Grünenberg, Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1282 Einsiedlerbrüder – 1307 letzte Erwähnung von zwei Einsiedlern – nach 1307 Schwesternklause – 1436 erste gesicherte Erwähnung – 1631 Öffnung des Grabes von Elsa, der Guten Klausnerin – 1803 Aufhebung – bis 1830 Abbruch der Anlage

Patrozinium: Anna
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Engen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Eremiten 1282-1307
  • Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen 1307-1803
Beschreibung:

Name: ze dem Gruenenberge […] fratribus Wernhero et Cuonrado heremitis (1282);1 die muotter und die schwestren […] des gotzhuß der closen im Gruenenberg (1487);2 den gaistlichen muuter und swestren […] der klusen und gotzhus im Grienenberg sanndt Franciscus orden (1522);3 gottes hauß Grünenberg bey St. Anna ordinis St. Francisci am unteren Boden-See (um 1740);4 closterjungfrauen S. Annae zu Grienberg unweit Constanz am Boden-See (um 1745/55)5

Geschichte

Am Nordhang des Schienerbergs, nahe dem auf der Bodenseehalbinsel Höri gelegenen Pfarrdorf Weiler, erhebt sich ein »Schlossberg« genannter Bergrücken, dessen Seiten steil abfallen. Hier errichteten die Ritter von Grünenberg eine Burganlage, von der heute so gut wie nichts mehr erhalten ist. Die Herren von Grünenberg gehörten zum Konstanzer Patriziat, mit ihnen eng verwandt waren die Herren »aus der Höri«.

Im Jahr 1282 gab Bischof Rudolf von Habsburg-Laufenburg (1274–1293) seinem Ministerialen Berthold aus der Höri die Zustimmung zum Verkauf von dessen Gut ze dem Gruenenberge an die Eremitenbrüder Wernher und Konrad.6 Die Eremitenklause lag am Fuß des Burgbergs im engen, von Wald umgebenen Tal. Noch zwischen 1301 und 1307 lebten dort zwei Einsiedler, die dem →Stift St. Johann in Konstanz zur Abgabe von jährlich 4 Schillingen und 120 Eiern verpflichtet waren. Erst in einer franziskanischen Chronik des späten 17. Jahrhunderts werden die Brüder als Begarden oder Lödtbrüder (fratres eremicolae beghardi, germanice lödtbrüder) bezeichnet.7

Bald nach 1307 siedelten sich Schwestern in der abgeschiedenen Klause an. Sie wurden aber bald wieder von dort vertrieben, denn für das Jahr 1334 wird in einer Chronik berichtet, dass die Schwestern vom Grünenberg in den Beginenverfolgungen von Papst Johannes XXII. (1316–1334) – ebenso wie die Frauen in Neuhausen auf den Fildern und Margrethausen – ihren Konvent verlassen mussten.

Nach der frühesten gesicherten Nachricht erhielt das Kloster 1436 für zwei Jahre die Vollmacht, dass ein Geistlicher im Haus an einem Tragaltar die Messe feiern dürfe. In den 1440er Jahren scheint ein Ausbau erfolgt zu sein: 1446 erteilte der Bischof die Genehmigung, dass die Schwestern das Allerheiligste in ihrer, der Hl. Anna geweihten Kapelle aufbewahren dürften, 1449 gestattete er dem Kloster, einen eigenen Friedhof anzulegen, und im selben Jahr konsekrierte der Konstanzer Weihbischof Johannes von Blatten (1440–1461), ein Franziskaner, die Kapelle.

Die frühneuzeitliche Chronik des Franziskaners Berard Müller († 1704) berichtet, dass ein Konrad Wolfgang von »Lautfriedingen« (Leipferdingen?), seine Ehefrau Adelheid und sein Sohn Konrad 1355 mit Stiftungen die Errichtung von Klostergebäuden für den wachsenden Konvent ermöglicht haben. Nach derselben Chronik habe der Edle Albert Hübschlin von Ravensburg, der damals die Burg Grünenberg bewohnte, dem Kloster im Jahr 1380 größere Besitzungen gestiftet.

1631 ließ der Provinzial Ludwig a Musis (Ungelert) mit Zustimmung des apostolischen Nuntius das Grab der Schwester Elsa, umgangssprachlich Elza, die gute clausnerin8 öffnen, und die wohlerhaltenen Gebeine, die zugleich – so die Chronik – einen angenehmen Duft verbreitet hätten, in einem Schrein aus Ebenholz bestatten. Ihr Grab war das Ziel von Wallfahrten, es gab Berichte von Wundern. In der späteren Chronistik wurde Elsa als erste Vorsteherin des Terziarinnenklosters (mater et magistra) verehrt (omnium virtutum exemplar). Die Gründung der Gemeinschaft sei in enger Verbindung mit dem Orden geschehen. Diese Deutung dürfte eine Rückprojektion aus der Frühneuzeit in das Spätmittelalter sein; ähnliche Schilderungen sind auch bei anderen Frauenkonventen (→Adelheiden, Reute bei Waldsee) belegt und dienten der sakralen Absicherung der Gemeinschaften. Zwar wurde die Selig- und Heiligsprechung der »guten« Elsa immer wieder betrieben, offiziell ist sie aber nicht einmal seliggesprochen worden.

