Sölden, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

1115 von Bollschweil nach Sölden verlegt – 1591 Übertragung der Propstei an St. Peter – 1598 Inkorporation nach St. Peter – 1807 Aufhebung

Patrozinium: Fides, Markus, Agatha
Ordensgliederung: Priorat von Cluny, Provinz Alemannia/Lotharingia; 1591/98 Propstei der Benediktinerabtei St. Peter
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach

Ortsbezüge:
  • Sölden
  • Sölden, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Ordensregel:
  • Cluniazenserinnen 1115-1591
  • Benediktiner 1591-1807
Beschreibung:

Name: cenobium (monasterium) apud (in) Selidin (Seleden) (1115);1 domus (prioratus) de Seliden (1259);2 des gotzhuses von Selden zinse (1371);3 propst des gotzhus Selden (1493)4;

Geschichte

Im Jahr 1115 übertrug der Adlige Gerald von Scherzingen mit seiner Frau Hadwiga und seinem gleichnamigen Sohn an Abt Pontius von Cluny (1109–1122) ein Eigengut in Sölden, um darauf ein Kloster zu gründen. Die bis dahin im nahen →Bollschweil lebenden fünf Klosterfrauen sollten dafür nach Sölden übersiedeln. Sie unterstanden künftig nicht mehr dem benachbarten Cluniazenserpriorat →St. Ulrich (Zell), sondern direkt dem Kloster Cluny.5 Der Konvent des Cluniazenserinnenklosters Sölden gehörte wie der Männerkonvent in Zell (St. Ulrich) zur Provinz Alemannia/Lotharingia des Cluniazenserordens und zählte im 13. Jahrhundert (1270 und 1277) 20 bis 22 geistliche Frauen, im 14. Jahrhundert noch 13 bis 15 moniales. Im 15. Jahrhundert sank der Konvent auf 4 Frauen (1428). Für das Jahr 1493 sind neben der Meisterin Dorothea Münzmeisterin drei weitere Nonnen nachgewiesen. Dem Priorat stand ein Mönch als Prior vor, ein zweiter betreute den Konvent als Seelsorger. Mehrfach beklagten sich die Frauen im 13. und 14. Jahrhundert, dass die welschen Mönche der deutschen Sprache nicht mächtig seien, wodurch Gottesdienst und Beichte beeinträchtigt waren.6 Die Vogtei lag seit der Gründung bis zum Jahr 1200 bei den Grafen von Nimburg, dann beim Bischof von Straßburg, dessen Recht die Zähringer und ihre Nachfolger, die Grafen von Freiburg, anfochten. Seit 1316 übten die Grafen von Freiburg die Vogtei aus, seit dem Ende des 14. Jahrhunderts das Erzhaus Österreich. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts veränderte das Kloster Sölden seinen Charakter grundlegend, zumal der Konvent mit dem Ableben der letzten geistlichen Frauen erlosch. Ob eine der 1493 genannten Nonnen 1509 noch die Weihe der spätgotischen Kirche durch den Konstanzer Bischof erlebte, ist unsicher.7 Spätestens mit der Klosterplünderung im Bauernkrieg 1525 dürfte das geistliche Leben zum Erliegen gekommen sein. Zuletzt verwaltete ein Propst das Priorat. Als solchen kennen wir von 1514 bis 1542 Rudolf Ecklin und zu 1545 Stephan Gaudinus, beide damals zugleich Prioren in St. Ulrich. Als letzter cluniazensischer Propst ist von 1563 bis 1570 Johann Michaudi belegt. Nachdem schon das benachbarte Männerkloster →St. Ulrich 1560/78 gegen den Widerstand Clunys dem Kloster →St. Peter inkorporiert worden war, war dieser Weg auch für Sölden vorgezeichnet.

