St. Trudpert, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 7. Jh. vermutliche Gründung als Einsiedelei – 9. Jh. Umwandlung in ein Kloster – 13./14. Jh. massive Fälschungstätigkeit zu Erhalt und Bewahrung von Besitz und Rechten – seit 1325 Beteiligung an Einnahmen aus dem Silberbergbau im Münstertal – 1806 Aufhebung – 1919 Wiederbesiedlung durch Schwestern von der Kongregation vom Heiligen Josef zu Saint-Marc Patrozinium: TrudpertOrdensgliederung: 1629 Oberschwäbische Benediktinerkongregation, 1783 Vorderösterreichische BenediktinerkongregationKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach |
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| Beschreibung: | Name: monasterio sancti Druthperti (968/969);1 [cenobium] sancti Rovperti (1111–1122);2 [cenobium] sancti Trutperti (1181/82);3 monasterio sancti Trudperti (spätes 12. Jh.);4 ecclesia sancti Trutperti (1210);5 monasterium vallis sancti Trutperti (1257);6 geisteliches gotzhus und closter von sant Trudperth in den Swarzwalde (1323);7 dvi samnunge gemeinlich von sant Trutpreht (1325);8 der abbet und das cappittel des gotzhuses ze sant Trutpreht (1383);9 abt [und] convent des gotzhuses ze sant Trudperht im Swarzwalde (1384)10 GeschichteHistorische EntwicklungDie frühe Geschichte der im Münstertal gelegenen Benediktinerabtei St. Trudpert ist allein über die in mehreren Bearbeitungsstufen vom 9. bis 13. Jahrhundert vorliegende Vita des Klosterpatrons sowie in der Darstellung einer Reihe vorrangig im späten 13. und 14. Jahrhundert gefälschter Urkunden greifbar.11 Dies macht es fast unmöglich, ein konkretes Bild der Klostergeschichte bis zum Ende des Hochmittelalters zu gewinnen. Nach der ältesten Trudpert-Vita geht die Gründung des Klosters auf eine um 640 errichtete Einsiedelei des Mönchs Trudpert im oberen Münstertal zurück. Aus einer von Trudperts adligem Gönner Otpert an dessen Grab errichteten Kapelle habe sich der Ort zu einer Wallfahrtsstätte entwickelt, die im frühen 9. Jahrhundert auf Initiative Ramperts, eines Nachfahren Otperts, in ein Kloster umgewandelt worden sei.12 Eine Fälschung des 13. Jahrhunderts berichtet von einem Grafen Liutfried, der 902 das Kloster restauriert und mit weiterem Besitz im Elsass und in der Ortenau ausgestattet habe.13 Otpert, Rampert und Liutfried werden in weiteren Fälschungen sowie einer um 1279/80 überarbeiteten Fassung der Vita zu Vorfahren der Habsburger erklärt. Im 10. Jahrhundert soll der Straßburger Bischof Erkanbold (965–991) das Kloster neu gegründet haben. Inwiefern sich daraus noch in späterer Zeit eine Straßburger Einflussnahme auf St. Trudpert ergab, lässt sich nicht sicher sagen. Das Auftreten des Abts 1133 als Zeuge einer Weihehandlung des Straßburger Bischofs im Elsass spricht immerhin für eine gewisse Nähe.14 Dagegen wird die Vorstellung einer Abhängigkeit vom Bistum Straßburg samt dessen Besitz eines »Stiftungsrechts« (ius fundi) um 1200 ausschließlich in späteren Fälschungen vertreten. Anlässlich eines Gütertauschs mit St. Gallen 968/69 tauchen erstmals klösterliche Dignitäten auf: Propst, Keller und Dekan,15 während ein Prior und ein Küster erst in einer Fälschung um 1300 genannt werden, ein Kämmerer 1325.16 Die Geschichte des Klosters im 11. und 12. Jahrhundert liegt weitgehend im Dunkeln. Eine Bedeutung zumindest auf regionaler Ebene legt eine Beteiligung des Abts 1145 und 1181/82 an der Lösung eines Streits zwischen dem Cluniazenserpriorat →St. Ulrich (Zell) und dem Basler Bischof um die Kirche in Achkarren nahe. Im Verbund mit den Vorstehern anderer oberrheinischer Klöster richtete Abt Rüdiger von St. Trudpert dazu 1181/82 eine Supplik an Papst Lucius III. (1181–1185).17 Die frühen Vogteiverhältnisse sind ungeklärt. Ein Vogt Lantpert taucht erstmals 968/69 auf.18 Vermutlich im Lauf des 12. Jahrhunderts erhielten die Herren von Staufen, Ministeriale der Herzöge von Zähringen, Zugriff auf die Vogtei. Die Gottfried und Anna von Staufen zugeschriebene Stiftung eines silbernen Vortragekreuzes im späten 12. Jahrhundert wird vielfach als Indiz für eine Stellung als Vögte gewertet. Möglicherweise über eine um 1180/90 geschlossene Ehe der Agnes von Staufen mit Graf Rudolf II. von Habsburg könnte die Vogtei, vielleicht in Form eines Lehnsauftrags, als Obervogtei an die Habsburger gelangt sein. Demgegenüber propagiert die Klostertradition des späten 13. Jahrhunderts die Habsburger bereits als Stifterfamilie mit Vogteirecht, die das Kloster gemäß mehrerer gefälschter Urkunden zwischen 1161 und 1215 gegen die angeblich tyrannischen (Unter-)Vögte von Staufen unterstützt habe. Ein 1235 von Kaiser Friedrich II. (1212–1250) gewährtes Schutzprivileg19 könnte indes darauf hindeuten, dass sich das Kloster von den Habsburgern nicht ausreichend geschützt sah. Ein Münzabkommen von 1258 zeigt Gottfried III. von Staufen (1220–1258) als Herr über den Silbermarkt in der St. Trudpert gehörenden Bergstadt Münster, was auf eine Stellung als Vogt der Stadt und auch des Klosters hindeutet.20 Während des Interregnums erlitt das Kloster massive Schäden an seinen Besitzungen, die in einer nachhaltigen Verschuldung resultierten. Einen in den 1270er-Jahren geführten Prozess gegen Diethelm von Staufen um die Grundherrschaftsrechte im Obermünstertal nutzte Abt Werner I. (1246–1287/1302?), um in mehreren Fälschungen das gesamte Münstertal zu von den Vorfahren der Habsburger gestiftetem Ausstattungsgut zu erklären, auf deren Basis die Mönche 1277 ein Urteil König Rudolfs von Habsburg (1273–1291) zu ihren Gunsten erwirkten.21 Als Symbol der engen Verbindung St. Trudperts zum Haus Habsburg wird die um 1280 datierte Stiftung eines goldenen Vortragekreuzes gesehen, dessen Ikonographie Bezüge zu Königtum und Fürstenstand aufweist. In echten Belegen sind die Habsburger aber erst im frühen 14. Jahrhundert als Obervögte anzutreffen.22 Um 1300 führte das Kloster einen Streit mit seinen Untertanen um die Leistung des Erschatzes bei Abtswechsel, wozu erneut mehrere Urkundenfälschungen hergestellt wurden, die eine Klärung des Streits zugunsten des Klosters bereits um 1200 vorspiegeln. Die Geschichte des Klosters im 14. und 15. Jahrhundert ist geprägt vor allem vom Erwerb und Streitigkeiten um Besitz und Rechte im Münstertal sowie den Versuchen des Konvents, sich finanziell über Wasser zu halten. Gegen Übergriffe verschiedener Rechteinhaber im Münstertal suchte das Kloster mehrfach Schutz bei den Herzögen von Österreich, wozu es durch herzogliche Vidimierungen älterer Fälschungen und anderer Urkunden auf deren darin dokumentierte Stellung als angebliche Stifterfamilie und Obervögte hinwies. 1330 hatten die Herzöge von Johannes von Staufen die Vogtei über das Untermünstertal und wohl auch die Kloster(-unter-)vogtei gekauft, erstere aber direkt an einen Gefolgsmann versetzt. 1355 verpfändete Herzog Albrecht II. (1330–1358) die Klostervogtei samt der Vogtei über Münster und das Untermünstertal an niederadlige Gefolgsleute.23 1380 erwarb sie Gottfried VII. von Staufen (1356–1386), der 1370 auch die Vogtei im Obermünstertal als Lehnsträger des Abts erlangt hatte, womit er in einer herausragenden Machtstellung gegenüber dem Kloster stand,24 was den Abt 1386 dazu veranlasste, aufs Neue den Schutz Österreichs zu suchen.25 Wohl auf Betreiben des Abts nannte sich 1387 Herzog Albrecht III. (1365–1395) erstmals explizit obrister vogt des Klosters.26 Mitte des 14. Jahrhunderts zeigen sich Bemühungen der finanziell darbenden Gemeinschaft um die Generierung neuer Einkünfte. Eine Bulle von Papst Clemens VI. (1342–1352) gestattete dem Kloster 1352, sich aller ihm von den Päpsten erteilten Privilegien zu bedienen, die es früher »aus Einfalt und Unkenntnis« nicht zur Geltung gebracht habe,27 eine Einladung zur Verwendung schon früher gefälschter Papstprivilegien, die spätestens um 1360 zu einem einträglichen Ablass an Christi Himmelfahrt führte.28 Im Jahr 1363 setzte sich der Konvent inklusive des Abts aus acht, 1384 nur noch aus sechs Mitgliedern niederadliger, bürgerlicher und bäuerlicher Herkunft, vor allem aus dem Breisgau und besonders der Stadt Freiburg, zusammen.29 Im frühen 15. Jahrhundert wurde das Kloster durch nicht näher fassbare Beschwerungen »adliger und böser Menschen« (1414) in Mitleidenschaft gezogen.30 Wohl eine Brandkatastrophe zerstörte im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts Teile der Klosteranlage, die unter Abt Paul (1435–1455) wieder aufgebaut wurde. 1471 bestätigte Kaiser Friedrich III. (1440–1493) als Kastvogt die St. Trudperter Privilegien dar dasselb gotshaus unser und unsers hauses Osterreich ir stifftung ist und ettlich unser vorderen da begraben ligen,31 eine in einer früheren Bestätigung von 144232 noch nicht geäußerte Sichtweise, die nach 1476 Einzug in die habsburgische Hausgeschichtsschreibung nahm. Als sich 1478 in einem Prozess um Jagd- und Fischereirechte im Münstertal die Herren von Staufen als rechte kastvogte bezeichneten, konstatierte der Abt, diese seien nit mer dann undervogte.33 Diese Untervogtei besaß um 1500 kaum noch Relevanz, wohingegen sich die Habsburger weiter um das Kloster bemühten. Maximilian I. (1493–1519) befahl 1501 dem Konstanzer Bischof eine Reform des Konvents und versuchte den altersschwachen Abt Othmar durch einen eigenen Kandidaten zu ersetzen.34 Die weitere Geschichte St. Trudperts im 16. und 17. Jahrhundert ist in hohem Maße von Kriegen, Verwüstungen und drohendem Niedergang gekennzeichnet. Durch Überfälle um 1517/18 und im Bauernkrieg 1525 erlitt das Kloster große Schäden, die erst Jahrzehnte später beseitigt werden konnten. In der Folge sah sich die Gemeinschaft von empfindlicher Armut betroffen, zumal auch der