Hedingen, Franziskaner 

Kurzbeschreibung:

vor 1338 Gründung – bis 1595/97 Dominikanerinnenkloster – 1597–1624 herrschaftliches Spital – 1624 Gründung des Franziskanerklosters – 1680/82 Bau der neuen Klosterkirche – 1816 Aufhebung

Patrozinium: Johannes der Täufer
Ordensgliederung: Dominikanerinnen: Provinz Teutonia, Nation Suevia; Franziskaner-Reformaten: Provinz Bayern, 1773 Provinz Tirol, 1783 Provinz Vorderösterreich
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Meßkirch

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Dominikanerinnen 1338-1595
  • Franziskaner 1624-1816
Beschreibung:

Name: priorin vnd convent gemeinglich des gottshaus zu Hedingen […] (1478);1 priorin vnnd conuentfrowen desz gotzhusz Hedingen Prediger ordenns (1496);2 wir priorin vnnd conuent des gotzhus Hedingen sant Dominicus orden (1539);3 wir priorin vnd gemaine conuentfrawen desz gottshausz Hedingen (1575)4

Geschichte

Historische Entwicklung

Vor dem Jahr 1338 stiftete der 1346 verstorbene Junker Eitel Volkwin (Itel Folckwin), Angehöriger eines vor Ort ansässigen Adelsgeschlechts, in Hedingen östlich von Sigmaringen oberhalb des Donauufers ein Frauenkloster, das wahrscheinlich von Beginn an dem Predigerorden unterstellt war.5 Am 15. April 1338 wird die Kommunität anlässlich einer Auseinandersetzung zwischen dem Kaplan Wolf von Mengen und dem Meier des Klosters zu Bremen (bei Hohentengen) als priorin vnd conuent von Hödingen erstmals schriftlich erwähnt.6 Dank des Engagements der Gründerfamilie kam der neue Konvent zu einem ansehnlichen Ausstattungsgut in Hedingen selbst, Sigmaringen, Sigmaringendorf, Stetten am kalten Markt sowie Straßberg. 1355 wurde die Pfarrei Krauchenwies dem Kloster inkorporiert. Neben dem dortigen Patronatsrecht stand den Nonnen ferner die Leihe der beiden, den Hll. Erasmus und Johannes Baptist gewidmeten Altarbenefizien in der Klosterkirche zu. Möglicherweise im Zusammenhang mit den beiden Kaplaneistiftungen wurde das Kloster 1385 vom Laizer Pfarrverband eximiert. 1420 brach ein Brand im Kloster Hedingen aus, dessen Schäden nicht bekannt sind. In jener Zeit verließen die Herren Volkwin ihren Sitz an der Donau und zogen in den Raum Kirchheim bzw. Bissingen/Teck. Spätestens von nun an war die Vogtei über Hedingen in den Händen der Inhaber der Grafschaft Sigmaringen, zunächst der Grafen von Württemberg, ab 1399 der Grafen von Werdenberg und schließlich ab 1534 der Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen.

Der Konvent setzte sich ausweislich des erhaltenen Jahrtagsbuches von 15097 vorwiegend aus bürgerlichen Frauen aus den Städten Ebingen, Trochtelfingen, Mengen, Saulgau, Überlingen, dem Dorf Sipplingen sowie aus oberschwäbischen Niederadelsdamen zusammen. Ferner sind einzelne Laienschwestern und Pfründner in Hedingen nachgewiesen.

