Bruchsal, Barmherzige Brüder 

Kurzbeschreibung:

1777 Gründung – 1813 Aufhebung – 1911 Abbruch der Anlage

Ordensgliederung: Deutsche Ordensprovinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes bei St. Guido, Landkapitel Bruchsal

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Barmherzige Brüder 0-0
Beschreibung:

Name: Kloster der Barmherzigen Brüder und Karl-Borromäus-Hospital [1778]

Geschichte

Kloster und Krankenhaus des Hospitalordens des Hl. Johannes von Gott in Bruchsal wurden durch eine Stiftung von August von Stirum, Fürstbischof von Speyer (1770–1797), ins Leben gerufen. Im Juli 1777 wurde die Stiftung förmlich gegründet und mit der »alten Schule« der nachmals permanente Standort des Hospitals bezogen. Zunächst waren zwölf Betten für »zivile« Kranke eingerichtet. 1781 verfügte das Hospital bereits über etwa 50 Krankenbetten. Die Fundation war aber zur Deckung des Betriebs nicht hinlänglich und die schlechte Finanzlage des Hochstifts Speyer führte ab den späten 1790er Jahren zu deutlichen Einschnitten; die Zahl der Fratres reduzierte sich auf sechs, die Bettenzahl auf zwölf. Bis dahin waren pro Jahr mehr als 300 Zivil- und etwa 200 Militärkranke im Hospital behandelt worden, mit beachtlich niedrigen Sterberaten (3 % bei den Zivilisten). Ungeachtet von Problemen mit der geistlichen Disziplin erbrachten die Barmherzigen Brüder beachtliche Leistungen im pflegerischen sowie im medizinisch-chirurgischen Bereich.

Ende 1802 gelangte Bruchsal an Baden. Auf den Bestand des Klosters hatte dies keinen unmittelbaren Einfluss. Sein Ende trat nicht durch staatliche Anordnung ein, sondern durch Austritte und Mangel an geeignetem Nachwuchs. Am 17. Februar 1813 erklärte das badische Ministerium des Innern das Kloster für aufgelöst, während das Spital weiterhin Bestand hatte. 1857 übernahm mit den Barmherzigen Schwestern wieder eine geistliche Gemeinschaft die Leitung des seit 1837 auch weiblichen Kranken offenstehenden Hospitals.

Bau- und Kunstgeschichte

Spital und Kloster lagen am Nordrand der Stadt, am Westrand der ehemaligen Vorburg der alten bischöflichen Burg, die damals als bischöflicher Bauhof genutzt wurde, auf einem leicht zur Stadtmauer hin ansteigenden Gelände. Der zugehörige Garten nahm einen Teil des Vorburgareals ein. Die 1911 abgebrochene Anlage ist durch einige Fotos und Lagepläne überliefert.

Der erste Konvent bezog 1776 die ehemalige →Jesuitenresidenz (Kaiserstraße 65), die nach der Aufhebung des Ordens 1773 zum Bürgerspital gekommen war. Das zweigeschossige, 14–achsige Spital- und Klostergebäude wurde nach einem Plan des Hofarchitekten Johann Nicolaus Schwartz 1777 erbaut und am 13. Juli des Jahres bezogen; in den Bau einbezogen wurde ein älteres Schulhaus. Die lange, verputzte Fassade war zur Spitalgasse (heute: Am alten Schloss) hin ausgerichtet. Das rundbogige Hauptportal war fast mittig angeordnet und durch einen flachen, übergiebelten Risalit hervorgehoben. Außengestalt wie Inneneinrichtung wurden im Übrigen mit großer Sparsamkeit erbaut. Im Erdgeschoss befanden sich die Pfortenstube, die Kapelle mit der Sakristei, das beheizbare Refektorium und die Küche sowie fünf Zellen für die Brüder. Im Obergeschoss war der große, mit einem Ofen beheizbare Krankensaal für 34 Betten eingerichtet sowie ein Extrakrankenzimmer, außerdem je zwei Zimmer für den Provinzial und für den Prior, zwei Gästezellen und zwei Zellen für die Brüder. Die Bettladen waren aus hygienischen Gründen blau gestrichen und wiesen Vorhänge auf. 1799 wurde der Krankensaal unterteilt, um ihn besser heizen zu können. Eine Badestube und eine Wasserversorgung im Haus selbst fehlten; das Spital entsprach damit schon zur Bauzeit nicht den gehobenen Standards.

Am 8. Mai 1780, dem Festtag des Ordensheiligen St. Johannes in Deo, wurde der Grundstein zu einer Kapelle gelegt, die am stadtseitigen Südende des Spitals stand; am 21. Dezember 1781 konnte sie mit drei Altären konsekriert werden. Der schmucklose, aber durch seinen ovalen Grundriss ausgezeichnete Bau war vom Marktplatz her sichtbar; an das Schiff schloss ein kurzer, nach Osten gerichteter Altarraum an. Das südseitige Portal war von korinthischen Säulen gerahmt. Ein zentral auf dem Mansardwalmdach aufragendes Glockentürmchen wurde für die 1797 bei Johann Schneidewindt (Frankfurt) gegossene Glocke gebaut. Altäre, Gestühl und liturgisches Gerät wurden nach der Profanierung der Kapelle 1827 versteigert; ihr Verbleib ist ungeklärt.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KDM Bd. 9,2, S. 48 f. (Hans Rott); kloester-bw, Barmherzige Brüder Bruchsal (Carlos Watzka).

Literatur: Birnstiel 1789; Hirsch 1911; Wetterer 1920; Strohmayer 1978; Adam 2006.

Anmerkungen

Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Carlos Watzka [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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