Bergwerksbetrieb durch den Bauernkrieg fast gänzlich zum Erliegen kam. Neben der wirtschaftlichen Situation lagen auch Zucht und Ordnung innerhalb des Klosters im Argen. Dazu ergaben sich Konflikte mit der markgräflichen Herrschaft Rötteln um Jagdrechte und Steuerleistungen sowie Auseinandersetzungen mit Vorderösterreich um die Landeshoheit. In der Amtszeit des Abts Thomas Füchslin (1598–1604) stiegen die Schulden auf 35.510 Gulden. Seinem Nachfolger Jakob Daiger (1604–1624) wurde nachgesagt, er trage einen mit Schuldenbriefen behangenen Hirtenstab. Erst unter Johannes Rösch (1628–1633) zeigte sich der Beginn einer Verbesserung. Diese lag in einer angestrebten friedlichen Regelung mit Vorderösterreich und dem Anschluss St. Trudperts an die Schwäbische Benediktinerkongregation 1629. 1632 erreichte der Dreißigjährige Krieg den Breisgau und St. Trudpert. Um Plünderung und Brandschatzung zu vermeiden, forderte der Abt eine schwedische Schutztruppe an, die sich im Kloster einquartierte. Diese geriet jedoch in einen Konflikt mit den Einheimischen, der in der Ermordung der Schweden im Prälatensaal des Klosters eskalierte. In einem Rachefeldzug der schwedischen Besatzungstruppe, die am 28. Dezember 1632 umgehend aus Freiburg herbeieilte, wurden in der Folge die romanische Klosterbasilika und der Großteil der Klosteranlage sowie einige Bauernhöfe in der Talschaft und die letzten Gebäude der bereits zuvor weitgehend abgegangenen, benachbarten Stadt Münster zerstört. Die wertvollsten Schätze, die Reliquien des Hl. Trudpert und die beiden Vortragekreuze mit den Kreuzpartikeln, konnten damals aus der brennenden Kirche gerettet werden. Von den Folgen erholte sich der Konvent nur mühsam. Abt Georg Garnet (1633–1665) war, wie zuvor Johannes Rösch, vor dem Krieg ins Exil nach Klingnau, ein Priorat des Klosters →St. Blasien in der Schweiz, geflohen, kehrte aber 1634 wieder zurück, um sich der dringenden armuth des gottshauses und der Beschaffung der finanziellen Mittel für den Wiederaufbau der Klosterkirche und -gebäude zu widmen. Als Abgesandter des breisgauischen und elsässischen Prälatenstands bat er in Wien, letztlich vergeblich, um die Unterstützung des Kaisers. Auch eine 1654 an Erzherzog Ferdinand (1637–1657) gerichtete Bittschrift blieb ohne Wirkung. Ab 1650 begann dann in den Amtszeiten der Äbte Georg Garnet und Roman Edel (1665–1694) die dringend notwendige Instandsetzung der Klosterkirche und der Klostergebäude. Besonders tatkräftig und baufreudig war deren Nachfolger, Abt Augustin Sengler (1694–1731), der wichtigste Bauherr der Barockzeit. Am 5. Oktober 1727 wurde die Klosterkirche zu Ehren der Hll. Petrus, Paulus und Trudpert eingeweiht.35 In den folgenden Jahren bis 1756 entstanden, nach Plänen von Peter Thumb, die stattlichen Klostergebäude. Diese umfangreichen Baumaßnahmen im 18. Jahrhundert unter den Äbten Franz Herrmann (1731–1737) und Cölestin Herrmann (1738–1749) sind umso erstaunlicher, weil sie in keineswegs friedlichen Zeiten verwirklicht wurden. In den französisch-habsburgischen Kriegen der Neuzeit kamen zu den ungeheuren Belastungen durch Abgaben von Naturalien, Furagen, Holz, Einquartierungen, noch zusätzliche finanzielle Opfer, welche die Franzosen und auch die kaiserliche Regierung unerbittlich abverlangten. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts herrschte Frieden im Breisgau. Der Wohlstand des Klosters und seiner Untertanen mehrte sich. Doch dann brachen ab 1795 die Französischen Revolutionskriege und in der Zeit Napoleons die späteren Koalitionskriege über die Bevölkerung des Münstertals herein. Mehrfach zogen französische Truppen durch das Tal und plünderten es. Auf den lang ersehnten Frieden von Lunéville (1801) folgte 1803 der Reichsdeputationshauptschluss und die alles verändernde Säkularisation. Am 6. Januar 1806 wurde die Benediktinerabtei St. Trudpert durch Baden aufgelöst. Ende März begann Kommissar Speri, als Beauftragter des Großherzogs, mit der vollständigen bestands- und inventaraufnahme des gesamten Besitzes, mit der Klosterkirche, der Trudpertskapelle, den Konventsgebäuden und den Liegenschaften. Zusammen mit den jährlichen ständigen Lasten wurde alles als Aktiv- oder Passivvermögen in Listen eingetragen und verrechnet. Die lange Bestandsaufnahme ermöglicht einen profunden Einblick in den damaligen Besitzstand des Klosters, in der Summe wurde das Guthaben, nach Abzug der Schulden, auf etwa 480.000 Gulden berechnet. Davon sollte der Unterhalt der verbliebenen Klosterangehörigen bestritten werden. Unter dem letzten Abt Columban Christian (1780–1806) gehörten dem Konvent zwölf Patres, sechs Fratres und ein Laienbruder an. Weiter hatte das Kloster acht angestellte Amtsleute und 38 Bedienstete. Der Erlös der versteigerten Fahrnisse ergab die Summe von 7.210 Gulden. Am 23. Dezember 1806 traf die