Mosbach, Franziskaner 

Kurzbeschreibung:

1686 Gründung als Missionsniederlassung – 1693 Erhebung zum Kloster – 1700 Weihe der Klosterkirche – 1771 Noviziat für die gesamte Thüringische Franziskanerprovinz – 1802/08 Aufhebung – 1809/10 Abbruch der Klosterkirche

Patrozinium: Joseph
Ordensgliederung: (Observanten-)Provinz Thuringia
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Würzburg, Landkapitel Mosbach

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Franziskaner 1686-1802
Beschreibung:

Name: P.P. Franciscani zu Mosbach (1699)1

Geschichte

Außerhalb der Mosbacher Stadtmauern, auf halber Strecke zwischen dem Oberen Tor und der Gutleuthausanlage, entstand seit 1686 ein Kloster, das mit Observanten der Thüringer Franziskanerprovinz besetzt war. Es verlieh der mit dem Regierungsantritt des Kurfürsten Philipp Wilhelm (1685–1690) einsetzenden Rekatholisierungspolitik in der Pfalz sichtbaren Ausdruck. Mit Erlaubnis des Würzburger Bischofs bildeten drei Patres eine Mission, die für die Seelsorge in der katholischen Diaspora zuständig war. Anfangs fanden sie in der Unteren Bachmühle eine Bleibe, legten aber schon am 16. Juni 1686 den Grundstein zu einer Kirche und zu einem klösterlichen Gebäudetrakt, der 1689 fertiggestellt wurde und Raum für ein auch von der Pfarrgemeinde genutztes Oratorium bot.2 Im selben Jahr wurde die Niederlassung zur Residenz, 1693 zum Konvent erhoben. Die Weihe der Klosterkirche erfolgte am 9. Mai 1700 durch den Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger zu Ehren des Hl. Joseph.3

Von Anfang an waren Patres des Mosbacher Konvents für die Pfarrseelsorge in umliegenden Gemeinden, so etwa in Lohrbach, Fahrenbach und Haßmersheim, verantwortlich. Auch standen sie den Mitgliedern der seit 1698 bestehenden Strickgürtelbruderschaft des Hl. Franziskus als Prediger zur Seite.4 Als französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Anfang Dezember 1688 die Amtsstadt besetzt hatten und mit Brandschatzung drohten, war es der Fürsprache des Franziskanerpaters Ludwig Merklein und seines sprachkundigen Laienbruders Angelus Maes zu danken, dass Mosbach nicht in Flammen aufging.5

Gleichwohl kam es zu fortwährenden Konflikten zwischen der reformierten Bevölkerungsmehrheit und den Franziskanern, die mit Prozessionen und Wallfahrten öffentlich in Erscheinung traten. Die spirituelle und wirtschaftliche Ausstrahlung des Klosters zeigte sich, wenn an den großen Ordensfesten Tausende Besucher aus dem Umland nach Mosbach strömten, um beispielsweise den Portiuncula-Ablass zu empfangen. Nicht von ungefähr beauftragte die Thüringer Provinz den Mosbacher Guardian Gregor de Mindere 1714 mit der Neugründung des Klosters →Sinsheim.6

Für die Stadt Mosbach, aber auch für den Orden entwickelte sich das Franziskanerkloster zu einer wichtigen Bildungsstätte. Im Herbst 1720 wurde ein Gymnasium eröffnet, dessen Lehrbetrieb von zwei Patres übernommen wurde. Die geringe Zahl katholischer Schüler führte jedoch dazu, dass die Schule 1738 geschlossen wurde. Erst 1770 wurde der Unterricht wiederaufgenommen. Für das Jahr 1775 ist eine von einem Singspiel untermalte Schulkomödie bezeugt, die sich mit der christlichen Mission in Japan befasste. Das bis 1802 bestehende Gymnasium wurde vornehmlich von kurpfälzischen Beamtensöhnen besucht; kurz vor der Aufhebung zählte es vier Lehrkräfte.7

Ordensintern fungierte Mosbach von 1738 bis 1763 als philosophische Ausbildungsstätte für Priester. Für kurze Zeit wurde 1764 auch Theologie gelehrt. Von 1771 bis 1802 war in Mosbach das Noviziat für die gesamte Thüringer Provinz untergebracht. Während der drei Jahrzehnte wurden rund 150 Novizen auf das Ordensleben vorbereitet.8

Mit etwa 30 Minderbrüdern zählte Mosbach zu den größeren Konventen in der Franziskanerprovinz Thuringia. Im Jahr 1801 bestand die Gemeinschaft aus 33 Personen, darunter 18 Patres, sechs Laienbrüder und neun Novizen. Sie waren großenteils in den Bistümern Würzburg, Fulda und Mainz beheimatet.9

Unter dem Einfluss des aufgeklärten pfalz-bayerischen Ministers Montgelas war das Kloster Mosbach schon 1801 von der Aufhebung bedroht, die jedoch zunächst am Widerspruch des Würzburger Ordinariats scheiterte. Nachdem die Lateinschule auf Drängen der kurpfälzischen Regierung geschlossen und das Noviziat nach Salmünster verlegt worden war, wurde das Kloster am 2. August 1802 aufgehoben. Doch bereits mit der im selben Jahr erfolgten Herrschaftsübernahme durch den Fürsten von Leiningen konnten die Ordensleute, die sich nach Osterburken und Gundelsheim abgesetzt hatten, 1803 nach Mosbach zurückkehren. Das Ende des Franziskanerkonvents kam mit dem erneuten Wechsel der Landesherrschaft. Durch Beschluss der großherzoglich badischen Regierung vom 17. Juni 1808 wurde die endgültige Aufhebung vollzogen. Die Konventualen gingen teils in den Pfarrdienst, teils wurden sie in anderen Klöstern untergebracht. Das Inventar, darunter auch die Orgel, die Altäre und Beichtstühle, wurde versteigert, die Kirche abgebrochen.10

