Stetten im Gnadental, Dominikanerinnen
| Kurzbeschreibung: | 1261 Frauengemeinschaft mit Augustinusregel – 1278 Inkorporation in den Dominikanerorden – 1481 Unterstellung unter bischöfliche Jurisdiktion – 1501 erneute Inkorporation und Durchsetzung der Observanzreform – 1738–74 bauliche Umgestaltung der Kirche – 1802 Aufhebung – 1867 Tod der letzten Nonne Ordensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Suevia; 1481–1501 unter bischöflicher Jurisdiktion, 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Hechingen |
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| Beschreibung: | Name: monasterium Vallis Gratiae (1261);1 claustrum sive coenobium dominarum in villa […] Steten sub castro Zolr (1267);2 priorisse et conventus monasterii sanctimonialium Valis Gratiae ordinis sancti Augustini sub habitu Praedicatorum (1481);3 priorin und convent des gotzhuß Stetten Prediger ordens (1507)4 GeschichteHistorische EntwicklungAm 1. April 1261 bestätigte Papst Alexander IV. (1254–1261) mit einem an die priorisse monasterii Vallis Gratiae, eiusque sororibus gerichteten Privileg eine in der Ortschaft Stetten unter der Burg Zollern angesiedelte Gemeinschaft von Frauen, die nach der Augustinusregel lebten.5 Das ist die erste gesicherte Nachricht in der Geschichte des Klosters Stetten im Gnadental. Über die Frage, wann sich in Stetten eine geistliche Frauengemeinschaft angesiedelt hatte und wie diese organisiert war, kann lediglich gemutmaßt werden. Die Schwesterngemeinschaft lebte 1261 bereits nach der Augustinusregel und den Konstitutionen des Dominikanerordens, war diesem jedoch nicht formalrechtlich inkorporiert, sondern unterstand noch der Jurisdiktion des Ortsbischofs. Auch tritt eine Stifterfigur erst Jahre später in Erscheinung: Am 9. Januar 1267 übereignete Graf Friedrich der Erlauchte von Zollern († 1289) dem Konvent verschiedene Güter und erteilte ihm bestimmte Privilegien.6 Aufgrund dieser Beihilfen, die die materielle Sicherung des Konvents garantierten, gingen Friedrich der Erlauchte als Stifter und die zitierte Urkunde als stüfftungsbrief7 in die Klostertradition ein, obwohl der Konvent damals bereits seit Jahren existiert hatte. Die Quellen deuten stark darauf hin, dass der Graf beabsichtigte, die Inkorporation der Gemeinschaft in den Dominikanerorden zu verhindern, die zu einem klausurierten, kontemplativen Nonnenkonvent geführt hätte, und stattdessen ein relativ frei zugängliches Kanonissenstift zu etablieren.8 Den Predigerorden negierend äußerte er nämlich den dringenden Wunsch (iamdudum cordis nostri propositum), dass die geistlichen Frauen in jenem claustrum sive coenobium dominarum in villa nostra Steten sub castro Zolr durch Gebete und Fürsprachen ihm und den Seinigen das ewige Leben erwürben und für die Memoria seines Hauses sorgten.9 Der Zollerngraf hatte zudem nichts damit zu tun, als der Konvent im Rahmen des Generalkapitels in Mailand an Pfingsten 1278 auf päpstlichen Erlass und preces instantiae König Rudolfs I. (1273–1291) dem Dominikanerorden inkorporiert wurde.10 Darüber hinaus sind anschließend nicht näher fassbare Differenzen entstanden, die dazu führten, dass die Inkorporation 1287 durch den päpstlichen Legaten Johannes Boccamazza bekräftigt werden musste.11 Das Kloster lag im Terminierbezirk der Rottweiler Dominikaner, denen auch die cura monialium oblag. Graf Friedrich der Erlauchte war 1289 der erste der Zollerngrafen, die im Kloster Stetten