Verfügung ein, dass der noch bestehende Konvent aufzulösen sei. Es blieben vier Patres in der neu gegründeten Pfarrei St. Trudpert; die Klosterkirche diente als Pfarrkirche, in der ehemaligen Prälatur richtete man das Pfarrhaus ein. Hof- und Konventsgebäude, Ökonomie, Gartenhaus und Orangerie erwarb der Staatsrat und Hofrichter Freiherr Konrad von Andlau. Er richtete darin sein »Schloss St. Trudpert« ein. Das ehemalige Amtshaus, von Norden an die Kirche angebaut, war zunächst Staatliches Forsthaus, bis es 1838 abgerissen wurde. Später erbte Friedrich Freiherr von und zu Mentzingen den Besitz der Familie Andlau. Er verkaufte 1919 »Schloss und Gut St. Trudpert« der »Kongregation der Schwestern vom Heiligen Josef zu Saint-Marc«, die dort bis heute wirken. Besitz und WirtschaftZum frühen Besitz des Klosters wurden bislang die Besitzlisten in den Papstprivilegien von 1144 und 1185 samt ihrer Bestätigung von 1245 herangezogen, die sich jedoch alle drei als Fälschungen des späten 13./14. Jahrhunderts erwiesen haben.36 Zwar könnten die beiden ersten Diplome auf echten Vorlagen basieren, doch fehlt eine Parallelüberlieferung zu den Besitzungen dieser Zeit, die vielfach erst vom späten 13. Jahrhundert an in St. Trudperter Hand belegt sind. Die Urkunden nennen als Klosterbesitz das gesamte Münstertal mit allen Zehntrechten und das Tal des Muldenbachs oder Böllenbachs, dazu außerhalb des Münstertals eine eng gefasste Konzentration an Gütern und Rechten, Zehnten und Kirchenpatronaten in der westlich des Talausgangs gelegenen Rheinebene zwischen Rimsingen im Norden und Mauchen im Süden, sowie Streubesitz im Schönauer Tal, im linksrheinischen Elsass, um Freiburg und am Kaiserstuhl sowie in der Ortenau. Angeblich 1185 neu hinzugekommene Besitzungen sind meist kreisförmig um vorherige Güterorte gruppiert, wodurch der im Allgemeinen wohl durchaus stimmige Eindruck vermittelt wird, der Klosterbesitz habe sich im Rahmen einer Villikationsverfassung auf Basis älterer Hofgüter zu Dinghofverbänden entwickelt. Der älteste echte Beleg eines Klosterhofs in Laufen bei Sulzburg stammt von 1210.37 In einem um 1320 hergestellten Dingrodel werden die Dinghöfe Laisackerhof (Untermünstertal), Krozingen, Tunseln, Grunern, Laufen, Zizingen und Bombach genannt, 1325 noch einige weitere Höfe.38 Das weitgehende Fehlen klösterlicher Güterverzeichnisse erschwert selbst für das Spätmittelalter eine genauere Besitzübersicht.39 Im späten 13. Jahrhundert bildeten die Rechte im Unter- und im Obermünstertal (Britznach) besondere Streitpunkte, was maßgeblich mit dem Silberbergbau zu tun hatte, an dem das Kloster zunächst keinen direkten Anteil hatte. In beiden Talhälften übten die Herren von Staufen die Vogtei aus und hatten auch die mit Bergrechten verbundenen Wildbänne inne. Einen Prozess gegen Diethelm von Staufen um die Grundherrschaftsrechte, deren Besitz die Mönche im gesamten Münstertal für sich reklamierten, konnte das Kloster 1277 zu seinen Gunsten entscheiden. Die Wildbänne waren ein vom Bistum Basel herrührendes Lehen der Grafen von Freiburg an die Staufener, von denen das Kloster 1325 ein Viertel erwarb, womit es nun ebenfalls am Silberbergbau mitverdienen konnte. Um 1350/55 konnte das Kloster den Besitz des Viertels juristisch verteidigen, doch wurde es ihm 1370/72 von Graf Egen III. von Freiburg entfremdet und erst 1393 wieder restituiert. Nach der Übernahme der Bergherrschaft durch Österreich ab 1399 erhielt St. Trudpert das Viertel von den Herzögen verliehen und partizipierte damit bis ins späte 18. Jahrhundert am Münstertäler Silberbergbau. Wiederholte Besitzentfremdungen machten dem Kloster über längere Zeit zu schaffen, wie es päpstliche Mahnungen von 1341, 1384, 1424 und 1457 an andere Äbte, St. Trudpert wieder zu seinen Gütern zu verhelfen, nahelegen.40 Um 1450 reklamierten die Staufener das Jagd- und Fischereirecht des Abts im Münstertal für sich, was letzterer 1478 in einem aufwendigen Prozess, in dem zahlreiche der älteren Urkundenfälschungen noch einmal zum Einsatz kamen, erfolgreich abwehren konnte.41 Finanziell stand das Kloster über das gesamte Spätmittelalter auf schwachen Beinen. Der Auslöser einer hohen Verschuldung war 1256 der Erwerb der Burg Tunsel mit anhängenden Gütern für 700 Mark Silber, zu deren Finanzierung St. Trudpert zahlreiche Güter verpfänden musste. Deshalb ließ sich das Kloster 1260 die Kirche von Krozingen inkorporieren, der im 14. und 15. Jahrhundert – jeweils begründet mit Armut und Schuldenlast – sieben weitere Pfarrkirchen folgten. Um 1370 verzeichnet der Liber marcarum des Bistums Konstanz jährliche Einkünfte des Klosters von 250 Mark Silber, womit St. Trudpert unter den Benediktinerklöstern des Schwarzwalds im Mittelfeld rangierte, doch war diese Summe 1414 auf nur noch 80 Mark Silber herabgesunken.42 Zur Wirtschaftsgeschichte