Gorheim, Franziskanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1347 Erster Beleg für eine Klause in Gorheim – 1394 Einrichtung einer Pfründe für einen Kaplan – 1449 Zugehörigkeit zum Dritten Orden des Hl. Franziskus – um 1630 Einführung der Satzungen der oberdeutschen Minoritenprovinz – 1683 Neubau des Klosters – 1782 Säkularisation unter Kaiser Joseph II. und Einrichtung eines Instituts für ehemalige Klosterfrauen säkularisierter vorderösterreichischer Klöster – 1807 Aufhebung des Instituts – 1852–1872 Jesuiten – 1890–2000 Franziskaner

Patrozinium: Michael
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Meßkirch; 1821/1827 Erzbistum Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung 1347-1449
  • Franziskanerterziarinnen 1449-1807
  • Jesuiten 1852-1872
  • Franziskaner 1890-2000
Beschreibung:

Name: close ze Gorhain (1347);1 maisterin des conuents der klosenerinne zuo Gorhaim sant Franciscen ordens und die swöstra gemainlich (1449);2 maisterin und conuent des gotshauß zu Gorhaim (1584);3 S. FRANCISCVS CLOSTER + GORHAIM (1668)4

Geschichte

Historische Entwicklung

Gorheim war eine bis in das 14. Jahrhundert hinein etwa 1,3 Kilometer nordwestlich des Stadtkerns von Sigmaringen gelegene, selbständige Siedlung, die in der Stadt aufging. Der erste schriftliche Beleg für die close bei der Michaelskapelle in Gorheim datiert vom 23. April 1347, als Angehörige einer Gorheimer und einer Sigmaringer Familie auf alle Ansprüche an der Klause verzichteten.5 Am 20. Mai 1347 übergab der Laizer Pfarrer Konrad von Reischach den Schwestern Luitgarde (Lug), Tochter des Gorheimer Müllers Wernher, und Bethuna Benzin, Tochter eines Sigmaringer Bürgers, die in der Klause ein gemeinsames Leben führten, den Platz neben der St. Michaelskapelle, auf dem die Klause stand, mit dem Recht, an und um der Kapelle zu bauen. Mit dem Einkommen der Kapelle sollten sie Kelch, Buch, Licht und anderes Notwendiges beschaffen.6 Am 13. Januar 1349 schenkte die genannte Lug das ihr gehörende »Lainhaus« zu Gorheim der Klause.7 Am 23. April 1385 wurde in der Kapelle ein neuer Altar zu Ehren des heiligen Kreuzes geweiht. Zudem erhielten Kapelle und Klause das Recht, Ablässe für gute Werke, die ihnen zukamen, zu gewähren.8

Da die Michelskapelle eine Filiale der Laizer Pfarrkirche war, die nach 1480 Filiale von Sigmaringen war, wurden die Schwestern zunächst vom Pfarrer in Laiz seelsorgerisch betreut. 1394 konnte mit einer Güterschenkung eine Pfründe für einen Kaplan am Kreuzaltar für die Seelsorge der Schwestern errichtet werden,9 doch blieb die Gemeinschaft von der Pfarrei Laiz abhängig. Die Gemeinschaft pflegte – für Sammlungen des Spätmittelalters durchaus nicht unüblich – eine wenig regulierte Lebensform. Anstelle eines Stundengebets beteten die Frauen weiterhin eine bestimmte Anzahl Vaterunser und Ave Maria.10 In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhielten Konvent und Pfründe zahlreiche Schenkungen, vielfach von Angehörigen der Klausnerinnen. Häufig waren es Hausanteile, Wiesen, Äcker und Baumgärten in der Umgebung Gorheims. Der erste Kaplan schenkte zwei Weingärten in Sipplingen und je einen Hof in Ennetach (Mengen) und Frohnstetten.11