bestattet wurden; Graf Jos Niklas (1433–1488) der letzte. Insofern diente die Klosterkirche als eine Art Erbgrablege, obwohl manche Mitglieder des Hauses Zollern andere Begräbnisorte wählten. Die Frage, inwiefern das Kloster unter den Auseinandersetzungen der Zollerngrafen mit Württemberg und den Reichsstädten im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts litt, die zur Belagerung und Zerstörung der Burg Zollern 1423 führten, lässt sich ohne eingehende Forschung nicht näher bestimmen. Mit Beginn des 15. Jahrhunderts traten soziale und wirtschaftliche Veränderungen ein. Der Zuwachs an Gütern, Zinsen und Gülten des Klosters endete nahezu völlig, der Anteil adeliger Nonnen sank merklich und Pfründe und Privatbesitz einzelner Schwestern waren zur Normalität im Konventsleben geworden. So entstammten viele Insassinnen bis ins 14. Jahrhundert dem höheren Adel, naheliegenderweise den Häusern Zollern und Zollern-Schalksburg. Um 1310 ist auch eine Markgräfin von Burgau nachzuweisen. Eine weitere Gruppe rekrutierte sich aus dem niederen Adel, der zumeist der zollerischen Ministerialität angehörte. Die dritte Gruppe der Frauen kam aus dem Bürgertum umliegender Städte, besonders jener, in denen die Nonnen Besitz hatten, wie etwa Hechingen, Balingen, Ebingen, Reutlingen, Tübingen und Rottenburg. Gegen Ende des Jahres 1479 beschwerte sich Graf Jos Niklas von Zollern beim Generalmeister der Dominikaner, Leonard de Mansuetis († 1480) in Rom über die ausstehende Observanzreform seines Klosters.12 Auf Jos Niklas’ querelas hin beauftragte besagter Ordensgeneral am 22. März 1480 den zuständigen Provinzvikar der natio Sueviae, Ludwig Fuchs, Prior des Predigerkonvents Ulm, mit der Reform des Klosters Stetten.13 Die Quellen legen nahe, dass die Mehrzahl der Klosterfrauen mit diesem Vorhaben nicht einverstanden war. Am 8. Mai 1481 bestätigte Papst Sixtus IV. (1471–1484) auf Bitten von Priorin und Konvent die Urkunde Papst Alexanders IV. aus dem Jahr 1261 und damit auch die Unterstellung des Klosters unter die Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz, was der Konstanzer Bischof Otto von Sonnenberg (1474–1491) im September des Jahres bestätigte.14 Das bedeutet, dass der Konvent aus dem Predigerorden ausgetreten war, sich gleichsam exkorporiert hatte. Auf diese Weise wurde den Dominikanern der Zugriff auf die Gemeinschaft entzogen und eine Reform im Sinne der Observanz verhindert. Daraufhin beantragten zwei der Klosterfrauen, Dorothea Remin und Dorothea Spechtshartin, die der Reform offenkundig positiv gegenüberstanden, beim Generalmeister des Predigerordens in ein württembergisches Kloster, in welchem streng observant gelebt werde, versetzt zu werden.15 Ohne dass die Stettener Nonnen eingeweiht worden wären, initiierte Graf Eitelfriedrich II. von Zollern (1488–1512) als Schirmherr gemeinsam mit seinem Bruder, Bischof Friedrich II. von Augsburg (1486–1505), in enger Kooperation mit den Dominikanern und unter Entfaltung eines engmaschigen Netzwerks kurz vor der Jahrhundertwende einen zweiten Reformversuch. In den 1490er Jahren erfuhren die beiden Zollerngrafen über freundschaftliche Kontakte Friedrichs zum Straßburger Münsterprediger Johannes Geiler von Kayserberg vom Schicksal der 1482 aus dem Kloster Klingental vertriebenen Reformschwestern aus Engelport bei Gebweiler. Diese zwölf Reformnonnen zogen 20 Jahre lang gemeinsam mit ihrem Beichtvater Thomas von Lampertheim (auch Lamparter/Lampertius