des Stiftes in der frühen Neuzeit sind derzeit nur wenig gesicherte Aussagen möglich. Die früher so wichtigen Bergwerke hatten weiterhin Bedeutung, auch wenn diese kaum mit der im Mittelalter zu vergleichen ist. 1779 ist das Recht des Bergbaus samt »Materialien und Requisiten« dem Kloster von Österreich für 11.300 Gulden abgekauft worden. Der letzte Abt Columban Christian schloss 1793 unter politischem Druck der Untermünstertäler Bürger einen Vergleich, der die Rechtverhältnisse über die Münstertäler Waldungen klärte. Diese hatten sich seit dem Mittelalter im Eigentum des Klosters befunden, wobei den Talbewohnern unter anderem Beholzungsrechte zugestanden worden waren. Unter der neuen Vereinbarung überließ das Kloster den beiden Gemeinden Unter- und Obermünstertal rund zwei Drittel sämtlicher Waldungen als volles Eigentum, wohingegen der St. Trudpert verbliebene Teil von jeglichen Ansprüchen freigestellt wurde. Dieses Drittel Klosterwald fiel 1806 als Staatswald an Baden. Religiöses und kulturelles WirkenEin Klosternekrolog ist nicht überliefert. Jahrzeitstiftungen sind nur ganz vereinzelt ab 1296 belegt und betreffen hauptsächlich die Herren von Staufen, die im Kloster auch ihre allerdings erst 1481 erwähnte Grablege hatten.43 Für seine legendären Stifter existierte ein möglicherweise erst mit dem Neubau der Kirche um 1450 angelegtes Stiftergrab in der Klosterkirche, das eine Inschrift besaß, die auf deren angebliche Stellung als Grafen von Habsburg verwies. Gebetsverbrüderungen pflegte St. Trudpert im 12. Jahrhundert mit St. Gallen und wohl auch bereits mit dem Augustinerchorherrenstift Marbach bei Colmar, dazu kam 1283 das benachbarte St. Blasien. Im Bereich der Seelsorge erweiterte das Kloster seinen Einfluss über das Münstertal hinaus durch die Inkorporation von acht Pfarrkirchen (1260 Krozingen, 1312 Sunthofen, 1350 Tunsel und Biengen, 1384 Grunern, 1407 Buchsweiler, 1414 Laufen, 1442 Berghausen). Um die Mitte des 14. Jahrhunderts schuf sich der Konvent in Rückgriff auf eine wohl um 1300 auf 1192 gefälschte Urkunde Coelestins III. (1191–1198), die den Mönchen die Gewährung besonderer Ablässe zu Christi Himmelfahrt zugestand, eine eigene Wallfahrt. Diese führte jährlich zu großem Andrang zahlungskräftiger Sünder, aber sowohl 1364 als auch noch vor 1414, 1442 und 1474 zu päpstlichen und bischöflichen Untersuchungen der Legitimität dieses Treibens.44 In den Jahren des Großen Schisma (1378–1417) hielt das Kloster wie ihre österreichischen Kastvögte zur avignonesischen Obödienz. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden im Kloster die nur unvollständig überlieferten Annales Sancti Trutperti, die mit einem Berichtszeitraum von 593–1246 in einem älteren Teil bis 1197 aus verschiedenen Quellen zusammengestellt wurden, vor allem aus der Chronik Ottos von Freising mit deren Fortsetzung Ottos von St. Blasien. In ihrem jüngeren Teil ist der Text fast identisch mit den Zwiefaltener Annalen. Den Angaben zur Reichsgeschichte sind nur vereinzelt Informationen zu regionalen Ereignissen, Personen und der Klostergeschichte beigegeben.45 1301 ist erstmals ein St. Trudperter Schulmeister Nikolaus belegt,46 wohingegen Schüler erst 1455 und 1480 auftreten, die teilweise später als Studenten an der Universität Freiburg nachzuweisen sind.47 In der Frühen Neuzeit existierten eine beliebte Trudpertswallfahrt und an der Kirche Rosenkranz- und Trudpertsbruderschaften. In der Regierungszeit Kaiser Josephs II. (1765–1790) wurden diese aufgehoben und ihr Vermögen dem Religions-, Armen- und Schulfond zugeteilt. Das Trudpertsfest durfte nicht mehr unter der Woche, am Todestag des Heiligen, sondern nur am folgenden Sonntag gefeiert werden. Die Wallfahrt selbst wurde mit Polizeigewalt unterbunden. Bibliothek und ArchivBeim Niederbrennen des Klosters im Dezember 1632 ging die Bibliothek komplett unter. Erhalten sind ein halbes Dutzend älterer Handschriften, die zuvor die Klosterbibliothek verlassen hatten, darunter das heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrte St. Trudperter Hohelied, das so heißt, weil sich diese älteste Handschrift einst im Kloster befand. Der Wiederaufbau der Klosterbibliothek nach 1632 schritt nur langsam voran. Einen Aufschwung konnte sie in der Amtszeit von Abt Augustin Sengler (1694–1731) verzeichnen, der 6.000 Reichstaler aufnahm, um Bücher zu kaufen. Im 18. Jahrhundert wurden Bücher mit einheitlichen braunen Einbänden und dem Monogramm *S*T versehen. 