Zu einem unbestimmten Zeitpunkt nahmen die Klausnerinnen die franziskanische Drittordensregel an, möglicherweise wie die →Laizer Schwestern, die dies wahrscheinlich vor 1440 taten. So existierten auch vor 1443 Beziehungen zu den Überlinger →Minoriten, bei denen die Gorheimer und Laizer Schwestern beichteten und Sakramente empfingen. Als der Laizer Pfarrer dies verbieten wollte, wohl um eine zu starke Anbindung an den Orden und eine Verselbstständigung der beiden Konvente zu verhindern, forderte das Konstanzer Ordinariat den Pfarrer 1443 auf, die Franziskaner nicht am Beichthören der Schwestern zu hindern.12 Für 1449 ist sicher belegt, dass der Gorheimer Konvent zum Dritten Orden des Hl. Franziskus gehörte.13

Die Erwähnung einer Vorschwester 1387 bedeutet, dass der Konvent in Klausnerinnen, Chorfrauen und Vorschwestern für die häuslichen Arbeiten und Feldgeschäfte gegliedert war.14 Über die innere Ordnung der Klause ist ansonsten nichts bekannt. Als nach der Reformationszeit Gorheim der Leitung der oberdeutschen Minoritenprovinz (Straßburger Provinz) unterstand und damit zu den Konventualen gehörte, wurden um 1630 die Provinzsatzungen in Gorheim eingeführt. Durch sie wurde das Leben im Kloster dem Leben der Konventualen möglichst angeglichen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Kloster gewöhnlich vom Provinzial visitiert. Eine Klausur wird explizit erst für 1752 erwähnt.15

In der Anfangszeit des Konvents stammten mehrere der Klosterfrauen aus Sigmaringen und Umgebung. Der Konvent dürfte bürgerlich geprägt gewesen sein. Im 17. und 18. Jahrhundert befanden sich bis zu 19 Schwestern in Gorheim, davon 12 bis 16 Chorfrauen und drei bis fünf Laienschwestern. Damals kamen die Klosterfrauen aus dem Bodenseegebiet, Bayerisch Schwaben sowie dem bayerischen und Tiroler Raum. 1682 waren immerhin vier Schwestern aus Sigmaringen und Umgebung im Kloster, später nur noch zwei Schwestern, 1782 keine mehr.16

Abkopplungsbestrebungen von der Pfarrei gab es seit der Einrichtung der Kaplaneipfründe, über die von 1395 bis 1523 die Stadtherren Sigmaringens das Präsentationsrecht ausübten, danach wohl die Klosterfrauen, wobei das Provinzkapitel die Stelle besetzte. Wegen des nur mäßigen Einkommens der Kaplanei konnte man ab 1647 keinen Kaplan mehr ernennen.17 Nach Interimslösungen erhielten die Schwestern 1671 einen Franziskaner Konventualen als eigenen Beichtvater, der im Gorheimer Beichtvaterhaus wohnte. Die Laizer Franziskanerinnen mussten zu seinem Unterhalt beitragen, weshalb es zwischen beiden Konventen zu Differenzen kam, die 1699 in einem Vergleich beigelegt wurden. Der Beichtvater las auch alle Messen, kleidete die Schwestern ein und versah sie mit dem Sterbesakrament.18 Das Verhältnis zum Sigmaringer Stadtpfarrer blieb angespannt, da der Konvent eine ausschließliche Seelsorge durch den Beichtvater anstrebte. 1729 entstanden Streitigkeiten wegen der Beerdigungsrechte in der 1725 geschaffenen Gruft für die verstorbenen Klosterfrauen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Schwestern in Laiz beigesetzt worden. 1746 wurde vom Provinzial ein neuer Friedhof beim Kloster errichtet. Ab etwa 1760 gab es Differenzen wegen der pfarrlichen Einkünfte und Rechte. Nach Einbeziehung des bischöflichen Gerichts der Diözese Konstanz verglich man sich 1765 dahingehend, dass die Pfarrrechte hinsichtlich der Klosterbewohnerinnen durch den Beichtvater im Namen des Pfarrers und des Ordens ausgeübt werden sollten.19

Das Kloster Gorheim lag in der Herrschaft, ab 1460 Grafschaft Sigmaringen, deren Inhaber wohl von Anfang an das Vogteirecht besaßen. 1535 erhielten die Grafen von Zollern die Grafschaften Sigmaringen und Veringen als österreichische Lehen, damit waren mit der Bildung einer eigenen Sigmaringer Linie ab 1576 die Grafen, ab 1623 Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen Schirmherren Gorheims. Obgleich Habsburg vielfach seine lehens- und landeshoheitlichen Ansprüche gegenüber den zollerischen Lehensinhabern durchzusetzen wusste, entrichtete das Kloster bis zur Aufhebung 1782 Schirmgeld und -hafer an den Fürsten, den man als Protektor ansah und auch die Aufnahme von Kandidatinnen anzeigte.20

