Neustadt, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1670 Gründung als Hospiz – 1700 Erhebung zum Kloster – 1828 Aufhebung Patrozinium: Antonius von PaduaOrdensgliederung: Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Freiburg; 1781 Schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen |
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| Beschreibung: | Name: PP Capucinis in castello Neustadt Herciniae Sylvae (1670)1 GeschichteDer zur Stühlinger Linie des Hauses Fürstenberg gehörige Landgraf Maximilian Franz (1634–1681) war der Initiator einer Neustädter Kapuzinerniederlassung. Er sah in den Kapuzinern die geeignete Kraft, um dem überlasteten Pfarrklerus des Schwarzwaldstädtchens und seiner Umgebung Hilfestellungen in der Seelsorge zu bieten. Die Bedürfnislosigkeit des Ordens passte gut zu der kargen Landschaft, die noch stark unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges litt. Gleichwohl war zu befürchten, dass das von den Ordensmännern Erbettelte nicht auskömmlich sein würde. Hinter der Bereitschaft der Schweizer Kapuzinerprovinz, auf die Gründungspläne einzugehen, stand vor allem ein praktisches Anliegen: Neustadt lag an der Poststraße von Freiburg nach Donaueschingen und konnte Mitbrüdern ein Quartier bieten, die zwischen den Kapuzinerklöstern Oberschwabens und des Oberrheingebiets pendelten. Die Provinzteilung des Jahres 1668 hatte zur Folge, dass nicht die Schweizerische, sondern die aus ihr hervorgegangene Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz sich an eine konkrete Umsetzung der Gründungspläne machte. Nachdem der Konstanzer Fürstbischof Franz Johann von Praßberg (1645–1689) dem Fürstenberger seine Einwilligung für die Gründung eines Hospizes übermittelt hatte, konnte sich dieser 1669 brieflich an die in Laufenburg tagende Provinzialversammlung wenden, um vier Priesterbrüder anzufordern.2 Die enge Personaldecke der Provinz ermöglichte indes nur die Entsendung von zwei Vätern und eines Laienbruders. Doch bereits diese drei aus dem Kapuzinerkloster →Freiburg erregten den Argwohn anderer Mendikanten, zumal sie am 19. Dezember 1669 durch die Inbesitznahme des Kaplaneihauses in Neustadt Fuß gefasst hatten. Insbesondere die von ihren Freiburger Niederlassungen seit langem im Hochschwarzwald terminierenden →Augustinereremiten, →Dominikaner und →Franziskaner wollten sich der neuen Konkurrenz so schnell als möglich entledigen und protestierten unter Berufung auf ihre älteren Rechte beim päpstlichen Nuntius in Luzern gegen das Vorhaben. Der den Kapuzinern zugeneigte Konstanzer Bischof vermochte jedoch seinen Einfluss bei der Kurie so geltend zu machen, dass das Projekt auf Kurs blieb. Die vom Nuntius endlich erteilte Genehmigung ließ die Ordensmänner entschlossen handeln. Auf einem günstig erworbenen Grundstück kam es im Sommer 1670 zur Errichtung eines Hospizes, das noch im Herbst desselben Jahres bezogen werden konnte. Eine zeitgleich erbaute Kapelle wurde unter den Schutz des heiligen Antonius von Padua gestellt. Wie andernorts erwarben die Kapuziner durch eine konsequente Befolgung des Armutsideals das Vertrauen der Gläubigen. Deren Anhänglichkeit weckte den Wunsch nach baulichen Erweiterungen, der von Graf Anton Maria Friedrich von Fürstenberg-Stühlingen (1661–1724), dem ältesten Sohn des Maximilian Franz, geteilt wurde. Der zum Stiftskapitel Ellwangen zählende, über die Ämter Neustadt und Lenzkirch gebietende Fürstenberger bewilligte 1691 in Abstimmung mit dem Konstanzer Bischof die Erweiterung des Oratoriums zu einem Gotteshaus. Dass die Mittel hierfür nicht nur aus der gräflichen Schatulle stammten, sondern auch von Pfarrern und einfachen Gläubigen beigesteuert wurden, belegt den Stellenwert der Kapuziner. Der Aufstieg der Neustädter Kapuzinerniederlassung muss überdies mit den zeitgenössischen politischen Entwicklungen in Verbindung gebracht werden. So erhöhte der die Oberrheinlande in Atem haltende Pfälzische Erbfolgekrieg nicht nur die militärstrategische Bedeutung Neustadts, sondern steigerte auch den Bedarf nach Seelsorge bei den Soldaten, die zu den Spezialitäten des Kapuzinerordens gehörte. Es erscheint insofern folgerichtig, dass Notker