Waldshut, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1650 Gründung – 1657 Weihe der Kirche – 1821 Aufhebung Patrozinium: Antonius von PaduaOrdensgliederung: Schweizerische Provinz, Kustodie Luzern; 1668 Vorderösterreichische Provinz, Kustodie FreiburgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Waldshut |
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| Beschreibung: | Name: conventus Waldishutanus S. Antonii Patavini (1781);1 Kapuziner kloster ad sanctum Antonium zu Waldshut (1784)2 GeschichteAb 1649 bemühte sich der Rat der Stadt Waldshut um ein Kapuzinerkloster. Treibende Kraft war Margaretha von Homburg, Schwägerin des Schultheißen. Im Mai 1650 ließ der Rat dem Generalkapitel in Rom ein Bittschreiben mit Empfehlung Erzherzog Ferdinand Karls von Österreich (1646–1662) überbringen, das positiv beantwortet wurde; die Schweizer Ordensprovinz sollte den Zeitpunkt bestimmen. Im Oktober 1650 bat das Provinzkapitel zu Konstanz um Geduld, da es auch in Laufenburg und Rheinfelden schon länger Bemühungen um eine Klostergründung gab. Doch sollten zwei Patres bereits zur seelsorgerischen Unterstützung nach Waldshut gesandt werden. 1651 erfolgte von landesherrlicher Seite die offizielle Baueinwilligung. Stifter waren unter anderem die →Sanblasianer Benediktiner, die Grafen von Sulz sowie die Familien von Roll und von Schönau. Maria Agnes von Roll war eine Schwester des späteren vorderösterreichischen Provinzials P. Marcus Jacob von Schönau. Grundsteinlegung war am 14. Juni 1654 durch Abt Franz I. von St. Blasien (1638–1664). Am 7. September 1657 erfolgte die Weihe der Klosterkirche St. Antonius von Padua durch Bischof Franz Johann von Konstanz (1645–1689).3 Anfangs bewohnten acht zuvor in anderen Klöstern ansässig gewesene Patres die Anlage. Bis 1668 waren bereits vier Waldshuter Männer in den Orden eingetreten. Ein bedeutender Oberer war P. Ignaz Eggs aus Rheinfelden (1661–1664), bekannt durch sein Heilig-Land-Wallfahrtsbuch. Auf seine Anregung hin ließ Schultheiß Johann Jacob Straubhaar ein Kreuz (später: Wallfahrtskapelle mit Stationsweg) auf dem Aarberg, fortan »Kalvarienberg«, errichten: die Distanz von der Stadt dorthinauf sei dieselbe wie von Jerusalem nach Golgotha. Im Zuge der Teilung der Schweizer Provinz 1668 bat das Kloster frühzeitig, der neugeschaffenen vorderösterreichischen Provinz zugeteilt zu werden.4 Im Pfälzischen Erbfolgekrieg gelang es den HH PP Capucini 1688, durch villfält. intercessiones zu erreichen, dass die französische Besatzung die Stadt von der angedrohten Brandschatzung verschonte.5 Bereits im 17. Jahrhundert halfen die Kapuziner auf verschiedenen Kaplaneien aus, ebenso im Umland. Sie betreuten das Spital, versorgten Arme und Kranke (was in Epidemiezeiten besonders hervorgehoben wird) und unternahmen Missionsreisen. Insbesondere machten sie sich um die katholische Volksfrömmigkeit verdient, womit ihre Tätigkeit in Konflikt mit den aufklärerischen Bestrebungen des Josephinismus kam. Bestand der Konvent 1753 noch aus zwölf Patres, vier Professen und vier Laienbrüdern, durften ab 1781 keine Novizen mehr aufgenommen werden. Am 2. Juni 1785 richtete die Stadt angesichts der drohenden Aufhebung ein Bittschreiben an die Regierung, das Kloster zu erhalten. Die Patres würden in der Stadt und im weiten Umkreis Aushilfe auf der Kanzel und im Beichtstuhl leisten, seien unzähligen Seelen Ratgeber und Helfer in Gewissenssachen. 1801 waren noch sieben Patres und zwei Brüder anwesend. Aufgrund der Neuerbauung der Stadtpfarrkirche 1804–08 wurde in der Klosterkirche zeitweilig der Pfarrgottesdienst abgehalten. Nachdem das Kloster 1806 an das Großherzogtum Baden gefallen war, erfolgte 1807 eine Verschärfung des Aufnahmeverbots, das auf Mitbrüder aus aufgehobenen Klöstern ausgeweitet wurde. 1813 waren noch vier betagte Patres und zwei Laienbrüder in Waldshut. Die Priester hielten häufig die Predigt in der Pfarrkirche sowie in Tiengen, jedoch nicht mehr in den Landpfarreien. Während der Typhusepidemie 1813/14 halfen die Kapuziner auch in den Nachbarorten aus, insbesondere in Gurtweil, wo rund 3.000 österreichische Soldaten der Krankheit erlagen. In Waldshut war die gesamte Weltgeistlichkeit verstorben, von Januar bis Pfingsten 1814 übernahmen die Kapuziner die Seelsorge. Auch wurde das Kloster als Lazarett genutzt. 