Lobenfeld, Benediktinerinnen 

Kurzbeschreibung:

um 1139 Gründung – 1180/90 Kirchenbau – 1254 Frauengemeinschaft bezeugt – 1272 Zisterzienserinnen – 1459 Anschluss an Bursfelder Kongregation – 1560 Auflösung im Zuge der Reformation

Patrozinium: Maria (?)
Ordensgliederung: 1272 Vaterabtei Schönau, 1459 Bursfelder Kongregation
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes zu Wimpfen im Tal, Landkapitel Waibstadt

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Augustinerchorherren 1139-1200
  • Schwesternsammlung 1254-1272
  • Zisterzienserinnen 1272-1425
  • Benediktinerinnen 1459-1560
Beschreibung:

Name: famulantibus Deo in Lobenvelt (1173);1 cenobium in Lobenuelt (1181/87);2 preposito et conventu de Lobinvelt (1211);3 conventus monialium in Lobenveld (1254);4 magistra et conventu sanctimonialium in Lobenvelt (1259);5 abbatisse et conventus monasterii in Lofenfelt Cisterciensis ordinis (1326);6 abbatissen des vrowenclosters ze Lobenvelt, grawes ordens (1327);7 monasterium in Lobenfelt (1426);8 ersamen unsere lieben andechtigen eptissin und convent zu Lobenfeld (1480)9

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Anfänge der religiösen Gemeinschaft in Lobenfeld datieren auf die Mitte des 12. Jahrhunderts, als durch den Edelfreien Meginlach von Obrigheim das staufische Hofgut (predium)10 den Frankenthaler Augustinerchorherren für eine Neustiftung übergeben wurde. Die Gründungsumstände sind in einer von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) 1181/87 für den Lobenfelder Konvent ausgestellten Urkunde überliefert.11 Demnach hatte König Konrad III. (1138–1152) mit Zustimmung Herzog Friedrichs II. von Schwaben (1105–1147) verfügt, dass die Stiftung mit ihren Gütern unter Androhung von Geldstrafe und Bann unter königlichem Schutz stehe. Anlass der erneuten Bekräftigung, die auf Bitten des Bischofs Konrad II. von Worms (1172–1191) und des Propsts Sigfrid von Lobenfeld geschah, war der Versuch des auf dem Dilsberg sitzenden Poppo V. von Lauffen, sich als Klostervogt Lobenfelds zu etablieren. Sein Vater Poppo IV. war vereinzelt als königlicher Schutzbeauftragter der Gemeinschaft eingesetzt worden, nahm jedoch nicht die Position eines Vogts ein. Da die Urkunde Konrads III. nicht erhalten ist, kann der Gründungszeitraum Lobenfelds nur aus der Bestätigungsurkunde und den Lebens- bzw. Regierungsdaten der genannten Herrscher geschlossen werden. Demnach muss die Stiftung im Zeitraum zwischen dem Regierungsantritt Konrads III. im März 1138 und dem Todesjahr Friedrichs II. von Schwaben 1147 erfolgt sein. Nach aktuellem Forschungsstand ist die Gründung Lobenfelds aufgrund von begrifflichen Überschneidungen mit einer Urkunde Konrads III. für Stift Frankenthal im Jahr 1139 anzusetzen.12

Die Zuordnung der Lobenfelder Gemeinschaft zu den Augustinerchorherren basiert neben der Gründung durch Frankenthal auf der Bezeichnung als famulantibus Deo und fratres (1173)13 sowie den Nennungen von Lobenfelder Pröpsten von Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts: Sigfrid (1181/87),14 Helfricus (1196),15 Heinricus mit conversus et cellerarius Landolfus (1223).16 Aus den Quellen ist jedoch nicht ersichtlich, ob die genannten Personen bis 1223 ausschließlich einem Männerkonvent vorstanden, da ebenso die Vertretung einer Frauengemeinschaft durch Pröpste möglich gewesen wäre. So wird der erhaltene Grabstein einer Äbtissin Agnes von Lobenfeld auf die Zeit um 1195/1200 datiert, ist somit in zeitlicher Nähe zur Nennung des Propstes Helfrich von Lobenfeld als Zeuge in einer pfalzgräflichen Urkunde von 1196 entstanden. Die Phase des Übergangs von einem Männer- zu einem Frauenkonvent im ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhundert und die Fragen nach Zusammensetzung und Lebensweise der männlichen und weiblichen Religiosen sind aufgrund fehlender Quellen nicht mehr rekonstruierbar.

