Bruchsal, Kapuziner 

Kurzbeschreibung:

1669 Ansiedlung – 1670–1674 Bau der Kirche – 1680 Weihe – 1833 Profanierung der Kirche – 1840 Tod des letzten Paters – 1880 Abbruch der Klosteranlage

Patrozinium: Hl. Kreuz, Gottesmutter Maria, Franziskus, Antonius von Padua
Ordensgliederung: Rheinische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes bei St. Guido, Landkapitel Bruchsal

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kapuziner 1669-1833
Beschreibung:

Name: conventus Bruchsaliensis (1750)1

Geschichte

Historische Entwicklung

Das Bruchsaler Kapuzinerkloster befand sich am Südrand des Steinsberg in der heutigen Huttenstraße 47. Im Jahr 1669 hatte der Speyerer Fürstbischof Lothar Friedrich von Metternich (1652–1675) die Kapuziner berufen, um den katholischen Glauben zu verbreiten und dem Priestermangel zu begegnen, wobei er auch den Wunsch der Stadt nach einem Kloster aufgriff. Die ersten drei Brüder, zwei Patres und ein Laienbruder, stammten aus dem Mainzer Konvent, ihre Wohnung hatten sie in der bischöflichen Burg. Schon im Folgejahr bemühte sich der Bischof darum, die Missionsstation, die zur Rheinischen Kapuzinerprovinz gehörte, zu einem Konvent mit Kirche aufzuwerten, wofür er schließlich die päpstliche Genehmigung erlangte.2 Von den beiden angebotenen Plätzen wählten die Kapuziner nicht den Ort im Stadtinneren, sondern den etwas außerhalb gelegenen ehemaligen Hof des Zisterzienserklosters Herrenalb, an dem sich noch eine frühere Kapelle befand. Erster Vorsteher wurde Pater Eberhard von Cochem, der zusammen mit seinen Mitbrüdern am 5. April 1671 das fertige Konventshaus bezog. Nach der Konstituierung des Konvents durch den Ordensgeneral wurde Hugo von Cochem, der Bruder Eberhards, 1677 erster Guardian.

Die Kirche des Klosters wurde zu Ehren des heiligen Kreuzes, der Gottesmutter Maria, des heiligen Franziskus und des heiligen Antonius von Padua errichtet. Ihre Weihe verzögerte sich nach der Fertigstellung 1673 um mehrere Jahre, da die bauliche Gestaltung nach Ansicht des Ordensgenerals nicht dem Geist der Armut und der Einfachheit entsprach. War das Kloster bei den Zerstörungen der Stadt in den Jahren 1676 und 1689 noch verschont geblieben, so erlitt es bei einem erneuten französischen Überfall im März 1690 schwere Brandschäden. Der Wiederaufbau dauerte etwa neun Jahre, Spenden waren durch die Verwüstungen in Stadt und Umland nur schwer zu bekommen. Die Patres wohnten in der Zwischenzeit in einem Holzschuppen und nutzten ihre Küche als Kapellenraum. Die folgenden Jahre brachten eine langsame Besserung der Verhältnisse. 1720 umfasste der Konvent 10 Patres und einige Brüder.

Die ursprüngliche Grundsteinlegung der Kirche hatte in Anwesenheit der Stadtbevölkerung Bischof Metternich persönlich vorgenommen. Auch in der Folgezeit blieb es bei den guten Beziehungen, wählten sich doch alle Speyerer Bischöfe einen Kapuzinerpater als Beichtvater. Die Bischöfe wohnten dem Gottesdienst in der Klosterkirche bei oder zelebrierten selbst und nutzten das Kloster als Rückzugsort für geistliche Übungen. Der zum Kardinal aufgestiegene Bischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim (1719–1743), unter dem Bruchsal zur Residenzstadt wurde, ließ 1721/22 am Kloster ein eigenes Oratorium errichten. Hier ruhten für zwölf Jahre seine sterblichen Überreste, bis sie in die neu errichtete Peterskirche überführt wurden. Zeitweilig kam es jedoch zu einer Trübung des Verhältnisses zwischen Kapuzinern und Bischof: Im Jahr 1733 wurde unter Bischof Schönborn ein Pater wegen Kritik an einer Hinrichtung des Bistums verwiesen und die Kapuziner für einige Zeit vom Predigerdienst an der Hofkirche abberufen, ein Vorgang, der sich in ähnlicher Form unter den beiden Nachfolgern wiederholte. Einen letzten Glanz erlebten die Bruchsaler Kapuziner im August 1795, als Bischof August von Limburg-Stirum (1770–1797) in ihren Hallen sein fünfundzwanzigjähriges Bischofs- und sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum feierte.

