Heitersheim, Franziskaner 

Kurzbeschreibung:

1619 Gründung auf Betreiben der Heitersheimer Johanniter – 1807 Aufhebung – 1812 Abriss der Klosterkirche

Patrozinium: Franziskus
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) Minoritenprovinz, Kustodie Rhein; 1781 Vorderösterreichische Minoritenprovinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Franziskaner 1619-1807
Beschreibung:

Name: Heittersheim (1619)1

Geschichte

Als der Großprior der Heitersheimer Johanniter Johann Friedrich Hund von Saulheim (1612–1635) sein Amt antrat, war keine ausreichende Anzahl an Geistlichen mehr vorhanden, um die Seelsorge sicherzustellen. Diese Aufgabe sollte künftig ein Mönchsorden übernehmen, wobei dies aber möglichst wenig Kosten verursachen sollte. Gedacht war hierbei zunächst an die Kapuziner, die jedoch wegen der geringen zugedachten Einkünfte absagten und weil sie im benachbarten →Neuenburg eine Niederlassung errichtet hatten. 1619 einigten sich die Johanniter mit den Franziskanerminoriten über den Unterhalt einer Niederlassung.2 Die sechs Franziskaner hatten die Seelsorge bei den →Johannitern und in der Schlosskapelle zu übernehmen und dem Pfarrer Aushilfe zu leisten. Aufgrund der spärlichen finanziellen Zuwendungen erhielten die Minoriten die Pfarreien Eschbach (1620), Heitersheim (1634), Grißheim (1661), Schlatt (1659/61) und Bremgarten (1661). Im Jahr 1666 übernahmen sie ebenfalls den Gottesdienst in der fürstlichen Hofkapelle, sodass alle Pfarrstellen im Fürstentum Heitersheim durch die Minderbrüder betreut wurden. Allerdings wurden den Minoriten 1742 im Zusammenhang von Streitigkeiten zwischen den Johannitern mit dem Bischof von Konstanz die Pfarreien entzogen und mit Weltgeistlichen besetzt. Aufgrund der wegfallenden Einkünfte mussten die Minderbrüder nun um ihre Existenz bangen.

Im Jahr 1781 löste Kaiser Joseph II. (1764–1790) die vorderösterreichischen Minoritenklöster von der Oberdeutschen Provinz. Zusammen mit →Konstanz, →Villingen, →Breisach und Viktorsberg bildete Heitersheim nun eine eigene Provinz.3 Das Kloster entging der vollständigen Auflösung wahrscheinlich nur durch die merkwürdige Rechtsstellung des Fürstentums Heitersheim als Sitz eines Reichsfürsten, dessen Territorium jedoch zu den vorderösterreichischen Landständen gehörte.4

In Heitersheim lebten 1782 in der Franziskanerniederlassung sieben Priester und drei Laienbrüder in ärmlichen Verhältnissen.5 1797 wurde der Guardian des inzwischen hoch verschuldeten Klosters wegen hoher Schulden und angeblicher Trunksucht im Konvent seines Amtes enthoben.6 Eine geplante Aufhebung des Klosters scheiterte am Einspruch der Johanniter, da diese eine Übernahme der Schulden und der evtl. Pensionen für die Minderbrüder befürchteten.7 1805 setzte der Konstanzer Bischof einen weltlichen Priester auf die Pfarrei Heitersheim, da die Minoriten einen geregelten Gottesdienst nicht mehr gewährleisten konnten.

Das Ende des Klosters kam 1806 mit der Mediatisierung des Johanniter-Fürstentums. Die badische Klosterkommission erklärte das Kloster zum Staatseigentum. Die wenigen brauchbaren Gegenstände wurden ins Heitersheimer Schloss und nach Karlsruhe überführt.8 Der Konvent bestand zu diesem Zeitpunkt noch aus vier alten Patres, von denen zwei in den Weltklerus übertraten und zwei als Pensionäre nach wenigen Jahren verstarben.9 De facto wurde das Kloster am 23. April 1807 aufgelöst, das Kircheninventar verkauft und die Kirche 1812 abgerissen.10 Das Wohngebäude wurde 1822 zum Kircheneigentum erklärt und diente künftig als Pfarrhaus.

Bau- und Kunstgeschichte

Das auffallend kleine und schmucklose, aber mit eigener Kirche versehene Kloster wurde am Nordrand des Heitersheimer Oberdorfs unmittelbar östlich der Pfarrkirche erbaut. Es sollte architektonisch weder in Konkurrenz zu der von den Franziskanern betreuten Pfarrkirche treten noch zur schlossartigen Johanniterkommende. Das schmucklose Konventshaus ist erhalten (zum Pfarrhaus umgebaut, Johanniterstraße 74), die Baugestalt der Kirche (1812 abgebrochen) durch eine Ansicht vor 1644 und einen Grundriss von 1807 überliefert.

Die Konventskirche war eine kleine, wohl ungewölbte Saalkirche mit einem eingezogenen, dreiseitig schließenden Altarraum, an den südlich die Sakristei anschloss. Die Länge des kurzen Kirchenschiffs entsprach der Breite des Konventshauses. Außer dem Hauptaltar gab es wohl zwei Altäre am Triumphbogen. Die Glocke hing in einem kleinen Dachreiter über dem Altarraum.

Das frühbarocke Konventshaus ist ein zweigeschossiger, rechteckiger Baukörper mit gereihten, aber nicht in regelmäßigen Achsen angeordneten Kreuzstockfenstern (teilweise nach 1807 eingebaut). Das ursprüngliche große Satteldach wurde im 19. Jahrhundert durch ein Walmdach ersetzt. Dem Eingang in der Ostfassade ist ein polygonaler Treppenanbau mit Wendeltreppe vorgelagert. Im Kellergeschoss wird die Balkendecke von einer gedrechselten Holzstütze getragen. Das Erdgeschoss ist in einen ostseitigen, kreuzgangartigen Gang und ehemals sieben unterschiedlich große Räume aufgeteilt, u. a. Refektorium bzw. Konventstube, Küche und Vorratsräume. Das Obergeschoss wird durch einen kreuzförmig geführten Gang erschlossen; es wies vier unbeheizte Zellen sowie vier beheizbare Räume für Guardian, Gäste und Kranke auf. Kirchenseitig befand sich ein Saal; an der entgegengesetzten Südseite ein großer ungeteilter Vorratsraum. Einige spätbarock erneuerte, schlichte Stuckdecken sind erhalten. Die Aborte waren an die Wendeltreppe angebaut.

Das Klosterareal war von einer teilweise erhaltenen Mauer umschlossen. Von der Straße führt die Einfahrt in der Klosterhof östlich des Konventshauses. An dessen Ostseite stehen schlichte Wirtschaftsgebäude.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KDM Bd. 6,1, S. 419–421 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerkloster Heitersheim (Christian Plath); Kolb II, S. 56.

Literatur: Eubel 1886; Schmid I, S. 322  f.; 1981 (b).

Anmerkungen

  • 1 GLA 20 Nr. 90.
  • 2 GLA 229 Nr. 41444.
  • 3 Eubel 1886, S. 14 0-143.
  • 4 So zumindest die Vermutung von Schmid 1981, S. 293.
  • 5 GLA 229 Nr. 41448.
  • 6 GLA 229 Nr. 41457.
  • 7 GLA 229 Nr. 41416, 41448, 41457.
  • 8 GLA 229 Nr. 41458.
  • 9 GLA 229 Nr. 41448, 41456.
  • 10 GLA 391 Nr. 15392
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Christian Plath [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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