In Kriegszeiten boten die Stadt Sigmaringen bzw. das fürstliche Schloss den Klosterfrauen wiederholt einen sicheren Aufenthaltsort, so etwa ab 1633 während des Dreißigjährigen Kriegs.21 Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es zwischen Stadt und Kloster jahrzehntelange Spannungen vor allem wegen der Beteiligung des Klosters an Kontributions- und Steuerzahlungen und der Teilhabe am Bürgernutzen. Andererseits profitierten Stadt, Bürger und auch das Umland vom Kloster als Geld- und Kreditgeber, als Auftraggeber für Handwerker und als Arbeitgeber.22

Die Klöster Gorheim und Laiz wurden bei der ersten Klosteraufhebungswelle unter Joseph II. 1782 säkularisiert. Hinsichtlich des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen war es zugleich ein Akt der Durchsetzung und Demonstration der österreichischen Landeshoheit, der nicht offiziell über die Aufhebungen informiert wurde. Der österreichische Kommissar, der Stockacher Oberamtsrat und Landschreiber Sebastian Biermann und sein Beigeordneter begannen um den 14. Februar 1782 mit der Aufhebung Gorheims. Der Sigmaringer Stadtpfarrer hatte im Namen des Bischofs von Konstanz die Eröffnung vorzunehmen und die Klausur aufzuheben. Die Frauen mussten sich entscheiden, ob sie künftig in der Welt oder in einem Institut für die Schwestern der aufgehobenen Klöster leben wollten, wobei nur eine die Welt wählte. Nach der Inventarisierung und Taxierung der Klostergüter wurden diese im Oktober 1783 versteigert mit Ausnahme des Klostergebäudes, des Gastflügels, der Kirche und des Beichtvaterhauses. Als kapitalkräftigster Bieter erwarb der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen die meisten Güter, Wälder, Wiesen und Äcker, die um Sigmaringen lagen, sowie zwei Erblehenhöfe. Nur ein Inhaber eines Lehenhofes konnte seinen Hof erwerben. Die auswärtigen Güter ersteigerten die dortigen Herrschaftsinhaber. Der Erlös aus dem veräußerten Klostergut betrug etwa 24.000 Gulden. Er wurde zu dem unter Kaiser Joseph II. in Österreich eingerichteten Religionsfonds eingezogen, der zunächst die Pensionen für die Religiosen der aufgehobenen Klöster trug.23

Im Klostergebäude wurde ein Institut für ehemalige Klosterfrauen säkularisierter vorderösterreichischer Klöster eingerichtet, das Ende Oktober 1782 mit 34 Frauen, davon vermutlich drei Laienschwestern, besetzt war. Neben elf Schwestern aus Gorheim selbst kamen die andern aus →Laiz, Moosheim (bei Saulgau), Welden (zwischen Dillingen und Augsburg), Riedlingen und Warthausen (bei Biberach). Als Direktor des Instituts wurde ein Weltpriester eingesetzt, der als Aufseher und Beichtvater fungierte und die Messen für die Stifter und Wohltäter des Klosters las.24

Als Hohenzollern-Sigmaringen 1806 die Souveränität erhielt, fiel der Klosterkomplex Gorheim an das Fürstentum. Zudem erhielt es einen Anteil am österreichischen Religions- und Studienfonds, musste dafür aber die Pensionsverpflichtungen und die Versorgung von vier in der Welt niedergelassenen Ordensfrauen übernehmen. Die letzten zehn Bewohnerinnen siedelte man 1807 um, als in Gorheim ein Waffendepot eingerichtet wurde. Wenigstens drei Schwestern kamen im Kloster →Habsthal, fünf im alten Gasthaus des Klosters →Inzigkofen unter, von denen die letzte Überlebende nach Habsthal versetzt wurde, wo sie 1816 im Alter von 72 Jahren verstarb. Eine Schwester des ehemaligen Klosters Moosheim segnete dort erst 1827 das Zeitliche.25