Während des 15. Jahrhunderts muss es zum Niedergang des Konventes gekommen sein. 1467 sah sich der Konstanzer Generalvikar veranlasst, um Festnahme der drei ausgebrochenen Hedinger Professschwestern Margarethe Roming, Katharina Barner und Verena Bitzenhofer nachzusuchen und dieselben zur Rückkehr in ihren Konvent anzuhalten.8 Anders als im nahegelegenen →Dominikanerinnenkloster Habsthal schienen die im Folgenden unternommenen Reformversuche des Ortsbischofs und des gräflichen Klostervogtes in Hedingen keine rechte Wirkung zu entfalten. Zum problematischen Lebensstil der Konventualinnen gesellten sich ab dem 16. Jahrhundert ungeachtet des nicht geringen Grundbesitzes Schulden. Im Jahr 1584 umfasste der Nonnenkonvent noch acht Chorfrauen und zwei Vorschwestern. Vier Jahre zuvor hatte Graf Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen (1576–1606) gegenüber dem Konstanzer Bischof Marx Sittich von Hohenems (1561–1589) sein Unbehagen an der Klosterzucht und den erfolglosen Besserungsversuchen kundgetan und die Aufhebung des Konventes verlangt, indem er die Hedinger Dominikanerinnen mit den Augustinerchorfrauen von →Inzigkofen vereinigen wollte.9 Nach langwierigen Untersuchungen, an denen insgesamt drei Päpste und zwei Ortsbischöfe mitsamt ihren Kommissären und Visitatoren beteiligt waren, wurden die Hedingerinnen 1595 gewaltsam nach Habsthal hinweggeführt. Hier gelang jedoch einigen Schwestern die Flucht. Da Habsthal nicht ausreichend abgeschlossen werden konnte, wurde der nicht geflohene Rest der Nonnen nach Inzigkofen verbracht. Beschlossen wurde das lange Ringen um die Zukunft des Hedinger Konventes durch die Aufhebungsbulle Papst Clemens’ VIII. (1592–1605) vom 15. Februar 1597, in welcher der Konstanzer Bischof Kardinal Andreas von Österreich (1589–1600) mit der Exekution betraut wurde.10 Das Ansinnen der Klosteraufhebung war lange Jahre auf den Widerstand des Dominikanerordens gestoßen, der sich insbesondere gegen die Übergabe des Hedinger Klostervermögens an ein fremdes Ordenshaus zur Wehr setzte. In Inzigkofen wurden die Hedinger Dominikanerinnen nie wirklich heimisch und sonderten sich demonstrativ von den Augustinerchorfrauen im Stiftsgebäude ab. Die durch das Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen betriebene Aufhebung Hedingens steht im Verdacht, primär eine familienpolitische Maßnahme gewesen zu sein, war doch das einem anderen Orden zugehörige Inzigkofen, in dem sich zum damaligen Zeitpunkt mit Kunigunde und der Pröpstin Amalie gleich zwei Schwestern des Grafen Karl II. befanden, der größte Nutznießer dieser Aktion.

In Absprache mit den Inzigkofer Chorfrauen wandte Graf Karl II. einen Teil des Hedinger Klostervermögens dafür auf, im ehemaligen Klostergebäude ein Spital zu errichten, das auch die Funktion des bisherigen städtischen Spitals für Sigmaringen übernehmen sollte. Ein langes Leben war der Einrichtung indes nicht beschieden, da sich die Stadt Sigmaringen bereits seit 1613 bemüht hatte, in Eigenregie wieder ein Spital zu betreiben, während es in Hedingen keine Neuzugänge mehr gab. Bis 1619 waren alle Pfründner verstorben.11

Graf Johann von Hohenzollern-Sigmaringen (1606–1638, ab 1623 Fürst) wollte in Hedingen wieder eine geistliche Gemeinschaft ansiedeln; in Anbetracht des von seinem Vater Graf Karl II. vergabten einst klösterlichen Besitzes eignete sich hierfür nur ein Bettelordenskloster. Johanns ursprüngliche Intention, nach dem Märtyrertod des Kapuzinerpaters und späteren Hl. Fidelis von Sigmaringen eine Niederlassung dieses Ordens in Hedingen einzurichten, konnte nicht realisiert werden. Stattdessen konnten Franziskaner der neuerrichteten Bayerischen Reformatenprovinz für Hedingen gewonnen werden. Im Beisein des Fürsten und seines Bruders Kardinal Eitelfriedrich von Hohenzollern stellte P. Ambrosius von Galbiato am 14. September 1624 in Hedingen ein Kreuz als Symbol der Inbesitznahme des Ortes auf. Noch am 6. November desselben Jahres wurde ein Guardianat eingerichtet. Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges erwies sich für den jungen Konvent als schwierig. 1633 plünderten schwedische Truppen Hedingen und misshandelten und vertrieben die dortigen Patres. Über Jahre hinweg konnten die wenigen verbliebenen Franziskaner kaum das gemeinsame Chorgebet aufrechterhalten.

