Gerlachsheim, Prämonstratenser
| Kurzbeschreibung: | um 1200 Gründung – 1237 Zugehörigkeit zum Prämonstratenserorden bezeugt – 1556 Tod der letzten Meisterin – 1563 Auflösung und Unterstellung unter die bischöflich-würzburgische Kammer – 1717 Wiedererrichtung als Männerstift – 1803 Aufhebung Patrozinium: Hl. Kreuz, Maria, Johannes EvangelistOrdensgliederung: Zirkarie IlfeldKirchliche Zugehörigkeit: Frauenstift bis zur Auflösung 1556/1563 Erzbistum Mainz, Landkapitel Taubergau; Männerstift seit Wiedergründung 1717 Bistum Würzburg, Landkapitel Mergentheim |
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| Beschreibung: | Name: claustro sanctimonialium in Lutzelenludin (1209);1 pauperculis Christi sororibus in Gerlahsheim (1228);2 monasterium sanctae Mariae virginis in Gerlachsheim […] ordo canonicus […] Praemonstratensium (1259);3 monasterii in Gerlachsheim sacro Praemonstratensi ordini (1717)4 GeschichteHistorische EntwicklungMit der auf Bitten Sibotos de Luden im Jahr 1209 erfolgten bischöflich würzburgischen Bestätigung von Schenkungen seiner Eltern und ihm selbst an das claustro sanctimonialium in Lutzelenludin tritt die Gemeinschaft im Grünbachtal erstmals urkundlich in Erscheinung.5 Der aus der Familie der Herren von (Grünsfeld-)Zimmern stammende Siboto II. nennt sich darin bereits nach seiner durch Heirat erworbenen Herrschaft Lauda. Die Gründung dürfte schon einige Jahre früher erfolgt sein. Ältere Urkundeneinträge aus den Jahren 1187, 1193 und 1203 finden sich in dem in doppelter Ausfertigung erhaltenen Kopialbuch6 des Stifts, diese nennen die Frauengemeinschaft jedoch noch nicht. Der erste Standort Lutzelenludin, also Klein-Lauda, ist nicht mit Oberlauda aufzulösen, wie gelegentlich geschehen.7 Beide Orte werden gemeinsam in einer Urkunde Ludwigs des Bayern (1328–1343) für Gerlachsheim im Jahr 1343 genannt, sind also nicht identisch.8 Vielmehr dürfte sich die erste Niederlassung an der Stelle des früheren Bahnhofs von Gerlachsheim, etwas talabwärts der heutigen Anlage, befunden haben. Beim Bahnbau gefundene Mauerreste lassen dies vermuten. Die Schenkung Sibotos diente der wirtschaftlichen Ausstattung eines Konvents von 20 Frauen und deren Personal. Die Niederlassung nannte sich spätestens 1228 nach Gerlachsheim, wie in einer Schenkung Graf Ludwigs von Rieneck und seiner Ehefrau Adelheid an die sororibus in Gerlahsheim bezeugt ist. Die Grafen von Rieneck als Erbnachfolger der Herrschaft Lauda förderten die junge Gemeinschaft ebenso wie weitere Adelsfamilien der Umgebung. Zwei Papsturkunden von 1254 und 1259 dokumentieren die erworbenen Besitzungen und Privilegien sowie die für die Niederlassung geltende Ordensregel. Papst Alexander IV. (1254–1261) bestätigte am 18. Dezember 1259 der Priorin und den Schwestern die Augustinusregel in der Ausprägung der Prämonstratenser ordo canonicus, qui secundum domini et beati Augustini regulam atque institutionem Praemonstratensium fratrum.9 Die Zuordnung zum Prämonstratenserstift Oberzell ist schon zwei Jahrzehnte früher 1237 belegt und bestand wohl von Anbeginn. Der Oberzeller Abt Konrad als pater abbas ecclesiae sororum in Gerlachsheim war es auch, der die Urkunde Papst Alexanders IV. 1260 bekannt machte.10 Vor dem Oberzeller Abt legten die seit jener Zeit belegten11 Meisterinnen