In Urkunden wird die Frauengemeinschaft erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts greifbar: Im Rahmen des Verkaufs von Lobenfelder Besitz in Plankstadt 1254 durch den Frankenthaler Abt Heinrich an die →Zisterzienserabtei Schönau wird der conventus monialium17 erwähnt; fünf Jahre später magistra et conventus sanctimonialium in Lobenvelt.18 Bei diesen Verkäufen wurde Lobenfeld durch die Vorsteher von Frankenthal (1254) und Höningen (1259, im Auftrag von Frankenthal) vertreten. Zu Beginn der 1270er Jahre werden die Lobenfelder Religiosen als Zisterzienserinnen bezeichnet und die Vorsteherin abbatissa genannt (1272).19 Seit spätestens der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden die Lobenfelder Zisterzienserinnen durch den Abt des Zisterzienserklosters Schönau betreut, wie einer Lobenfelder Schenkungsurkunde von Schaffner Konrad 1326 zu entnehmen ist, in der der Abt von Schönau als herre bezeichnet wird. Ein Jahr später bestätigt Äbtissin Sophie die Verpflichtung gegenüber Schönau.20 Die Beziehung von Lobenfeld und Schönau war in den vorangegangenen Jahrhunderten vor allem durch Bezeugungen und Besitzübertragungen gekennzeichnet, so verkaufte Lobenfeld 1223 seinen Hof in Neuenheim an Schönau.21 Die Vorsteher und Vorsteherinnen der Lobenfelder Gemeinschaften sind lediglich durch Nennungen im Rahmen von Erwerbs-, Verkaufs- und Pachturkunden sowie Konfliktschlichtungen rekonstruierbar. Aufgrund weniger Nennungen von Konventualen und Konventualinnen sind die ursprünglichen Größen der Konvente nicht mehr ersichtlich. Die zisterziensische Gemeinschaft setzte sich aus Mitgliedern der regionalen Kraichgauer Adelsgeschlechter zusammen, vor allem aus den Familien der von Angelloch, Helmstatt, Hornberg, Venningen und Sickingen; so vermachte Ritter Reinhard von Sickingen 1342 seiner Tochter Gertrud, Nonne in Lobenfeld, unter anderem die Zinserträge von vier Hofstätten in Schatthausen, die nach ihrem Tod in den Besitz des Konvents übergehen sollten. Auch außerhalb archivalischer Quellen sind Nonnen greifbar, so nennt die Inschrift eines in Lobenfeld erhaltenen Grabsteins eine Adelheid von Waltdorf, die am 30. Oktober 1357 verstorben war, und zeigt ihr Wappen.22

Die letzte Nennung als Zisterzienserinnenkloster erfolgte in der Bulle Papst Martins V. (1417–1431) 1425, aus der ersichtlich wird, dass auf Betreiben des Pfalzgrafen Ludwigs IV. (1436–1449) die im Zisterzienserinnenkloster →Neuburg bei Heidelberg von der strengen Lebensweise abgekommenen Nonnen nach Lobenfeld umgesiedelt werden sollten.23 Die Umsiedlung fand nicht statt, beide Klöster wurden jedoch in den nachfolgenden Jahren in den Benediktinerorden inkorporiert, wie einer Urkunde von 1459 zu entnehmen ist.24 Diese Urkunde bezeugt den Anschluss Lobenfelds an die benediktinische Reform von Bursfelde durch Bischof Reinhart von Worms (1445–1482) und Abt Eberhardt von St. Jakobsberg bei Mainz. Als neue Äbtissin wurde Agnes von Rohrbach eingesetzt. Nach 1459 erfolgten in den Jahren 1514 und 1518 Visitationen durch den Abt Werner I. von Limburg an der Haardt, der 1518 ebenfalls in einem Vertrag zwischen Kloster Lobenfeld und Heinrich von Handschuhsheim über Befugnisse im Dorf Epfenbach zugegen war.25 Am Generalkapitel der Bursfelder Kongregation in St. Peter in Erfurt im August 1488 nahmen die Äbtissin Agnes gemeinsam mit der Priorin, vier Nonnen und zwei Laienschwestern teil, für das Generalkapitel 1493 in St. Martin in Köln ist die Anwesenheit einer Laienschwester Elisabeth belegt.26 Für die Zeit nach dem Anschluss an die Bursfelder Kongregation sind drei Nonnen belegt, die aus bürgerlichen Familien stammten. Neben Magdalena Schwab (1485)27 und Anna Wolffin (genannt Schonneckerin)28 ist die letzte Aufnahme vor Auflösung des Klosters, die wohl prominenteste: die Mosbacherin Elisabeth Silbereisen, die nach dem Tod ihrer Eltern ca. 1511/12 eintrat und 1522 Lobenfeld verließ, um den Reformator Martin Bucer zu heiraten.29 In Folge des Austritts kam es zu Konflikten zwischen Silbereisen und dem Kloster, das die in Bargeld eingegangene Aussteuer nicht zurückzahlen wollte; nach Entscheid des Kurfürsten wurde das Geld jedoch zurückgegeben.