genannt), der mit Geiler seinerseits gut bekannt war, durch das Elsass. Er setzte sich daraufhin notwendigerweise mit seinem Bruder Eitelfriedrich, dem Schirmherrn Stettens, in Verbindung. Die Brüder kamen scheinbar schnell darin überein, die Engelporter Reformschwestern in Stetten unterzubringen. Friedrich II. war 1488 anlässlich des Begräbnisses seines Vaters Jos Niklas noch selbst im Kloster und kannte die Lebenspraxis der Nonnen daher aus eigener Anschauung. Es war aber noch das Problem zu lösen, dass Stetten zu dem Zeitpunkt gar nicht zum Orden gehörte. Deswegen ersuchte Bischof Friedrich, der hierfür wohl geeigneter war als Eitelfriedrich II., den Konstanzer Bischof um die Entlassung des Klosters seines Bruders aus der bischöflichen Jurisdiktion.16 Nachdem dieser sein Einverständnis gegeben hatte, wurden die Dominikaner verständigt. Am 30. September 1501 erfolgte daraufhin ein erneuter Reformauftrag für das Kloster, den nun Peter Siber († 1508), seit kurzem Provinzial der Ordensprovinz Teutonia, auszuführen hatte.17 Im Sommer 1502 kamen die Engelporter Reformnonnen aus Obersteigen, wo sie zuletzt gelebt hatten, in Stetten an. Graf Eitelfriedrich II. von Zollern beurkundete dies am 2. August 1502. Thomas von Lampertheim zog als Beichtvater mit nach Stetten um.18 1507 übersiedelten auch die restlichen Obersteiger Schwestern. Nun verzichtete der Konstanzer Bischof auf sämtliche Ansprüche der Jurisdiktion über Stetten. Die Reform bedeutete mithin zugleich die Reinkorporation in den Orden. Eitelfriedrich bestätigte die Freiheiten des Klosters (was seine Nachfolger jeweils wiederholten); daraufhin erklärte die Ordensleitung die Reform Stettens für abgeschlossen.19 In Reformationszeit und Konfessionalisierung diente das Kloster mehrfach als Zufluchtsort für Konvente, die aus protestantisch gewordenen Territorien vertrieben wurden. So hielten sich um 1530/31 Prior und Konvent der Esslinger Dominikaner in Stetten auf. Als diese um 1551 kurzzeitig in die Reichsstadt zurückkehrten, lieferte Stetten den Predigern sogar das für die Feier von Gottesdiensten notwendige liturgische Gerät.20 Ebenso ist nachweisbar, dass zwischen 1564 und 1567 der gesamte Konvent der Dominikanerterziarinnen aus Altburg bei Calw in Stetten unterkam.21 1540 verstarb in Stetten der ehemalige Hofkaplan Kaiser Maximilians I. (1493–1519), Caspar Hölzle, dessen Tochter zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Konvent war. Er wurde rechts vor dem Hochaltar der Klosterkirche beigesetzt. Das Problemfeld um die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf das Kloster und die Entwicklung des Konvents im 17. Jahrhundert ist noch nicht erforscht. Bekannt ist bislang, dass sowohl das Oberamt wie auch Stadt und Gericht Hechingen von den Nonnen Kriegskontributionen forderten. Nachdem die Nonnen hiergegen Beschwerde beim Fürsten eingelegt hatten, bestimmte dieser, dass das Kloster aufgrund seiner Immunität unangetastet bleiben sollte. Die wirtschaftliche Organisation des Klosters hat sich im Verlaufe des Jahrhunderts verändert. So sind seit 1613 neben den Chorfrauen auch Laienschwestern nachzuweisen. 1621 zählte der Konvent 30 Chorfrauen und Laienschwestern, 1779 22 Chorfrauen und 9 Laienschwestern. Im Mittelalter tauchen dagegen Laienbrüder in den Quellen auf, die die weltlichen Belange des Konvents regelten. Auch die soziale Schichtung der Klosterfrauen entsprach nicht mehr jener des Mittelalters. Das adelige Element war nahezu verschwunden; nun rekrutierte sich der Konvent aus dem Bürger- und teils dem Bauerntum umliegender Ortschaften (Horb, Villingen, Ehingen). 