Kenzingen, Zisterzienserinnen Wonnental
| Kurzbeschreibung: | 1242 Schwesternsammlung – 1245 Dominikanerinnen – 1248/62 Zisterzienserinnen – 1525, 1632–1641, 1673, 1695 Leerstand infolge kriegerischer Ereignisse – 1806 Aufhebung – nach 1812 Abbruch der Klosterkirche Patrozinium: Maria (?)Ordensgliederung: 1251 Vaterabtei Tennenbach, 1624 Oberdeutsche Zisterzienserkongregation, Elsässisch-schweizerische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg |
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| Beschreibung: | GeschichteHistorische EntwicklungDas Kloster hatte wohl seine Anfänge in der Initiative einiger adliger Frauen, die 1230 auf dem Platz Aidingen (vermutlich →Nidingen) ein Kloster mit eigenen Mitteln errichteten.8 1242 wird eine Schwesterngemeinschaft beim Dorf Kenzingen greifbar.9 1244 gewährten Burkhard und Rudolf II. von Üsenberg der Gemeinschaft Schutz und statteten sie mit Holz- und Bewaldungsrechten aus. Die Schwestern werden sorores genannt und sind in Nidingen genauer zu lokalisieren.10 Ein Jahr später, in einer Urkunde Papst Innozenz’ IV. (1243–1254) vom 4. September 1245, ist erstmals der Name »Wonnental« für die nun als Kloster bezeichnete Gemeinschaft aus Priorin und Schwestern notiert.11 Zugleich schloss der Papst das Kloster dem Dominikanerorden an, was rechtlich vermutlich einer Inkorporation entsprach. Wenig später verlegte Rudolf II. von Üsenberg die Gemeinschaft an den südlichen Rand der 1249 neuzugründenden Stadt Kenzingen. Die Einrichtung des Klosters als religiöses und die Gründung der Stadt als weltliches Zentrum gingen Hand in Hand. Am 9. April 1248 schenkte Rudolf II. von Üsenberg dem Kloster Wonnental die Patronatsrechte zu Amoltern. Hier wird erstmals, wenn auch nicht namentlich, eine Äbtissin sichtbar und Wonnental wird nicht mehr als Dominikanerinnen- sondern als Zisterzienserinnenkloster bezeichnet.12 Die Üsenberger und der Straßburger Bischof Heinrich von Stahleck (1248–1260) strebten die dauerhafte Unterstellung Wonnentals unter →Tennenbach als Mutterkloster an, was die Inkorporation in den Zisterzienserorden manifestieren würde. Zwischen 1248 und 1250 intensivierte Rudolf II. von Üsenberg mit einer Supplik an Papst Innozenz IV. seine Bemühungen um die Integration in diesen Orden.13 Eine hierfür notwendige Visitation durch die Zisterzienserklöster →Salem und Wettingen ordnete 1248 das Generalkapitel der Zisterzienser an.14 Erst nach zwei weiteren Inspektionen bestimmte man 1251 Tennenbach zum Mutterkloster.15 Die Ordenszugehörigkeit Wonnentals wechselte zwischen 1251 und 1262 weiterhin mehrmals. Als am 2. Juli 1263 Papst Urban IV. (1261–1264) Wonnental als Zisterzienserinnenkloster bezeichnete, schien die Ordenszugehörigkeit, auch ohne erneuten Beschluss des Generalkapitels, endgültig festzustehen.16 1269 wird mit Adelheid auch erstmals eine Äbtissin namentlich genannt.17 Spätestens Anfang des 14. Jahrhunderts lebten Familienangehörige der Üsenberger im Kloster. Anna und Else, die Schwestern Hessos IV. von Üsenberg, werden 1305 als Klosterfrauen greifbar.18 Bereits in den 1250er Jahren empfing Wonnental Schenkungen und Jahrzeitstiftungen, vor allem von den Herren von Üsenberg. Im Januar 1265 nahmen Markgraf Heinrich von