In den frühen 1680er Jahren gelang es, die zu klein geratene alte Klosterkirche der Dominikanerinnen durch einen Neubau zu Ehren des Hl. Johannes Baptist zu ersetzen. Einher ging dies mit dem Abriss der vom Fürsten Johann ehedem als fürstliche Grablege konzipierten Antoniuskapelle, im Zuge dessen die Gruft unter den Hochaltar versetzt wurde. Die Gruft und ihre Vorgänger dienten schon seit dominikanischer Zeit als Bestattungsort minderjähriger Angehöriger des Fürstenhauses Hohenzollern-Sigmaringen sowie einzelner fürstlicher Amtleute und geistlicher Väter des Konvents.

Vereinigte der Konvent im 17. Jahrhundert etwa 15 Mönche und umfasste zu Hochzeiten ganze 29, beschränkte Fürst Karl Friedrich (1769–1785) deren Zahl 1776 auf 20. Wenige Jahre zuvor, 1773, war Hedingen von der Bayerischen in die Tiroler Franziskanerprovinz gewechselt, nachdem der bayerische Kurfürst im Sinne staatskirchlicher Vorstellungen 1769 den Münchner Franziskanern geboten hatte, sich von außerhalb Bayerns gelegenen Niederlassungen zu trennen. Im Konvent in Hedingen selbst zog dies den Auszug der bayerischen Mitbrüder und den Einzug von »Nicht-Bayern« nach sich. Die in den Folgejahren wiederholt stattfindenden Interventionen des Sigmaringer Fürsten Karl Friedrich um »Modifikationen« der Tiroler Dekrete erschwerten jedoch ein gedeihliches Verhältnis zur neuen Ordensprovinz. Es waren die Reformen Kaiser Josephs II. (1765–1790), welche schließlich 1783 einen Wechsel Hedingens in die neuerrichtete vorderösterreichische Ordensprovinz erzwangen. 1796 litt das Kloster unter einer marodierenden Kolonne des französischen Rhein-Mosel-Heeres. Anders als viele geistliche Gemeinschaften überdauerte Hedingen die Säkularisationswelle infolge des Reichsdeputationshauptschlusses, bot für einige Patres und Kleriker der Oberdeutschen Rekollekten-Provinz ein Refugium und wurde von Fürst Anton Aloys (1785–1831) erst im Jahr 1816 aufgehoben. Die verbliebenen Patres bekamen vom fürstlichen Rentamt eine Pension zugewiesen. Der Tod des letzten Guardians P. Xaver Walter 1824 markierte das Ende von 200 Jahren franziskanischen Lebens und Wirkens in Hedingen.

Besitz und Wirtschaft

Die Dominikanerinnen von Hedingen erlangten durch Schenkungen, durch Aussteuern eintretender Klosterfrauen und vor allem durch Kauf einen beträchtlichen Besitz an Grund und Boden im Umland, allerdings vermochten sie nirgends eine Gerichts- bzw. Ortsherrschaft zu errichten. Dem Urbar von 145612 zufolge war Hedingen zum damaligen Zeitpunkt im Gesamtbesitz von 118 Höfen, Gütern und Gebäuden an 21 Orten. Im 15. Jahrhundert hatte sich der Grunderwerb hauptsächlich auf Krauchenwies und die Dörfer des Diengaus (Göge) konzentriert, wo auch die umfangreichsten Höfe lagen. Wahrscheinlich beabsichtigte das Kloster damals in Krauchenwies eine Ortsherrschaft und im Diengau nach dem Beispiel der benachbarten Klöster Habsthal und →Wald eine geschlossene Grundherrschaft aufzubauen. In Sipplingen am Bodensee erwarb Hedingen bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts in systematischer Weise zahlreiche Weinberge und jährliche Weingülten einschließlich eines Hauses mit Torkelrecht. In der Gemarkung Sigmaringen gehörten Waldstücke zum Hedinger Grundbesitz. Wohl nach und nach abgestoßen wurden die klösterlichen Streubesitzungen in Ebingen, Nusplingen, Stetten am kalten Markt und Straßberg, die aus dem Stiftungsgut der Herren Volkwin von Hedingen herrührten und sich fernab der Grafschaften Sigmaringen-Veringen und Friedberg-Scheer befanden.