1775 entstand ein vierbändiger Bibliothekskatalog, der bis etwa 1793 geführt wurde und 3.300 Titel in 6.000 Bänden verzeichnete. Er bildete die Grundlage für die Vorauswahl der Hofbibliothek, die 14 % der Bücher umfasste, und die Nachauswahl der Universitätsbibliothek Freiburg. Letztere versuchte, sich den gesamten St. Trudperter Bestand einzuverleiben, was aber an der Beharrlichkeit der Hofbibliothek scheiterte. Diese erhielt allerdings nur einen Teil des Gewünschten, weil sich viele Bücher nicht auffinden ließen und die Freiburger Universitätsbibliothek andere Titel unterschlug. Die Badische Landesbibliothek Karlsruhe besitzt heute sieben Handschriften, wobei lediglich der vierbändige Katalog der Klosterbibliothek direkt aus St. Trudpert stammt. Die Universitätsbibliothek Freiburg verfügt über sechs vor allem liturgische Handschriften sowie über eine große Zahl von Handschriften mit Kompositionen des 18. Jahrhunderts für Messen, Litaneien und Offertorien. Während die Badische Landesbibliothek Karlsruhe nur etwa zehn Inkunabeln aus St. Trudpert besitzt, bewahren die Universitätsbibliothek Freiburg und das dortige Collegium Borromaeum fast 30 Inkunabeln auf. Das Klosterarchiv gelangte nach Säkularisation nach Karlsruhe in das Generallandesarchiv. Für die Urkunden (Bestand 15) und die Generalakten (Bestand 103) wurden eigene Bestände gebildet, die übrigen Archivalien wurden – dem Pertinenzprinzip des Archivs folgend – auf die Ortsbestände und die Bandserien verteilt (Bestand 61 Protokolle, 65 Handschriften, 66 Beraine, 67 Kopialbücher). Bau- und KunstgeschichteLageDas ehemalige Benediktinerkloster St. Trudpert liegt im Münstertal am Eingang zum Obertal auf einer Anhöhe am südlichen Talhang. Blickfang der Klosteranlage ist die ehemalige Klosterkirche, die heutige Pfarrkirche St. Trudpert. Der hohe, spätgotische Chor, das barocke Kirchenschiff und der Turm mit Glockengeschoss und Zwiebelhaube prägen das Landschaftsbild. An die Westfassade der Kirche fügt sich in direkter Verbindung nach Süden der einstige, 1738/1739 erbaute Prälatur- oder Abteiflügel an. Aus diesen Jahren stammten auch zwei frühere Flügelbauten (Süd- und Ostflügel) des Konvents, die mit der Kirche und dem Prälatur- oder Abteiflügel eine geschlossene Anlage um einen weiten viereckigen Hof bildeten. Der Südflügel trat weit über den Ostflügel hinaus. Als Architekt zeichnete Peter Thumb verantwortlich. Nach der Auflösung des Klosters wurden diese Gebäude 1809/10 niedergelegt, aber ab den 1920er Jahren unter den neuen Eigentümern und Nutzern, den Schwestern vom Heiligen Josef, vereinfacht wiederaufgebaut. Den Abschluss des neuen Südflügels bildet der 1929 begonnene und 1965 geweihte große Zentralbau, die jetzige Klosterkirche. Erhalten und heute durch die davorliegende Terrassenanlage mit Mauer, Balustern und vier großen Heiligenfiguren besonders hervorgehoben, ist das im rechten Winkel an den Prälatur- oder Abteiflügel anstoßende, dem Hang weiter folgende Hofgebäude, früher auch als Fremden- oder Gästeflügel bezeichnet. Wie die Konventsbauten ist es in die Jahre 1738/1739 zu datieren und stellte früher die Verlängerung des Südflügels nach Westen dar. Nördlich vor der alten Klosterkirche und mit dieser durch einen gedeckten Gang verbunden steht das 1927 vollendete Pfarrhaus. Hier erhob sich bis 1838 das sogenannte Amtshaus, welches direkt an die Kirchenfassade anschloss. Das 1757 erbaute Amtshaus zeigte sich mit der Kirche und dem Prälatur- oder Abteiflügel als repräsentative Schaufassade des Klosters. Östlich der Kirche und in die noch erhaltene Klostermauer eingebunden liegt über dem Ort, an dem Trudpert sein Martyrium erlitten haben soll, die Trudpertskapelle mit Quelle. Außerhalb der Klostermauer erstreckt sich nach Norden der Friedhof mit der dem Hl. Markus geweihten Kapelle, deren Baubeginn in das Jahr 1755 fällt, 1765 erfolgte die Weihe. Innerhalb der Klostermauer befinden sich mehrere Wirtschaftsgebäude sowie der terrassierte Konventsgarten. Das Torhaus im Norden wurde 1860 abgebrochen. Die teilweise erneuerten Funktionsbauten dienen heute noch der Landwirtschaft oder werden als Gästehäuser genutzt. Kirche und KonventsbautenReste der Vorgängerbebauung vor dem Jahr 1000 sind in unbekanntem Maß unterhalb der Apsis erhalten. Konkreter ist ein romanischer Kirchenbau zu fassen, der unter anderem durch Zeichnungen von Gabriel Bucelin, selbst zu dieser Zeit Konventuale in St. Trudpert, wiedergegeben wird.48 1624 zeigt Bucelin von Süden aus die Klausurgebäude, die im Norden von einer Kirche mit einem hohen gotischen Chor, einem wesentlich niedrigeren Langhaus mit rundbogigen Fenstern, einem Westbau und einem aus der Achse herausgeschobenen Turm abgeschlossen werden. Auf der Nordseite des Chores gibt es einen weiteren Turm. Es existieren keine schriftlichen Baunachrichten, aber mehrere zwischen 1938 und 1988 festgestellte Fundamente und die historischen Darstellungen lassen auf einen Kirchenbau des späteren 10. oder frühen 11. Jahrhunderts schließen. Diesem scheint in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ein Westbau und der Turm beigegeben worden zu sein – Hinweise auf eine Orientierung an Hirsauer Reformen, für