Das Kloster kam 1802 an Baden. Anstelle der im Folgejahr vorgesehenen zeitnahen Aufhebung war drei Jahre später zunächst der Fortbestand geplant. Die ausbleibenden Neueintritte und das folgende Novizenaufnahmeverbot machten Bruchsal jedoch zu einem Aussterbekloster, das dennoch vergleichsweise hohe Staatszuschüsse erhielt. Ende 1819 lebten noch sieben Brüder vor Ort, sechs Patres und ein Laienbruder im Alter zwischen 65 und 83 Jahren. Der letzte von ihnen, Pater Wenzeslaus Zugelder, bestand auch nach dem Verkauf der Klostergebäude an den badischen Staat im Jahr 1827 auf seinem Wohnrecht und feierte in der Kirche regelmäßig die Messe. Erst 1833 ließ er sich zum Umzug in eine Privatwohnung bewegen, wo er sieben Jahre später starb. Die Kirche wurde nach seinem Auszug entweiht und in der Folgezeit zunächst als Theatersaal und nach Ankauf durch die Stadt seit 1842 als Armenhaus genutzt. 1880 erfolgte schließlich der Abbruch des Klosters und der Bau des städtischen Versorgungsheims (Waisen- und Pfründnerhaus), das in den 1970er-Jahren zu einem Altersheim umgestaltet wurde. Die auf dem Ordensfriedhof aufgefundenen Gebeine wurden 1880 auf den an der Peterskirche gelegenen Friedhof umgebettet.

Besitz und Wirtschaft

Das Kapuzinerkloster erfuhr von den Speyerer Bischöfen eine kontinuierliche Förderung, ihre regelmäßigen Almosen und außerordentliche Zuwendungen sicherten das Überleben des Konvents. Schon die Kosten des Kirchenbaus hatte Bischof Metternich übernommen, an den Baumeister gingen 275 Gulden sowie 60 Malter Getreide und zwei Ohm Wein. Außerdem schenkte der Bischof dem Kloster einen angrenzenden Weingarten und eine Glocke. Bei Renovierungen, wie sie 1738/40 und 1775/77 notwendig wurden, sprangen die Bischöfe finanziell ein, und auch die 3.500 Gulden für den Kauf eines Hauses in Karlsruhe stammten aus ihren Mitteln. Weitere Unterstützung kam aus der Stadt, die unmittelbar nach der Gründung zwei auf ihrem Gebiet entspringende Quellen dem Kloster zuleitete und so die Trinkwasserversorgung der Mönche sicherte. Für Bauten wurde gratis Holz geliefert und der Weg zum Kloster ausgebessert und erneuert. Vielfach kam es zu Spenden und Vermächtnissen, die – ob klein oder groß – in der Klosterchronik verzeichnet wurden.3 Besonders tat sich der Kaufmann und Stadtrat Johann Baptist Prestinari hervor, der unter anderem den Bau der 1746 geweihten Kapelle zu Ehren der Muttergottes finanzierte. Die Tochter des städtischen Apothekers, der den Kapuzinern Arzneien umsonst zur Verfügung stellte, fand sogar ihre letzte Ruhestätte in der Kapelle.