Im 16. Jahrhundert vollzog sich ein wirtschaftlicher Niedergang des Klosters, sodass es wenige Jahre vor seiner Aufhebung nur noch über 27 Höfe und Güter in insgesamt 16 Orten verfügte. Nach der Auflösung des Dominikanerinnenklosters 1597 gelangte der Großteil des Besitzes an die Augustinerchorfrauen von Inzigkofen sowie ein begrenzter Teil an das in Hedingen etablierte Spital.

Das Franziskanerkloster besaß getreu den Ordenssatzungen keinerlei Vermögen und sicherte sich seinen Lebensunterhalt vornehmlich durch das Einsammeln von Almosen (Terminieren) in den angrenzenden Herrschaften, Ämtern und Städten. Die aus dem Spitalfonds ausgeschiedene sog. Hedinger Pflegschaft zahlte den Franziskanern einen jährlichen Betrag von 2.000 Gulden, um sowohl die Unterhaltsmittel der Gebäude als auch die Kultkosten abzudecken. Eine zusätzliche Einkunftsquelle war die im Konvent betriebene, 1731/32 erstmals nachgewiesene Gaststätte mit eigener Brauerei, die viele Menschen anzog. Armen und Reisenden wurden dort ohne Entgelt Suppen, Bier und Brot dargereicht.

Religiöses und kulturelles Wirken

Während über die religiöse Strahlkraft des Dominikanerinnenklosters so gut wie nichts in den Quellen verlautet, brachten sich die Franziskaner erwiesenermaßen auf vielfältige Weise in der Seelsorge und im Bildungswesen ein. In Sigmaringen und zahlreichen Pfarreien der weiteren Umgegend, besonders aber in Pfullendorf betätigten sich Patres als Aushilfsgeistliche. Ausdauernde Bemühungen der Franziskaner, in Pfullendorf eine Filiale zu gründen, blieben allerdings erfolglos. In Ennetach bekleidete das Kloster die Beichtvaterstelle der dortigen Dominikanerinnen. Auf große Resonanz in der Bevölkerung stießen Advents- und Fastenpredigten, welche die Franziskaner mit dem Bau ihrer neuen Klosterkirche seit 1683 abgehalten hatten. Ein besonderes Anliegen war den Mönchen im 18. Jahrhundert die Kreuzwegandacht, wozu sie in verschiedenen Gemeinden im oberschwäbischen Raum und sogar in der Schweiz Kreuzwege einweihten. Die Hedinger Klosterkirche beheimatete den Dritten Orden, eine Strickgürtelbruderschaft und die Bruderschaft von der Unbefleckten Empfängnis und vom Hl. Antonius. Im Konvent Hedingen war von 1715 an ferner 50 Jahre lang ein Philosophiestudium angesiedelt, das auch weltlichen Studenten offenstand. Ab 1769/70 bestand auf fürstliches Geheiß eine öffentliche Lateinschule, die 1776 zum Gymnasium erhoben wurde und nicht zuletzt das Kloster 1803 wohl vor seiner Aufhebung bewahrte. Daran knüpfte nach der dann 1816 tatsächlich erfolgten Säkularisation das von 1818 bis 1893 im einstigen Hedinger Klosterkomplex eingerichtete fürstliche und ab 1850 königlich-preußische Gymnasium an, seines Zeichens Keimzelle des heute andernorts bestehenden Hohenzollern-Gymnasiums Sigmaringen.

Bibliothek und Archiv

Von der Bibliothek der Dominikanerinnen sind nur mehr einzelne Bücher erhalten. Ein Gebet- und Andachtsbuch, das der Bebenhäuser Mönch Hans Ulin für seine Schwester Katharina herstellte und das sich 1465 im Besitz der Schwestern Ulin und einer Margaretha Laeschin in Hedingen befand, wird heute in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest aufbewahrt. Zwei weitere Gebet- und Andachtbücher kamen wie schon das eben erwähnte über Inzigkofen in die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz nach Berlin.13

