondern mit Stricken, Nähen und Spinnen nur das Notwendige für das Haus getan. Auch unterstützten die Schwestern Kranke und Alte auf vielfältige Weise.

Das Kloster besaß – nachweislich im 18. Jahrhundert – eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung für das Umland so als Arbeitgeber von festangestelltem Personal und von Saisonarbeitskräften. Aufträge ergingen an Sigmaringer und vermutlich auch Laizer Handwerker und Künstler. Es war Kreditgeber von Kommunen, kommunalen Organisationen, des fürstlichen Hauses Hohenzollern-Sigmaringen, der Truchsessen von Waldburg und von Privatpersonen in Orten vornehmlich der zollerischen Grafschaften Sigmaringen und Veringen.20

Religiöses und kulturelles Leben

Die Chorschwestern beteten das lateinische Brevier in der Kirche und sorgten für den Gesang bei den Gottesdiensten.21 Beim Neubau des Klosters 1527 erhielten die Schwestern ein eigenes Oratorium für das Chorgebet. Beim 1687 begonnenen Anbau an die Kirche wurde ihnen auf einer zweiten Empore ein geräumiges Oratorium eingerichtet. Die Frauen unterhielten eine »ewige Andacht«, ein Tag und Nacht hindurch ununterbrochen fortgesetztes Gebet, weshalb in einer Geschichte der vorderösterreichischen Klöster ihre »außerordentliche Frömmigkeit« gerühmt wurde.22 Nach eigenem Bekunden verwendeten die Frauen die meisten stunden [...] zu dem chor und music oder gottesdienst. Noch bei der Aufhebung des Klosters 1782 wurden die Musikpflege und das musikalische Vermögen einzelner Schwestern, etwa als Sängerin oder Organistin, besonders hervorgehoben. Damals nannten Schwestern unter anderem Geigen, eine Bassgeige und eine Harfe ihr Eigen, zwei besaßen sogar ein Klavier.23

Nach der Gottesdienstordnung von 1618 mussten die Schwestern dem Laizer Kaplan helfen. Gemäß der Ordnung von 1748 war jeden Samstag und an den Sonntagen nachmittags lateinische Vesper, an 24 höheren Festen zudem um fünf Uhr Mette (Matutin).24 Es waren jährlich 30 Stiftungsmessen, eine spätere Quelle nennt 43 Stiftungsmessen, zu lesen und sieben Vigilien zu feiern.25 Vielleicht waren aufgrund der Brände nicht mehr Stiftungsmessen überliefert; so datiert auch der älteste gestiftete Jahrtag erst von 1609.26

Ab 1586 befand sich auf dem Altar der Klosterfrauen ein Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes aus dem bei Einführung der Reformation in Württemberg aufgehobenen Kloster der Franziskanerterziarinnen in Ebingen. Im 17. Jahrhundert muss die Wallfahrt zu dem Gnadenbild infolge zahlreicher Gebetserhörungen stark zugenommen haben. Die Hälfte aller 1902 noch vorhandenen Votivbilder datierte wohl aus den Jahren 1661 bis 1681. Vor allem in der Fastenzeit, insbesondere an den Märzfreitagen, vermochte die Kirche die Menge der Gläubigen oft kaum zu fassen, und die Schwestern fanden manchmal weder Platz noch Ruhe für ihre Andachten, weshalb 1687 ein Anbau an die Kirche mit dem Oratorium für die Schwestern beschlossen wurde. An den Samstagen von Kreuzauffindung bis Kreuzerhöhung führten Prozessionen von Sigmaringen nach Laiz. Das Gnadenbild zog noch nach 1782 viele Gläubige an.27

Bibliothek und Archiv

Die Bibliothek des Klosters wurde bei der Aufhebung 1782 als wenig wertvoll eingestuft, gleichwohl wurden zumindest einige Bücher der Universitätsbibliothek Freiburg überstellt.28 Die Schriften im Archiv des Klosters waren im Wesentlichen Schenkungs- und Erwerbsurkunden, Güterbeschriebe, Lehensbriefe, Verträge und Prozessakten. Das Archiv wurde nach Gorheim verbracht, um die Dokumente den künftigen Käufern der Klostergüter übergeben zu können.29 Zahlreiche Unterlagen befinden sich deshalb im Staatsarchiv Sigmaringen, Fürstliches Archiv Sigmaringen (Domänenarchiv Sigmaringen) aufgeteilt auf verschiedene Rubriken.30 Dass sich offenbar nur wenig Schriftgut im Kloster befand, könnte mit den zwei Bränden zusammenhängen. 1432 ist erstmals ein eigenes Siegel des Klosters belegt.31

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster, eine dreiflügelige Anlage aus zweigeschossigen verputzten Gebäuden, befindet sich unmittelbar nördlich der älteren Pfarrkirche. Die Anlage aus Kirche und Klosterbauten liegt ortsbildprägend und in exponierter Lage auf einem Felssporn, der sich von Norden her und weithin sichtbar in das Donautal hineinschiebt.