Im Zuge der Reformation in der Kurpfalz wurde das Kloster Lobenfeld 1560 aufgelöst und der Besitz eingezogen, der in der Folgezeit durch einen kurpfälzischen Schaffner der Geistlichen Administration verwaltet wurde. Mit der Verzichtserklärung der letzten Vorsteherin, der Priorin Anna von Bettendorf, aus ihrem Amt endete die Existenz der Frauengemeinschaft in Lobenfeld, auch wenn den verbliebenen Nonnen weiterhin gewährt wurde, in den Klostergebäuden zu leben. Anfang des 17. Jahrhunderts dürfte im Kloster keine Nonne mehr gewohnt haben.

Der Klosterbezirk wurde in der Folgezeit mehrfach verschiedenen Gruppen zur Nutzung übergeben, so erhielten die Heidelberger →Jesuiten 1629 auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz und Bischofs von Worms Georg Friedrich von Greiffenclau zu Vollrath (1616–1629) Lobenfeld und die dazugehörigen Güter im Zuge der Rekatholisierung der Kurpfalz.30 Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ging der Lobenfelder Klosterbesitz zurück an die Geistliche Administration, bevor er erneut verpachtet wurde, so etwa an englische Sabbatarier 1664–69.

1705 kam es im Rahmen der Pfälzischen Kirchenteilung zur Zuweisung der Klosterkirche an die Reformierten, während der restliche Klosterbesitz an die katholische Kirche vergeben, durch die Lobenfelder Schaffnei verwaltet und im Jahr 1884 zur Pfälzer Katholischen Kirchenschaffnei mit Heidelberg vereinigt wurde.

Besitz und Wirtschaft

Aufgrund der fehlenden Stiftungsurkunde Lobenfelds kann für die Erstausstattung nur auf das staufische Hofgut verwiesen werden. Die Besitzungen, die in der Bestätigungsurkunde Friedrichs I. Barbarossa genannt werden, geben einen Einblick in die Lobenfelder Besitzverhältnisse im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts: predium Lobenfeld mit Butersbach (Biedersbach), Breitenhart, predium in Blankestat, curtis in Nivwenheim.31 Der Plankstadter Besitz war durch eine Schenkung des Lorscher Abts Sighard 1173 an Lobenfeld gekommen, den Neuenheimer Hof bei Heidelberg verkaufte der Konvent an die Zisterzienserabtei Schönau 1211. Im Nachgang des Verkaufs kam es zu Streitigkeiten zwischen Lobenfeld und Schönau aufgrund von nicht geleisteten Zahlungen und fehlender Gewähr, die 1223 geschlichtet werden konnten.32 Auch den zuvor erworbenen Besitz in Plankstadt verkaufte Lobenfeld in der Mitte des 13. Jahrhunderts in zwei Schritten an Schönau in den Jahren 125433 und 1259.34 In den erhaltenen Urkunden des 13. bis 15. Jahrhunderts dominieren Verkäufe, Tauschgeschäfte und Verpachtungen. Der Besitzschwerpunkt lag zudem seit dem beginnenden 14. Jahrhundert in den Dörfern Lobenfeld, Waldwimmersbach und Epfenbach, während jedoch auch Streubesitz im nördlichen Kraichgau sowie Odenwald nachweisbar ist. An diesen Orten übernahm das Kloster auch grundherrliche Aufgaben, wie etwa die Einsetzung der Pfarrer. Häufige Kontakte mit den Bewohnern und Pachtnehmern in den Dörfern ergaben sich aus Streitigkeiten über nicht geleistete Abgaben, Abholzungsrechte oder Viehbetrieb. 1480 war es zu einer Verhandlung zwischen Kloster und Dorf Lobenfeld gekommen, in der die genannten Konfliktbereiche thematisiert wurden.35 Lobenfeld verfügte neben Acker-, Wiesen-, Wald- und Weingartenbesitz seit 1355 auch über Fischereirechte am Heidelberger Wehr.36 1326 hatte der Lobenfelder Schaffner Konrad den Zisterzienserinnen Güter in Epfenbach und Lobenfeld geschenkt, wodurch sie mehr Heringe in der Fasten- und Adventszeit erhalten sollten.37 Aus der Zeit nach dem Anschluss an die Bursfelder Kongegration ist zudem die Schenkung von zwei kleinen Weihern in Spechbach bezeugt.38 Die Verpachtungen erfolgten in der Regel auf Lebenszeit für ein bis zwei Generationen, wodurch das verpachtete Gut an das Kloster zurückging. Äbtissin Agnes von Hornberg verpachtete etwa 1458 den Biedersbacher Hof an ein Ehepaar mit zwei Kindern auf Lebzeit dieser Familienmitglieder.39