Rechenschaft über ihre Rechnungsführung ab, er hatte auch die Oberaufsicht über die Disziplin im Konvent. Verstöße dagegen gab es wohl zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als Abt Albert im Auftrag des Prämonstratenserordens Missstände bei der Abhaltung der Gottesdienste und einen allzu freien Zugang zur Klausur rügte. Der Aufschwung, den das Stift in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens nahm, wurde 1261 jäh unterbrochen. Es kam zu einer teilweisen Zerstörung durch den Mainzer Erzbischof und dessen Verbündete. Anscheinend war es in die Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Rieneck und dem Mainzer Hochstift um die Vorherrschaft im Spessart geraten. Zum Einflussbereich der Rienecker gehörend, könnte das Stift ein geeignetes Angriffsziel für die Mainzer Seite gewesen sein, um der Gegenpartei Schaden zuzufügen. Ein undatiertes, in Form eines Rundbriefs gehaltenes Schreiben der Meisterin und des Konvents, berichtet über diese Zerstörungen.12 Die Beschreibung vermittelt ein ungefähres Bild der damaligen Situation. Neben der Stiftskirche mit dem Marienpatrozinium gab es eine dem Evangelisten Johannes geweihte Kapelle, die beide wie auch das Konventsgebäude selbst wohl nicht beschädigt wurden. Verwüstet und verbrannt, bei einer Schadenssumme von rund 200 Pfund, wurden ein Keltergebäude mit Weinpressen, eine Mühle, eine Heuscheune, das Gästehaus, die Stube des Propstes, die Küche sowie Gärten und landwirtschaftliche Flächen. Die Verfasserin des Schreibens nennt sich selbst nicht mit Namen. Aufgrund der zeitlichen Einordnung des Dokuments in die Jahre 1261/62 könnte es sich dabei um die 1260 erwähnte magistra Guta gehandelt haben. Weder ihre familiäre Herkunft noch die Namen ihrer Vorgängerinnen sind bekannt. Weitere Meisterinnen werden 1286 mit Weildrudis und 1293 mit Adelheid von Wertheim genannt. Als erste Angehörige des Konvents ist Elisabeth, Tochter der Mergarthis Ottonis physici hausfraw schon 1246 genannt.13 Dichter fließen die Informationen über die Zusammensetzung des Konvents ab dem 14. Jahrhundert. Die Meisterinnen und Konventualinnen stammen aus den gräflichen und niederadeligen Familien der Region, alleine fünf Vorsteherinnen aus der Familie der Grafen von Wertheim amtieren bis zur Auflösung des Stifts. Mit Uissigheim, Urbach, Rüdt, Hundeler, Pfal (von Grünsfeld), Sützel (von Mergentheim), Kresse, Randersacker, Weiler und Zirckendorff sind die Familien der weiteren Meisterinnen genannt. Die Stärke des Konvents, 1209 mit 20 sanctimoniales geplant, hat sich im Verlauf der ersten Jahrzehnte noch erhöht. Dies zeugt zum einen von der Attraktivität der Niederlassung, zum anderen von der damit einhergehenden guten wirtschaftlichen Ausstattung. Erst diese ermöglichte die Versorgung einer größeren Gemeinschaft. Sind in den meisten Urkunden nur einzelne Angehörige mit Namen identifiziert und als Konventsmitglieder nachweisbar, so liegt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts eine Zusammenstellung wohl des Gesamtkonvents mit 31 namentlich genannten Frauen vor.14 Der Offizial der Würzburger Kirche vidimierte am 25. August 1372 eine von der Meisterin und den Gerlachsheimer Chorfrauen ausgestellte Urkunde vom 6. April 1359. Darin aufgeführt sind die Meisterin Kunigunde von