Das Klostergebäude mit der 1814 profanierten Kirche wurde von 1807 bis 1849 für militärische Zwecke genutzt. Nach dem Übergang der hohenzollerischen Fürstentümer an Preußen 1850 benötigte man die Kaserne nicht mehr. Ab September 1852 waren dort Jesuiten angesiedelt, die eine vielfältige Seelsorgetätigkeit ausübten, unter anderem mit Missionen in Süddeutschland und Gottesdiensten. Im Kloster befanden sich durchschnittlich 60 Personen, etwa 12 Patres, 40 Novizen und zehn Brüder. Zur Zeit des Kulturkampfes in Preußen wurde das Jesuitenkloster bis Ende 1872 aufgehoben.

1890 durften sich Franziskaner der strengen Observanz aus dem Mutterhaus Frauenberg bei Fulda (thüringische Ordensprovinz) auf Ersuchen Sigmaringer Geistlicher niederlassen, die 1894 ein Studienkloster zur Ausbildung des Seelsorgernachwuchses mit Sitz des Philosophie-Studiums mit bis zu 40 Studenten einrichteten. Während des Ersten Weltkriegs ruhte der Hochschulbetrieb 1915 bis Anfang 1919 und das Kloster diente größtenteils als Lazarett. Auch während des Zweiten Weltkriegs war es als Lazarett beschlagnahmt. Nach dem Krieg hielten die Franzosen Gorheim bis 1952 zur Unterbringung von Rekruten und als Offiziersschule beschlagnahmt. Bereits ab 1947 bis 1967 wieder Sitz des Philosophiestudiums, wurde die Hochschule 1967 nach Fulda und München verlegt. Die Franziskaner halfen in der Regel nach 1890 in der Seelsorge aus, betreuten Filialen, hielten Missionen und Exerzitien und in der Klosterkirche fanden Gottesdienste statt. 1972 erhielt die Fuldaer Franziskanerprovinz Gorheim als Kuratiekirche. Das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg übernahm einen Gebäudeteil und richtete ein Bildungszentrum für den Raum Hohenzollern-Meßkirch ein. Wegen Nachwuchsmangels und Überalterung beschloss das Provinzkapitel 1995 die Schließung des Klosters Gorheim, die am 16. Juli 2000 vollzogen wurde.26

Besitz und Wirtschaft

Der Gesamtbesitz des Klosters wird bei dessen Aufhebung im Jahre 1782 fassbar, unter anderem bestand er aus Klostergebäude, Kirche, Beichtvaterhaus, Wirtschaftsgebäuden, Stallungen, 63 Jauchert Äckern, 99 Jauchert Waldungen, 13 Mannsmad Wiesen, jeweils einem Erblehenhof in Benzingen und Bingen, zwei Erblehenhöfen in Egelfingen sowie je einem Schupflehenhof in Günzkofen, Herbertingen und Nesselwangen. Hinzu kamen jährliche Natural- und Geldzinsen in Orten der näheren Umgebung, so in Blättringen, Jungnau, Benzingen und Bingen.27 Die Lebensgrundlage des Klosters bildete die eigene Landwirtschaft mit einem wenigstens im 18. Jahrhundert relativ umfangreichen Viehbestand, Wiesen und Wäldern sowie den Einnahmen an Geld und Naturalien aus den Erb- und Schupflehenhöfen bzw. den Lehensgütern. Neben den Laienschwestern beschäftigte das Kloster zumindest im 18. Jahrhundert in Landwirtschaft und Haushaltung auch Bedienstete. Zu den Einnahmen gehörten Zinsen aus verliehenen Kapitalien, die bei Institutionen und Privatpersonen angelegt waren.28 Das Geld kam wohl vorwiegend von den Mitgiften, die jede Neueingetretene ins Kloster mitbrachte.29 Das Gesamtvermögen wurde 1782 auf 53.671 Gulden geschätzt.30 Die Einkünfte Gorheims dürften insgesamt nie sehr üppig gewesen sein, weshalb wohl stets ein Zusatzverdienst durch Handarbeit erforderlich war. Zudem nahmen die Schwestern Personen in Kost bzw. verpflegten weltliche Tischgenossen, die im Vorhof wohnten. Größere Baumaßnahmen konnten in der Regel wohl nur mit Hilfe von Spenden und Almosensammeln durchgeführt werden.31

