Freiburg, Dominikanerinnen St. Katharina in der Wiehre 

Kurzbeschreibung:

1297 Schenkung einer Hofstätte im Dorf Wiehre zur Errichtung eines Dominikanerinnenklosters – 1303 Erwähnung als inkorporiertes Dominikanerinnenkloster – 1429 Frauenkloster unter Aufsicht des Bischofs von Konstanz – 1632/1644 Zerstörung der Klostergebäude – 1677 erneute Zerstörung durch französische Truppen – 1687 Vereinigung mit Adelhausen – 1694 Gemeinsame Übersiedlung in das Neukloster Adelhausen

Patrozinium: Katharina von Alexandrien
Ordensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Alsatia; 1429 der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz unterstellt
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Dominikanerinnen St. Katharina in der Wiehre 1297-1687
Beschreibung:

Name: frowen, demme man sprichet von sante Katherinen (1297);1 vnser hus das gelegen ist an der kilchen der frowen von sante Katherinen ze Wueri (1303);2 convent der frowen von sant Katherinen ze Wueri bi Friburg Predier ordens (1306);3 gotteshus ze sant Katharinen bi Friburg Predier ordens (1323);4 kloster ze sant Katherinen bi Friburg in Brisgoe in Kostenzer bistum Brediger ordens (1348)5

Geschichte

Das außerhalb der Stadt Freiburg gelegene Kloster St. Katharina wird erstmals in einer Urkunde des Stadtherrn Graf Egen I. von Freiburg (1271–1316) aus dem Jahr 1297 erwähnt. Darin schenkt der Stadtherr den Bewohnerinnen einer Hofstätte in der Wiehre diese zu Eigentum, damit sie an diesem Ort ein Kloster des Predigerordens errichteten. Gleichzeitig befreite er sie von allen Steuern und Abgaben.6 1303 wird St. Katharina in einem Verzeichnis der Provinz Teutonia bereits unter den inkorporierten Dominikanerinnenklöstern aufgeführt,7 obgleich die Erlaubnis zum Bau eines Klosters erst im Jahr 1305 erteilt wurde.8 Das Anniversar aus dem Jahr 1354 erwähnt als Stifter des Klosters einen Priester namens Thomas, der 1302 als Bewohner des Freiburger Heiliggeistspitals bezeugt ist.9 Im 14. Jahrhundert kamen die Schwestern anfänglich aus dem Freiburger Patriziat, während im 15. Jahrhundert die zünftigen Ober- und Mittelschichten überwogen.10 Aus der Frühzeit des Klosters stammt der kostbare »Malterer-Teppich« der patrizischen Familie Malterer, deren Töchter in St. Katharinen eingetreten waren. Er befindet sich heute im Augustinermuseum und thematisiert nach dem Vorbild der höfischen Literatur den Lohn der Gottesliebe gegenüber den Gefahren der weltlichen Liebe (Abb. 3).11 Über die wirtschaftlichen Verhältnisse informieren die Urbare und Zinsbücher des Klosters.12 Nach der Eingemeindung des Dorfes Wiehre Ende des 14. Jahrhunderts wurden die Schwestern Stadtbürgerinnen unter der Pflegschaft eines städtischen Klosterpflegers. Sie wurden aber nicht zu Steuern und Abgaben herangezogen.13 Die geistliche Betreuung lag offiziell beim Predigerkloster. Das Verhältnis gestaltete sich aber immer schwieriger. Bereits 1382 hatte das Kloster von Papst Clemens VII. (1378–1394) das Privileg erhalten, seinen Beichtvater nach eigener Wahl bestimmen zu dürfen.14 1429 wurde die Beziehung zum Predigerorden aufgelöst und St. Katharinen der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz unterstellt.15 1430 richtete die Priorin von St. Katharina einen Hilferuf an die Zunftmeister der Stadt, etwas gegen den moralischen Niedergang ihres Klosters zu unternehmen.16 1464 kümmerte sich auch die Diözesangewalt um die mangelnde Einhaltung der Klausur und verbot unter Strafen das Betreten des Klosters.17 Sowohl von Seiten der Stadt und der Ordensleitung des Dominikanerordens kam nun der Ruf nach Reform. Da St. Katharinen aber der Diözesanleitung unterstand, unterblieb zum großen Bedauern des observanten Dominikaners Johannes Meyer († 1485) eine Reform.18 In den Augen von Meyer hatte St. Katharinen damit seine Stellung als Dominikanerinnenkloster verloren, was aber den Intentionen der Schwestern nicht entsprach, wie die Handschriften aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Besitz des Klosters aufzeigen.19 Sie lehnten nicht die dominikanischen Gewohnheiten ab, sie fürchteten aber die Strenge der observanten Reform und ein mögliches Verbot des Privatbesitzes.20 1502 amtete der elsässische Dominikaner Thomas von Lampertheim als Vikar in St. Katharinen,21 um einen erneuten Reformversuch einzuleiten, dem sich das Kloster aber mit Hilfe des Bischofs von Konstanz entziehen konnte. Wie alle Freiburger Frauenklöster verlor St. Katharina in der Reformationszeit viele Schwestern, die zum neuen Glauben übertraten. Um die Lücken zu füllen, mussten 1563 dafür Schwestern aus dem aufgehobenen Kloster St. Agnes in Liebenau in St. Katharina in der Wiehre und →Adelhausen aufgenommen werden. 1600 sollten die verbliebenen vier Nonnen aus St. Katharinen mit Hilfe von Nonnen aus St. Agnes in Freiburg reformiert werden, was neuen, vergeblichen Widerstand hervorrief. Im Ergebnis wurde St. Katharinen in der Neuzeit der Reform zugeführt. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg (1632 und 1644), verließen die letzten Nonnen das Kloster und vereinigten sich 1651 mit den Schwestern von →St. Maria Magdalena. 1677 wurde die Anlage durch französische Besatzungstruppen erneut zerstört. Die Schwestern zogen in die Stadt und schlossen sich 1687 dem Kloster Adelhausen an. 1694 konnten die vereinigten Klöster gemeinsam das →Neukloster Adelhausen beziehen.22