1581 wurde die Propstei der Abtei St. Peter zur Verwaltung übertragen. Die formelle Inkorporation erfolgte mit dem Dekret Papst Clemens’ VIII. (1592–1605) vom 1. Mai 1598/4. Februar 1601.8

Das Propsteigebäude wurde 1589 bis 1596 durch einen Neubau ersetzt. In den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts wurden Kirche und Propstei mehrfach von französischen Truppen verwüstet. Nach der Zerstörung von 1744 im Zusammenhang des Österreichischen Erbfolgekrieges wurden Propstei und Kirche unter Abt Philipp Jakob Steyrer (1749–1795) umfassend restauriert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrieb St. Peter in der Propstei kurzfristig eine Schule. Nach der Säkularisation wurde Sölden 1806 kurzzeitig Württemberg, dann dem neu geschaffenen Großherzogtum Baden zugeschlagen, das die Propstei 1807 auflöste. Der Besitz und das Inventar wurden in diesem Jahr mit 55.208 Gulden Wert veranschlagt.9

Der Klosterbesitz ist über eine Reihe von Rodeln und Urbaren zu ermitteln. Einen Gesamtüberblick bieten nur die Urbare von 1371 und 1493.10 Zur ältesten Besitzschicht dürfte der Klosterhof in Scherzingen gehört haben, der auf den Stifter Gerold von Scherzingen zurückzuführen ist. Ansonsten sind die Schenker und Wohltäter des Klosters nicht bekannt. Ende des 14. Jahrhunderts (1371) erstreckte sich der Klosterbesitz auf Höfe und Güter an 55 Orten im Breisgau. Im Urbar von 1493 ist nur noch Besitz an 37 Orten verzeichnet, es hatte demnach im 15. Jahrhundert ein beträchtlicher Besitzverlust stattgefunden.11 Die Protokolle des Generalkapitels von Cluny belegen durch das gesamte 14. Jahrhundert hindurch den ruinösen Zustand der Klostergebäude und eine wachsende Verschuldung. Verarmung und Besitzverlust des Klosters Sölden korrespondieren mit den Krisenerscheinungen des Spätmittelalters. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Konvent durch Kriege (Fehden der Grafen von Freiburg um 1300), Hungersnöte (1315 ff.) und Katastrophen (Erdbeben von 1356) in Mitleidenschaft gezogen.12

Mit dem wirtschaftlichen Niedergang war eine Aufweichung der klösterlichen Disziplin verbunden. Um 1336 konnte der Konvent die Messe nicht regelkonform zelebrieren, weil er aus Not gezwungen war, einen Messkelch zu versetzen. 1375 beklagen die Protokolle des Generalkapitels in Cluny das unehrenhafte Leben (inhonestam vitam) der Frauen, zum Jahr 1400 ist eine Liebesaffäre zwischen einer Söldener Nonne und einem Mönch aus St. Ulrich dokumentiert.13 Vom spirituellen Leben der Nonnen ist wenig bekannt. Eine Rezeption niederländischer Mystik um 1371, wie sie die Niederschrift eines mittelniederländischen Gedichts in einem Rodel nahelegt, wird eher dem Prior Rudolf von Brünighofen als den geistlichen Frauen zugeschrieben.14 Zu Beginn des 16. Jahrhunderts betreute der Humanist Jakob Wimpfeling die letzten Nonnen in Sölden.15

Die Verehrung der Hl. Fides im Kloster dürfte ursprünglich sein. Seit 1509 sind neben dem Patrozinium St. Fides die Hl. Agatha und der Hl. Markus als Nebenheilige der Kirche belegt. 1762 erhielt die Klosterkirche den Corpus der Hl. Candida geschenkt, die seither verehrt wird.

Nach der Einverleibung des Klosters in die Benediktinerabtei St. Peter bot die Propstei Sölden ebenso wie das Priorat St. Ulrich jüngeren Konventualen aus St. Peter Gelegenheit, Erfahrung in Verwaltung und Seelsorge zu sammeln. Das Priorat St. Ulrich war für die Seelsorge des Nachbarortes Bollschweil zuständig. Wegen eines seit 1629 schwelenden Streits um den Bauunterhalt des Pfarrhauses in Bollschweil residierte dort 140 Jahre lang kein Pfarrer. Da auch das Kloster St. Ulrich wegen seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg unbewohnbar war, entsandte St. Peter seit 1669 einen Vikar für die Pastorisation von Bollschweil nach Sölden. Dieser Zustand endete erst mit dem Pfarrhausbau in Bollschweil 1771.16