Hachberg, Walther von Geroldseck und Hesso von Üsenberg das Kloster sowie dessen gesamten Besitz in ihren besonderen Schutz und festigten damit dessen wirtschaftliche Grundlage.19 Mit den von Geroldseck, von Rappoltstein, von Schwarzenberg oder der Kenzinger Familie der Zoller werden weitere einflussreiche Gönner der Nonnen sichtbar. Im 14. Jahrhundert traten die Klosterfrauen selbst als Käuferinnen und Verkäuferinnen in Erscheinung, arrondierten somit ihren Besitz. Der Tod Friedrichs von Üsenberg 1357 bedeutete den Verlust der Hauptstifterfamilie. Der damit verbundene Herrschaftswechsel zunächst zu den Markgrafen von Hachberg, dann zu den Herzögen von Österreich zog jedoch keine sichtbaren Konsequenzen nach sich. Von 1359 bis 1362 war noch eine Angehörige der Gründerfamilie, Anna von Üsenberg, Äbtissin in Wonnental.20 Bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts verfügte Wonnental über Gebäude und Zinseinnahmen in der Stadt Kenzingen sowie den umliegenden Gemarkungen.21 Die Zins- und Immobilieneinkünfte erreichten um 1400 ihren Höchststand, ehe ein Rückgang der Einkünfte, insbesondere der Jahrzeitstiftungen zu verzeichnen ist und das Kloster eine wirtschaftliche Stagnation erlebte. Das 1259 von Rudolf und Hesso von Üsenberg den Nonnen eingeräumte Recht zum Bau und Betrieb einer Mühle an der Elz wurde nicht umgesetzt. 1444 regelten die Bürger Kenzingens die finanziellen Verpflichtungen des Klosters gegenüber der Kommune. Da die Nonnen über ein Mühlenrecht verfügten, also jederzeit eine eigene Mühle erbauen und betreiben konnten, schuldeten sie der Stadt keinen Mühlenzoll, sondern mussten, wenn sie an der städtischen Mühle mahlen ließen, nur den üblichen Müllerlohn (slehter mulzer) entrichten. Für den in der Stadt ausgeschenkten Wein mussten sie hingegen das übliche Weinungeld an die Stadtkasse abführen. Die Stadt erwartete außer einer jährlichen Steuerpauschale für die Besitzungen in der Stadt keinen weiteren Zoll seitens der Klosterfrauen. Das Bürgerrecht ist für das Kloster erst ab 1487 belegt. Der Bauernkrieg hinterließ 1525 deutliche Spuren im Kloster. Neben Plünderungen wurden einzelne Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Nonnen verließen das Kloster, das nun mehrere Jahre leer stand.22 Erst 1560 lebten wieder drei Nonnen vor Ort, jedoch zeitweise ohne Äbtissin,23 1571/72 hingegen nur noch eine Nonne. Das zisterziensische Generalkapitel forderte zu Neuaufnahmen auf und schickte Amalia Speth von Zwiefalten nach Wonnental, die das Kloster in Teilen wiederaufbauen und mit zehn Nonnen besetzen konnte. 1632 erreichte der Dreißigjährige Krieg das Kloster. Zunächst flüchteten die Nonnen in die Stadt Kenzingen, dann in den Tennenbacher Hof in Freiburg, ehe der Konvent temporär aufgelöst werden musste. Einige Nonnen gingen in das →Kloster Lichtenthal, andere nach Köln. Fast alle mussten ihren Lebensunterhalt mit Betteln bestreiten. Mitte November 1641 zogen die Nonnen ins Kloster zurück, das Konrad Burger, ihr Tennenbacher Beichtvater und Klosterchronist, inzwischen notdürftig hergerichtet hatte. Im Juni 1647 hatte sich die Lage in Wonnental so weit beruhigt, dass Burger nach Tennenbach zurückkehren konnte. 