Kirche und Konventsbauten

Die Entwicklung der baulichen Anlage des Klosters lässt sich nur noch in groben Ansätzen skizzieren, da der Baubestand vor 1526 zweimal durch Brand zerstört wurde. Ältester baulicher Beleg der Anlage ist die bereits vor Gründung des Konvents bestehende Pfarrkirche, die in ihren ältesten Teilen auf das ausgehende 12. Jahrhundert zurückgeht. Das Gotteshaus Unserer Lieben Frau – eine in weiten Teilen 1426 neu aufgerichtete Basilika mit Chorseitenturm im Norden – diente bis 1480 primär als Pfarrkirche, zu deren umfangreichen Sprengel unter anderem auch die Stadt Sigmaringen gehörte. Für die Anlage einer Klause war die räumliche Anbindung an dieses Gotteshaus grundlegend. Archivalische Belege nennen 1440 ein Kommunionsfenster für die Schwestern.

Auch die Konventsbauten gehen in ihren ältesten Teilen auf das Mittelalter zurück. In der südwestlichen Gebäudeecke (heute Klosterhof 3) ist ein nahezu quadratischer und in seiner Funktion noch nicht gedeuteter Bau erhalten, der aus besonders kräftigen Bruchsteinmauern besteht und bis zur Oberkante des Zwischengeschosses reicht. Darunter liegt ein Keller mit Tonnengewölbe. Archivalisch ist ab 1526/27 nach Brand ein Neubau des Klosters unter Graf Felix von Werdenberg belegt. Zu dieser Zeit erhielten die Schwestern vermutlich auch einen eigenen Nonnenchor mit Altar in der Kirche, der über einen Gang mit dem gegenüberliegenden Konventsgebäude verbunden war. Für das Chorgebet konnten die Chorschwestern direkt in Klausur ihr Oratorium erreichen.

Das heute erhaltene Kloster entstand unter Einbezug ältester Vorgängerbauten in weiten Teilen im 17. Jahrhundert, als es wegen Baufälligkeit »von Grund auf« erneuert werden musste. Diese Baumaßnahmen fanden ab 1665 statt, der Südflügel ist – möglicherweise als Abschluss dieser Erneuerung – 1682 (d) unter Dach gebracht worden. Eine altertümliche Dachkonstruktion über dem heutigen Gebäude Römerstraße 3 mit Firstpfette, Restfirstständer und verblatteten Diagonalstreben könnte dabei auf Einbezug älterer Teile hinweisen. Das historische Erscheinungsbild des weitgehend aus der frühen Barockzeit stammenden Klosterhofes ist noch immer im Wesentlichen überliefert. Vor allem die regelmäßige Fensterverteilung bezeugt barocke Symmetrie. An der Fassade zu Kirche und Friedhof haben sich noch bauzeitliche Fensterlaibungen in situ erhalten. Später zugemauerte Öffnungen sind bauhistorisch nachvollziehbar. In Teilen, etwa am Bau Klosterhof 7, sind auch noch Reste der ursprünglichen Farbfassung überliefert. Dort waren die Fenster mit aufgemalten, geohrten Rahmen versehen, wie sie zu jener Zeit an größeren Repräsentationsbauten Mode waren. Im Inneren des Südflügels haben sich trotz Umbaumaßnahmen des 19. Jahrhunderts bauhistorische Befunde erhalten (Zapflöcher, zugesetzte Türöffnungen, Wandanschlüsse) erhalten, die Rückschlüsse auf die ehemalige Binnengliederung des Gebäudes geben. Demnach war das Obergeschoss in Mittelflur mit beidseitig angeordneten Zellen aufgeteilt.