Kein Bücherverzeichnis existiert ferner von der früheren Bibliothek des Franziskanerklosters, deren wesentliche Bestandteile von der 1820 gegründeten Kapitelsbibliothek Sigmaringen übernommen wurden. Die 1853 dort verwahrten Hedinger Bestände – überwiegend theologische, philosophische und historische Werke –, lassen sich aus einem gedruckten Verzeichnis rekonstruieren; ein weiterer Katalog des Jahres 1965 weist demgegenüber nicht einmal mehr die Hälfte des ursprünglichen Hedinger Bestands in der Kapitelsbibliothek (Bibliothek des Dekanats Sigmaringen) aus. Mehrere Standortwechsel dürften ihrerseits zu weiteren Verlusten beigetragen haben. Bucheinträge vermerken insgesamt 30 Bücher mit Hedinger Provenienz, darunter auch zwei Wiegendrucke des 15. Jahrhunderts, 16 Werke aus dem 16., fünf aus dem 17. Jahrhundert wie auch eine Notenhandschrift Missae solennes, de Requiem et Offertoria (Pro Choro Hedingano). Hedinger Altbestände finden sich heutzutage in der Erzabtei Beuron, Erbin der Sigmaringer Kapitelsbibliothek, viele Einzelstücke sind jedoch in alle Welt verstreut.

Nach 1597 gelangte das Archiv des Dominikanerinnenklosters größtenteils ins Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen und infolge von dessen Säkularisation 1802/03 in das Fürstlich Hohenzollernsche Haus- und Domänenarchiv Sigmaringen, in dem es gegenwärtig verwahrt wird. Das frühere Archiv des Franziskanerklosters Hedingen ist heute auf verschiedene Bestände im Fürstlich Hohenzollernschen Haus- und Domänenarchiv Sigmaringen, im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München und in franziskanischen Provinzarchiven verteilt.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster Hedingen liegt südöstlich des Stadtkerns von Sigmaringen in dem ursprunglich eigenständigen Ort Hedingen an der Straße nach Krauchenwies. Es wurde auf einer leichten, zur Donau abfallenden Anhöhe erbaut; im 19. Jahrhundert bildete es den städtebaulichen Abschluss der unter den Fürsten von Hohenzollern ausgebauten Karlstraße.

Kirche und Konventsbauten

Die ursprüngliche Kirche der Dominikanerinnen, die zu klein geworden war, wurde 1680–82 unter den Franziskanern durch einen Neubau ersetzt. Baumeister war vermutlich Hans Dürrheimer aus Sigmaringen und die Grundsteinlegung fand am 19. September 1680 durch den Konstanzer Weihbischof Georg Sigismund statt. Die neue Klosterkirche wurde als Saalbau mit Pilastergliederung, Satteldach und Dachreiter erbaut. Der 1715 geschaffene Anbau der Marienkapelle musste 1747 nach einem Brand erneuert werden, Nikolaus Schütz aus Landsberg fertigte die herausragenden Rokoko-Stukkaturen im Inneren der Kapelle.

Nach der Verlegung der fürstlichen Gruft von der Stadtkirche nach Hedingen erhielt die ehemalige Klosterkirche 1889 ein neues Aussehen. Nachdem der Chor abgebrochen worden war, errichtete Baurat Johannes de Pay als östlichen Kirchenabschluss einen neuen repräsentativen Renaissancekuppelbau, unter dem sich die fürstliche Gruft befindet. Er gestaltete den Westgiebel neu mit Voluten und brachte an der Marienkapelle eine Pilastergliederung an. Zur selben Zeit erfolgte die Restaurierung des Langhauses, bei der das Tonnengewölbe eine Stuckgliederung erhielt und die Fensteröffnungen verändert wurden, so dass sich in der ehemaligen Klosterkirche Baustile vom Frühbarock bis zur Neorenaissance vereinen.

Da es bei den Konventsgebäuden wie bei der Kirche keine Hinweise über Struktur und Kubatur aus der Gründungszeit gibt, entspricht das heutige Aussehen hauptsächlich der Ausgestaltung des 17. und 19. Jahrhunderts. Die dreiflügelige Anlage des Klosters befindet sich südlich der Kirche und wird durch die Sakristei mit dieser verbunden. Zwischen Sakralbau und nördlichem Konventsflügel liegt ein kleiner Kreuzgang, den man nur durch die Kirche betreten kann. Die Klostergebäude bestehen aus verputzten, zweigeschossigen Massivbauten mit Sattel- und Walmdächern, auf der Giebelseite des östlichen Flügels ist eine Sonnenuhr angebracht.

