Sinsheim, Franziskaner
| Kurzbeschreibung: | 1716 Gründung als Residenz – 1729 Erhebung zum Konvent – 1813 Aufhebung – 1835 Abbruch der Klosterkirche Patrozinium: Andreas und alle ApostelOrdensgliederung: Thüringische ObservantenprovinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Wimpfen, Landkapitel Waibstadt |
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| Beschreibung: | Name: conventus Sintzhemiensis ordinis fratrum Minorum S. Francisci (1718);1 armes Franziskaner clösterlein zu Sinzheim (1758)2 GeschichteDer Würzburger Geistliche Rat und Kanoniker Andreas Hartmann verfügte 1711 testamentarisch, dass die Thüringische Provinz des Franziskanerordens eine Summe von 10.000 Gulden dafür verwenden sollte, um in einer konfessionell gemischten Region ein neues Kloster zu errichten. Sinsheim wurde als geeigneter Standort favorisiert, wo man ein Haus mit dazugehörigem Acker als Grundlage für den zukünftigen Klosterbau kaufte. Der Landesherr, Kurfürst Johann Wilhelm (1679–1716), befürwortete am 5. Juli 1714 die Niederlassung der Franziskaner in Sinsheim.3 Ihre Ansiedlung passte in das Schema seiner kurpfälzischen Rekatholisierungspolitik und stieß auf breite Unterstützung der Katholiken vor Ort. Die Neckarsulmer Kapuziner betrachteten die neue Gemeinschaft als Konkurrenz im Terminieren, also Almosensammeln, und reichten bei der Diözese dagegen Klage ein.4 Der Grundstein des Klosterbaus wurde schließlich am 10. Mai 1716 gelegt. Anfänglich sollte die Gemeinschaft in Sinsheim aus zwölf Brüdern bestehen. Aufgrund des seelsorgerischen Aufwandes erreichte deren Zahl bis 1795 inklusive der Laienbrüder den Höchststand von 26.5 Obwohl eine Voraussetzung der Erlaubnis zur Gründung des Klosters war, dass die Franziskaner der Herrschaft und der Bevölkerung nicht zur Last fallen durften, bat Präses Benedikt Plevous schon im Dezember 1716 den Kurfürsten um eine Zuwendung. Die Geistliche Administration wies das Ansuchen zurück. Die Regierung schlug alternativ die Abtretung einer Filiale der städtischen Pfarrei vor. Dagegen sprach, dass der Pfarrer in Sinsheim ohnehin zu wenig ausgelastet war.6 Den Franziskanern wurde letztlich vom Wormser Vikariat eine Beteiligung an der Seelsorge der unter Venningenscher Herrschaft stehenden Orte Dühren, Eichtersheim, Hoffenheim, Neidenstein und Rohrbach (bei Sinsheim) zugesprochen. 1765 übernahmen sie noch die seelsorgerische Betreuung von Kirchardt. Darüber hinaus unterstützten die Ordensbrüder auf Abruf Pfarrer der Umgegend. 1719 wurde eine mit dem Kloster verbundene Gürtelbruderschaft von Laien in Sinsheim begründet. Die Sinsheimer Gemeinschaft erlebte 1729 mit der Erhebung zum Konvent eine Aufwertung. Im selben Jahr wurde die Klosterkirche geweiht. Über das weitere Wirken der Franziskaner in Sinsheim ist wenig bekannt. 1786 richteten sie eine Lateinschule ein. Während der Revolutionskriege besetzten kaiserliche Truppen um 1796 das Kloster, und der Konvent musste kurzzeitig in das Stift auf dem →Michaelsberg umziehen. Die Klostergebäude wurden als Lazarett und Zeughaus genutzt. Im Rahmen der allgemeinen Säkularisation trieb die kurpfälzische Regierung 1801 die Auflösung des Sinsheimer Franziskanerklosters voran. Am 13. März 1802 war der Konvent ausgezogen, und das Anwesen ging in den Besitz des Kurfürstlich-Rheinpfälzischen Katholischen Schulfonds über.7 Teile des Inventars wie die Glocken, die Orgel und die Altäre wurden versteigert. Da