Religiöses und kulturelles Wirken

Die Kapuziner entfalteten sogleich nach ihrer Ankunft eine rege tätigkeit in h. messen lesen, predigen, christliche unterweisung bekehrung der ketzeren, administrirung der H. sacramenten, versehung der kranken, beystehung der sterbenden etc., wie die Stadt 1687 lobend hervorhob.4 Von 1689 an übernahmen sie zehn Jahre lang die Bruchsaler Pfarrei und auch in anderen Zeiten der Not halfen sie hier immer wieder aus. Erstmals legten sie dabei ein Taufbuch an, später auch ein Trau- und Totenbuch. Die Patres predigten aushilfsweise in der Stiftskirche und feierten in der Brückenkapelle zwei Wochenmessen. Mit der Schenkung von zwei Kreuzpartikeln durch Bischof Johann Hugo von Orsbeck (1675–1711) im Jahr 1681 entwickelte sich die Kapuzinerkirche langsam zu einem Wallfahrtsort, der von der Bevölkerung der Stadt und der Umgebung in Prozessionen aufgesucht wurde. Der 1731 verfolgte Plan, hierfür einen eigenen Wallfahrtsweg mit sieben Stationen der Passion Christi einzurichten, kam dagegen nicht zur Ausführung, vielleicht wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Bischof über die Ausgestaltung. Im ausgehenden 18. Jahrhundert übernahmen die Patres auch die Betreuung der Marianischen Männer-Kongregation und waren verstärkt in der Gefängnis-Seelsorge tätig. Nach der französischen Revolution gewährten sie zahlreichen Geistlichen aus Elsass und Lothringen für mehrere Jahre Unterkunft in ihrem Kloster.

Die Kapuziner sorgten sich außerdem um die Katholiken in den angrenzenden Gebieten. So verwalteten sie zeitweise die Pfarrei Oberöwisheim und Bretten und unterhielten dort Missionsstationen, in Helmsheim, Heidelsheim und andernorts übernahmen sie für längere Zeit ganz die Pfarrseelsorge oder halfen aus. In Durlach feierten sie den Gottesdienst und in →Karlsruhe richteten sie ein Hospiz ein. Auch die Etablierung einer Schule für die katholischen Kinder 1736 ging auf den Einsatz der Patres zurück. Gemäß der bischöflichen Vorgabe widmeten sie sich vor Ort intensiv der Missionierung der Protestanten im Landkapitel Bruchsal. Für die Zeit von 1711 bis 1723 verzeichnet eine Klosterchronik 87 Konversionen, die wohl vor allem Karlsruhe betrafen. Von 1753 an betreuten zwei Kapuziner außerdem die Kapelle auf dem Michaelsberg bei Untergrombach, die ein beliebtes Wallfahrtsziel war. Die diesbezügliche Entlohnung durch den Bischof war mit zahlreichen Auflagen verbunden, darunter die tägliche Messfeier.

Bibliothek und Archiv

Zur Bibliothek liegen keine Informationen vor. Die archivalische Überlieferung zum Kloster befindet sich heute im Archiv der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz in Altötting und im Generallandesarchiv Karlsruhe.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster wurde östlich außerhalb der Stadt an der ins Saalbachtal führenden Straße erbaut. Es stand am Hang des Steinsbergs etwas erhöht über dem Straßenniveau, die Kirche war quer zur Straße nach Norden ausgerichtet. Die Klausur lag im Osten, und die Südmauer des Kreuzgangs bildete zugleich die Stützmauer zur Straße hin. In der Kirchenfassade öffnete sich ein Kellerportal, während Treppen nach Westen zur Kirche und nach Osten zum Kloster hin aufstiegen. Die 1880 abgebrochene Anlage ist durch Pläne und Ansichten sowie durch knapp dokumentierte Grabungsbefunde von 1977 überliefert.