1651 wurde wieder eine Novizin aufgenommen, 1657 zählte man bereits fünf Neuankömmlinge, die am 25. August 1658 zu Professen wurden. Der Wiederaufbau des Klosters schritt weiter voran. Am 14. Oktober 1658 erwarb man eine Monstranz, ein Teil des Kreuzganges wurde instandgesetzt. 1659 wurden sieben Altäre entsühnt und geweiht. Burger bemalte Anfang 1660 zusammen mit einem Studenten die neue Kanzel. Im folgenden Jahr leistete man sich ein neues Beichthäuslein. Am 27. September 1662 konnte der St. Bernhardaltar aufgestellt und am 15. April 1664 geweiht werden, am 22. Oktober wurde eine neue Schlaguhr im Chor angebracht. 1674 erhielt der Hochaltar ein Altarbild und zwei Jahre später wurde das Kirchendach erneuert, anschließend das Gesindehaus. Im Zuge des Holländischen Krieges mussten 1673 die Nonnen erneut nach Freiburg, Simonswald und schließlich in die Schweiz fliehen. Im April 1675 sowie im August/September 1676 wurde das Kloster geplündert. 1695 sehen wir die Nonnen infolge weiterer Kriegsereignisse im Exil in Graz, die Klosteranlage war wieder ruiniert. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte in einer Phase der Konsolidierung die Abtei restauriert und in Teilen neu erbaut werden. Bei der Visitation des Tennenbacher Abtes am 15. Oktober 1754 waren neben der Äbtissin 16 Nonnen, zwei Novizinnen sowie fünf Laienschwestern anwesend. Diese lehnten die Josephinische Klosterreform ab 1780 strikt ab. Erst nach 1803 wollte man eine Mädchenschule im Kloster einrichten, was jedoch nicht realisiert wurde. Am 31. Januar 1806 erfolgte im Zuge der Säkularisation die förmliche Inbesitznahme Wonnentals durch eine badische Kommission. Infolge dessen privatisierten die Äbtissin und fünf weitere Nonnen zunächst in Kenzingen, die Priorin und drei weitere Frauen suchten Aufnahme im →(Neu-)Kloster Adelhausen in Freiburg, ehe sie im Lichtenthaler Konvent unterkamen. Von den damals sechs Laienschwestern wählten fünf die Fortführung ihres monastischen Lebens. Die ehemaligen Klostergebäude dienten ab 1807 einer Zichorienfabrik zur Herstellung eines Kaffeesurrogats, zu deren Betrieb eigens eine Mühle errichtet worden war. 1812 stellte man die Fabrikation ein. Die ehemalige Klausur wandelte man in Wohnungen um, die Kirche und Teile der Wirtschaftsbauten brach man ab. Besitz und WirtschaftDas 1486/87 angelegte Wonnentaler Zinsbuch bietet einen weitgehend lückenlosen Einblick in den klösterlichen Besitzstand zu Ende des Mittelalters.24 Das Zinsbuch erfasst auch den damaligen Besitzstand auf städtischem Boden in Kenzingen, wobei das Kloster über mindestens acht Häuser verfügte, von denen vier in der Metzgergasse und jeweils zwei in der Kapellen- und Brotgasse lagen. Selbst genutzt wurde das Haus in der Brotgasse bei den Brotlauben. Zwei Scheunen und zwei Hofstätten ergänzten den Besitz. Wonnental bezog damals aus insgesamt 32 Orten Geld-, Korn-, Hafer-, Wein- und Hühnerzins, wobei aus Stadt und Gemarkung Kenzingen die höchste Summe der Abgaben resultierte. Ein zweiter Besitzschwerpunkt lag in Ober- und Niederhausen, heute Rheinhausen, im nördlichen Kaiserstuhlgebiet.25 Zwei weitere, größere Besitzkomplexe bildeten Amoltern und Herbolzheim.26 Der Dreißigjährige Krieg lies sowohl durch die Flucht der Klosterfrauen als auch die