St. Katharina im Mainauwald, Augustinereremitinnen
| Kurzbeschreibung: | vor 1324 (1260) – nach 1419 Bruderhäuser mit Kapelle St. Katharina – seit etwa 1436 Schwesterngemeinschaft der Augustinereremiten – 1803 Inbesitznahme durch den Deutschen Orden – 1808 Aufhebung Patrozinium: KatharinaOrdensgliederung: Rheinisch-schwäbische Provinz; 1781 der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz unterstelltKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau |
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| Beschreibung: | Name: sant Katherinen in dem Wursterwald (1419);1 mutter unnd schwestern gemainlich sannt Augustinns Regel zu sannt Katherinen im Wusterwald (1511);2 pöginen zue S. Catherina (um 1580);3 priorin und löbl[icher] convent zue St. Cathrinen im Westerwald (1737)4 GeschichteDie Schwesterngemeinschaft St. Katharina ging auf zwei Eremitagen zurück, die sich im Umkreis der Abtei Reichenau auf dem waldreichen Bodanrück gebildet hatten. Die eine könnte schon 1260 entstanden sein. Die andere ist 1324 in unmittelbarer Nachbarschaft belegt.5 Beide Häuser nutzten gemeinsam eine Katharinenkapelle und waren offensichtlich für mehrere Brüder bestimmt. Als sie 1324 leer standen, konnte mit Burkhard Adelun von Wurmlingen nur noch ein Bewohner gefunden werden.6 Einen letzten Versuch, der Einsiedelei auf die Sprünge zu helfen, unternahm 1419 die Gemeinde Wollmatingen. Sie setzte mit Erlaubnis des reichenauischen Lehensherrn Pfleger ein und reservierte für sich das Recht zur Auswahl neuer Brüder. Weitere Hinweise auf Eremiten im Wursterwald gibt es indes nicht. Beginen traten vor 1437 an ihre Stelle und bevorzugten seit dem 16. Jahrhundert den Namen St. Katharina im Westerwald anstelle des bisherigen Wursterwaldes, der vom Eremiten Konrad Wurster herrührte. St. Katharina war aus verschiedenen Gründen eine ungewöhnliche Schwesterngemeinschaft. Sie verband sich nicht mit den Franziskanern wie der allergrößte Teil der Frauenkonvente am Bodensee, sondern mit den Augustinereremiten. In diesem Orden erlebte die Frauenseelsorge in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine kurze, vor allem mit dem Namen des Provinzials Johannes von Hasperg verbundene Blüte. Die Schwestern zeichneten sich darüber hinaus durch ein sehr zupackendes religiöses Leben aus. Der Betrieb einer eigenen Landwirtschaft mit 14–16 Stück Vieh und das Weben zählten zu den üblichen Tätigkeiten eines schlecht fundierten ländlichen Konventes.7 St. Katharina aber scheint, nachdem es im 16. Jahrhundert der Herrschaft der Kommende →Mainau endgültig unterworfen worden war, zur wichtigsten karitativen Institution in den mainauischen Gebieten geworden zu sein. Die Schwestern pflegten die kranken Ordensritter und versorgten auch gebrechliche Witwen von mainauischen Amtleuten in ihren letzten Lebenstagen.8 Eine angeblich besessene Schwarzwälder Gastwirtsfrau, der in Einsiedeln nicht geholfen werden konnte, erhielt in St. Katharina ebenso Zuflucht wie eine während der Revolutionswirren aus Frankreich geflohene Klarissin.9 Auch das Logieren von Gästen über Nacht, der Weinausschank und mitunter Trauungen in der Kapelle sind vom 16. bis 18. Jahrhundert belegt.10 Zulauf erhielten die Schwestern unter anderem durch ein wundertätiges Kruzifix aus der Wallfahrtskapelle im thurgauischen Bernrain, das in den Wirren der Reformationszeit 1542 nach St. Katharina geschenkt worden war. Als der neu installierte Bernrainer Kaplan 1641 die Rückgabe forderte, kam es zum Eklat. Die Angelegenheit beschäftigte bis 1647 nicht nur den Konstanzer Bischof und den Hochmeister des Deutschen Ordens in Mergentheim, sondern vor allem auch die im Thurgau regierenden Orte. Sogar ein Arrest der Besitzungen und Einkünfte des Deutschen Ordens in der Eidgenossenschaft stand wohl als Drohung im Raum, so dass die Schwestern und Deutschordensritter schließlich klein beigeben mussten.11 Im 17. Jahrhundert erlangte St. Katharina weitgehend den Status eines Nonnenklosters, auch wenn es weiterhin der bischöflichen Jurisdiktion