Der im 13. Jahrhundert an dieser Stelle gegründete, 1545 an das Bistum Speyer verkaufte Stadthof des Zisterzienserklosters Herrenalb hatte mit Heiligkreuzkapelle und Kelterhaus 1669 die erste Niederlassung der Kapuziner aufgenommen; Baureste waren möglicherweise in Kellerräumen bis 1977 erhalten. Das neue Kloster, zu dem am 13. März 1670 der Grundstein gelegt wurde, entsprach typischen Kapuzinerklöstern. Die Kirche war eine breite Saalkirche mit rechteckigem Altarraum; an den Flanken des Triumphbogens standen die beiden Nebenaltäre. Die Kanzel war wie üblich vom Kreuzgang aus zu erreichen. Hinter dem Hochaltar schloss sich der Psallierchor des Konvents an, in dessen Obergeschoss die Bibliothek untergebracht war. 1722 ließ Bischof Damian Hugo von Schönborn an der Westseite des Altarraums ein Oratorium erbauen, es war mit einer Begräbnisgruft und einer neuen Sakristei verbunden. An das Kirchenschiff wurde 1744–46 im Norden eine große, mit drei Altären versehene Kapelle angebaut, die der Bruchsaler Handelsmann und Ratsverwandte Johann Baptist Prestinari gestiftet hatte,5 mit eigener Sakristei und einem Verbindungsgang zu Oratorium und Sakristei neben dem Chorraum. Außen war der nur von einem Dachreiter bekrönte Kirchenbau nicht ganz schmucklos; das Kirchenschiff wies Strebepfeiler auf, und an der Westfassade rahmten die Fenster ein großes Relief mit dem fürstbischöflichen Wappen und der Grundsteinlegungsnachricht zum 17. September 1672. Die Anordnung der Fenster in zwei Reihen wurde vom Ordensgeneral beanstandet.

Östlich der Kirche lag der vierflügelige Kreuzgang, der in ungewöhnlicher Weise auf der Außenseite von Nord- und Ostflügel der Klausur herumgeführt wurde. Im zweigeschossigen, an die Kirche grenzenden Nordflügel befanden sich im Erdgeschoss das beheizbare Refektorium, die Speisekammer und die Küche, anfangs auch die Sakristei, im Obergeschoss die Zellen der Mönche. An der Nordostecke sprang der Abort vor. Der Wiederaufbau nach der Brandzerstörung von 1690 behielt diese Konzeption bei; das Klostergebäude war nun dreigeschossig. Der 1713 erbaute Ostflügel nahm die Pforte, die Infirmarie und die Verwaltung auf, im Erdgeschoss waren dort Zellen für Gäste untergebracht. Die Pforte lag in einem nach Südosten hin vorspringenden Gebäudeteil. Im Wirtschaftshof östlich der Klausur gab es einige Schuppen; dahinter folgte ein langgestreckter Garten. Die Klostermauer umschloss hangaufwärts und nach Westen hin weitere terrassierte Gärten und Weinberge, auch südlich der Kirche besaß der Konvent eine größere Gartenfläche. 1726 wurde gegenüber der Klosterkirche die noch bestehende Heilig-Grab-Kapelle erbaut (Ecke Huttenstraße/Kapuzinergarten). 1731 plante der Konvent den Bau eines Kreuzwegs mit barocken Skulpturengruppen zwischen Stadttor und Kloster.

Der Verbleib der nach 1833 verkauften Ausstattung ist weithin ungeklärt; am Ort erhalten sind eine Kreuzwegstation und eine Statue des Hl. Antonius. Die drei Altäre der Kirche könnten in die Pfarrkirche St. Wendelin in Waldbronn-Reichenbach gelangt sein. Ein Gemälde der Muttergottes, der Wappenstein von der Kirchenfassade und Funde der Grabungen von 1977 werden im Städtischen Museum Bruchsal bewahrt.

Bibliographie

Quellen: Hierotheus Confluentinus 21750, S. 32.

Handbücher und Lexika: KDM Bd. 9,2, S. 45–48 (Hans Rott); kloester-bw, Kapuzinerkloster Bruchsal (Andreas Büttner).

Literatur: Mayer 1901; Manz 1979, S. 16–20; Hümmerich 1987, S. 380–387, Abb. 238–241; Zeh 2006.

Anmerkungen

  • 1 Hierotheus Confluentinus 2 1750, S. 32.
  • 2 Remling 1854, S. 541.
  • 3 GLA 65 Nr. 136: Chronica Conventus Capucinorum Brugsaliensis.
  • 4 Zitiert nach Manz 1979, S. 241 f.
  • 5 GLA 236 Nr. 19601, 19684
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Büttner [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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