die historische Belege jedoch fehlen. Der spätgotische, 1456 geweihte Chor mit 5/8 Schluss ist wahrscheinlich durch einen Brand notwendig geworden. Fehlende finanzielle Mittel verhinderten wohl einen kompletten Neubau der Kirche. Eine heute verschollene Schrift des Konventualen Placidus Holdermann – Apographum Vitae S. Trudperti – aus dem Jahr 1659 gibt zudem genaue Maße der Kirche an:49 Das Innere des Langhauses hatte demnach eine Länge von 28,70 Meter bei einer lichten Breite von 16,40 Meter; zum Vergleich: die innere Länge des Chores beträgt etwa 27 Meter. Aus der Bauzeit um die Mitte des 15. Jahrhunderts oder etwas später werden auch die übrigen Gebäude wie Klausur und Abtshaus stammen. Nach den Plünderungen von 1518 und 1525 wurden die Schäden bis in die Amtszeit des Abts Jakob Watterdinger (1573–1594) beseitigt. Die bauliche Situation des Klosters änderte sich einschneidend durch die Brandschatzung der Schweden 1632. Für die Kirche folgte ein nur notdürftiger Wiederaufbau auf den alten Mauern ab 1648; der Chor wurde mit Brettern abgedeckt, die südlich angebaute gotische Marienkapelle für den Gottesdienst nutzbar gemacht. Die Arbeiten zogen sich bis 1670. Abt Roman Edel gab zur Ausstattung einen neuen Hochaltar sowie bei dem Luzerner Bildschnitzer Johann Jakob Reber (Räber) eine neue Kanzel (nicht erhalten, Reste kamen 1906 in die Altertumshalle nach Karlsruhe) und ein neues Chorgestühl in Auftrag. Das im Stil der Spätrenaissance gestaltete Gestühl hat seinen Platz an der nördlichen und südlichen Chorwand. Unter Abt Augustin Sengler (1694–1731) begann die Phase der umfangreichen barocken Baumaßnahmen. Zuerst die Trudpertskapelle: Der kreuzförmige Bau mit achteckiger Vierungskuppel und Zwiebeldach (erst 1836 bei einer Restaurierung durch das spitze Zeltdach ersetzt) wurde zwischen 1698 und 1700 an Stelle eines kleineren Vorgängerbaus von Peter Gayet und Johannes Travers aus Breisach errichtet, allerdings erst am 10. April 1731 konsekriert.50 Die Ausstattung mit drei Altären von unbekannten Künstlern wird von Fresken, wohl von Francesco Antonio Giorgioli, begleitet. Nach dem eigenständigen Kapellenbau wandte sich Sengler der Klosterkirche zu. Er ließ den Turm auf der Nordseite bis auf den Sockel abbrechen, im gotischen Chor ein massives Tonnengewölbe mit Stichkappen einziehen, die Fenster teilweise zumauern und mit Rundbögen umgestalten. Zur Wandgliederung dienen Pilaster mit korinthischen Kapitellen. Die signierten und mit 1710 datierten Fresken stammen von Giorgioli aus Meride. Noch bevor mit den Arbeiten am Langhaus begonnen wurde, kam es zwischen 1712 und 1722 zum Bau eines massiven Westturms mit Oktogon und Zwiebelhaube. Dieser massive Einturm, nun axial zu Langhaus und Chor, birgt eine kreuzgratgewölbte Vorhalle. Als Architekt des neuen Kirchenschiffs gilt Peter Thumb, eine nicht unumstrittene Zuschreibung.51 Die Grundsteinlegung 1715 und die Weihe 1727 sind die Eckdaten für die Errichtung eines fünfjochigen Raumes nach dem Schema einer Vorarlberger Wandpfeilerkirche, einer Orgelempore 1722 [i] im Westen und einer Gewölbedecke mit Stichkappen. Ein stimmiger Eindruck zwischen dem eingezogenen, gotischen Chor und dem Langhaus wird durch die angepasste Gestaltung der Decke und der Wandgliederung erreicht. Bei den einzeln ausgesparten Bildfeldern zwischen den hellen Stuckflächen griff man auf die gleichen Künstler zurück: Giorgioli für die Fresken und Carpoforo Orsati und Michelangelo de Prevostis für die Stuckarbeiten. 1737 beauftragte Abt Franz Hermann Peter Thumb, die Klostergebäude neu zu errichten.52 Schon 1738 wurde unter dem neuen Abt Cölestin Herrmann ein neuer Vertrag mit Thumb ausgearbeitet, der nun ein wesentlich größeres Projekt vorsah. Unter anderem wurde der lange Südflügel mit dem Konvents- und Fremdentrakt, von Risalitbauten im Osten und Westen eingefasst, geplant und der Turm mit einer neuen Fassade versehen. Durch einen Brand 1738 kam es zu einer Unterbrechung der Bautätigkeiten. Zunächst errichtete Thumb die zerstörten Ökonomiebauten neu. Tätigkeiten an der Prälatur sind für 1751 nachgewiesen. Das ab 1757 entstehende Amtshaus, welches nördlich der Kirche anschließt, das Pförtnerhaus und die Schütte zählen zu den letzten Arbeiten. Die Niederlegung großer Teile des Klosterbaus 1809/10 zerstörte Thumbs Anlage, auch wenn die Neubauten des 20. Jahrhunderts die Gesamtkomposition wiederaufgegriffen haben. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie Fresken im Deckenspiegel des Langhauses zeigen von West nach Ost: Maria Magdalena als Büßerin empfängt von einem Engel die Kommunion (1722 (i)); die Bekehrung des Paulus vor Damaskus; Reue des Petrus nach Verleugnung Christi. Eingefasst werden diese Bilder von einem St. Trupert-Zyklus mit acht Szenen aus dem Leben des Heiligen in den Gewölbezwickeln. In den Gewölbetonnen über den Galerien der Seitenkapellen haben die Malereien die Acht Seligkeiten (Mt 5,3 ff) zum Thema. Im Chorgewölbe findet sich im großen Mittelbild eine Himmelfahrt und Krönung Mariens, kleinere Darstellungen zeigen im Osten Trudpert, der mit seinen vermeintlichen Geschwistern Rupertus und Ehrentrudis, Benedikt und Scholastika und den Stiftern des Klosters die himmlische Herrlichkeit erblickt, im Westen die Anbetung der Heiligen Drei Könige. In den Stichkappen des Gewölbes sind die zwölf Kirchenväter, wenn auch nicht alle zu identifizieren sind, wiedergegeben. Der Chorbogen der Langhausseite wird von einer Stuckdraperie geschmückt. Darauf in der Mitte schwebt eine Maria Immaculata flankiert von Benedikt und Scholastika, Franz Josef Friedrich Christian aus Riedlingen zugeschrieben. Über der Gottesmutter im Gewölbe der Decke das Wappen Abt Senglers. Auf der Chorbogenrückseite steht in einer Kartusche der Hl. Trudpert vor einer Kirchenfassade. Zentrales Stück der Ausstattung ist der die Chorapsis raumfüllende Hochaltar. Zwischen 1780 und 1784 von Christian geschaffen, ersetzt er den alten Hochaltar von 1667. Nur sein Altarbild, heute an der südlichen Chorwand, ist erhalten. Der frühklassizistische, aus Stuckmarmor bestehende Altar zeigt im Zentrum die Patrone der Kirche: im Hauptbild Petrus und Paulus vor der Peterskirche in Rom, im Auszug den Hl. Trudpert mit Tanne und Trudpertskapelle. Die vier vor den Kolossalsäulen angebrachten Figuren sind der Ordensgründer Benedikt, die Erzdiakone Stephanus und Laurentius und Benedikts Schwester Scholastika. Am Gebälk wurde an zentraler Stelle das Wappen des auftraggebenden Abts Columban II. angebracht. Des Weiteren sind in der Kirche vor dem Chorbogen und in den Seitenkapellen Altäre erhalten, zum großen Teil stammen sie von Jacob Carl Stauder, wobei sich seit 1822 zwei weitere Altäre aus der Kirche in Achkarren am Kaiserstuhl befinden. Die Kanzel an der Südseite des Mittelschiffs kam erst 1822 durch Kauf nach St. Trudpert und stammt aus der Kirche des ehemaligen →Augustinereremitenklosters in Freiburg. Gegenüber der Kanzel hängt ein großes Missionskreuz, geschaffen um 1675 von Christoph Daniel Schenck aus Konstanz. Im Chor das Stiftergrabmal von 1739. Stammen die Beichtstühle mit Intarsien und Bandelwerk von 1748, geht das Orgelgehäuse auf der Empore in die Zeit um 1760 zurück. Das heutige Orgelwerk ist eine Arbeit von 1963. Zur Blütezeit des Klosters gehören zwei bedeutende Kreuzreliquiare. Aus dem wertvollen mittelalterlichen Kirchenschatz befindet sich heute nur noch das Niellokreuz im Besitz der Kirchengemeinde (Abb. 10). Das Vortragskreuz in Form eines Krückenkreuzes aus der Zeit um 1175/80 zeigt auf der Vorderseite Christus am Kreuz, darunter Maria und Johannes den Apostel, an den Kreuzenden drei Evangelisten und die Stifterin Anna. Auf der Rückseite ist Christus als Weltenrichter dargestellt, ihm zu Füßen wohl Gottfried von Staufen, Marschall des Zähringer Herzogs Bertold IV. (1152–1186). Weitere Stücke des Kirchenschatzes hatte Abt Columban Christian, der die Säkularisation als »schnell vergehendes Wetterleuchten, ohne tiefgreifende Folgen« ansah, 1804 in das befreundete Kloster Mariastein in der Schweiz bringen lassen. Dazu zählten unter anderem das gotische Reliquienkreuz und der um 1250 entstandene Trudpertskelch. Als Mariastein 1874 im sogenannten schweizerischen Klostersturm aufgehoben wurde, benötigten die Mönche für die geplante Neugründung in Delle (Frankreich) Geld. Sie verkauften die Stücke an den russischen Sammler Basilewsky. Dessen berühmte Sammlung sakraler Kunst wurde auf einer Auktion in Paris vom Zaren Alexander III. (1881–1894) erworben und gelangte 1884 nach Petersburg in die Eremitage. Der Kreuzpartikel wurde vor dem Verkauf entnommen und ist, in neuer Einfassung, in St. Gallus in Bregenz untergebracht. Den Trudpertskelch und die anderen Messgeräte verkaufte die Eremitage St. Petersburg 1947 an das Metropolitan Museum of Art in New York. Nur das Kreuz, um 1280 in Freiburg entstanden, blieb im Besitz der Eremitage. Die Vorderseite der Goldschmiedearbeit mit Christus, Maria und Johannes zeigt an den Enden Ecclesia und Synagoge wie den thronenden Christus, die Rückseite das Lamm Gottes und die Symbole der Evangelisten. BibliographieQuellen: Passio Thrudperti martyris Brisgoviensis, in: MGH SS rer. Merov. 4, S. 352–363. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg 2, S. 638–640 (Wolfgang Kaiser), GermBen V, S. 606–614 (Wolfgang Müller); KDM Bd. 6,1, S. 434–447 (Franz Xaver Kraus/Max Wingenroth); kloester-bw, Benediktinerabtei St. Trudpert (Andreas Büttner). Literatur: Strohmeyer 1933; Sebert 1962/63; Huth 2004; Gutmann (in Vorbereitung). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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