Religiöses und kulturelles Wirken

Aus der Aufspaltung des Konvents in Chorfrauen und Vor- oder Laienschwestern kann geschlossen werden, dass das lateinische Brevier gebetet wurde. Nach den um 1630 eingeführten Statuten sollten die Schwestern alle vier Wochen und an den höheren Feiertagen die heiligen Sakramente empfangen.32 Die für einen Terziarinnenkonvent relativ zahlreichen Jahrzeitstiftungen im 14. Jahrhundert verweisen auf eine kontemplative Ausrichtung des Konvents. 1788 zählte man 212 gestiftete, jährlich zu lesende heilige Messen und 46 deutsche Vigilien. Diese Verpflichtungen wurden auch nach der Aufhebung des Klosters erfüllt.33

Mit dem Kloster standen zwei Bruderschaften der Sigmaringer Bürger in Verbindung. 1587 gründete eine zollerische Gräfin eine Bruderschaft Unserer Lieben Frau. Bruderschaftsstatue war wohl das in Gorheim befindliche Wallfahrtsbild, zu dem noch im 18. Jahrhunderten viele Menschen an Mariä Heimsuchung wallfahrteten. Die Bruderschaft, noch 1639 genannt, existierte 1782 nicht mehr. Die 1717 genehmigte Rosenkranzbruderschaft, deren Mitglieder an Beerdigungen von Klosterfrauen teilnahmen, wurde unter Kaiser Joseph II. 1784 aufgelöst.34

Bibliothek und Archiv

Die 1782 bei der Aufhebung inventarisierte Klosterbibliothek wurde im März 1783 der Universität Freiburg überstellt. Die Bibliothek umfasste damals 345 zum Großteil lateinische Werke vornehmlich religiöser Natur, u.a. aber auch philosophische, geschichtliche, juristische und medizinische Literatur. Das Klosterarchiv, das unter anderem Schenkungs- und Erwerbsurkunden enthielt, blieb 1782 vorläufig in Gorheim, um die Dokumente den späteren Erwerbern der Klostergüter aushändigen zu können.35 So befinden sich zahlreiche Gorheimer Urkunden und weitere Unterlagen im Fürstlichen Archiv Sigmaringen. Von der 1632 einsetzenden Klosterchronik wurden die Jahre 1697 bis 1739 ediert. Die Chronik befindet sich in der Fürstlichen Hofbibliothek Sigmaringen, eine Abschrift wohl im Provinzarchiv der 2010 gebildeten Deutschen Franziskanerprovinz von der heiligen Elisabeth im Kloster Paderborn, in das nach der Schließung des späteren Franziskanerklosters 2000 auch weitere Unterlagen aus Gorheim verbracht wurden.36 Das Seelbuch findet sich in der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen.37

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die imposante Anlage des Klosters Gorheim liegt malerisch am Hang über der Donau. Die Gebäude stammen überwiegend aus der Zeit des Franziskanerklosters um 1900. Die Mönche fanden bei ihrem Einzug in die bestehenden Klostergebäude eine L-förmige, barocke Anlage vor, die sie um einen zusätzlichen Wohntrakt sowie eine neue Kirche erweiterten. Von der mittelalterlichen Kapelle St. Michael ist ebenso wenig erhalten wie von der Klause der Schwestern Luitgarde und Bethuna, auf die das Kloster Gorheim zurückgeht.

