Berau, Benediktinerinnen
| Kurzbeschreibung: | 1108/1110 Gründung – 1130 und 1151 Berauer Ordo bezeugt – 14./15. Jh. Emanzipation von St. Blasien und Einführung einer stiftischen Lebensweise – 1507 Auflösung des gemeinsamen Haushalts – 1715 Wiedereinführung der Klausur – 1807 Säkularisation – 1834 endgültige Aufhebung – 1846 (Teil-)Abbruch der Klosterkirche Patrozinium: NikolausOrdensgliederung: Priorat von St. BlasienKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Waldshut; 1821/1827 Erzbistum Freiburg |
|---|---|
| Ortsbezüge: |
|
| Ordensregel: |
|
| Beschreibung: | Name: sanctimoniales in Peraugensi cenobio (1130);1 cellam Berowa (1157);2 conventus monasterii de Berowe (1272);3 monasterium dominarum de Berouwee (1291);4 magistre et conventui dominarum in Berowe earumque cenobio ordinis sancti Benedicti (1296);5 monasterium puellarum in Berowe (1298);6 samenung des gozhuses ze Berau (1330);7 monasterium sanctimonialium in Berow (ca. 1360–70)8 GeschichteHistorische EntwicklungBerau wurde im frühen 12. Jahrhundert als zu →St. Blasien gehöriges Frauenkloster gegründet. Im Hinblick auf die genauen Umstände des Gründungsprozesses sind die Quellen allerdings nicht ohne Widersprüche. Die 1098 (neu?) geweihte Berauer Pfarrkirche wurde laut einer um die Mitte des 12. Jahrhunderts in St. Blasien auf Papst Innozenz II. (1130–1143) gefälschten Urkunde zusammen mit der Kirche in Neukirch bei Rottweil zu einem unbestimmten Zeitpunkt von einem Gottfried an das Kloster St. Blasien geschenkt.9 Vierhundert Jahre später berichtete Abt Kaspar Molitor (1541–1571) im Liber Originum monasterii Sancti Blasii, dass Gottfried den Berauer Berg anlässlich seines Klostereintritts mit allem Zubehör an St Blasien geschenkt habe.10 Eine 1158 ausgestellte Urkunde Bischof Hermanns von Konstanz und in deren Tradition der im 14./15. Jahrhundert entstandene Liber constructionis von St. Blasien lassen die Schenkung Gottfrieds dagegen unerwähnt und berichten, Abt Rusten von St. Blasien (1108–1128) habe in Berau ein Kloster eingerichtet und Bischof Gebhard (1084–1110) gebeten, die Berauer Pfarrkirche zur Vermeidung von Konflikten dem Kloster zu übertragen.11 Es ist plausibel, für Berau – wie bei den sanblasianer Zellen →Bürgeln und →Weitenau – eine adlige Schenkung als Besitzgrundlage anzunehmen. Mitte des 14. Jahrhunderts war der gesamte Berauer Berg Eigentum des Klosters und ein Konverse Gottfried ist in einem aus dem frühen 12. Jahrhundert stammenden Sanblasianer Nekrologfragment vermerkt.12 Die eigentliche Gründung Beraus durch Abt Rusten dürfte erst einige Jahre nach der Schenkung, um 1108/1110, erfolgt sein. Die Klosterkirche wurde schließlich, so berichtet es das Messbuch der Berauer Nonne Engela, am 1. Juli 1117 zu Ehren des Hl. Nikolaus geweiht.13 Konsekrator war jedoch nicht der eigentlich zuständige Konstanzer Bischof, sondern Erzbischof Bruno von Trier (1102–1124), dessen Mutter eine geborene Gräfin von Nellenburg war. Überhaupt scheinen die Nellenburger eine durchaus wichtige Rolle für Berau gespielt zu haben. So sind sie 1287 im Besitz der Berauer Vogtei belegt – frühere Belege zur Vogtei gibt es nicht.14 Außerdem bezeugte ein Walter von Berau 1087 eine Urkunde Graf Burkhards von Nellenburg für das Schaffhauser Allerheiligenkloster und soll laut einer um die Mitte des 12. Jahrhunderts gefälschten Urkunde mit seinen Brüdern sogar ein Gut in Berau an das Allerheiligenkloster geschenkt haben. Angesichts dieser prominenten Rolle der Nellenburger ist zu fragen, ob der Berauer Gründer