Wilhelm Graf von Öttingen-Baldern (1650–1693), seinerzeit Generalfeldwachtmeister beim Schwäbischen Kreis, den Bau der 1695 geweihten Kapuzinerkirche großzügig unterstützte. Wieder konnten sich die Kapuziner auf Anton Maria Friedrich verlassen, als es ihnen darum ging, die Niederlassung aufzuwerten. Obgleich das Hospiz seit 1699 innerhalb der Provinz als Kloster galt, dauerte es wegen des Spanischen Erbfolgekriegs bis 1709, ehe der zugehörige Klosterbau abgeschlossen war. Unter dem Schutz der Fürstenberger konnten die der Schwäbischen Kapuzinerprovinz (ab 1781) zugeschlagenen Neustädter Kapuziner über viele Jahrzehnte hinweg ohne größere Einschränkungen seelsorgerlich wirken, wohingegen die in den vorderösterreichischen Landen gelegenen Kapuzinerklöster schon seit den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts Repressalien im Zeichen des Staatskirchentums ausgesetzt waren. Erst der aufgeklärten Ideen verpflichtete Fürst Karl Joachim (1771–1804) leitete 1802 das Ende des Klosters ein, indem er ihm Neuaufnahmen untersagte. Dementsprechend schwand der Konvent unter der ab 1806 gültigen Landeshoheit Badens personell dahin. Völlig erloschen war das Ordenshaus aber erst 1828, als der letzte verbliebene Pater verstarb. Archivalien aus dem Kloster befinden sich im Erzbischöflichen Archiv Freiburg, im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv Donaueschingen und im Generallandesarchiv Karlsruhe. Das eigentliche Klosterarchiv hat aber als verloren zu gelten. Die Bibliothek scheint unbedeutend gewesen zu sein. Bau- und KunstgeschichteDer vierflügelige Komplex liegt heute im Zentrum der Stadt, zur Bauzeit noch am Rand des Ortes. Bei der 1670 zunächst als Hospiz erbauten zweiflügligen Anlage handelte es sich um ein zweigeschossiges Wohngebäude mit rechtwinklig daran anschließender Kapelle.3 Von Beginn an scheint der Orden bereits die Erweiterung zum Kloster angestrebt zu haben, da zwei Grundrisse des Klosters in der Handschrift Architectura Capucinorum wiedergegeben sind.4 Die Forschung geht davon aus, dass der 1677 verstorbene Klosterbruder und Fabricarius (Baumeister) Probus Heine die in der Handschrift wiedergegebenen Klosterbauten selbst entwarf. Ob der am Bau tätige Maurer Johann Matteis Einfluss auf die Konzeption hatte, ist nicht geklärt. Die Erweiterung des Oratoriums zur Klosterkirche erfolgte ab 1691,5 ihre Weihe 1695, wobei man die bestehende Kapelle in den Neubau integrierte. Die Saalkirche besaß einen eingezogenen Altarraum mit Psallierchor, der durch eine Wand geschieden war. 1709 Errichtung des Konventsgebäudes mit Refektorium an der Südseite und Bau von Küche, Apotheke und Krankenstübchen an der Westseite. Das Klostergeviert war damit geschlossen. So entstand eine typische Vierflügelanlage nach den Leitlinien der Kapuziner. Im Inneren der zwei- bzw. dreigeschossigen Gebäude haben sich Baudetails wie gewölbte Keller – möglicherweise ehemalige Gruft – und alte Türen mit schönen Beschlägen bewahrt. Anhand konstruktiver Merkmale ist die ursprüngliche Grundrissdisposition in weiten Teilen erfassbar. Im Innenhof hölzerne Stützen des einstigen Kreuzgangs. Klosterkirche und Klostergebäude wurden 1828 in Abschnitten verkauft und zu Wohn- und Gewerbezwecken umgebaut. Dabei erhielt der ehemalige Psallierchor nach Teilabbruch seine heutige Kubatur. Bei Renovierungen 1989/90 konnten Teile des Chorbogens im Innern nachgewiesen werden. Gleichzeitig kam in einer Nische eine gemalte Ansicht des Himmlischen Jerusalem zum Vorschein. Von der Ausstattung der Klosterkirche, zu der ein Kunstmaler Blücher aus Rottweil drei Altarbilder schuf,6 ist nichts erhalten. Ein Marienaltar gelangte nach der Aufhebung in die Stadtkirche. Nach Bau des Münsters wurde er als Prozessionsaltar verwendet. Kanzel und Beichtstühle kamen in die Pfarrkirche von Saig und sind wie der Marienaltar verschollen. BibliographieQuellen: Romuald von Stockach 1747, S. 139–144. Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerkloster Neustadt (Hillard von Thiessen). Literatur: Göbel 1951; Schmid 1982 (b); Herbner 1995. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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