Kriegswirren die Klosterwirtschaft praktisch zum Erliegen kommen. Erst mit dem Einsatz Konrad Burgers ab November 1641 konsolidierte sich die wirtschaftliche Lage. Trotz der zahlreichen Kriege im ausgehenden 18. Jahrhundert stand die Abtei damals wirtschaftlich relativ gut da, auch wenn die Klosterwirtschaft bestenfalls stagnierte. Mit den jährlich einkommenden Abgaben aus bewirtschafteten und verpachteten Ländereien konnte der laufende Unterhalt ebenso wie die aus den Kriegen resultierenden Abgaben (Kontributionen) und Quartierlasten bestritten werden. Im Zuge der Säkularisation erfolgte eine umfassende Inventur, deren Ergebnis am 20. Juli 1806 vorlag.27 Man schätzte das Gesamtvermögen auf 263.387 Gulden, dem Schulden und sonstige Verpflichtungen in Höhe von 23.717 Gulden gegenüberstanden. Die jährlichen Einkünfte beliefen sich auf 8.897 Gulden. Die in Geld geschlagenen Lasten taxierte man auf 396 Gulden, so dass sich ein Vermögen von 239.670 Gulden und Reineinkünfte von 8.501 Gulden ergaben. Neben der eigentlichen Klosteranlage (geschätzter Wert 29.252 Gulden) gehörte dem Kloster die Badeanstalt zu Kirnhalden und eine Trotte zu Amoltern, dazu kamen Gärten, Äcker, Wiesen, Reben und Waldbesitz. Die jährlichen beständigen Gefälle, Zehnt, Erblehen- und Bodenzinse addierte man zusammen mit der jährlichen Holzlieferung der Stadt Kenzingen auf 2.943 Gulden. Die beim Kloster liegenden Felder waren bis zum Schluss in Eigenwirtschaft betrieben worden. Der Fahrnisbesitz war ohne die Naturalvorräte rund 7.750 Gulden wert. Bei den ständigen Lasten schlug insbesondere die Kompetenz für den Pfarrer zu Amoltern zu Buche. Sie bestand aus einer jährlichen Roggen- und Weinlieferung im Wert von 189 Gulden. Hinzu kamen Steuern, Kapitalzinsen und anderes. Religiöses und kulturelles Wirken1248 schenkte Rudolf von Üsenberg dem Kloster zusammen mit einem Hof das Patronatsrecht der Kirche zu Amoltern,28 das bis zur Säkularisation im Besitz der Nonnen verblieb. Im 14. Jahrhundert entstand das repräsentativ ausgestaltete »Wonnentaler Graduale«, das womöglich (zumindest teilweise) in Wonnental selbst angefertigt wurde.29 Neben den zahlreichen illuminierten und teilweise historisierten Initialen weist das Graduale auch die sogenannten Stifterfiguren auf, von denen die meisten mit einem Familienwappen versehen sind. Einige der dadurch angezeigten Personen(kreise) lassen sich im direkten Umfeld des Klosters verorten, so beispielsweise die Üsenberger,30 oder die Zoller von Kenzingen (Abb. 2).31 Mit diesen Stifterfiguren wurde ein Teil des Wonnentaler Umfeldes symbolisch in den täglichen liturgischen Vollzug und damit in die Gemeinschaft aufgenommen. Die Präsentation des um 1324 von Heinrich von Rappoltstein gestifteten Zwölfapostel-Altar in der Klosterkirche war seit dem 16. Jahrhundert zwischen der Äbtissin und der Stadt Kenzingen immer wieder umstritten.32 1698 privilegierte Papst Innozenz XII. (1691–1700) den Hochaltar in der Klosterkirche bei Seelenmessen an Allerheiligen, der Oktave und an jedem Montag.33 1722 gewährte Papst Innozenz XIII. (1721–1724) für die Kapelle zur Heiligen Jungfrau einen Ablass von 30 Tagen für Frühmessen an den Marientagen.34 1756 erhielten Wallfahrer zur Klosterkirche einen