1730 wird dem Konvent in einem Verzeichnis des Ordens attestiert, dass die Konventualinnen in kanonischer, strikter Klausur lebten.22 Das 18. Jahrhundert steht ganz im Zeichen enger Beziehungen zwischen den Stettener Dominikanerinnen und den Augsburger Predigerbrüdern. Diese stellten nicht nur das gesamte Jahrhundert hindurch die Beichtväter, sie beeinflussten auch die Auswahl der Künstler bei der Neuausstattung und dem teilweisen Neubau der Klosterkirche zwischen 1738 und 1774. Darüber hinaus rekrutierte sich zeitweise sogar der halbe Konvent aus bayrisch-schwäbischen Klosterfrauen. Dabei ist bemerkenswert, dass auch Konvente, die im Dunstkreis Stettens standen – so die Dominikanerterziarinnen von →Rangendingen, →Gruol und Binsdorf – gleichfalls von diesem in kunstgeschichtlicher und geistlicher Hinsicht fruchtbaren Kontakt profitierten.23 Am 24. November 1802 erfolgte die Besitznahme des Klosters durch eine von Fürst Hermann Friedrich Otto von Hohenzollern-Hechingen (1798–1810) entsandte Kommission. Zwar durften die Schwestern weiterhin in Klausur zusammenleben, wobei der Fürst den Beichtvater besoldete. Es wurde ihnen aber untersagt, Novizinnen aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt lebten neben der Priorin 15 Chorfrauen und acht Laienschwestern dort. Im Herbst 1804 bekamen die letzten Schwestern des aufgehobenen Rangendinger Drittordenskonvents die Anweisung, ins Haus des Beichtvaters von Stetten einzuziehen. Die letzte Stettener Schwester, Gundisalva Utz, starb am 10. Januar 1867.24 Besitz und WirtschaftGrundlage des Besitzes des Klosters bildeten die in der sogenannten Stiftungsurkunde vom 9. Januar 1267 übereigneten Güter und Rechte. Diese Grundausstattung wuchs bis zum 15. Jahrhundert durch Schenkungen und Zukäufe auf Güter und Einkünfte in etwa 70 Orten an.25 Der Besitzsprengel erstreckte sich dabei zwischen Rottweil und Rottenburg, Tübingen und Reutlingen, Hettingen und Taiflingen. Schwerpunkte lagen in nahegelegenen zollerischen Orten, so in Hechingen, Grosselfingen, Bodelshausen, Boll und der Ortschaft Stetten. Zum einen besaß das Kloster Grundbesitz in Form von Äckern, Wiesen, Gärten, fünf Wäldern und 17 Weinbergen. Letztere lagen zwischen Tübingen und Rottenburg. Zum anderen hatte es Einkünfte in Form von Zinsen und Gülten von 206 Zinspflichtigen. Die Versorgung des Klosters gewährleisteten 60 Höfe, Güter und Mühlen in 38 Orten. Die größten Besitzzuwächse sind in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu verzeichnen. Zwischen 1326 und 1372 erwarb der Konvent jährlich durchschnittlich zehn Güter. Die letzte Schenkung erfolgte 1438, der letzte große Erwerb 1471. Die Nonnen haben mehr als zwei Drittel ihres Besitzes selbst erworben, nur ein Drittel wurde ihnen geschenkt. Zur wirtschaftlichen Verwaltung hatte der Konvent einen Schaffner und Laienbrüder angestellt; diese Angestellten tauchen teilweise namentlich in den Quellen auf. Religiöses und kulturelles WirkenDas Leben nach der Augustinusregel und den Konstitutionen des Predigerordens, welches der Konvent seit der Inkorporation 1278 praktizierte, hatte eine kontemplative Ausrichtung der Schwestern unter Einhaltung der Gelübde zur Folge. Der Wunsch Friedrichs des Erlauchten, aus dem Konvent ein Kanonissenstift zu machen, wurde mit