Uissigheim, die Priorin Elisabeth Pfal, die gleichnamige Unterpriorin Elisabeth Pfal sowie aus dem regionalen Adel wie den Grafen von Rieneck, den Grafen von Wertheim, den Herren von Hanau und weiteren ritterschaftlichen Familien stammende Konventualinnen. Sogar eine Gräfin von Württemberg und Mömpelgard fand Ende des 15. Jahrhunderts zeitweilig Unterkunft in Gerlachsheim. Eine Tochtergründung kam aus Gerlachsheim jedoch nie zustande. Üblicherweise führten die Vorsteherinnen den Titel einer magistra. Die päpstlichen Schutzprivilegien von 1259 und 1296 benennen die Vorsteherin mit dem Titel Priorin, eine Papsturkunde von 1390 verwendete den Begriff Äbtissin.15 Diese Bezeichnung wurde von den Gerlachsheimer Prämonstratenserinnen selbst erstmals in einer Urkunde Ursula Sützels von Mergentheim, weylantz eptisin des closters und conventz zu Gerlaßhein, im Jahr 1487 benutzt.16 Auch die amtierende Vorsteherin Elisabeth Kressin wird in dieser Urkunde als Äbtissin bezeichnet. Neben der Meisterin werden mit Priorin und Subpriorin weitere Funktionsträgerinnen in den Quellen genannt. Das päpstliche Privileg von 1259 bestätigte dem Konvent die freie Wahl der noch als Priorin bezeichneten Vorsteherin der Gerlachsheimer Frauengemeinschaft. Für die Vertretung der Frauen in weltlichen und geistlichen Angelegenheiten ist bereits 1228 ein Propst belegt. Dieser Wernhardus praepositus wird nochmals 1246 erwähnt. Die Vogteirechte über Gerlachsheim lagen zunächst bei den Herren von Zimmern-Lauda bzw. den Grafen von Rieneck. 1339 forderte das Erzstift Mainz die Vogtei als heimgefallenes mainzisches Lehen ein. Die darüber angestrengte Klage wurde zugunsten von Mainz entschieden. Rechte der Rienecker gingen in der Folgezeit verloren, gelangten aber mit der Herrschaft Lauda ab 1450 durch eine Pfandschaft zeitweilig nochmals an die Grafenfamilie. Zusammen mit Lauda kam Gerlachsheim 1506 an das Hochstift Würzburg, als Pfalzgraf Philipp alle vnd jede gerechtigkaitten vff dem closter vnd dorff Geroltzhaim [Gerlachsheim] bischoff Lorentzen fur 25.000 fl. erblich mit dem schlos, statt vnd ambt Lauda verkaufte.17 Die kirchliche Zugehörigkeit zum Erzbistum Mainz bestand bis 1656. In diesem Jahr erfolgte ein Tausch mehrerer im Grenzbereich der beiden Diözesen Mainz und Würzburg gelegener Orte, die herrschaftsrechtlich der jeweils anderen Seite unterstanden. Unter diesen Orten befand sich auch Gerlachsheim, das damit territorial und kirchenrechtlich ab diesem Zeitpunkt zu Würzburg zählte. Mit dem Bauernkrieg und der aufkommenden Reformation setzte der Niedergang des Prämonstratenserinnenstifts ein. Lorenz Fries, Sekretär des Würzburger Bischofs, schreibt in seiner Geschichte des Bauernkriegs über das nit ferr von Lauden liegende Stift, es sei in der ufrur zerrissen und verprend worden.18 Die Frauen hätten einige Zeit lang in der Stadt Lauda gelebt, bis inen widerrum ain behausung im closter ufgericht worden. Diese Aussage findet sich dagegen nicht in einem Brief von der Hand der Meisterin, der in den Zeitraum 1525–28 zu datieren ist.19 Darin wird zwar ebenfalls von erlittenen Schäden in der bäurischen empörung berichtet, dasselbig verhert, verbrannt, verwüst […] dass wir noch daran zu bauen. Von einer zeitweiligen Umsiedlung nach Lauda wegen völliger Zerstörung