für die Klostergebäude selbst zu geringe Gebote eingingen, brach man deren Versteigerung ab.8 Als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses wurde die Kurpfalz aufgelöst. Das Oberamt Mosbach mit Sinsheim ging an das Fürstentum Leiningen über. Die neue Herrschaft ließ die Franziskaner wieder in ihr Kloster zurückkehren.9 Nach dem endgültigen Übergang Sinsheims an Baden verkündete das Ministerium des Innern am 15. November 1813 die Aufhebung.10 Dem Guardian und den restlichen noch verbliebenen Ordensbrüdern wurden alternative Posten in der Seelsorge angeboten. 1814 erfolgte die Versteigerung der Klostergebäude. Aus den erhaltenen Quellen können keine näheren Informationen zu Archiv und Bibliothek der Sinsheimer Franziskaner gewonnen werden. Bau- und KunstgeschichteDa keine Bauakten für das Kloster erhalten sind, müssen Informationen über Gestalt und Ausstattung der Anlage im Wesentlichen den Unterlagen zur Säkularisation und Versteigerung entnommen werden.11 Der Gesamtkomplex umfasste 6 Morgen und war eingebettet in einen großzügigen Garten mit Gemüsebeeten, Obstbäumen, Acker und Weinstöcken sowie einer Lindenallee, den eine Mauer umgab. Der Entwurf für die bauliche Ausgestaltung stammte von dem kurfürstlichen Baumeister Adam Riß. Die schmale, rechteckige Kirche mit Dachreiter, in dem zwei Glocken hingen, bildete den vierten Flügel des zentralen Ensembles. Sie zierten beidseitig jeweils neun Lisenen. Darin waren ein Hochaltar und zwei Nebenaltäre aufgestellt. Auf dem Chor stand eine Orgel mit 16 Registern und drei Blasebälgen. An die Kirche schmiegte sich das dreiflügelige und zweistöckige Hauptgebäude des Klosters. Im unteren Stockwerk befanden sich Pforte, Refektorium, Küche und Werkstätten. Das Dormitorium in der oberen Etage bestand aus dreißig Zellen, Krankenzimmern und der Bibliothek. Darüber erhoben sich unter dem Dach zwei große Speicher mit Rauchkammer. Hinzu kamen noch Nebengebäude – ein Brau- und Backhaus, eine Holzremise, eine Stallung für sechs Stück Vieh und Schweineställe. Anhand der erhaltenen Inventare entsteht ein grober Überblick zu den Kunstgegenständen des Klosters. Den Kreuzgang zierten acht Ölgemälde, zehn weitere Porträts von Heiligen befanden sich in der Kirche. Hinzu kamen diverse unbestimmte Holzschnitzwerke. Ein kleiner Krankenaltar mit einem Kruzifix und zwei Heiligenbildern wurde im Obergeschoss der Sakristei aufbewahrt. Eine Reliquie in Form eines Kreuzpartikels war ebenfalls im Besitz des Konvents.12 1834 kaufte Philipp Jakob Rudolph, der Wirt des Pfälzer Hofes in Sinsheim, die über einen längeren Zeitraum leerstehenden Gebäude des ehemaligen Klosters und eröffnete eine Gastwirtschaft. Im folgenden Jahr wurde die Kirche abgebrochen. Der Betrieb wechselte mehrmals den Besitzer bis der Kreisverband Heidelberg das Anwesen 1876 erwarb, um dort eine Kreispflegeanstalt einzurichten.13 Anfänglich war die Institution in den ehemaligen Klostergebäuden untergebracht. 1903 bis 1905 entstand ein Neubau. Die ursprünglichen Teilbauten des Sinsheimer Franziskanerklosters wurden kontinuierlich abgerissen. Das letzte dieser Gebäude stand noch bis 1972. BibliographieHandbücher und Lexika: kloester-bw, Franziskanerkloster Sinsheim (Christian Plath). Literatur: Wilhelmi 1856; Schaab 1966; Schlitt 1972; Säger 1973; Veh-Schindlmayr 1978; Plath 2010. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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