der Inkorporation obsolet. Die Memoria und das Totengedenken für die als Stifterfamilie in die Klostertradition eingegangenen Zollerngrafen, besorgten die Nonnen nach Ausweis des Anniversars dennoch über die Jahrhunderte hinweg – selbst noch, als Angehörige der Zollern nicht mehr in der Klosterkirche bestattet wurden. Die Grablege in der Klosterkirche wurde seit dem Ableben Friedrichs des Erlauchten bis zu Graf Jos Niklas Tod 1488 fortgeführt. Graf Eitelfriedrich II. war der erste, der 1512 in der neu fundierten Hechinger →Stiftskirche bestattet wurde. Die Gründe für die Verlegung der Erbgrablege mögen in der observanten Reform des Klosters zu suchen sein, durch die eine derartige Öffentlichkeit in der Klosterkirche nicht mehr gestattet war; zudem entsprach es einem Zug der Zeit um 1500 für Grablegen Pfarr- und Stiftskirchen in Residenzorten zu wählen. Eine beträchtliche Veränderung der religiösen Praxis lässt sich mit dem 18. Jahrhundert, insbesondere in Folge des Umbaus der Klosterkirche feststellen, als der Nonnenchor auf eine Empore innerhalb der Klosterkirche verlegt wurde. Auch der Gesang und die Musik während der Gottesdienste erhielten dabei einen neuen Stellenwert. Es änderten sich fortan selbst die Wege, um liturgische Handlungen, etwa in Bezug auf Osterspiele und dergleichen, zu vollziehen. Details dieser neuen Praxis sind bislang nicht erforscht. Bibliothek und ArchivDas Klosterarchiv wurde im Rahmen der Aufhebung verschlossen und ins Fürstliche Archiv nach Sigmaringen verbracht. Dort wurden die Archivalien aus ihrem Zusammenhang gerissen und nach dem Pertinenzprinzip der Fürstlichen Verwaltung völlig neu in Rubriken geordnet. Daher existiert heute kein in sich geschlossen Klosterarchiv mehr, sondern der weit überwiegende Teil des Stettener Archivguts findet sich an zahlreichen Fundorten im Fürstlichen Archiv wieder, das Teil des Depositums 39, also des Fürstlich Hohenzollerischen Archivs, im Staatsarchiv Sigmaringen, ist. Verstreutes Archivgut ist in Archiven solcher Städte und Territorien zu finden, die einen Predigerkonvent beherbergten, welcher mit Stetten in Kontakt stand, so zum Beispiel Augsburg, Esslingen, Ulm, Frankfurt, etc. Ein ähnliches Schicksal muss eine wahrscheinlich existierende Klosterbibliothek ereilt haben, wobei viele Fragen dazu bislang nicht zu beantworten sind. Bekannt ist, dass ein großer Teil der ehemaligen Chor- und Gebetsbücher Eingang in die Fürstlichen Sammlungen fand, doch auch diese Codices wurden wiederum aus dem Zusammenhang gerissen. Zwei große Chorbücher, einzelne Gebetsbücher und Inkunabeln haben sich dort bislang identifizieren lassen. Inwiefern Codices und andere Bücher Stettener Provenienz von der Auflösung der Fürstlichen Sammlung 1928 betroffen waren, ist nicht erforscht. Die sogenannte Stettener Predigthandschrift, ein Band mit gesammelten Predigtnachschriften, die die Stettener Schwester Kunigunde von Reischach um 1518 mitgeschrieben hatte, verwahrt inzwischen die Württembergische Landesbibliothek. Eine Sammelhandschrift aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, die unter anderem eine ordinacio des Provinzial Ulrich Zehentner sowie Weisungen des Beichtvaters Thomas von Lampertheim enthält, befindet sich in der Studienbibliothek Dillingen.26 Ein Kopialbuch von 1702 befindet sich in der Hohenzollerischen Heimatbücherei Hechingen.27 Weitere möglicherweise nach Stetten zu ordnende Bücher, etwa der Codex cgm 168 der Bayerischen Staatsbibliothek, harren der Erforschung. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster Stetten liegt umsäumt von zwei Bächen in nördlicher Richtung unmittelbar am Fuße des Zollernkegels inmitten der gleichnamigen Ortschaft, die im Laufe des Mittelalters und der Frühen Neuzeit um das Kloster wuchs. Die Klosterkirche bildet dabei den nördlichen Flügel des Klausurgevierts; der Klostergarten schloss sich südlich an. Die Wirtschaftsgebäude und das Haus des Beichtvaters lagen westlich der Konventsgebäude. Die Johanneskapelle, ein einfacher Saal mit eingezogenem, gerade schließendem Chor befindet sich südlich der Kirche. Kirche und KonventsbautenBei der Klosterkirche von Stetten handelt es sich um eine einschiffige Saalkirche der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit einem vier Joche langen, kreuzrippengewölbten Chor, der im Osten in einem 5/8–Polygon schließt. Auf Höhe des Triumphbogens geht der Chor in ein sehr kurzes Langhaus über. Dies ist im Wesentlichen das Produkt einer spätbarocken Renovierung (um 1740/60), während der Chor bauzeitlich ist und um 1270/80 datiert. Zwischen dem Langhaus im Westen und dem Chor im Osten besteht somit ein beträchtlicher stilistischer Unterschied, der sowohl innen als auch außen auf Anhieb ins Auge sticht. Aufgrund dessen, dass der Chor beim barocken Umbau unberührt blieb, besitzt die Kirche in ihrem Chorhaupt drei hochgotische Fensterlanzetten mit einfacher Maßwerkfüllung. Das mittlere dieser drei jeweils rund zehn Meter hohen Chorfenster hat drei Bahnen, die beiden seitlichen sind zweibahnig. Diese drei Fenster waren zwischen ca. 1270/80 und 1823 mit bemalten, in die Bauzeit der Kirche zu datierenden Scheiben verglast. Das mittlere Fenster enthielt einen dreiteiligen typologischen Zyklus – in der Kunstgeschichte als Bibelfenster bezeichnet –, eines der Seitenfenster schilderte die Passion Christi, im gegenüberliegenden Seitenfenster war ein Ornamentteppich zu sehen. Im ausgehenden Mittelalter ist immer wieder von Bränden im Kloster die Rede, die sich bauhistorisch aber nicht nachweisen lassen. Die »Kunstdenkmäler« erwähnen zwar auf das frühe 16. Jahrhundert datierte Bausteine, da der Konventsbau aber 1898 einem Brand zum Opfer fiel, lassen sich diese Angaben nicht verifizieren. Von der Ausstattung der Klosterkirche hat indes vieles die Zeiten überdauert. So fand der in einzelne Tafelbilder zerlegte ehemalige Hochaltar seinen Weg in verschiedenen Museen, so unter anderem ins Fürstliche Museum nach Sigmaringen. Inwiefern Kunstwerke Stettener Provenienz von der Auflösung der Fürstlichen Sammlung 1928 betroffen waren, ist bislang nicht ermittelt. Verschiedene hölzerne Marienskulpturen befinden sich heute etwa im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen oder im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Das Sakramentshäuschen des ausgehenden 15. Jahrhunderts steht nach wie vor in der Klosterkirche. Im ausgehenden 16. Jahrhundert ließ Graf Eitelfriedrich II. die Johanneskapelle im Stil von →St. Luzen in Hechingen mit reicher Beschlagornamentik herrichten. Die einschneidendste Umbaumaßnahme fand im 18. Jahrhundert statt. Betroffen war vor allem die Klosterkirche, deren Raumdisposition dabei grundlegend verändert wurde. Fortan hatten die Nonnen ihren Chor nicht mehr ebenerdig vor dem Hochaltar, wie bisher, sondern auf einer neu geschaffenen Empore. Dafür wurde auch der Dachreiter von seiner Position mittig