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das weitgehend ummauerte Areal des ehemaligen Söldener Benediktinerklosters, bzw. der ehemaligen Propstei, grenzt im Norden an die Bürglestraße und im Osten mit dem Friedhof und Garten an die Klostergasse. Die Gebäudeteile liegen zusammenhängend auf einer Achse und bestehen von Norden nach Süden aus gesehen aus der Dorfhelferinnenschule und der Pfarrkirche. Weiter südlich, neben der Kirche, befindet sich ein freistehendes neues Pfarrhaus aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Kirche und Konventsbauten

Über die mittelalterliche Baugeschichte des Klosters in Sölden ist wenig bekannt. Da das früheste erhaltene Planmaterial aus dem 19. Jahrhundert stammt, können für den Großteil der Baugeschichte nur Rückschlüsse aus vereinzelten Quellennachweisen und Beobachtungen an der Bausubstanz gezogen werden. Für die aktive Zeit des Klosters bis zu den Zerstörungen durch einen Brand 1498 und den Bauernkrieg 1525 ist von einer ummauerten Gebäudegruppe auszugehen, die wohl für 13 bis 22 Nonnen ausgelegt war. In frühester Zeit war die Kirche mit dem nördlich gelegenen Priorat über einen Gang verbunden, über welchen die Nonnen ungesehen in die Empore der Kirche gelangen konnten. Der Fund von Brand- und Ziegelschichten bei der Fundamentbereitung für das neue Pfarrhaus legt nahe, an dessen Stelle das frühere Wohngebäude zu vermuten. Dieses wurde seit dem Leerstand um 1499 nicht mehr benötigt. Ab 1589, als das neue Mutterkloster St. Peter begann, sich um den Wiederaufbau der wohl ruinösen Anlage zu bemühen, sind das Wohnhaus, eine Scheune, die Kirche und das Propsteigebäude schriftlich erwähnt. Im Jahr 1592 wird für den Friedhof eine neue St. Michael-Kapelle geweiht, die nicht mehr existiert. Ab 1601 werden zusätzliche Stallungen, ein Brunnen und eine neue Friedhofsmauer angelegt. Das alte Propsteigebäude – heute die Dorfhelferinnenschule – wurde zuletzt 1698 wiederhergestellt und ist seit 1764 mit der Kirche verbunden.