Generalablass.35 Weitere Ablässe für dieses Gotteshaus sowie die Kirche zum Heiligen Kreuz in Kirnhalden folgten.36 Bibliothek und ArchivNeben dem »Wonnentaler Graduale« sind 17 weitere Handschriften aus Wonnental überliefert, die größtenteils aus dem 17. Jahrhundert stammen. Bis auf die mögliche Entstehung des Graduale in Wonnental lässt der überlieferte Buchbestand keine Rückschlüsse über ein etwaiges Skriptorium im Kloster zu. Im gleichen Zeitraum, in dem das »Wonnentaler Graduale« entstand, ist erstmals ein Konventssiegel (1348) belegt, das fortan verwendet wurde. Die Äbtissin siegelte bereits seit 1305.37 Das Klosterarchiv wurde im Zuge der Auflösung des Klosters nach 1806 in das Generallandesarchiv nach Karlsruhe überführt. 524 Urkunden bilden dort den Bestand 25. Die zahlreichen Lagerbücher sind Teil des Bestandes 66, die Kopialbücher des Bestandes 67. Auch die sogenannten Ortsakten im Bestand 229 beinhalten unter den Orten, in denen das Kloster Besitz hatte, immer wieder Bezüge zu Wonnental. Weitere Archivalien finden sich in den Stadtarchiven Kenzingen und Freiburg sowie im Staatsarchiv Freiburg (insbesondere in Zusammenhang mit der Säkularisation). Einige wenige Bezüge überliefert das Freiburger Universitätsarchiv. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster lag südlich von Kenzingen im nördlichen Breisgau in einer Schleife der Elz. Im Norden der vierflügeligen Anlage haben sich Reste der mittelalterlichen Klosterkirche erhalten. Die Konventsbauten schlossen sich nach Süden an den Kirchbau an. Die Ökonomiegebäude des Wirtschaftshofs lagen im Südwesten der Anlage. Die Überreste der Konventsbauten werden heute als Privatwohnungen genutzt. Kirche und KonventsbautenÄlteste Gebäudeteile sind die Außenwände der früheren Klosterkirche innerhalb des Nordflügels. Bei der Trennwand zwischen Hausnummer 1 und 23 handelt es sich um die frühere Westfassade mit Portal und hoher Fensteröffnung, beide in Spitzbogenform mit profilierten Wandungen. Von einem Maßwerk zeugt eine breite Spitznut im Fensterbogen. In den Seitenwänden öffneten sich schmale Fenster mit schrägen Wandungen und genastem Spitzbogen. Die Architekturformen verweisen ins frühe 14. Jahrhundert. Das Westfenster reicht über das gekehlte Traufgesims ins Giebeldreieck hinein, wonach der Kirchenraum mit einer Bretterschalung von halbkreisförmigem oder polygonal gebrochenem Querschnitt abgeschlossen war. Die östlichen Teile der Klosterkirche mit dem Chorraum erstreckten sich einst weiter nach Osten über die heutige Gasse hinaus. Ein nach Osten gerichtetes Rundbogenportal mit Wappen und Jahreszahl 1532 innerhalb von Haus Nr. 21 dürfte die damalige Ausdehnung einer Nonnenempore markieren.38 Von einem vor die Westfassade der Kirche gesetzten zweigeschossigen Gebäude haben sich der Abdruck eines Satteldachs und die Südwand erhalten. An dieser prominenten Stelle kann es sich nur um ein Abteigebäude gehandelt haben. Die Entstehungszeit dürfte ein Türgewände auf Höhe der Nonnenempore mit der Jahreszahl 1575 nennen, nachdem das Kloster eine Neubesetzung mit vier Schwestern aus dem Elsass erfahren hatte.39 Um 1603 erfolgte die Umnutzung des Langhauses der Klosterkirche zu einem großen Vorratskeller (d), einer