Gottfried – wenn er denn existiert hat – zur Verwandtschaft der Grafen von Nellenburg zu rechnen ist, welche Rolle das im Hegau, am Bodensee und im Klettgau begüterte Adelsgeschlecht bei der Gründung von Berau spielte und welche Auswirkungen der Mitte des 12. Jahrhunderts zwischen St. Blasien und Allerheiligen bezeugte Konflikt auf die Erzählungen der Berauer Gründungsgeschichte hatte.15 Alle drei Fragen können aufgrund der Quellengrundlage jedoch kaum näher untersucht werden. Eine Urkunde von 1158 berichtet, dass Abt Rusten statt des dort wirkenden Pfarrers »zur Mehrung des Gottesdienst« viele hochadlige Schwestern versammelt und ihnen einen Prior und andere Fratres vorgesetzt habe.16 Ob es sich dabei um die Übersiedlung von früher in St. Blasien ansässigen Nonnen und damit die Auflösung des dortigen Doppelklosters handelte, ist wahrscheinlich, aber nicht letztendlich zu beweisen.17 Bald scheint Berau Vorbildcharakter erhalten zu haben. Die aus der Gründerfamilie des Klosters →Bürgeln stammende Ita von Kaltenbach – eine der ersten Berauer Nonnen, vielleicht sogar die erste Meisterin – wurde gemäß dem Bericht des Chronicon Bürglense von Abt Rusten mit einigen Nonnen wohl zur Reform nach Kloster →Sulzburg übersandt.18 1130 setzt die Gründungsurkunde des Klosters Fahr im Aargau fest, dass die dortigen religiösen Frauen gemäß der Regel und dem Ordo der Nonnen des Klosters Muri oder des Klosters Berau Gott dienen sollen.19 1151 wird der Berauer Ordo auch anlässlich der Gründung des Klosters →Sitzenkirch erwähnt.20 Zwar ist der Wortlaut dieser Berauer Ordnungen nicht überliefert, verschiedene Quellen deuten jedoch darauf hin, dass diese anders als in Muri kein Doppelkloster, sondern zwei räumlich und institutionell eng verbundene Klöster (St. Blasien-Berau, Bürgeln-Sitzenkirch) vorsahen, wobei die seelsorgerische Betreuung der in strenger Klausur lebenden Frauengemeinschaft und die Verwaltung von deren Gütern den Männern oblag. Während diese Funktionen in der Anfangszeit wohl ein aus St. Blasien entsandter Prior übernahm, bildete sich in Berau ab dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts eine Aufgabenteilung heraus: Dem Propst oblag die weltliche Verwaltung der Güter, dem Prior die geistliche Betreuung der Frauen. Über die hochmittelalterliche Geschichte des Klosters Berau ist wenig bekannt, der Konvent florierte aber offensichtlich. Bereits Oktober 1147 weihte Bischof Hermann I. (1138–1165) die dreischiffige Klosterkirche (Berauer Münster). Weitere Altarweihen sind für die Jahre 1148, 1169 und – nach einem Brand der Klosterkirche im Jahr 1188 – 1193 überliefert. Vermutlich im 12. Jahrhundert wurde auch das Berauer Wuhr geschaffen, ein Kanal, der Wasser von der Mettma auf das Berauer Hochplateau leitete, um dort Mühlen zu betreiben. Eine Reihe von hochadligen Schwestern belegt die überregionale Anziehungskraft des Konvents im 12. Jahrhundert: Luitgard von Württemberg wurde ebenso Nonne in Berau wie zwei Angehörige der Familie von Eberstein. Letztere scheinen als Teil des Gründungskonvents – ein weiteres Zeichen der von Berau ausgehenden Reform – in das von ihrem Bruder Eberhard III. gegründete Kloster →Frauenalb gewechselt zu sein. Im 13. Jahrhundert lassen sich dann vor allem Schwestern aus dem regionalen Adel (Grießen bei Waldshut, Dachswangen und Wendlingen bei Freiburg, Dietlingen bei Berau) fassen. Zu dieser Regionalisierung des Konvents passt, dass die Grafen von Nellenburg die Vogtei 1287 für 135 Mark Silber an das Schaffhauser Stadtadelsgeschlecht