Das Kirchengebäude, das sich wohl im Wesentlichen auf der Grundfläche der heutigen einschiffigen Dorfkirche erhob, ist erstmals im Jahr 1200 schriftlich erwähnt. Dem spätgotischen Bau um 1500 könnte ein einfacher Saalbau mit Chor und Holzdecke vorangegangen sein. Mittelalterliche Mauerteile sind vorhanden. Ab 1487 ist ein Wiederaufbau der Kirche überliefert. Die eingemeißelte Jahreszahl 1494 am erhaltenen östlichen Maßwerk markiert die Vollendung des gotischen Chores mit polygonalem Fünfachtelschluss. Wer am Bau maßgeblich beteiligt war und ihn betreute, ist nicht bekannt. Dass der Abt von Cluny 1498 den Bischof Christoph von Utenheim mit der weltlichen und geistlichen Verwaltung beauftragte, zeugt von einer gewissen Nähe zu Basel, die sich wohl auch auf bauliche Angelegenheiten ausgewirkt haben könnte.17 Die Kirche konnte 1509 durch den Konstanzer Bischof geweiht werden. Während des Bauernaufstandes 1525 scheint sie jedoch erneut der Verwüstung und Plünderung zum Opfer gefallen zu sein. Durch die offizielle Einverleibung nach St. Peter erfuhr das Kloster Sölden eine glücklichere Verwaltung als Pfarrei. Obwohl die Pfarrei Sölden nur eine Stunde Fußmarsch von dem größeren Bauprojekt St. Ulrich entfernt lag, war sie Gegenstand umfangreicher Modernisierungsbemühungen. Dass hochrangige Meister der Vorarlberger Schule, welche bereits für die barocke Gestaltung St. Peters gearbeitet hatten, in Sölden mit einem Umbau zugunsten stimmiger Licht- und Raumgrößenverhältnisse nach dem Empfinden der Zeit betraut wurden, zeugt von der Bedeutung die man den Kirchen im ländlichen Raum beimaß. Unter Johannes Willam wurden ab 1752 die schmalen gotischen Maßwerkfenster durch breite, rundbogig abschließende Kreuzstockfenster ersetzt. Die neu gewonnene Helligkeit des ganzen Saales erlaubte den Verzicht auf das östlichste Chorfenster und die Installation des Hochaltars sowie die Gestaltung eines flachen Spiegelgewölbes mit einer Scheinarchitektur, die aufgrund einer Aufschüttung des Bodens im 20. Jahrhundert ihre perspektivische Wirkung verloren hat. Die Einfügung eines Triumphbogens schuf an den Wandflächen Platz für zwei Nebenaltäre. Im Zuge jüngerer Renovierungsarbeiten traten mittelalterliche Sandsteinteile zum Vorschein, welche mit der Jahreszahl 1382 versehen waren. Sie sind als Altar- und Mauerreste einer kleinen Kapelle anzunehmen, die 1752 zugunsten der heutigen Sakristei abgerissen wurde. Ein weit oben gelegenes mittelalterliches Fenster an der sonst fensterlosen Nordwand und ein Vermerk über den altare in sacristija18 aus einem Kalender aus dem Jahr 1493 lassen vermuten, dass zumindest die nördliche Kapelle bis ins 16. Jahrhundert eine Doppelfunktion als Sakristei erfüllt haben und dem Hl. Benedikt geweiht gewesen sein könnte.19 Im Jahr 1764 wurde der marode Dachreiter durch den modernen Turm Peter Thumbs mit Zwiebelhelm ersetzt, der bereits für viele Barockkirchen in Südwestdeutschland charakteristisch geworden war.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die Kirche in Sölden zeichnet sich noch heute durch den Besitz zahlreicher Kunstschätze und Ausstattungsgegenstände aus. Hervorzuheben sind u. a. das spätgotische Sakramentshäuschen im Chorraum, zwei gotische Holzfiguren der Hll. Fides und Scholastika, sowie ein Taufbrunnen aus dem Jahr 1544. Die meisten geschnitzten Einrichtungsgegenstände und Altäre sind Werke Matthias Fallers. Die Ausmalung des flachen Spiegelgewölbes mit dem Thema der Patrozinien schuf Franz Ludwig Hermann. Zudem besitzt Sölden liturgische Gegenstände der Augsburger Werkstatt Ignaz Baurs sowie seit 1762 die Reliquien der Katakombenheiligen Candida und einen Kreuzsplitter.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 677 f. (Wolfgang Kaiser); GermBen V, S. 599–604 (Franz Quarthal); KDM Bd. 6,1, S. 350–353 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw.de, Benediktinerpropstei Sölden (Florian Lamke).

Literatur: Kern 1995; Hermann 2002 (a); Lamke 2009.

Anmerkungen

  • 1 Bernard/Bruel V, Nr. 3918, 3919.
  • 2 Charvin I, S. 236.
  • 3 GLA 66 Nr. 10264.
  • 4 GLA 66 Nr. 8114.
  • 5 Bernard/Bruel V, Nr. 3918, 3919; Lamke 2009, S. 23 9-272; Krieg 2012, S. 163 f.
  • 6 Bumiller 2024, S. 55 ff.
  • 7 Kern 1995, S. 49.
  • 8 Kern 1995, S. 55.
  • 9 Kern 1995, S. 5 7-98.
  • 10 GLA 66 Nr. 10264 (1371), 8114 (1493).
  • 11 GLA 66 Nr. 8114 (1493).
  • 12 Charvin II, S. 142 (1332), 204 (1336), 330 1342), 362 (1343), 456 (1352), 475 (1356), 516 (1358).
  • 13 Charvin III, S. 23 (1366), 47 (1368), 97 (1375), 423 (1400); vgl. Bumiller 2024, S. 56 f.
  • 14 Löffler 1972.
  • 15 Mertens 1996 (b), S. 274.
  • 16 Kern 1995, S. 53 ff.
  • 17 Gagg 1885, S. 55.
  • 18 GLA 64 Nr. 32, fol. 21 v.
  • 19 Schaich 2008, S. 205 f
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Casimir Bumiller [Autor]
  • Tanja Perica-Ott [Autor]
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