der Stiftsanlage ist aber nicht die Rede. Der Konvent bemühte sich in der Folge, entfremdete Einkünfte und Rechte wiederzuerlangen, hatte jedoch einen schweren Stand. Eine Visitation der noch bei der katholischen Religion verbliebenen Pfarreien im mainzischen Landkapitel Taubergau erfolgte 1549 auch in Gerlachsheim. Über das Prämonstratenserinnenstift wurde berichtet, dass nur noch die Äbtissin und eine Konventualin anzutreffen wären, beide bereits über 50 Jahre alt, die Disziplin sei mangelhaft. Es sei auch nur noch ein Priester aus Oberzell in Gerlachsheim für die religiöse Betreuung der Frauen zuständig, während vormals drei Prämonstratenser dorthin entsandt worden wären. Mit dem Tod der letzten Meisterin Margarethe von Zirckendorff 1556 erlosch das Stift. Eine Inventur 1558, die Überführung der Rechtsurkunden in die bischöfliche Residenz nach Würzburg und die 1563 erfolgte Unterstellung des Besitzes unter die bischöfliche Kammer markieren die letzten Schritte des Frauenkonvents Gerlachsheim. Der Prämonstratenserorden protestierte gegen die aus seiner Sicht rechtswidrige Auflösung, die Besitzentfremdung sollte rückgängig gemacht werden. Interventionen bei den Würzburger Bischöfen blieben lange erfolglos, Kaiser und Papst wurden um Unterstützung gebeten. 1717 erging endlich ein abschließendes, für den Orden positives Urteil der römischen Rota. Das Stift Gerlachsheim wurde wiedererrichtet – jedoch unter veränderten Bedingungen. Nach den Bestimmungen des Trienter Konzils konnte ein Frauenkonvent nur in einem befestigten Ort ansässig sein. Weil in Gerlachsheim diese Voraussetzung fehlte, wurde stattdessen ein Männerpriorat von Stift Oberzell aus errichtet. 1724 zogen die ersten zehn Ordensangehörigen in das auf den alten Grundmauern neu erbaute Stift ein. Mit Oberzell bestanden enge personelle Wechselbeziehungen, auch der Abt hielt sich jährlich mehrere Wochen im Priorat auf. Bei der Säkularisation 1803 lebten in Gerlachsheim 17 Konventualen. Neuer Herr der Anlage wurde Altgraf Franz Wilhelm von Salm-Reifferscheidt-Bedburg. Einige der mit Pensionszahlungen ausgestatteten Mitglieder des aufgelösten Konvents lebten weiterhin in Gemeinschaft in Gerlachsheim, andere ehemalige Konventualen konnten als Seelsorger Pfarreien übernehmen. Besitz und WirtschaftZur Erstausstattung des Stiftes gehörten die von Siboto von Lauda bzw. dessen Eltern gestifteten Güter eines Friedrich und Reinboto im Ort Gerlachsheim mit dazugehörigen Weinbergen, ein Wald, Brech genannt, sowie ein Hof in Kützbrunn. 1228 kamen aus der Hand der Grafen von Rieneck Güter in Mützenbrunn (auf Gemarkung Gerlachsheim), 1244 Zehnten in Krensheim und Hof Uhlberg, 1260 eine Hube in Gerlachsheim zum Stiftsbesitz hinzu. Fünf Mansen in Kützbrunn hatten die Prämonstratenserinnen 1251 käuflich von den Rieneckern erworben. Der Zehnt zu Werbach gelangte in Verbindung mit einer Jahrtagsstiftung Gräfin Mechthilds von Wertheim 1281 an das Stift. Weitere Güter, Weingärten und Einkünfte in Balderthusen (bei Heckfeld), Dittwar, Dittigheim, Hochhausen, Hofstetten, Kleinrinderfeld, Lauda, Neubrunn, Oesfeld, Otolteshausen (bei Wachbach) und Wolferstetten folgten bis Mitte des 14. Jahrhunderts durch die Hand verschiedener gräflicher und niederadeliger Familien der Region. Es war derselbe