Neben den wenigen Schenkungen für Lobenfeld, wie beispielsweise 1420 die Jahrzeitstiftung von Hans von Neuenstein in Höhe von einem Malter Korn aus seinem Hof in Dielheim,40 waren es vor allem die Aussteuer neuer Konventualinnen, die den Besitz Lobenfelds erweiterten (so etwa Schatthausen41 und Aglasterhausen42). Der Besitz wurde durch einen vom Kloster bestimmten Schaffner verwaltet; er vertrat die hoheitlichen Rechte in Lobenfeld, Waldwimmersbach und Epfenbach und zog die Abgaben ein. Als weiteres Amt ist der Schütze für Lobenfeld belegt, dem die Aufsicht über die Klosterwälder oblag.43 Auch nach Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert blieb das Amt des Lobenfelder Schaffners bestehen, er unterstand jedoch fortan der Geistlichen Administration.

Religiöses und kulturelles Wirken

Seit 1489 setzte das Kloster die Pfarrer an der Kirche Biddersbach ein, die Pfarrkirche der Dörfer Lobenfeld und Waldwimmersbach war.44 Dieselbe Aufgabe ist auch für das Dorf Epfenbach belegt. Tiefergehende Einblicke in die Lebensweise der Lobenfelder Gemeinschaften des 12. bis 16. Jahrhunderts haben sich aufgrund fehlender Quellen nicht erhalten.

Bibliothek und Archiv

Ebenso wenig haben sich profunde Belege für das Bestehen eines Skriptoriums erhalten.

Der ehemalige archivalische Bestand des Klosters kam nach der Auflösung 1560 in das Archiv der Geistlichen Administration sowie zeitweise zu den Heidelberger Jesuiten, wo die Unterlagen Zerstörungen aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Heidelberg ausgesetzt waren. Mit der Rückgabe des Materials an das Archiv der Geistlichen Administration kam es zu erneuten Verlusten durch einen Brand 1729. Die Bestände zu Lobenfeld aus dem Wormser Bistumsarchiv waren im 18. Jahrhundert ebenfalls Zerstörungen ausgesetzt; die verbleibenden Stücke sind unter anderem in die Archive nach Karlsruhe (Generallandesarchiv) und Speyer (Landesarchiv) gekommen. Die für die Geschichte Lobenfelds bedeutendste Quellensammlung findet sich im Lagerbuch von 1567, das allerdings nur in einer Abschrift mit Ergänzungen des 18. Jahrhunderts erhalten ist. Es enthält Abschriften sowie Regesten von Urkunden, Verträgen und Verschreibungen der Jahre 130645 bis 1731.46 Im Erzbischöflichen Archiv Freiburg finden sich zudem die Jahresrechnungen der Schaffnei Lobenfeld aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster befand sich südlich außerhalb des gleichnamigen Dorfs; der Umfang des bis 1884 unabhängigen, ehemals ummauerten Klosterbezirks ist trotz zahlreicher Neubauten noch gut ablesbar. Die gut erhaltene Kirche bildete den Nordflügel der vollständig abgegangenen Klausur; nordöstlich schloss sich der Wirtschaftshof an. Am Pächterwohnhaus südlich der Kirche war ein Portal von 1487 erhalten. Umbauten der Jesuiten um 1625/30 sind bislang nicht fassbar.