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster wurde nordöstlich außerhalb der Altstadt am Hang des Lohrtals errichtet. Die Klausur schloss nach Nordosten hin an die Klosterkirche an, die mit der Fassade zur Landstraße im Elztal ausgerichtet war, so dass der Altarraum nach Südosten wies. Neben der Kirche war der katholische Friedhof für Mosbach angelegt, der 1699 zum Garten des Klosters umgewandelt und ummauert wurde. An der Klostermauer standen nach Norden hin einige Wirtschaftsgebäude, unter anderem eine Brauerei.

Kirche und Konventsbauten

Ein symbolischer Grundstein zur Kirche wurde am 16. Juni 1686 auf dem neuen Friedhof gelegt.11 Die eigentlichen Bauarbeiten, durchgeführt nach Plänen und unter Bauleitung der Franziskanerbrüder Franz Ververs und Marianus Gapp, begannen mit der Grundsteinlegung am 19. Juni 1688. Am 13. Juni 1689 konnte der Konvent den ersten Klosterflügel beziehen, in dem ein geräumiges Oratorium eingerichtet wurde. Es war nicht nur der Psallierchor der Franziskaner, sondern hatte auch ein Glockentürmchen und ein Kirchenschiff, in dem sich die wenigen Katholiken von Mosbach zum Pfarrgottesdienst versammelten. Für den zweiten Klosterflügel wurde 1691 der Grundstein gelegt, 1693 war er bezugsfertig. Mit dem Bau der Kirche und des dritten Klosterflügels beauftragte der Konvent Johann Wolz aus Amorbach. Am 26. April 1695 fand die Grundsteinlegung statt; 1696 war der Flügel im Rohbau fertig, 1698 konnte die Kirche durch Bruder Anton Beyer gewölbt werden, am 4. Oktober des Jahres fand der erste Gottesdienst darin statt. Bei der feierlichen Kirchweihe am 9. Mai 1700 wurde der Hochaltar zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Franziskus geweiht, die beiden Nebenaltäre der Schmerzhaften Muttergottes und dem Hl. Antonius; die Altäre waren Arbeiten von Bruder Georg Blank, der Hochaltar eine Stiftung des Kurfürsten. Die Ausstattungsarbeiten dauerten bis 1703.

Die zweigeschossigen Bauten waren im Äußeren wie im Inneren völlig schmucklos und konnten deshalb so rasch erbaut werden. Der Westflügel mit dem Klostereingang war sieben Achsen lang und sprang vor die Fassade der Klosterkirche vor. Im Inneren gab es hofseitig einen Flur, der als Kreuzgangflügel entlang der Kirche beide Flügel verband. Die Baugestalt der 1809 abgebrochenen Kirche ist unbekannt.

Nach Einrichtung des Provinznoviziats in Mosbach wurde 1768 (i) der Ostflügel nach Norden verlängert, 1769 (i) auch der Westflügel um neun Achsen. Den Grundstein legte am 8. November 1768 Kurfürst Karl Theodor (1742–1799) persönlich.12 Die Ecken der Neubauten sind nun durch Rustikaquaderung betont; ihr Dach wurde abgewalmt. Mit einem nördlichen Verbindungstrakt wurde der Teilneubau abgeschlossen.

Erhalten, aber im Inneren stark umgebaut ist nur die Klausur (heute Amts- und Landgericht).

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Bemerkenswert war der Springbrunnen im Garten des Klosters: Das Wasser strömte aus den Wundmalen des Hl. Franziskus. Von der Kirchenausstattung sind zwei Seitenaltäre, das Gestühl und die Kanzel in der ehemaligen Stiftskirche →St. Juliana in Mosbach erhalten, weitere Ausstattungstücke gelangten nach Limbach und Oberschefflenz.

Bibliographie

Quellen: Registrum Thuringia Franciscanae I, S. 355–399.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Franziskanerkloster Mosbach (Albrecht Ernst).

Literatur: Friedlein 1978; 1980; Plath 2010.

Anmerkungen

  • 1 GLA 214 Nr. 254.
  • 2 Friedlein 1978, S. 10 5-110, 15 4-156.
  • 3 Friedlein 1980, S. 348, 352.
  • 4 Plath 2010, S. 216, 196.
  • 5 Friedlein 1980, S. 351 f.
  • 6 Plath 2010, S. 196; Friedlein 1980, S. 352.
  • 7 Friedlein 1980, S. 356 f.; Plath 2010, S. 231, 244, 247, 252, 254.
  • 8 Friedlein 1980, S. 356 f., 366.
  • 9 Plath 2010, S. 150; Friedlein 1980, S. 357 f., 360.
  • 10 Schmid II, S. 26 6-269; Friedlein 1980, S. 36 2-377; Plath 2010, S. 16 3-166.
  • 11 Registrum Thuringia Franciscanae I, S. 35 6-374.
  • 12 GLA 214 Nr. 281, sub 1801
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Albrecht Ernst [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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