Frauenberg, Zisterzienser
| Kurzbeschreibung: | 1307/09 Stiftung durch die Herren von Bodman – 1309 Weihe der Kapelle – 1802 Säkularisation – 1811 Erwerb der Anlage durch die Freiherren von Bodman Patrozinium: MariaOrdensgliederung: Wallfahrtskapelle und Pflege der Zisterzienserabtei SalemKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Stockach |
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| Beschreibung: | Name: capella Beatissime Marie Virginis super lacum posita, quae quondam castrum Podem, nunc autem mons Beate Marie Virginis, mutato nomine, nuncupatur (1309);1 gotshuss uff Unser Lieben Frowen berg zu Bodmann (1443)2 GeschichteNach dem Brand der alten Burg Bodman 1307, bei der, so die Legende, nur der Stammhalter der Herren von Bodman gerettet werden konnte, wurde die Anlage nicht wiederaufgebaut, sondern Ritter Johann von Bodman schenkte das Gelände der Abtei →Salem mit der Auflage, dass dort zwei Mönche ihren Wohnsitz nehmen und täglich für das Seelenheil der verstorbenen Vorfahren eine Messe lesen sollten.3 1309 erfolgte die Weihe der Kapelle mit zwei Altären. Die Verleihung von Ablässen schloss sich an.4 Für 1315 und 1336 sind weitere Güterschenkungen an den Frauenberg belegt. Im späten Mittelalter entwickelte sich eine Wallfahrt, deren Blütezeit in das 17. und 18. Jahrhundert fiel. Kristallisationspunkt bildete das aus dem späten 15. Jahrhundert stammende Gnadenbild der Maria Bodmanorum. Seit dem Spätmittelalter war der Frauenberg Sitz einer salemischen Pflege, die den örtlichen Grundbesitz verwaltete. Nach der Säkularisation fiel der Frauenberg zunächst an die badische Standesherrschaft Salem und war kurzzeitig 1806–10 im Besitz des Königreichs Württemberg, bevor 1811 Freiherr Johann Franz von und zu Bodman den Besitz für die Familie zurückerwerben konnte. Die Urkunden gelangten ebenfalls ins Bodmansche Archiv. Die Kapelle wurde 1822 auf Betreiben des Erzbistums Freiburg profaniert. Das Gnadenbild kam in die Kirche zu Bodman, wo es 1858 bei einem Brand vernichtet wurde. 1865 erfolgte die erneute Weihe der Kapelle, zu der auch wieder Wallfahrten einsetzten. Bau- und KunstgeschichteLageDer Gebäudekomplex erhebt sich in eindrücklicher, isolierter Lage auf einem sehr schmalen, dreiseitig steil abfallenden Bergsporn am Nordrand des Bodanrücks, ca. 200 m über dem Ort Bodman und dem Überlinger Arm des Bodensees, ca. 350 m östlich der auf einem benachbarten, ebenso steilen Sporn in gleicher Höhenlage stehenden, nach 1307 erbauten Burg Alt-Bodman (seit 1643 Ruine). Das Konventshaus mit integrierter Wallfahrtskapelle nimmt den hangseitigen Südteil des Bergsporns ein, der im 17./18. Jahrhundert unbewaldet war. Im Norden schließt ein kleiner Hof mit Back- und Waschhaus an; Scheune, Stall und Rebhaus lagen unterhalb der Anlage beim Dorf Bodman. Zugänglich ist der Frauenberg durch einen von Bodman hinaufführenden Fußweg sowie von Süden her vom einsam gelegenen Hof Bodenwald aus. Der Zuweg führte ursprünglich über den ehemaligen Halsgraben hinweg in einen Hocheingang der Südfassade, im 17. Jahrhundert dann entlang der Ostseite des Konventsgebäudes in den Hof. Kirche und KonventsbautenDie ungewöhnlich gut erhaltene barocke Anlage besteht aus einem einzigen dreigeschossigen Gebäude von ca. 35 m × 14 m Größe, das von einem hohen Satteldach zwischen Treppengiebeln bekrönt wird. Die unregelmäßige Fensteranordnung folgt der Innenraumaufteilung; nach Osten springt die polygonale Apsis der Kapelle vor die Bauflucht vor; sie trägt einen kleinen Glockenturm. In der heutigen Anlage, einem weitgehenden Neubau von 1610–13 durch die Abtei Salem, sind, wie die unregelmäßigen Mauerfluchten erkennen lassen, Überreste der um 1307 abgebrannten hochmittelalterlichen Burg (castrum […] antiquum in villa Bodmen situm)5 und der 1309 geweihten6 Kapelle erhalten, mit der nach einer Ansicht von 1612 der gesamte Sporn überbaut war. Nicht genauer fassbar ist bislang auch der Bauzustand des 16. Jahrhunderts, als am 20. Januar 1515 die Kapelle mit zwei Nebenaltären neu geweiht wurde.7 Das Erdgeschoss nimmt vom Hof aus zugängliche Kellerräume auf, unter anderem einen über zwei spätgotischen Säulen kreuzgewölbten Keller, der in der Barockzeit als Kerker des Hl. Otmar galt. Auch das erste Obergeschoss ist heute nur vom Hof aus zu erreichen. Östlich des Hausgangs befinden sich die 1615 wiedergeweihte Otmarskapelle, Refektorium, Küche, Vorratsraum und Sakristei; im Süden liegt die zwei Geschosse hohe, 1615 geweihte Kapelle.8 Die Innenräume haben ihre Frühbarockausstattung mit Türen, Fenstern und Gemälden bewahrt, in der Kapelle mit gotisierendem Maßwerk. Im zweiten Obergeschoss sind drei beheizbare Zellen, zwei Kammern sowie eine obere Sakristei untergebracht; nach Westen hin ist der zweigeschossige Aborterker angebaut; die Räume wurden 1754 neu ausgestaltet.9 Zwischen 1994 und 1996 wurde die Anlage umfangreich renoviert. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDer Altarraum war mit einem Credo-Programm ausgemalt (Matthäus Riedinger aus Meersburg, 1612/13). Am 16. August 1676 wurde der damals erneuerte Hochaltar wiedergeweiht.10 Einer nachfolgenden Neuausstattung von Kapelle und Sakristei 1705–15 entstammen der Altar mit viersäuligem Aufbau, in den das spätgotische Gnadenbild der Muttergottes eingestellt ist, die Bänke und die Stuckdecken (Balthasar Bernwarth aus Salem) sowie Kanzel und Empore.11 Das Stiftungsbild von 1612 (unter der Empore) zeigt die Bodmanschen Familienmitglieder und das Wunder. Einige barocke Votivbilder hängen im Hausgang. Der bronzene Dreibeinkessel, in dem Johannes von Bodman als Kind einen Brand überlebte, und liturgisches Gerät der Barockzeit werden im Schloss Bodman bewahrt. Ein großes gemaltes Epitaph und die Tabernakeltür gelangten im 19. Jahrhundert von Salem auf den Frauenberg. BibliographieQuellen: Halbekann 2001, S. 51–55, 273. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 110 (Dagmar Zimdars); KB Konstanz Bd. 4, S. 493 (Anneliese Müller); KDM Bd. 1, S. 463 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Zisterzienserniederlassung Frauenberg (Hildegard Bibby). Literatur: Welker 1985; Bodman/Jacobs/Waibel 1997; Bodman 42021. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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