der Ritter Am Stad verkauften.21 Über die konkreten Handlungen der Vögte ist wenig bekannt. Ihre Hauptaufgabe scheint der Beisitz bei zweimal jährlich stattfindenden Dinggerichten gewesen zu sein, wobei sie sich meist von lokalen Amtsträgern vertreten ließen. Vor allem durch Schenkungen anlässlich des Beitritts der Klosterschwestern erwarb Berau beträchtlichen Reichtum. Die im Liber decimationis genannten jährlichen Einkünfte der Propstei in Höhe von 155 Mark Silber waren dreifach so hoch wie die der Sanblasianer Propstei in Bürgeln und betrugen immerhin ein Drittel derjenigen des Mutterklosters.22 Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts traten die Klosterfrauen in Urkunden auch als Handelnde auf und erwarben Besitz für das Kloster. Offenbar war die ursprünglich strenge Klausur allmählich gelockert worden. Wohl als Reaktion darauf erließ Abt Berthold II. (1294–1308) unter direkter Bezugnahme auf den Liber sextus Papst Bonifaz’ VIII. (1294–1303) Regelungen für eine strengere Klausur.23 Zwei vom Frauenkonvent sowie vom Abt von St. Blasien einmütig ausgestellte Urkunden deuten darauf hin, dass diese keine langfristige Wirkung erzielten. So legte eine Urkunde von 1317 nicht nur die Höchstzahl der Klosterfrauen auf 40 fest, sondern regelte auch, dass Neuaufnahmen nur dann geschehen sollten, wenn Pfründen frei seien.24 Den einzelnen Berauer sanctimoniales wurden bestimmte Einkünfte zugewiesen. 1321 riegelte sich der Konvent sozial nach unten ab und beschloss, künftig keine Frauen unehelicher Geburt mehr aufzunehmen.25 Die Lebensweise der Berauer Frauen mit eigenen Einkünften und Urlaubsreisen zu Verwandten glich fortan der stiftisch lebender Chorfrauen. Eine selbstständige Verwaltung der Einkünfte wurde den Frauen weiterhin nicht zugebilligt. In mehreren um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstandenen wirtschaftlichen Quellen fungiert der Propst als Ansprechpartner für alle wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen des Gotteshauses.26 Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts muss es dann zum Aufbau einer Selbstverwaltung der Klosterfrauen gekommen sein. Neben dem Konvent, Meisterin und Priorin verfügten gemäß einer Urkunde des Jahres 1370 auch die Inhaberinnen von fünf namentlich genannten Ämtern (Sängerin, Küsterin, Stickmeisterin, Kellerin und die für die Kleidung zuständige Wattmeisterin) über eigene Einkünfte.27 Die genaue Ausgestaltung dieser Einkünfte, die Rechte der Klosterfrauen und die Pflichten des Propstes führten in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten zu wiederholten Konflikten zwischen den Berauer Nonnen und dem Kloster St. Blasien. So beschwerte sich Meisterin Guta von Hürrlingen 1412 bei Abt Johannes von St. Blasien (1413–1429) über den Berauer Propst Diethelm und forderte Ländereien, Güter und Dienstleistungen von diesem.28 Während diese Auseinandersetzung zunächst zu Gunsten des Propstes ausging, vermittelte Abt Johannes 1428 einen umfassenden Kompromiss, der zur Zahlung von 81 Gulden fälligen Zinsen vom Propst an den Konvent führte.29 Um die gleiche Zeit erlassene rudimentäre Statuten deuten zudem auf Konflikte um die Lebensweise der Berauer Frauen hin. Die Statuten bekräftigten die geistliche Aufsicht des Priors, versuchten eine strengere Klausur (allerdings mit Möglichkeiten zum Urlaub oder Verwandtenbesuch) einzuführen und regelten die Kleidung der geistlichen Frauen sowie den Gottesdienst.30 Aus mehreren Konflikten erfahren wir, dass diese Regelungen im 15. Jahrhundert ignoriert wurden. 