Kornschütte und im westlichen Teil einigen Räumlichkeiten zur Abtei. Der neue Zugang zum verkürzten Kirchenraum ist in der Außenwand von Haus Nr. 21 zu finden, doch sind vorstehende Teile abgearbeitet und es fehlt der Portalaufsatz. Nach einer Beschreibung von 1738 besaß die verkürzte Kirche drei Altäre zu Ehren Mariens, Johannes des Täufers und des Hl. Bernhards, im Westen gab es eine Nonnenempore mit Orgel und unterhalb derselben kleine Kammern zum individuellen Gebet.40 Auf dem Vogelschaugemälde von 1753 (Abb. 6) ist sie mit hohen, schmalen Fenstern, Strebepfeilern und einem achteckigen Dachreiter mit Zwiebelhaube und Glockenstube dokumentiert. Mehrfach veränderte Tür- und Fensteröffnungen künden von einer wechselhaften Baugeschichte, darunter eine profilierte Türöffnung zum Innenhof aus mittelalterlicher Zeit.41 Im 18. Jahrhundert wurde der gesamte Konvent neu errichtet. Den Anfang machten 1726 bis 1728 die Abtei an der Nordwestecke zusammen mit dem Westflügel.42 Die Abtei bildete das Gelenk zwischen der Außenwelt und dem geschlossenen Klausurbereich. Für das Erdgeschoss darf ein Amtsraum für die Verwaltung vermutet werden, im Obergeschoss lag ein Saal für hohen Besuch und das zweite Obergeschoss barg Repräsentationsräume für Äbtissin bzw. Prälat. Die Bekrönung des Portals zeigt in der Mitte den Äbtissinnenstab, das Zisterzienserwappen aus Schrägbalken und Schachbrettmuster mit einem W für Wonnental, sowie das Familienwappen der amtierenden Äbtissin und deren Initialen für Maria Caecilia, Aebtissin von Wonnental. Im Inneren haben sich die bauzeitlichen Türen mit wulstigen Rahmen und im 2. Obergeschoss Bandelstuckdecken erhalten. Der gleichzeitig entstandene zweigeschossige Westflügel nahm im Erdgeschoss entlang eines hofseitigen Gangs eine Folge kreuzgratgewölbter Küchen- und Vorratsräume auf. Eine erhalten gebliebene Bauzeichnung trägt die Unterschrift des Baumeisters Johann Mathis,43 der laut Chronik aus dem Bregenzer Wald kam.44 Er war unter anderem in →St. Märgen tätig. Der Westflügel bildet mit der Westseite der Abtei eine gemeinsame Flucht, welche jedoch nicht im rechten Winkel zur Klosterkirche, sondern nach Osten verschwenkt steht, womit man vermutlich auf Vorgaben des Vorgängerbestands reagiert hatte. In den frühen 1740er Jahren entstanden Ost- und Südflügel als zusammenhängendes Bauprojekt. Eine Beschreibung von 1806 benennt sie Convent-Flügel mit 33 Zimmern und Noviciat-Flügel mit 26 Zimmern.45 Sie wurden durchgehend dreigeschossig mit hofseitigen Gängen angelegt. Auch gemeinschaftliche Räume wie Kapitel- und Speisesaal wären hier zu suchen. Am Anschluss an die Klosterkirche diente ein kreuzgratgewölbter Raum vermutlich als Sakristei. Oberhalb davon stieß man in den 1970er Jahren auf ein Wandbild in Raumhöhe mit einer Breite von knapp 6 m, das aufwändig restauriert wurde, dann aber wenige Jahre später einem Brand zum Opfer fiel. 46 Zu beiden Seiten der Gottesmutter knieten 23 Klosterfrauen und zwei Stifterinnen. Signiert hat es (ein bisher sonst nicht bekannter) Peter Willhelm mit Angabe der Entstehung 1745. Dargestellt ist ein Ereignis des Jahres 1697, als während wiederholter Kriegsnot das Kloster verlassen werden musste und dann ein Neuanfang folgte.47 Ein 