unterworfen blieb und alles andere als kontemplative Lebensformen pflegte. Im Zuge dieser Veränderungen baute der Konvent seine Gebäulichkeiten ab 1667 zu einer regelgerechten Klosteranlage aus. Die inzwischen mehr als zwölf Schwestern nahmen den schwarzen Schleier, nannten sich Chorfrauen oder Nonnen und hatten eine Priorin als Oberin. Seelsorger war seit 1699 nicht mehr der Pfarrer von Wollmatingen, sondern ein fest installierter Beichtvater aus dem Augustinereremitenorden. Als erster Beichtvater ist Remigius Husära belegt, der auch ein Professbuch anlegte (Abb. 2), das 1712 von Bartholomäus Faber fortgeführt wurde.12 Und offensichtlich tolerierte auch das Bistum jahrzehntelang die Visitation durch den Provinzial der rheinisch-schwäbischen Provinz der Augustinereremiten.13 Etwa zeitgleich mit den Auseinandersetzungen um den rechtlichen Status des Augustinereremitinnenklosters →Adelheiden, ließ der Generalvikar 1766 gerichtlich feststellen, dass St. Katharina keineswegs exemt sei.14 Im Zuge der josephinischen Klosterreformen wurde der Konvent 1781 vollständig vom Orden getrennt und dem bischöflichen Ordinariat unterstellt.15 Nachdem 1803 der Deutsche Orden das Kloster provisorisch in seinen Besitz genommen hatte, zog die Großherzoglich Badische Klosterkommision 1809 den Schlussstrich unter die Klostergeschichte. Sie setzte die verbliebenen zehn Nonnen auf Pension und ließ die Klostergebäude und Besitzungen versteigern. Bau- und KunstgeschichteDas Kloster St. Katharina lag zwischen Konstanz und Mainau im Mainauwald (Wursterwald). Erhalten sind der Westflügel der Klosteranlage und ein Teil der Kirche. Zwei Vogelschauansichten von 1669 und um 1740 zeigen eine fünfflügelige Klosteranlage um zwei Höfe mit der Kirche im Südwesten. In der älteren Ansicht ist erkennbar, dass ein Großteil der Klausur aus Fachwerk bestand. Im Westen lag das Haupttor, und darüber ein Erker, seitlich davon Wirtschaftsräume und vermutlich Stallungen. Die kleine Kirche besaß einen polygonalen Chorschluss und Dachreiter. Östlich anschließend befanden sich ein Fachwerkbau mit breitem Quergiebel, möglicherweise war dies der Konventsbau, und davor eine barocke Gartenanlage. Der Sakralbau wurde später nach Westen erweitert, der Westflügel zu Wohnzwecken umgestaltet und der Mittelflügel um ein Geschoss aufgestockt. Die Flügel im Norden und Osten sind als zweigeschossige Laubengänge dargestellt. Eine 2011 durchgeführte Bodenradar-Prospektion bestätigte die Form der Gesamtanlage. Bauarchäologische Untersuchungen 2011/12 zeigten, dass der Westflügel und ein Teil der anschließenden Klosterkirche im heutigen Bau erhalten sind. Ein eingetiefter Raum im Kircheninneren mit Backsteingewölbe und Mittelstütze trug die Nonnenempore. Im Widerspruch dazu zeigen die beiden Ansichten hier einen ebenerdigen Zugang zur Kirche. Im Obergeschoss des Westflügels ist das Fachwerk in Teilen erhalten, ebenso wie die klosterzeitliche Raumstruktur mit Zimmern zur Westseite und einem zum Hof ehemals laubenartig geöffneten Flur. Er führte zum nur zwei Meter breiten Nordflügel. Das grau abgesetzte Sichtfachwerk im Obergeschoss kann in das 17. Jahrhundert datiert werden. Nach Aufhebung des Klosters 1808 kamen die Kanzel und der Hochaltar mit dem 1762 datierten Altarbild »Anbetung der Heiligen Drei Könige« vom Konstanzer Maler Franz Ludwig Hermann und vermutlich auch zwei große barocke Holzfiguren der Hll. Augustinus und Martin nach Altnau (Thurgau). Die Klosterbauten gelangten nach mehreren Besitzerwechseln an Großherzog Friedrich I. von Baden (1856–1907), der sie weitgehend abbrechen ließ. Der Westflügel blieb als Ausflugslokal erhalten. BibliographieQuellen: Höhn 1744; Gesterkamp 1972. Handbücher und Lexika: KB Konstanz Bd. 3, S. 459, 461 (Anneliese Müller); kloester-bw, Augustinerkloster Wollmatingen (Hildegard Bibby). Literatur: Wilhelm 1930; Schmid 1980, S. 92 f.; Wilts 1994, S. 412–417; Hofmann 2004. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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