1481 klagte die Berauer Meisterin Anna schließlich mit Erfolg vor Erzherzog Sigismund von Österreich (1439–1490).31 Ein in Waldshut geschlossener Vergleich ist ein Erfolg der Meisterin: Die Berauer convent frauen erhielten das regiment ihres gottshaus in geistlich und weltlichen sachen.32 Sie sollten über Ein- und Ausgaben entscheiden, die Klausur selbst regeln und sich einen Schaffner wählen dürfen. Die Konflikte rissen jedoch erst ab, als sich die Frauen 1507 mit dem Propst verglichen: Die Güter des gemeinsamen Haushalts wurden endgültig getrennt und die Rechte des Propsts erneut beschnitten.33 Vermutlich war die wirtschaftlich prekäre Lage des Konvents im 15. Jahrhundert ein Grund für das energische Bemühen der Nonnen um wirtschaftliche Selbstverwaltung. Mehrfach zerstörten Brände die Klosterkirche bzw. Konventsgebäude. 1467/68 wurde Berau im Waldshuter Krieg durch Schweizer Truppen geplündert, kurz danach verkaufte das Kloster Teile seines Fernbesitzes. Die Zahl der Nonnen sank bis Ende des 15. Jahrhunderts auf maximal acht. In dieser äußeren Krise erwarb St. Blasien 1478 die Vogtei von der Schaffhauser Familie Am Stad.34 Die Geschichte des Frauenklosters in der Frühen Neuzeit ist trotz reichhaltigen Materials noch schlechter erforscht als die des Mittelalters. Die wirtschaftliche Grundlage des Klosters scheint sich seit der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts und die Übertragung des Propsteihofs Hinterberg nachhaltig gebessert zu haben.35 Im Bauernkrieg wurde Berau kaum geschädigt. Obwohl die Zahl der Nonnen im 16. Jahrhundert klein war, blieb das geistliche Leben in Berau rege: 1562 legten die Nonnen ein Anniversar an, das anstelle eines älteren Nekrologrodels trat,36 1573 erließ Abt Kaspar II. Molitor von St. Blasien (1541–1571) im Einklang mit Meisterin und Konventfrauen umfassende Statuten.37 1588 wurde mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen, die bereits 1589 geweiht werden konnte. 1598 wurde die neue Propstei fertiggestellt. Kurz nachdem das Kloster im Dreißigjährigen Krieg wiederholt geplündert wurde, erließen Abt Franz I. (1638–1664) und Meisterin Anna Maria Stollenbergerin 1644 neue Statuten.38 Weitere folgen 1676, 1717, 1723, 1750 und zuletzt durch Abt Martin Gerbert (1764–1793) 1774. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts genossen die Frauen – so auch der Quellenbegriff – weitgehende Freiheiten. Sie verfügten neben der Chorkutte zum Gebet auch über verschiedene Pelzbekleidungen, Badekleider und Bademäntel und hielten keine strenge Klausur. Ihr geistlicher Lebenswandel und ihr Chorgebet wurde von Zeitgenossen dennoch gelobt und scheint sogar spirituell anziehend gewirkt zu haben. 1657 errichtete Emmerich von Stall, ein 1650 in Rom vom Calvinismus konvertiertes Mitglied des Dritten Ordens des heiligen Franziskus, auf dem Gelände der Propstei eine Marienkapelle. Wenn diese in Gegenwart des erst ein Jahr zuvor zum Katholizismus konvertierten Pfalzgrafen Christian August von Pfalz-Sulzbach (1656–1708) eingeweiht wurde, deutet dies auf die spirituelle Wirkung Emmerichs von Stall hin. Er lebte bis 1669 nahe dem Kloster als Eremit und habe sowohl den Äbten von St. Blasien als Ratgeber gedient, als auch am Chorgebet der Berauer Frauen teilgenommen. Die von ihm gestiftete Kapelle wurde 1698 abgetragen. 