über dem Nordflügel weiter nach Westen auf dem First des Kirchendaches verrückt. Der Umbau hatte die Schaffung eines eigentlichen Kirchenschiffes zur Folge, das zuvor in dieser Form nicht existierte. Ausgetauscht wurden die Orgel und das Gestühl; ein Zugang zum neuen Nonnenchor auf der Empore neu errichtet. Angeschafft wurden Bänke für das Kirchenvolk sowie bei einem Augsburger Maler ein neuer Hochaltar. Die Handwerker und Künstler, die an der Barockisierung der Klosterkirche beteiligt waren, entstammten der Augsburger Gegend oder direkt aus Augsburg. Von der barocken Ausstattung befindet sich vieles noch in der Kirche. So zum Beispiel der Hochaltar, das Nonnengestühl, die Orgel und einige Skulpturen. Beim Klosterbrand Ende des 19. Jahrhundert brannte das Klausurgeviert nahezu komplett ab. Die Feuerwehr konnte mit großer Mühe ein Übergreifen der Flammen auf die Kirche verhindern. Zerstört wurde zudem ein herausragender Renaissancealtar, der sich in der Johanneskapelle befand und um 1600 von Graf Eitelfriedrich II. gestiftet wurde. Stilistisch hatte er große Ähnlichkeiten mit dem gleichfalls aus dieser Zeit stammenden Hochaltar der Schlosskirche in Haigerloch. Die Ruinen des Gevierts wurden anschließend abgetragen, die Kirche nach den ästhetischen Vorstellungen des Fürsten Leopold renoviert. Im 20. Jahrhundert fanden unter der Leitung der hohenzollerischen Landeskonservatoren verschiedene denkmalpflegerische Maßnahmen statt. Die bis heute letzte Generalsanierung der Kirche erfolgte 1990. Seither kümmert sich ein Förderverein um den Erhalt der Klosterkirche. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDas Bildprogramm des Bibelfensters war den typologischen Prinzipien zufolge so angelegt, dass zwei Typen aus dem Alten Testament einen Antitypus aus dem Neuen Testament flankierten. Die neutestamentlichen Szenen befanden sich in der mittleren Bahn; die alttestamentlichen Präfigurationen in den seitlichen Bahnen. Die Szenen der Seitenbahnen waren dabei in Vierpässen untergebracht, während Weinranken die Episoden der mittleren Bahn fast kreisrund umschlossen. Die Vierpässe der Seitenbahnen saßen auf einem Ornamentteppich, welcher sich durch die gesamte Höhe des Fensters zog und den Grund der jeweiligen Bahn bildete. Es waren aber zwei verschiedene Teppichmuster: Der Teppich, der die vom Betrachter aus gesehen linke Bahn enthielt, wies ein blütenähnliches Muster auf. Dagegen zeigte jener in der rechten Bahn farbige Rauten. Die unterste Zeile enthielt neben der sogenannten, sich heute in Schloss Stolzenfels (Lkr. Koblenz) befindlichen Stifterscheibe – eine Darstellung Friedrichs des Erlauchten von Zollern in fürbittender Haltung – die älteste bekannte farbige Darstellung des Zollernschildes, die sich heute in der Michaelskapelle der Burg Hohenzollern befindet. Beide Scheiben sind herausragende Zeugnisse der Glasmalerei des 13. Jahrhunderts. BibliographieQuellen: Fragmenta Necrologii Stettensis, in: MGH Necr. 1, S. 212–214; Haug/Kraus 1957. Handbücher und Lexika: AFA 16, S. 215–222 (Max Heinrichsperger); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 692 f. (Dagmar Zimdars); KDM Hohenzollern Bd. 1, S. 284–296 (Friedrich Hoßfeld); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Stetten im Gnadental bei Hechingen (Andreas Zekorn). Literatur: Werner 2002/03 (b); Arras 2024. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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