1753 geschaffenes Gemälde hat das Kloster mit neu errichtetem Konvent, wie es bis zur Säkularisation Bestand hatte, festgehalten (Abb. 6).48 Es zeigt die Anlage von Osten her aus der Vogelschau, sodass der rechte Bildrand nach Norden gerichtet ist, wo in einiger Entfernung die Stadt Kenzingen liegen würde. Nach Aufhebung des Klosters 1806 wurde zunächst eine Zichorienfabrik eingerichtet, doch 1812 wurde das Klostergebäude in Einzelparzellen veräußert.49 Heute beeindruckt die Anlage als großes, geschlossenes Geviert mit rundum laufender, schmaler Gasse, regelmäßig angeordneten Fensteröffnungen und dem Abteiportal als Glanzstück. Wo sich zuletzt die Klosterkirche befunden hatte, klafft an der Nordostecke eine Lücke. Ein stattliches Ökonomiegebäude von 96 m Länge mit großen Rundbogentoren rahmte den Wirtschaftshof an der Westseite. Seine Errichtung lässt sich anhand zweier chronikalischer Angaben in den Zeitraum zwischen 1721 und 1738 eingrenzen.50 Nach der Auflösung wurde es in Einzelabschnitte geteilt, davor hat man Wohnhäuser errichtet. Etwa die Hälfte der Teilstücke ist überliefert. Nach Norden abgerückt stand ein kleines zweigeschossiges Gebäude, dessen Umfassungsmauern dendrochronologisch um 1302 datiert werden konnten. Nach einem Feuer erfolgte der Wiederaufbau 1530 – also kurz nach dem Bauernkrieg.51 Es nahm in beiden Geschossen jeweils eine kleine, aber gut ausgestattete Wohnung auf. In den 1570er Jahren und in den 1720er Jahren folgten Neuausstattungen. Zuletzt logierte hier der aus dem Kloster Tennenbach entsandte Beichtvater.52 Nach Aufhebung des Klosters wurde das Gebäude für eine Nutzung als Bauernhaus erweitert. 2005 musste es dem neu erschlossenen Wohngebiet weichen. Ein Werkhof mit Ziegelei und Kalkofen, ein Verwalter- und Gesindehaus mit angebauten Schweineställen gegenüber dem Stallgebäude, sowie ein Taglöhner- und ein Botenhaus am nördlichen Rand zu beiden Seiten des Eingangstors sind schon vor längerer Zeit abgegangen.54 Stand das Kloster einst ein Stück vom Stadtzentrum entfernt, wurde die Lücke vor wenigen Jahren durch ein Neubaugebiet geschlossen. Nach Aufhebung des Klosters 1806 kam der Hochaltar in die Kenzinger Stadtkirche, wo er bis zum Umbau 1906 in zwei Hälften geteilt zu beiden Seiten des Chorbogens aufgestellt war.54 Die aus Wonnental überführten Gebeine des Märtyrers Innocentius aus den Katakomben Roms befinden sich in einem Glasschrein unter dem Altar der Hürnheimer Kapelle. Die Orgel kam nach Breisach, die Glocken vermutlich nach Tiefental.55 Die Stadt Kenzingen verpflichtete sich zur Versetzung von 26 Grabdenkmälern aus Wonnental an die Pfarrkirche,56 doch von den heute an der Außenwand der Pfarrkirche aufgestellten Platten ist keine mit dem Kloster in Verbindung zu bringen. BibliographieQuellen: Burger 1900. Handbücher und Lexika: KB Emmendingen Bd. 2,1, S. 456 f. (Jürgen Treffeisen); KDM Bd. 6,1, S. 167–168 (Franz Xaver Kraus/Max Wingenroth); kloester-bw, Zisterzienserinnenabtei Wonnental (Jürgen Treffeisen); Kolb III, S. 399 f. Literatur: Zinsmaier 1950; Maurer 1966/67; Treffeisen 1999 (b); King 2006/07; Strotz 2021; Wüthrich 2022/24. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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