1821 erfolgte mit der Versetzung des letzten verbliebenen Paters die endgültige Aufhebung. Bau- und KunstgeschichteDas Kapuzinerkloster fand seinen Platz zwar außerhalb der Stadt, wie von der Ordensregel gefordert, doch gleich auf der anderen Seite der westlichen Stadtbefestigung und damit in nur geringem Abstand. Mit dem Bau der Klostergebäude wurde 1654 begonnen und die Klosterkirche erfuhr ihre Weihe 1657. Die Kirche bildete die Ostflanke mit nach Süden gerichteter Chorachse, an die der Konventsbau nach rechts auf der Westseite anschloss. Er war vom Giebel des Langhauses weit zurückgesetzt und lag bündig zum Chorschluss. Die Grundrisse beider Geschosse finden sich im Musterbuch,6 wovon das Obergeschoss spiegelverkehrt wiedergegeben ist, entstanden durch Überzeichnen des Erdgeschosses auf der Rückseite des Blattes. Die Kirche aus breitem Langhaus und zwei hintereinanderliegenden Chorräumen entspricht dem Kapuzinerschema. Für die Sakristei ist ein kleiner Baukörper seitlich auf der Ostseite an den Chor angefügt. Die Pforte liegt seitlich des Langhausgiebels, führt in einen Gang zum Innenhof. Der Umgang um denselben ist an drei Seiten offen, an zwei davon mit Holzstützen und an der dritten gegenüber der Kirche mit einer Bogenstellung. Die vierte Seite entlang des an den Chor stoßenden Flügels ist geschlossen. Dieser und der Gang auf der Gegenseite sind den Flügeln eingeschossig vorgelagert, was den verbleibenden Hofraum auf Erdgeschossebene recht schmal werden lässt. Das Refektorium ist im an den Chor anschließenden Flügel untergebracht, gefolgt von der Küche in der äußeren Ecke und daran anschließenden Vorratsräumen mit Kellerabgang im Flügel, der parallel zur Kirche liegt. Soweit sich Baubestand und Grundrisse abgleichen lassen, sind keine Abweichungen festzustellen. Auf das 18. Jahrhundert geht eine Seitenkapelle zurück, die mit Walmdach an die östliche Längsseite des Langhauses angefügt wurde. Sie war dem Hl. Fidelis geweiht, unterhalb von ihr lag eine Gruft, die seit 1733 belegt wurde. Die endgültige Auflösung erfolgte 1821 und im Jahr darauf wurden die Gebeine aus der Gruft auf den Friedhof überführt. Ab 1824 nutzte eine Vitriolfabrik die Konventsflügel und den Gartenbereich, die Kirche wurde als Stall genutzt. 1836 zog das Gasthaus »Zum Rheinischen Hof« in den Baukomplex ein. Vermutlich gehen Geschossgliederung und Befensterung des früheren Langhauses darauf zurück. Das Langhaus diente als Stall. 1858 verlagerte man das städtische Spital in die früheren Klostergebäude und die beiden früheren Chorräume wurden ab 1861 zur Spitalkapelle. Nach dem Neubau des Krankenhauses 1928 brachte man im Klosterbau Kinderabteilung, Wäscherei und Verwaltungsräume unter. Seit einem Umbau 1986/87 finden sich hier Apotheke und Arztpraxen. Aktuell lässt der Baukörper die Form des früheren Klosters aus breitem Langhaus, schmalem Chorbereich, Konventsgeviert und Fideliskapelle gut erkennen. Hinter der Giebelwand des Langhauses liegt die Apotheke hinter späteren Rundbogenöffnungen und der Eingang zu den Arztpraxen liegt an der Stelle der früheren Klosterpforte. Der Innenhof ist heute im Erdgeschoss vollständig überbaut und im Obergeschoss auf die halbe Größe reduziert. Wo das Refektorium war, finden sich Garagen für Einsatzfahrzeuge. Zwischen den beiden Kreuzgratgewölben der Krankenhauskapelle lassen Unebenheiten im Gewölbeputz die Stelle der früheren Trennwand erkennen und hinter der Orgel zeichnet sich der frühere Chorbogen ab. Von der einstigen Ausstattung kamen 1821 ein gekreuzigter Christus und Figuren von Maria und Johannes in die Kirche St. Martin in Küssaberg-Kadelburg, die einstmals ihren Platz im Chorbogen über dem Chorgitter gehabt haben dürften. BibliographieQuellen: Romuald von Stockach 1747, S. 236. Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerkloster Waldshut (Hans Mies). Literatur: Birkenmayer 1890; Mayer 1975–1977; Rimmele 2009. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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