Kirche und Konventsbauten

Nach der Stiftsgründung wurde ein steinerner Kirchenbau errichtet, von dem Werksteine im Fundament des um 1180/90 entstandenen Neubaus erhalten sind. Die zweite, dreischiffig-kreuzförmig begonnene, spätromanische Klosterkirche (seit 1705 evangelische Pfarrkirche) blieb unfertig und wurde erst viel später durch ein Kirchenschiff erweitert; ihr Haupteingang befindet sich seit 1862 auf der Ostseite des ehemaligen Altarraums. Die Ostteile der Kirche zeigen die Formensprache des Wormser Doms, mit stark gegliederten Mauern, kräftigen Wandvorlagen und Rippengewölben, und sogar zwei Tieren auf der Fensterbank des Sanktuariums. Ausgeführt wurden mit geringen Planwechseln Altarraum, Vierung und die zwei Querarme, an die im Westen ein dreischiffiges Langhaus, im Südosten eine Sakristei anschließen sollten. Der Wechsel von Großquadern am Nordquerarm zu Kleinquadern belegt rasch ausbleibende Ressourcen. Das Chorgestühl des Frauenkonvents dürfte zunächst in der Vierung gestanden haben; ein Fragment einer verzierten Schrankenmauer (oder eines Altarfrontale) ist überliefert. Die Baugestalt der Kirche um 1200 erlaubt keine Aussage zur monastischen Ausrichtung des Konvents.

Erst um 1330/40 wurde der beengte Nonnenchor in das neu angebaute, einschiffige Langhaus verlegt, das große Maßwerkfenster erhielt. Dieses war durch einen Außenzugang erreichbar und diente deshalb auch als Laienraum. Vom einem mindestens 17 Stallen umfassenden, schlichten Nonnenchorgestühl dieser Zeit sind zwölf Stallen noch vorhanden; sie waren nicht mit einem Dorsale verbunden, bildeten also wohl die vordere Reihe eines zweireihigen Gestühls. In Süddeutschland ist es das einzige erhaltene Gestühl eines Zisterzienserinnenkonvents. Erst im späten 15. Jahrhundert, nach dem Anschluss an die Bursfelder Reform, wurde der Nonnenchor wie in anderen Frauenklöstern auf einer neuen, langgestreckten Westempore installiert. Das nach 1560 profanierte Kirchenschiff wurde 1995/97 wieder zum Kirchenraum umgestaltet.

Die südliche angrenzende Klausur ist weitgehend unbekannt. Der Zugang der Nonnen zur Kirche führte wohl aus einem Kreuzgang von Westen in den Südquerarm. Geringe Reste eines jüngeren, mindestens zweiräumigen, gegen den Kirchensaal gebauten Klausurflügels wohl des 14. Jahrhunderts sind archäologisch nachgewiesen; er wurde im 15. Jahrhundert mit einem Kachelofen neu ausgestattet. Aus diesem Klausurflügel konnten die Nonnen ihren Chorbereich unmittelbar erreichen. Im Klosterbezirk, der später von der Schaffnei genutzt wurde, sind bislang keine mittelalterlichen Baustrukturen bekannt; erhalten blieben Reste der Umfassungsmauer.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Der Altarraum der Kirche hat bedeutende Reste seiner spätromanischen Ausmalung bewahrt (um 1235/40). Vermutlich handelt es sich um einen typologischen Zyklus mit Einzelszenen des Alten und Neuen Testaments; unterhalb sind Büsten verschiedener Heiliger dargestellt. Die Fenster werden von großen Prophetenfiguren gerahmt. Die ikonografische Deutung ist teilweise noch umstritten; sie spricht jedenfalls nicht für das gelegentlich vermutete Marienpatrozinium. Auf die Ostwand des Nordquerarms wurde um 1310/20 ein Altarretabel gemalt, das schon um 1340/50 von einem monumentalen Christophorus-Bild und einer Darstellung des Martyriums der Zehntausend überdeckt wurde. Die Westwand dieses Querarms erhielt um 1500 eine großformatige Martyriumsszene. Ein wenig älteres Wandbild mit Darstellung eines Chorherrn als Stifters, der Mannalese und zweier Engel rahmte das (verlorene) Sakramentshaus an die Nordmauer des Altarraums.