Kirche und Konventsbauten

Über die ursprüngliche Anlage ist wenig bekannt. Die Michaelskapelle, die 1385 einen neuen Altar zur rechten Seite des Chores zu Ehren des Hl. Kreuzes, Mariens, von Johannes dem Täufer und Johannes Evangelist erhalten hatte, war das Gotteshaus der abgegangenen Siedlung Gorheim. Die Michaelskapelle soll an der Stelle des neuen Kirchenbaus gestanden haben.38 Aus dem Jahr 1619 ist überliefert, dass sich die damalige Meisterin des Klosters ein neues Gewölbe mit Stube und Kammer errichten ließ (wahrscheinlich eine gewölbte Bohlenstube mit Stubenkammer). Während des Dreißigjährigen Krieges brannte 1633 die Klosterscheune ab, die 1665 wiederaufgebaut wurde. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Anlage bestand also zumindest aus Wohnhaus, Michaelskapelle und Klosterscheune, wahrscheinlich gab es weitere Wirtschaftsgebäude und ummauerte Gartenflächen. Sie lag teilweise oberhalb der jetzigen Anlage wohl auf dem heute unbebauten Hanggrundstück.39 Hier ist mit archäologischen Funden und Befunden zu Anlage und Geschichte des Klosters Alt-Gorheim zu rechnen.

Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurden sämtliche Gebäude so stark beschädigt, dass nach Kriegsende nur noch der Abbruch und ein Neubau des Klosters in Frage kamen. Da das Kloster über keine hohen Einkünfte verfügte, musste der Neubau überwiegend aus Spenden finanziert werden, wofür Fürst Maximilian von Hohenzollern-Sigmaringen einen sogenannten Bettelbrief ausstellte, mit dessen Hilfe die Schwestern 3.670 Gulden einsammeln konnten. Die Stadt stiftete außerdem Baumaterial. Die tatkräftige, 1682 mit 30 Jahren gerade frisch gewählte Meisterin Seraphina Wirth aus Laiz leitete die Bauarbeiten. 1683 begann man mit dem Abbruch der mittelalterlichen Anlage und dem Neubau von Kloster und Kirche. Die Durchführung oblag dem Sigmaringer Maurermeister Hans Dürrheimer, der 1680–82 bereits die Klosterkirche der Franziskaner im nahe gelegenen →Hedingen errichtet hatte. Die Neubaupläne stammen von dem Schweizer Terziarbruder Illuminatus Roth.

In Gorheim entschied man sich wohl aus Kostengründen, Konvent und Kirche unter einem Dach zu vereinen.40 Lediglich an der im Osten halbrund vorstehenden Apsis sowie an den hohen Fenstern im östlichen Bereich der Südfassade ist die Lage der Kirche von außen erkennbar, sowohl auf historischen Ansichten als auch im Erscheinungsbild des heutigen »Westflügels«. Während die Schwestern ihre Wohnräume bereits im November 1683 beziehen konnten, dauerten die Arbeiten an der Kirche deutlich länger: Sie wurde zwar 1688 durch den Konstanzer Weihbischof Johann Wolfgang von Bodman konsekriert, doch die Ausstattung nahm noch viele Jahre in Anspruch. Ein Gastbau, für dessen Finanzierung noch einmal Geld gesammelt werden musste, wurde 1724 an der Westfassade des Konvents rechtwinklig nach Süden angebaut, den so genannten Südflügel der Klosteranlage. Unterhalb des Hauptbaus lag das 1718 neu errichtete Beichtvaterhaus, östlich Gesindehaus und Wirtschaftsgebäude, 1725 baute man eine Mauer um die Anlage, gleichzeitig eine Gruft für die verstorbenen Klosterfrauen, die 1746 durch einen Friedhof westlich des Konvents ersetzt wurde. Ein im Staatsarchiv Sigmaringen aufbewahrter Plan des Klosters, der 1782/83 anlässlich seiner Aufhebung angefertigt wurde, gibt einen guten Eindruck der Anlage wider. Heute existieren noch mit West- und Südflügel wesentliche Teile des alten Frauenklosters, in dem Kirche, Konvent und Gastbau untergebracht waren, doch sind die Bauten im Inneren durch die Folgenutzungen stark verändert.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die beiden Seitenaltäre, ein Heiligkreuzaltar und ein Antoniusaltar, wurden 1699 bzw.1700 von Franz Anton von Au aus Sigmaringen, dem Vater Meinrads von Au gefasst und aufgerichtet, der Hochaltar 1716. Die Fertigstellung des Chorgestühls erfolgte 1709. Bis zur Aufhebung des Klosters gab es in der Kirche ein Wallfahrtbildnis der Muttergottes.41

Bibliographie

Quellen: Schnell 1882; Hebeisen 1930.