1675 lebten wieder 13 Frawen in Berau, zu denen noch vier Laienschwestern kamen, um 1699 sind inklusive Novizinnen und Laienschwestern sogar 20 Klostermitglieder genannt.39 Zwei Brände 1663 und 1665 zerstörten Teile des Propsteigebäudes, sodass die Klosterfrauen auf andere Klöster (unter anderem →Säckingen, Hermetschwil, →Amtenhausen und Münsterlingen) verteilt wurden, bevor sie 1665 das neuerrichtete Kloster beziehen konnten. 1711 vernichtete ein Brand Kirche, Wirtschaftsgebäude, Gasthaus und Apotheke. Auch zahlreiche Handschriften, darunter das Missale der Klosterfrau Engela, wurden vernichtet. Im schnell wieder aufgebauten Kloster führte Abt Augustin (1695–1720) 1715 nach rund vier Jahrhunderten stiftsähnlichen Lebens wieder eine strenge Klausur ein. Die Nonnen sollten sich streng dem Gebet zuwenden und nur noch in Ausnahmefällen miteinander reden. Für die Klausur wurden umfangreiche bauliche Veränderungen geschaffen. So wurde ein Redezimmer eingerichtet, das Kloster baulich abgeschirmt und ein Gitter an der Pforte angebracht. 1771 verfügte Fürstabt Martin II. Gerbert, dass die Berauer Nonnen künftig eine ewige Anbetung des heiligen Altarsakraments leisten sollten. Die Nonnen hatten 1791 einen erneuten Brand zu überstehen, außerdem die Plünderung durch die französischen Revolutionstruppen, 1803 wurde das Kloster zusammen mit der Grafschaft Bonndorf dem Malteserorden als Entschädigung für links des Rheins erlittene Verluste zugewiesen. 1806 fiel Berau kurzfristig an Württemberg, 1807 dann an Baden. Die badische Klosterkommission zog Grundherrschaft sowie Vermögen ein, ließ das aus 20 Chorfrauen und sechs Laienschwestern bestehende Kloster aber bestehen.40 Das Kloster verblieb im Besitz von einigen Feldern und Vieh zur Selbstversorgung, durfte aber keine Novizinnen mehr aufnehmen. 1834 wurde das auf sieben Frauen und zwei Laienschwestern geschrumpfte Kloster endgültig aufgelöst. Besitz und WirtschaftNimmt man die Historizität des Gottfried an, dürfte der gesamte Berauer Berg, die dortige Kirche und die bei Rottweil gelegene Neukircher Kirche zum Stiftungsgut des Klosters gehört haben. Beträchtlichen Besitz dürfte Berau anlässlich von Klostereintritten erhalten haben. Aus dem Hochmittelalter ist jedoch lediglich die umfangreiche Schenkung Eberhards von Eberstein in Göllsdorf bei Rottweil belegt.41 Einen umfassenden Überblick über die Berauer Besitzungen liefern vier um 1349 entstandene Rödel sowie ein kurz danach entstandenes Urbar des Berauer Besitzes im Brigachtal.42 Danach konzentrierte sich ein bedeutender Teil des Besitzes im unmittelbaren Umfeld des Klosters, wo es mehrere Mühlen betrieb, sowie entlang der Flüsse Wutach und Steina. Dieser Besitz dürfte ebenso wie der umfangreiche Streubesitz Beraus (vor allem im Breisgau, im Aargau, bei Schaffhausen, im Brigachtal und auf der Baar) weitgehend ins Hochmittelalter zurückreichen. Im 15. Jahrhundert gab das Kloster Teile seines Fernbesitzes auf, etwa große Teile der Besitzungen bei Villingen und Rottweil sowie im Breisgau. Zudem führte die endgültige Auflösung des gemeinsamen Haushalts zu einer Spaltung der Berauer Besitzungen in solche der Propstei und solche des Klosters. Die umfangreichen Urbare und Beraine aus der Frühen Neuzeit harren bislang einer detaillierteren Auswertung, deuten aber darauf hin, dass sich Berau zunehmend auf die näher am Kloster gelegenen Güter konzentrierte und seine Besitzlandschaft nach Süden in Richtung Hochrhein verschob.43 Im Rahmen der Auflösung fielen insgesamt Ländereien und Güter im Wert von 190.000 Gulden (jährliche Einkünfte rund 8.000 Gulden) an den badischen Staat, wovon rund ein Fünftel in der Schweiz lag. Religiöses und kulturelles WirkenJenseits der von Berau ausgehenden Reformtätigkeit scheint das Kloster im Hochmittelalter ein Zentrum der Gelehrsamkeit und der Spiritualität gewesen zu sein. So stammen Handschriftenfragmente mit Evangelienkommentaren Walahfrid Strabos und Beda Venerabilis ebenso aus dem Berauer Archiv wie Fragmente liturgischer Handschriften.44 Der sogenannte St.