Personenkreis, dessen Töchter als Konventualinnen in Gerlachsheim lebten. Wie bei den Höfen in Böttigheim, Gerlachsheim, Oesfeld und Schweigern erfolgte der Besitzerwerb teils durch Kauf, teils durch Stiftung. Auch mehrere Jahrtagsstiftungen sind für den Konvent dokumentiert. Der Besitz von zwei Dritteln des Dorfs Gerlachsheim und des dazugehörigen Kützbrunn, welcher durch Angehörige der Häuser Hanau, Rieneck und Hohenlohe an das Stift gelangt war, wurde 1343 von Kaiser Ludwig dem Bayern bestätigt. Mit derselben Urkunde wurde auch die Mühle in Lützelluden dem Stift überlassen, eine Mühle in Unterwittighausen wurde 1376 an das Stift veräußert. Der Schwerpunkt der Einkünfte und Besitzungen lag somit im badischen Altlandkreis Tauberbischofsheim und den angrenzenden bayrischen Landkreisen. Die Verwaltung der Güter oblag einem Propst, nach der Auflösung dann einem vom Hochstift Würzburg bestellten Verwalter. Religiöses und kulturelles WirkenÜber das religiöse Leben des Gerlachsheimer Frauenkonvents ist fast nichts bekannt. Der Wohltäter des Stifts wurde entsprechend der Jahrtagsstiftungen gedacht. Ein Nekrologium von Oberzell und Gerlachsheim, das Details nennen könnte, ging 1945 verloren. Schon früh werden in Urkunden Priester erwähnt. Die von Oberzell entsandten Geistlichen waren als Kapläne für die Gerlachsheimer Religiosen zuständig, so 1246 capellanus Hartung20. Mit frater Cunradus plebanus ist 1292 erstmals ein Pfarrer belegt.21 Das Präsentationsrecht der Gerlachsheimer Pfarrei stand dem Stift zu. Die Oberzeller Prämonstratenser stellten, mit einer Unterbrechung im 17. Jahrhundert, bis zur Säkularisation die dazu erforderlichen Priester. Eine im Zusammenhang mit der Wiedererrichtung des Stifts erwähnte Wallfahrt zum Hl. Kreuz scheint erst im 18. Jahrhundert befördert worden zu sein. Zur lokalen Verehrung eines Kreuzpartikels kam eine 1740 überführte Körperreliquie des Hl. Clemens hinzu, möglicherweise um die Bedeutung der Kirche als Wallfahrtsort zu stärken. Seit der Wiedererrichtung als Männerpriorat ist die Geschichte Gerlachsheims eng mit Oberzell verzahnt. Die Konventualen nutzten die dort und in der Universitätsstadt Würzburg zur Verfügung stehenden Bildungsmöglichkeiten. Bibliothek und ArchivNach der Auflösung des Frauenkonvents 1556 wurde ein verschlossen truhelin mit brieffen auß dem closter gehen Wirzburgk in das schlos geführt.22 Der Würzburger Bischof sicherte sich damit die Rechtstitel des Stifts. Ein Protokoll aus den 1560er Jahren berichtet davon, dass weder Messbücher noch andere Bücher vorhanden gewesen seien. Inwieweit dies den Tatsachen entsprach oder eher eine vorgeschobene Behauptung bei Auflösung des Stifts war, ist nicht verifizierbar. Das Prämonstratenserpriorat Gerlachsheim verfügte über eine eigene Bibliothek, deren Ausstattung jedoch weitgehend unbekannt ist. […] die zur Gerlachsheimer bibliothec gehörigen Annales Prämonstratenses werden in einem Brief 1765 erwähnt.23 Die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart verwahrt zwei Ausgaben der Würzburger Bischofschronik mit Exlibris ad bibliothec. Gerlachsheim.24 Nach Säkularisation und Auflösung der Klöster und geistlichen Territorien übernahmen die Nachfolgestaaten Baden und Bayern deren Schriftgut. Dokumente des Gerlachsheimer Frauenkonvents