Handbücher und Lexika: AFA 14, S. 74–110 (Max Heinrichsperger); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster Gorheim (Martina Wehrli-Johns);

Literatur: Eisele 1925; Säger 1962; Wilts 1994; Zekorn 2002/03; 2005 (b).

Anmerkungen

  • 1 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 655.
  • 2 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 669 (2. 1. 1449), U 670 (29. 5. 1449).
  • 3 StAS Dep. 1 T 1 Nr. 60 (17. 9. 1584).
  • 4 StAS Dep. 30/1 T 1 Nr. 950 (11. 11. 1668); StAS Dep. 30/1 T 1 Nr. 1063 (1736).
  • 5 Wie Anm. 1.
  • 6 StAS Ho 80 T 2 Nr. 2.
  • 7 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 651 (1. 1. 1349).
  • 8 Wilts 1994, S. 330; Ablass: StAS FAS DS 1 T 1-5 U 659 (23. 4. 1385).
  • 9 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 663.
  • 10 Wilts 1994, S. 330 f.
  • 11 AFA 14, S. 77 f.; Eisele 1925, S. 3-6; Schnell 1882, S. 17 ff.; StAS Ho 80 T 2 Nr. 3 (22. 9. 1349); Weitere Schenkungen: StAS FAS DS 1 T 1-5 U 652-673.
  • 12 Wilts 1994, S. 332; REC nach EAF Ha 315, fol. 127.
  • 13 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 669 (2. 1. 1449); StAS FAS DS 1 T 1-5 U 670 (29. 5. 1449).
  • 14 StAS FAS DS 1 T 1-5 U 660 (16. 12. 1387); Schnell 1882, S. 1 6-30.
  • 15 Säger 1962, S. 118, 12 6-129; AFA 14, S. 8 4-86, 9 0-92.
  • 16 Eisele 1925, S. 4 f., 13 f.; Zekorn 2005 (b), S. 472 f.
  • 17 Eisele 1925, S. 5 f.; Säger 1962, S. 11 7-119.
  • 18 Zekorn 2005 (b), S. 468 f.
  • 19 StAS FAS DS 1 T 1-5 R 78, 169 (14. 1. 1761); StAS FAS DS 1 T 1-5 R 78, 170 (23. 5. 1765); AFA 14, S. 86 f., 94; Säger 1962, S. 120 f.
  • 20 Zekorn 2002/03, S. 5 5-61; Hebeisen 1930, S. 7.
  • 21 AFA 14, S. 89 f., 94.
  • 22 Zekorn 2005 (b), S. 48 0-486.
  • 23 Zekorn 2002/03, S. 6 7-69, 8 0-82, 93.
  • 24 Zekorn 2002/03, S. 8 2-86.
  • 25 Zekorn 2002/03, S. 8 6-88.
  • 26 Zekorn 2005 (b), S. 49 4-499.
  • 27 StAS FAS DS 1 R 78, 177, 528.
  • 28 StAS FAS DS 1 R 78, 175 (30. 3. 1782); Eisele 1925, S. 14.
  • 29 Säger 1962, S. 112.
  • 30 StAS FAS DS 1 R 78, 175 (30. 3. 1782).
  • 31 Eisele 1925, S. 4, 7-9, 14; AFA 14, S. 86 f., 92.
  • 32 Säger 1962, S. 128.
  • 33 Wilts 1994, S. 330 f.; Zekorn 2002/03, S. 83 f.
  • 34 Eisele 1925, S. 10, 15 f.; Hebeisen 1930, S. 46.
  • 35 Zekorn 2002/03, S. 76 f., 81 f.
  • 36 Edition: Hebeisen 1930; Aufbewahrungsort: AFA 14, S. 74.
  • 37 Edition: Schnell 1882, S. 1 6-30.
  • 38 Baumann 1990, S. 12.
  • 39 Zekorn 2005 (b), S. 476.
  • 40 Zum Folgenden Zekorn 2005 (b), S. 47 6-478.
  • 41 Zekorn 2005 (b), S. 477 Anm. 78
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Zekorn [Autor]
  • Sabine Kraume-Probst [Autor]
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