-Blasien-Psalter soll um 1240 für Berau geschaffen worden sein, möglicherweise entstammt er sogar dem Berauer Skriptorium.45 Sicher in Berau verfasst wurde das 1711 verbrannte Missale Angelae, der Berauer Klosterfrau Engela mit Weihenotizen von 1098–1663 sowie Hinweisen zum Totengedenken.46 Nach dem Bericht des Liber Constructionis aus St. Blasien sollen zwei Berauer Schwestern aus dem Geschlecht derer von Leinegg beim Tod ihres Bruders – einem Sanblasianer Mönch – Visionen gehabt haben. Nach späterer Überlieferung habe sich um 1200 die Berauer Nonne Agnes hinter dem Altar der Klosterkirche in ein kleines Häuschen einschließen lassen und dort als Inklusin gelebt.47 1736 ließ Propst Ignaz Gumpp ihre Gebeine heben. Unklar ist, ob »der von Berowe«, Verfasser von zwei mystischen Texten des 14. Jahrhunderts, mit dem Frauenkloster Berau in Verbindung zu bringen ist. Bibliothek und ArchivÜber den Verbleib der mittelalterlichen Berauer Handschriften ist wenig bekannt, möglicherweise sind sie, sofern sie nicht wie der St.-Blasien-Psalter vorher aus dem Kloster gekommen sind, 1711 verbrannt. Die jüngeren Handschriften könnten 1806/07 zunächst im Kloster verblieben und nach der endgültigen Auflösung zerstreut worden sein. Reste der Klosterbibliothek lassen sich nur noch über in der Universitätsbibliothek Freiburg überlieferte Fragmente fassen, dort liegen auch zwei Fragmente von Anniversarbüchern des 15. Jahrhunderts.48 Die Archivbestände sind 1806/07 mit den restlichen Sanblasianer Beständen in das Generallandesarchiv Karlsruhe (Bestände 11, 66, 67, 229) gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul im Lavanttal liegen dagegen nur von Sanblasianer Mönchen und Pröpsten über Berau verfasste Werke. Bislang kaum beachtete Bestände, darunter Quellen zur Wirtschafts- und Frömmigkeitsgeschichte des Klosters in der Frühen Neuzeit, befinden sich im katholischen Pfarrarchiv Berau. Bau- und KunstgeschichteLageDie auf dem Berauer Berg, einem Plateau oberhalb des Schlücht- und Schwarzatals gelegene, annähernd fünfeckige, einst umfriedete Anlage wurde mit Wasser einer nordöstlich in das Areal führenden Wuhr versorgt; dieses System aus bis heute erhaltenen, kilometerlangen Hangkanälen wurde kurz nach 1112 angelegt und zählt zu den ältesten Anlagen Mitteleuropas.49 Der Zugang im Westen führte vorbei an einem langestreckten Wirtschaftstrakt zum Propsteigebäude; südlich vor diesem erstreckte sich der einst eigens ummauerte Garten, östlich befanden sich die Kirche mit hohem Westturm, die Klausurgebäude mit einem nordöstlichen Anbau für das Gesinde und der Friedhof; südlich der Klausur weitere Ökonomiegebäude. Kirche und KonventsgebäudeDie bereits ab 1107 errichtete erste Kirche bildete angeblich die damalige Klosterkirche von St. Blasien in kleinerem Maßstab nach; sie war den Hll. Nikolaus, Blasius, Felix und Regula geweiht. Nach mehreren Bränden und Wiederaufbauten erfolgte der letzte Neubau unter Abt Augustin (1695–1720), gemäß Bildquelle ein Saalbau mit Westturm und polygonalem Sanktuarium; das Innere war laut Archivalien stuckiert und mit Wandmalereien versehen.50 1806 werden drei Altäre und eine Orgel genannt; der Chor sei mit einem