finden sich nach dem Verkauf des unter badischer Landeshoheit stehenden Teils der Standesherrschaft Salm-Krautheim an den badischen Staat größtenteils im Generallandesarchiv Karlsruhe. Unterlagen des Priorats sind in der Universitätsbibliothek und im Staatsarchiv Würzburg verwahrt, ein Großteil ging dort jedoch 1945 beim Angriff auf Würzburg verloren. Bau- und KunstgeschichteLageDer erste, nur 1209 genannte Standort in Lützellauda (Lutzelenludin)25 befand sich wohl bei der ehemaligen Veitskapelle an der Mündung des Grünbachs in die Tauber; angeblich dort angetroffene Fundamente sind nicht dokumentiert. In Lützellauda »in dem Peirstein« gab es 1343 eine Mühle, die an die Prämonstratenserinnen gelangte.26 Vor 1228 übersiedelte der Konvent nach Gerlachsheim.27 Die Stiftsanlage liegt dort am Ostrand des älteren Dorfs im Tal des Grünbachs. Die Kirche bildet den Südflügel der vierseitigen Klausur. Im Norden und Osten erstreckt sich der teilweise formal, teilweise als Landschaftspark gestaltete Stiftsgarten über den Grünbach hinaus und bis zum zugehörigen Mühlbach. Der in Resten erhaltene Wirtschaftshof umgab die Anlage halbkreisförmig von Nordwesten nach Südosten; im Nordwesten befanden sich die Keltern, der Klausur vorgelagert war das Rentamt; im Süden lagen Ställe, Scheunen, Remisen und Bedienstetenwohnungen, außerdem Zehntscheune und Mühle. Kirche und KonventsbautenDie Disposition der mittelalterlichen Stiftsanlage wurde beim Barockneubau zumindest teilweise übernommen. Für den Klausurostflügel hat man die alten Fundamente benutzt. Um 1260 waren mehrere Bauten brandgeschädigt: die Kelter, die Mühle, die Scheune, das Gasthaus mit der Stube des Propstes und das Küchenhaus; erwähnt wird auch die an die Kirche angrenzende Johanneskapelle. 1669 werden die Maße der älteren, kreuzförmigen Kirche sowie ihre Ausstattung mit sieben Altären genannt. Erhalten ist lediglich ein gotischer Schlussstein. Bauherr des barocken Neubaus war nicht das Priorat, sondern der jeweilige Abt von Oberzell; von dort kam auch der als Architekt genannte P. Sebaldus Appelmann. Namhafte Künstler wurden unter anderem von den Höfen in Würzburg, Bamberg und Ellwangen angeworben. Vier Jahre nach Einrichtung des Priorats wurde 1721 der Klausurostflügel erbaut, 1722 ein zweiter Flügel. Der Kirchenneubau begann am 3. April 1723 mit der Grundsteinlegung; schon am 8. September war das zugleich als Pfarrkirche dienende Langhaus unter Dach. Querschiff, Chor und Türme wurden erst ab 1726 fertig gebaut; am 17. März 1728 wurde eine Urkunde in den Turmknopf eingelegt; am 17. September 1730 konnte die Kirche mit sieben Altären geweiht werden. Klausurgebäude, Hochaltar und Orgel tragen das Wappen von Abt Sigismund Hauck (1710–1738). Die Translation der Reliquien des Hl. Clemens 1737 gab schon früh Anlass zu einer partiellen Neuausstattung. Die Aufbauten der vier Nebenaltäre tragen das Wappen von Abt Georg Fasel (1738–1747); 1742 (i) wurde die Ausmalung der Kirche vollendet. Die Kirche erhielt eine für die Epoche ungewöhnliche Baugestalt. Das Langhaus ist eine dreischiffige Basilika mit je vier Rundbogenarkaden auf kreuzförmigen Pfeilern und einem schlichten Querschiff. Inwieweit hier die Grundrissgestalt oder sogar Mauerreste der mittelalterlichen Kirche übernommen wurden, ist nicht