Vergleicht man die heutige Anlage mit einer Ansicht aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, haben sich Kubatur der Gebäude und ihre Fassadengliederung kaum verändert, in ihrer schlichten Architektur dokumentieren die Klostergebäude anschaulich das Armutsgebot der Franziskaner. Eine Messurkunde von 1900 zeigt ebenfalls, dass sich der Grundriss von Kirche und Kloster nicht verändert hat, lediglich die westliche Mauer, die heute den Kreuzgang zur Straße hin abschließt, wurde erst in jüngerer Zeit errichtet.

Heute werden die ehemaligen Klostergebäude durch zwei Treppenhäuser im nördlichen Querbau erschlossen, die zu den einzelnen Wohnungen führen. Im Erdgeschoss des östlichen Gebäudeflügels fallen die mit Kreuzgratgewölbe ausgestatteten Räume auf, die eine beachtliche Höhe aufweisen. Aufgrund der wechselvollen Geschichte des Klosters lassen sich Spuren einzelner Mönchszellen, des Refektoriums oder anderer klösterlicher Funktionsräume heute kaum mehr ablesen. Wohl noch aus der Erbauungszeit im 17. Jahrhundert könnte der Dachstuhl der Gebäude stammen, bei dem es sich um eine liegende verzapfte Konstruktion handelt. Geschwungene Kopfbänder sowie Eselrücken, die ein eingekerbtes Kreuz aufweisen, machen eine Entstehungszeit im 17. Jahrhundert wahrscheinlich. Im westlichen Flügel deutet die Konstruktion eines Hängewerks darauf hin, dass sich möglicherweise einst darunter ein größerer stützenfreier Raum befunden hat.

Nachdem bereits ein Brand im Jahr 1420 die Klostergebäude zerstört hatte, richtete vor 1681 erneut ein Feuer großen Schaden an. Danach erfolgte ein Wiederaufbau der Klostergebäude, worauf eine Datierung in der Kirchentür hinweist. Verbunden mit der wechselvollen Geschichte des Klosters fanden auch die Gebäude des Konvents immer wieder unterschiedliche Nutzungen. Unter den Franziskanern beherbergten sie eine Lateinschule, die bis 1806 bestand und schließlich in ein staatliches Gymnasium überging. Parallel dazu gibt es 1731 erstmals Belege, dass eine Brauerei mit Gaststätte im Kloster betrieben wurde. Im 20. Jahrhundert dienten die leerstehenden Konventsgebäude als Sitz für fürstliche Behörden wie z. B. das Forstamt und in jüngster Zeit werden sie zu Wohnzwecken genutzt.

Bibliographie

Quellen: Lichtschlag 1867/68; Kraus 1958; Abt 2006.

Handbücher und Lexika: AFA 9, S. 29–66 (Max Heinrichsperger); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 672 f. (Dagmar Zimdars); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Hedingen (Karl Werner Steim); kloester-bw, Franziskanerkloster Hedingen (Karl Werner Steim).

Literatur: Eisele 1925; Lichtschlag 1874/75; Steim 2005.

Anmerkungen

  • 1 StAS Ho 80 T 2 Nr. 38.
  • 2 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 693.
  • 3 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 703.
  • 4 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 705.
  • 5 Vgl. den ersten Hinweis auf einen Bezug zum Predigerorden aus dem Jahr 1423: StAS FAS DS 1 T 1-5 U 682.
  • 6 StAS FAS DS 1 T 1-5 R 75, 38 (Abschrift).
  • 7 EAF Ha 527.
  • 8 EAF Ha 314, fol. 130.
  • 9 EAF A 4/403.
  • 10 EAF A 4/403; StAS FAS DS 1 T 1-5 U 714.
  • 11 Die erhaltene Hedinger Spitalrechnung von 1614, StAS FAS DS 1 T 1-5 R 128, 64, entkräftet die Zweifel von Kuhn-Rehfus 1987, S. 47, ob das Spital tatsächlich besetzt gewesen sei.
  • 12 StAS FAS DS 1 T 1-5 R 137, 15.
  • 13 Vgl. Steim 2005, S. 517
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Clemens Regenbogen [Autor]
  • Barbara Otto [Autor]
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