Für die Frühgeschichte des Konvents bedeutsam ist die Grabplatte der Äbtissin Agnes, die um 1195/1200 entstand und von einem Steinmetzen gearbeitet wurde, der damals das Grabmal für den Kanzler Kaiser Heinrichs VI. (1191–1197) Diether von Katzenelnbogen in der Zisterzienserabtei →Schönau gefertigt hat.

Bibliographie

Quellen: Christ 1904; 1905; Lager-Buch Lobenfeld 2005.

Handbücher und Lexika: DI 12,4 (Renate Neumüllers-Klauser); KDM Bd. 8,2, S. 546–566 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Benediktinerinnenabtei St. Maria zu Lobenfeld (Andreas Schmidt); SKHB, S. 382–387 (Doris Ebert).

Literatur: Ebert/beuckers 2001; Rückert 2001; Seeliger-Zeiss 2001; Untermann 2002; Nutz 2002; Licht 2015.

Anmerkungen

  • 1 Gudenus 1728, S. 27.
  • 2 MGH D F I. 4, Nr. 962 S. 237 f.
  • 3 Gudenus 1728, S. 82.
  • 4 Gudenus 1728, S. 221.
  • 5 Gudenus 1728, S. 232.
  • 6 Mone 1861 (a), S. 322.
  • 7 Mone 1863, S. 178.
  • 8 Mone 1860, S. 51 f.
  • 9 GLA 229 Nr. 62161.
  • 10 MGH D F I. 4, Nr. 962 S. 237 f.
  • 11 Ebd.
  • 12 Rückert 2001, S. 48.
  • 13 Gudenus 1728, S. 27.
  • 14 MGH D F I. 4, Nr. 962 S. 237 f.
  • 15 LandesA Speyer Gatt. App. Kop. 1291; Gudenus 1728, S. 50.
  • 16 Gudenus 1728, S. 128; Mone 1860, S. 57.
  • 17 Gudenus 1728, S. 221.
  • 18 Gudenus 1728, S. 232.
  • 19 Mone 1863, S. 172.
  • 20 Mone 1860, S. 57 f.
  • 21 Gudenus 1728, S. 128; Mone 1860, S. 57.
  • 22 Seeliger-Zeiss 2001, S. 27 7-279.
  • 23 Mone 1860, S. 51.
  • 24 GLA 43 Nr. 3815; Mone 1863, S. 176.
  • 25 GLA 229 Nr. 25464.
  • 26 Ebert 2001, S. 39.
  • 27 Lager-Buch Lobenfeld 2005, fol. 2 v.
  • 28 GLA 43 Nr. 133.
  • 29 Ebert 2000, S. 3 3-35.
  • 30 GLA 229 Nr. 62131, fol. 7.
  • 31 MGH D F I. 4, Nr. 962 S. 237 f.
  • 32 Gudenus 1728, S. 128; Mone 1860, S. 57.
  • 33 Gudenus 1728, S. 221.
  • 34 Gudenus 1728, S. 232.
  • 35 GLA 229 Nr. 62161.
  • 36 GLA 229 Nr. 62014, fol. 27.
  • 37 GLA 43 Nr. 28; Mone 1863, S. 178.
  • 38 GLA 43 Nr. 240.
  • 39 GLA 43 Nr. 11; Mone 1863, S. 175 f.
  • 40 Lager-Buch Lobenfeld 2005, fol. 206 v.
  • 41 Mone 1863, S. 173.
  • 42 StA Darmstadt Cod. V., U 70.
  • 43 GLA 67 Nr. 825, fol. 199 r-202 v.
  • 44 Lager-Buch Lobenfeld 2005, fol. 159.
  • 45 Lager-Buch Lobenfeld 2005, fol. 205 r.
  • 46 Lager-Buch Lobenfeld 2005, fol. 167 r
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Isabel Kimpel [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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