untersucht. Neu fundamentiert wurden die beiden Osttürme zu Seiten des quadratischen Chorraums, der in einer großen, polygonalen Apsis endet. Im Außenbau sind West- und Ostansicht hervorgehoben. Die Westfassade schwingt vor dem Mittelschiff konvex vor und schließt mit konkaven Abschnitten an die Seitenschiffe an, von denen das nördliche durch den Konventsbau verdeckt wird. Korinthische Säulen auf Postamenten tragen in zwei Ordnungen gesprengte Segmentbogengiebel; das Portal wird von Nischen mit Statuengruppen der Hll. Clemens und Sebastian gerahmt; der Gekreuzigte ist, dem Patrozinium der Kirche entsprechend, in der oberen Fassadennische dargestellt. Ein Brunnen mit einem Bild des Salvators ziert die Front des südlichen Seitenschiffs. Die Skulpturen stammen von 1730; die Tür fertigte Anton Grimmbach 1740. Südseite und Apsis sind mit toskanischen Pilastern gegliedert, die Fenster dekorativ gerahmt. Die bis auf das Gloriolenfenster geschlossene Apsis ist in hochsitzenden Nischen mit Skulpturen der Hl. Maria zwischen Putten geschmückt. Der Innenraum wird von großen Fenstern erhellt und von der rekonstruierten Gelb-Weiß-Fassung geprägt. Pilaster mit eigentümlichen ionisierenden Kapitellen gliedern das tonnengewölbte Mittelschiff. Die Gewölbe und die achteckige, mit einer Laterne belichtete Kuppel der Vierung erhielten reiche Stuckaturen. Der Wessobrunner Johann Peter Schaidhauf fertigte die Stuckaturen in Langhaus und Querschiff, die Italiener Agostino und Materno Bossi stuckierten den Chorbereich. Die Querarme sind mit Kuppeln gewölbt; in jedem befinden sich je zwei Emporen an Ost- und Westseite. Die östlichen trugen bis 1852 Nebenorgeln, die westlichen werden als Oratorien für hohe Gäste gedeutet. Sechs Nebenaltäre stehen jeweils vor den östlichen Pfeilern des Mittelschiffs und der Vierung sowie in den Querarmen. Das 20–sitzige Chorgestühl befindet sich östlich der Vierung. Die Apsis wird vom Hochaltaraufbau eingenommen. Die dreiflüglige Stiftsanlage ist ein nur durch Fensterachsen gegliederter, über einem Keller dreigeschossiger Baukörper. Die Pforte und ein Kellerzugang öffneten sich im Westflügel; zwei reicher gestaltete Gartenportale in den Mittelachsen von Ost- und Nordflügel. In Erdgeschoss und erstem Obergeschoss läuft der Kreuzgang dreiseitig um; die übrige Raumteilung ist stark verändert und noch nicht erforscht. In der Lourdes-Kapelle sind Stuckaturen des Kreuzgang-Gewölbes bewahrt. Erhalten ist das barocke Treppenhaus im Westflügel. Das Priorat (später Pfarrhaus) ist ein zweigeschossiger, der Kirche vorgelagerter Kopfbau von 1738 (i) in der Bauflucht der Wirtschaftsgebäude; sein verziertes Portal zeigt das Wappen des Abts Sigismund Hauck von Oberzell. Nach der Aufhebung wurde die Anlage zunächst als Schloss, später als Amtshaus, dann als Taubstummenanstalt genutzt, heute dient sie verschiedenen Funktionen. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie Kirche hat ihre eindrucksvolle originale Ausstattung weitgehend bewahrt (Abb. 2). Die auf Leinwand gemalten Deckenbilder von Joseph Gru aus Verona (1741) zeigen im Querschiff die Geschichte des Hl. Kreuzes, in Langhaus und Chor die Geschichte des Hl. Norbert als Gründer des Prämonstratenserordens. Den Hochaltaraufbau mit seiner Gloriole rahmen blau marmorierte Säulen und Paneele sowie 21 silbern und golden gefasste Statuen; fünf Altarbilder u. a. von Johannes Zick (1742) sind entsprechend dem Kirchenjahr auswechselbar. J. G. und Melchior Paulus aus Ellwangen schufen Holzwerk, Skulpturen und Stuckmarmor. Reiche Intarsien zieren den Altar und das Drehtabernakel, in dem die Kreuzreliquie gezeigt werden kann. Die östlichen Seitenaltäre des Hl. Kreuzes und der Hl. Maria sind ebenfalls mit Säulen, Statuen und Auszug gestaltet, während die westlichen Nebenaltäre des Hl. Hermann Josef und der Hl. Familie nur von Pilastern gerahmt werden und an den übrigen Langhauspfeilern große Gemälde in Stuckrahmen angebracht sind. Die Querschiffaltäre der Hll. Joseph und Sebastian erhielten an Stelle von Pilastern ungewöhnliche, geschwungene Volutenbänder und als Altarbild die bewegten Skulpturen ihrer Patrone. An den Nebenaltären arbeiteten Schaidhauf, Tietz, Grimmbach, Gru und Anton Birrot. Ein Glassarkophag im Marienaltar präsentiert die textil umhüllten Reliquien des Hl. Clemens. Die Dorsale des Chorgestühls wurden von Fr. Johannes Buchler 1750 mit großen, silbern gefassten Flachreliefs des Leben Jesu versehen; die Bekrönung des Gestühls fehlt seit 1871. Die Kanzel von 1788 ist ein beeindruckendes, reich bewegtes Rokokowerk mit Freiskulpturen der vier Evangelisten am Kanzelkorb und den Personifikationen von Glaube, Liebe und Hoffnung sowie drei Engeln auf dem Schalldeckel (Abb. 7). Sie ersetzte eine einfachere Kanzel von 1753/54, die nach Kützbrunn abgegeben wurde. Die große Orgel wurde 1731 von Johann Philipp Seuffert aus Würzburg erbaut; den Prospekt zieren sechs musizierende Engel, von denen zwei zugleich das Wappen von Oberzell präsentieren. Zwei kleine Orgeln von Seuffert standen auf den Querarmemporen. Auch das Laiengestühl, die Beichtstühle, der Windfang und der Kreuzweg gehören zur barocken Ausstattung. Aus der alten Kirche übernommen wurde lediglich der schlichte gotische Taufstein. Große Teile des Kirchenschatzes und der Paramente wurden 1835 versteigert, weitere 1846 gestohlen und verbrannt. 1850 hat die Gemeinde weitere Teile der Ausstattung verkauft; auch die Grabplatten sind verloren.28 Das große barocke Kreuzreliquiar von 1750 (i) und zahlreiche barocke Paramente verblieben in Gerlachsheim. Im ausgedehnten Stiftsgarten sind eine gewölbte Steinbrücke über den Mühlbach und ein um 1800 erbauter chinesischer Pavillon als Teehaus erhalten; die Gartenanlage selbst ist verändert, zwei weitere Pavillons und die Orangerie verloren. Auf dem Vorplatz des Stifts ließ Abt Christoph Kroh 1786 (i) einen großen Brunnen mit einer Statue des Hl. Norbert aufstellen (um 1890 abgebrochen). Die heute auf dem Vorplatz stehende, 1751 (i) gestiftete Skulpturengruppe der schmerzhaften Muttergottes stand ursprünglich in der Dorfmitte. BibliographieHandbücher und Lexika: Backmund II 21983, S. 132–134; Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 256 f. (Jörg Paczkowski); KDM Bd. 4,2, S. 24–29 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Prämonstratenserpriorat Gerlachsheim (Claudia Wieland); SKHB, S. 365–371 (Martin Ritter). Literatur: Betz 2000; Ritter 2002; Heeg-Engelhart 2006; Decker-Heuer 2009. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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