Bau und Kunstgeschichte

Das Dominikanerinnenkloster St. Katharina lag im Dorf Wiehre südlich von Freiburg. Die Reste des Klosters sind heute überbaut, auf einer Fläche von ca. 9.000 m² im Bereich Goethestraße 4–10 und 3–13 zu verorten. An die schlichte Kirche mit einem Dachreiter schlossen sich im Süden die um einen Innenhof gruppierten Konventsbauten an. Zu dem ummauerten Klosterbezirk gehörten ferner Hof und Gartenflächen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster beschädigt, im Jahr 1677 gänzlich zerstört. Nach 1694 kamen alle Archivalien, Bücher, liturgische Geräte und sonstige Kunstschätze in das Adelhauser-Neukloster.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Dominikanerinnenkloster St. Katharina in der Wiehre Freiburg (Marina Wehrli-Johns).

Literatur: Wilms 1928; Eißengarthen 1985; Bock 1997; Denne 1997; Henze 2006 (a); Doerr 2012.

Anmerkungen

  • 1 Fr UB (Hefele) II, Nr. 227 S. 271 f.
  • 2 StadtA FR XVI A a Nr. 270.
  • 3 StadtA FR XVI A a Nr. 44.
  • 4 StadtA FR XVI A a Nr. 271.
  • 5 StadtA FR XVI A a Nr. 125.
  • 6 Fr UB (Hefele) II, Nr. 227 S. 27 1-273; Bock 1997, S. 17.
  • 7 Wilms 1928, S. 49; Denne 1997, S. 3 5-38.
  • 8 Fr UB (Hefele) III, Nr. 75 S. 6 0-61; Bock 1997, S. 17.
  • 9 Denne 1997, S. 36. Edition des lateinisch deutschen Anniversars aus dem Stadtarchiv Freiburg (StadtA FR B 1 Nr. 152) bei Denne 1997, S. 30 0-316. Das Anniversar des Klosterstifters Thomas wird erwähnt S. 314, sein Ableben, S. 311.
  • 10 Denne 1997, S. 18 5-199; Doerr 2012, 15 0-153.
  • 11 Siehe Eißengarthen 1985, S. 2 3-30
  • 12 StadtA FR B 4 Nr. 101 (Urbar von 1309 mit Nachträgen bis 1424); B 4 Nr. 102 (Urbar, angelegt 1520 ff. mit Nachträgen); B 4 Nr. 103 (Urbarbuch 1579, Einträge 1297-17. Jh.); B 4 Nr. 104 Urbarbuch von 1694.
  • 13 Denne 1997, S. 21 9-223.
  • 14 Denne 1997, S. 7 5-77 (Anm. 46 f.).
  • 15 Denne 1997, S. 7 5-76. Doerr 2012, S. 20 5-206.
  • 16 Doerr 2012, S. 20 7-208.
  • 17 Doerr 2012, S. 20 9-210.
  • 18 Doerr 2012, S. 30 8-310.
  • 19 Doerr 2012, S. 31 0-311 sowie das Handschriftenverzeichnis in der Online-Ausgabe.
  • 20 Doerr 2012, S. 31 4-317.
  • 21 Verfasserlexikon Bd. 9, Sp. 88 5-889; Thomas von Lampertsheim ist in einer digitalisierten Handschrift des Stadtarchivs (StadtA FR B 1 Nr. 163) mit einer Predigt und einer geistlichen Mahnrede vertreten.
  • 22 Bock 1997, S. 20
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Martina Wehrli-Johns [Autor]
  • Bertram Jenisch [Autor]
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)