Bei Auflösung des Konvents 1782 im Zuge der ersten Säkularisierungswelle wurde der Besitzstand dokumentiert.32 Dieser umfasste damals ein Klostergebäude mit 21 großen und kleinen Zimmern, einen »Neubau« mit vier Gastzimmern und einem großen Speisesaal sowie Wirtschaftsgebäude, wie Scheuer, Stallungen und Holz- und Waschhaus. Die Immobilien und zugehörige Ausstattung wie Möbel wurden in der Folge versteigert, die Orgel, ein Altar, ein Gemälde (von Meinrad von Au) und eine Glocke wurden von der Kirchengemeinde gekauft, kirchliches Gerät dagegen an das Rentamt Stockach abgegeben. Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen erwarb die Klostergebäude und veräußerte selbige im Folgejahr an den Laizer Schultheißen Johann Philipp Schwab weiter. Seither befinden sich die ehemaligen Klostergebäude im Privatbesitz.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die künstlerische Ausstattung der Pfarrkirche in Laiz wird im Zusammenhang mit der Klostergeschichte verständlich. Das Gebäude, das ab 1480 als Filialkirche zu Sigmaringen gehörte, diente neben der klösterlichen Verwendung auch der Wallfahrt. Ab 1586 war hier ein Gnadenbild auf den Altar der Schwestern aufgestellt, das spätestens im 17. Jahrhundert Ziel florierender Wallfahrtspraxis wurde. 1668/90 erfolgte die Ausstattung des Kircheninneren mit Altären und Deckenmalerei. Die heutige Ausstattung stammt von einem weiteren Umbau der Jahre 1765-68. Zu dieser Zeit entstand die Orgel im Auftrag der Klosterfrauen. Zudem erhielt der Kirchenraum eine neue Ausmalung durch Meinrad von Au, der Bildhauer Johann Baptist Hops der Jüngere und der Kunstschreiner Franz Xaver Gogel fertigten den Altar für die Empore der Wallfahrer.

Bibliographie

Quellen: Petrus 1699, S. 492; Müller/Tschan 1964, S. 98.

Handbücher und Lexika: AFA 14, S. 74–110, 111–123 (Max Heinrichsperger); KDM Hohenzollern Bd. 2, S. 219–223 (Friedrich Hossfeld); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster Laiz (Andreas Zekorn).

Literatur: Eisele 1925; Schnell 1845; Wilts 1994; Zekorn 2002/03; 2005 (a).

Anmerkungen

  • 1 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 500.
  • 2 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 1193.
  • 3 StAS FAS DS 1 T 1-5 R 137, 28: Urbarium des Klosters Laiz 1733.
  • 4 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 500; AFA 14, S. 111 f.
  • 5 Zekorn 2005 (a), S. 214 f., 227.
  • 6 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 134, 666, 790-797, 1191, 1193.
  • 7 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 799.
  • 8 AFA 14, S. 112; Petrus 1699, S. 492; Müller/Tschan 1964, S. 492; Schnell 1845, S. 20 (ohne konkreten Beleg).
  • 9 Zekorn 2002/03, S. 5 5-61.
  • 10 Wilts 1994, S. 331 f.; AFA 14, S. 80; Zekorn 2005 (a), S. 220.
  • 11 Säger 1962, S. 127; Zekorn 2002/03, S. 10 0-102.
  • 12 Zekorn 2005 (a), S. 22 0-223.
  • 13 Wilts 1994, S. 332; REC IV, Nr. 10714 nach EAF Ha 315, fol. 127 r.
  • 14 StAS FAS DS 1 T 1-5 R 78, 169 (14. 1. 1761); Zekorn 2005 (a), S. 21 6-218.
  • 15 Zekorn 2005 (a), S. 23 0-232.
  • 16 Zekorn 2002/03, S. 6 6-73.
  • 17 Zekorn 2002/03, S. 70 f., 7 5-80.
  • 18 Zekorn 2002/03, S. 70 f., 8 2-88, 9 8-100.
  • 19 Wie Anm. 8.
  • 20 Zekorn 2002/03, S. 7 1-73, 77, 8 9-91, 9 8-100.
  • 21 AFA 14, S. 112.
  • 22 Schnell 1845, S. 20.
  • 23 Zekorn 2002/03, S. 71, 89, 101 f.; StAS FAS DS 1 R 78, 528 (18. 12. 1782), Nr. 536 (27. 3. u. 13. 8. 1782).
  • 24 Eisele 1925, S. 27 f.
  • 25 StAS FAS DS 1, R 78, Nr. 536 (26. 3. 1782); Nr. 176 (6. 3. 1788).
  • 26 Eisele 1925, S. 25.
  • 27 Zekorn 2005 (a), S. 227 f.; AFA 14, S. 88.
  • 28 UB Freiburg Hs. 209 f.; UAF A 25/264, Bücherliste von 1782.
  • 29 StAS FAS DS 1, R 78, 536; Zekorn 2002/03, S. 70, 76.
  • 30 StAS FAS DS 1 T 1-5 Urkunden Laiz u. a. U 79 3-801, 1193; StAS FAS DS 1 T 1-5 R 78, 499 und öfter (Laiz).
  • 31 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 1193 (1. 7. 1432); U 799 (18. 5. 1440).
  • 32 GLA 82 Nr. 1478
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Zekorn [Autor]
  • Jörg Widmaier [Autor]
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