Das Kloster Grünenberg war von Beginn an von allen Steuern befreit, außer der Abgabe von einem halben Pfund Wachs an die Kapelle der Burg Gaienhofen und 4 Pfennig an den Leutpriester von Horn. Dieses Privileg wurde 1467 bestätigt. Die Schwestern mussten für ihren Unterhalt arbeiten oder Almosen sammeln und für Baumaßnahmen an den Klostergebäuden Bettelbriefe schreiben. Ab dem 16. Jahrhundert erlaubten Stiftungen und Schenkungen den Erwerb weiterer Grundstücke, 1614 konnten die Schwestern die Klosterkirche erweitern.

1693 besaß das Kloster 90 ar Reben, 7 ha Äcker, 2 ha Wiesen und 2,6 ha Wald sowie ein Haus mit Kraut- und Baumgarten und Mühlenrecht in Weiler, dazu zählte der (halbe) Hof Langenmoos, den der Konvent 1672 und 1679 als Lehen der Freiherren von Ulm erhalten hatte.9 1768 ließ das Kloster mit herrschaftlicher Unterstützung eine Mühle in Weiler erbauen.10 In einem 1803 angefertigten Verzeichnis werden der jährliche Ertrag mit 1.369 Gulden, die festen Ausgaben mit 1.084 Gulden angegeben. Die Schwestern lebten demzufolge unter ärmlichsten Umständen und hatten zudem in den Napoleonischen Kriegen unter Einquartierungen sehr gelitten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es 15 Schwestern im Konvent, ihre Zahl ging bis 1794 auf neun zurück. Beichtvater war ein Mönch aus dem →Konstanzer oder →Überlinger Minoritenkonvent. 1803 fiel das Kloster Grünenberg an den Deutschen Orden und wurde aufgelöst. Die nur noch fünf Schwestern durften weiterhin im Kloster wohnen. 1808 kam der Besitz an Baden, 1812 zogen die Schwestern nach Konstanz, die Kirche wurde profaniert. 1813 wurden die Klostergebäude und Fahrnisse versteigert, 1830 die letzten Reste abgebrochen. Der Konvent dürfte über keine nennenswerte Bibliothek verfügt haben. Einige Urkunden und Akten aus dem Klosterarchiv kamen ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe.11

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster lag am Nordabhang des Schienerbergs im Talgrund des Nettenbachs unterhalb der Burg Grünenberg, 1 km südlich von (Moos-)Weiler. Die Anlage ist nach 1830 vollständig abgegangen. Die Baugestalt der 1449 geweihten, 1614 vergrößerten Kapelle sowie des nach dem Brand von 1660 bis 1667 erneuerten Klosters sind unbekannt. 1732 wurden Kloster und Kirche neugebaut. Ein Gemarkungsplan von 1783 zeigt eine breite Saalkirche,12 an die das zweigeschossige Klostergebäude axial anschloss. Es wies Zellen für 20 Klosterfrauen sowie sechs Infirmariezellen auf. Außerdem gab es ein Haus für die Dienstboten mit Waschhaus und Stall sowie ein Beichtigerhaus für den Priester.13 Das Klosterareal war entsprechend der Talsituation etwa dreieckig ummauert. Orgel, Kanzel, drei Altäre, Glocke und Messbücher wurden nach Weiler gegeben, liturgisches Gerät und 24 Messgewänder 1813 versteigert. In der katholischen Pfarrkirche Weiler sind das verehrte gotische Kreuz aus der Zeit um 1330, eine Glocke von 1536 und eine Tür von 1533 aus Grünenberg erhalten; die barocke Kanzel wurde dort 1969 abgebaut. Nach Rielasingen gelangten eine barocke Lavabogarnitur mit einer idealisierten Darstellung des Klosters (Abb. 3) sowie Kerzenhalter und Messgewänder.

Bibliographie

Quellen: Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 632 f.; Müller/Tschan 1964, S. 76–78.

Handbücher und Lexika: AFA 16, S. 65–78 (Franz Götz); KB Konstanz Bd. 3, S. 332 f. (Anneliese Müller); KDM Bd. 1, S. 73 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw.de, Grünenberg (Stephanie Zumbrink).

Literatur: Walchner 1840; Staiger 1876; Stengele 1886; Götz 1969; Wilts 1994, S. 335 f.; Götz 1997; Hofmann 1997; Stege 1997.

Anmerkungen

  • 1 GLA 5 Nr. 4645 (11. 5. 1282).
  • 2 GLA 5 Nr. 12946 (13. 3. 1487).
  • 3 GLA 5 Nr. 2793 (18. 3. 1522).
  • 4 Andachtsbild der sel. Elsa, um 1740, Pfarrkirche Weiler.
  • 5 Heiligenbildchen der sel. Elsa, um 1745/55, ÖNB.
  • 6 GLA 5 Nr. 4645 (11. 5. 1282).
  • 7 Müller/Tschan 1964, S. 76.
  • 8 Zur Öffnung des Grabes mit Abschrift der Urkunde: Müller/Tschan 1964, S. 76 f.
  • 9 GLA 5 Nr. 9901 f.
  • 10 GLA 229 Nr. 110990 (1768), 111023 (1788).
  • 11 Historische Notizen zur Geschichte des Klosters: GLA 229 Nr. 31098.
  • 12 Hermann-Hesse-Museum, Gaienhofen.
  • 13 AFA 18, S. 31 6-318
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Franz Hofmann [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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