Gitter vom Langhaus getrennt, an das eine Sakristei anschließe.51 Nach einem Brand wurde der Bau 1846 teils niedergelegt, teils in die neu errichteten Bauernhäuser integriert. Von den wohl 1114 bezugsfertigen ersten Konventsgebäuden sind nach mehreren Brand- bzw. Kriegszerstörungen lediglich Reste in der mehrfach wiederaufgebauten Anlage erhalten; ausweislich einer Supraporte in der Propstei Bürgeln handelte es sich unter Abt Augustin um eine nach Plänen von Caspar Moosbrugger ab 1711–17 in barocken Formen um zwei Höfe gruppierte Vierflügelanlage aus mehrgeschossigen Massivgebäuden unter Satteldächern, in der 16 Klosterfrauen und sechs Laienschwestern untergebracht wurden,52 und von der ebenfalls Reste in den heute Wohn- bzw. Ökonomiezwecken dienenden Gebäuden nachgewiesen sind. Laut einem Inventar von 1806 war das Erdgeschoss gewölbt und nahm Refektorium, zwei Gesellschaftszimmer, ein Sprechzimmer, die Küche samt Vorratskeller sowie Räume für Archiv und kirchliche Gerätschaften auf; im Obergeschoss befanden sich das Zimmer der Vorsteherin, 26 große und kleine, teils beheizbare Zellen, Kapitelraum, Krankenzimmer, ein Bethaus, ein Unterrichtszimmer, ein Zimmer für die Hausapotheke, drei Gästezimmer sowie zwei Kleiderkammern.53 Umfänglich erhalten ist das Propsteigebäude, ein massives, dreigeschossiges Gebäude über rechteckigem Grundriss, das 1597/98 unter Abt Martin durch die Gebrüder Lermina mit Treppengiebeln errichtet und 1711–13 in Stand gesetzt wurde. Ein südseitiger Treppenturm wurde im Zuge der Baumaßnahmen ab 1711 restauriert, 1736 jedoch aufgegeben und durch das rückwärtige Treppenhaus ersetzt. Unter Abt Franz II. (1727–1747) wurden zudem die Hauptfassade zu sieben Achsen geordnet, das Portal mit einem gesprengten Giebel und Abtswappen überfangen, die Treppengiebel abgebrochen, der Dachstuhl komplett erneuert und ein leicht abgeschlepptes Satteldach aufgebracht. 54 Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDas Propsteigebäude besitzt ein barockes Treppenhaus mit hölzernen Balustergeländern sowie in Keller-, Erd- und ersten Obergeschoss überwiegend kreuzgratgewölbte Mittelflure und Räume. Im zweiten Obergeschoss sind Flure und mehrere Räume mit barocken Stuckdecken mit Landschaftsdarstellungen ausgestattet, der Flur mit in Fischgrätmuster verlegtem Terracotta-Fußboden; hervorzuheben ist die Decke des südwestlich angeordneten Festsaals mit medaillonsgefassten Jagdszenen, die 1717/18 durch den Freiburger Stukkateur Franz Joseph Vogel geschaffen wurden;55 alte Kaminzüge und Schürtüren im Flur zeugen von einst vorhandenen Kaminen im Saal. Erhalten sind im ganzen Haus barocke Türen und -gewände, sowie in mehreren Räumen Lambrien. An weiteren Ausstattungsstücken aus Kirche und Konventsgebäuden sind ein geschnitztes, romanisches Nikolausreliquiar bekannt (heute im Historischen Museum Basel aufbewahrt), eine spätgotische Pietà (Pfarrkirche Berau) bzw. eine barocke Marienstatue aus dem Klostergarten (Rathausbrunnen Bonndorf) und eine Orgel (Bonndorf) sowie ein Fayence-Kachelofen (Badisches Landesmuseum Karlsruhe). BibliographieHandbücher und Lexika: GermBen V, S. 117 f. (Franz Quarthal); HLS II, S. 207 (Hans-Jakob Wörner); KDM Bd. 3, S. 864 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerinnenkloster Berau (Adam Widera/Karl-Heinz Braun). Literatur: Kürzel 1861; Maurer 1965; Küsters 1991; Waldschütz 2021. Anmerkungen
|
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
|
Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
|---|








leobw