Gurtweil, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | Gründung 1646/1697 – Aufhebung 1807 Patrozinium: Konrad; 1749: Simon und Judas ThaddäusOrdensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei St. BlasienKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Waldshut |
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| Beschreibung: | Name: probstey Gurtweyll (1700)1 GeschichteNach der Zerstörung der Gutenburg im Dreißigjährigen Krieg benötigte der Sanblasianer Obervogt der gleichnamigen reichsunmittelbaren Herrschaft ein neues Domizil. Zu diesem Zweck erwarb die Abtei am 30. April 1646 von Martin von Heidegg das Dorf Gurtweil, wo sie bereits umfängliche Besitzungen und ein altes Vorkaufsrecht hatte. Gurtweil wurde Sitz des Amtes Gutenburg. Der weltliche Obervogt, auch zuständig für Sanblasianer Güter und Eigenleute in Wutachtal und Klettgau, wurde im Pfarrhaus untergebracht, während die geistlichen Administratoren die Anfang des 17. Jahrhunderts unter den Herren von Heidegg erbaute Wasserburg bezogen, nachdem jene, in Folge des Krieges in ruinösem Zustand und ohne Dach, wieder bewohnbar gemacht worden war; im Beisein des Abtes Franz Chullot (1638–1664) brannte das Gebäude wiederum am 13. Mai 1660, zusammen mit 13 umgebenden Häusern, usque ad cellas vinarias (Wülberz 1753) nieder. Ab 1662 wurde an derselben Stelle ein neues, dreistöckiges Gebäude errichtet, später als Propsteigebäude bezeichnet. Die Weihe der hauseigenen Kapelle erfolgte am 23. Juli 1664 durch den Konstanzer Weihbischof, im Beisein des neuen Abtes Odo Kübler (1664–1672), dem anderntags die Huldigung entgegengebracht wurde. Administrator war stets ein Benediktinerpater aus dem Kloster, der zugleich als Pfarrer fungierte. Die Pfarrei Gurtweil bestand seit Anfang des 17. Jahrhunderts, in jener Zeit wurden auch Kirche und Pfarrhaus erbaut; als Mitglied des Waldshuter Landkapitels führte der Administrator de facto ein weltpriesterliches Leben, erst 1731 wurde Gurtweil überhaupt zur Klosterpfarrei umgewandelt. Mitbrüder in Klausur, wie in anderen Sanblasianer Propsteien, hatte er nicht. Wichtige Tätigkeit war die Gefälleverwaltung; zur Propstei gehörten auch ein (1775 verkaufter) Meierhof sowie Land- und Viehbesitz. Im Gebäude lebten ansonsten bis zu zehn weltliche Bedienstete beiderlei Geschlechts. Erster Administrator war der als außergewöhnlich fromm beschriebene P. Martin Steinegg, dem mystische Visionen nachgesagt wurden. Spezifisch für Gurtweil ist, dass insbesondere im 18. Jahrhundert sehr häufig »verdiente Männer, die stiller Wissenschaft huldigten« (Beringer) dorthin abgesandt wurden, die sich vornehmlich mit historischen Forschungen beschäftigten. Zu nennen sind besonders Columban Reble (1704–13, 1718–21), Stanislaus Wülberz (1732–49), Theoderich Seitz (1756–58), Ignaz Gump (1758–61), Ferdinand Meyer (1761–66), Hugo Schmidfeld (1766–81). Ab 1697 führten sie den Titel »Propst« und bekamen ab 1704 einen ständigen Vikar zur Seite gestellt, der fortan de facto die eigentliche Seelsorge übernahm. Propst Wülberz betrieb den Kirchenneubau (Weihe 1747) und änderte das Kirchenpatrozinium vom Hl. Konrad zu den Aposteln Simon und Judas Thaddäus. In der neuen Pfarrkirche wurden sodann einige der Pröpste, Protagonisten der in St. Blasien früh einsetzenden »katholischen Aufklärung«, bestattet. Das Propsteigebäude wurde im 18. Jahrhundert häufig von hochadeligen Gästen belegt, auch für den Fürstabt gab es eigene Zimmer; gelegentlich ist von einer »Sommerresidenz« die Rede. Von Fürstabt Meinrad Troger (1749–1764) sind »wochenlange« Aufenthalte belegt, auch Martin Gerbert (1764–1793) war häufig vor Ort. Aufgrund der schlechten Wegeverhältnisse nach St. Blasien nutzten die Äbte bzw. Fürstäbte die Propstei bevorzugt für Treffen und Konferenzen. 1737/38 diente sie auch als Verhandlungsort mit den Einungsmeistern der »Grafschaft Hauenstein« über die Manumission dortiger Leibeigener. Durch Hofkommissionsbeschluss wurde die Propstei im Juni 1807 aufgehoben. Bau- und KunstgeschichteLageDer großteils umfriedete, etwa fünf Hektar umfassende Propsteibezirk liegt südlich des Dorfes und westlich der Schlücht. Bauzeitlich wurde er wohl von der Rathausstraße her, ab 1739 (i) von der östlich verlaufenden Schlüchttalstraße durch ein (verlorenes) Tor erschlossen. Der neu angelegte Weg führte zwischen einem unter Abt Franz II. (1727–1747) errichteten, zweigeschossigen, mansardgedeckten Marstall samt Fruchtlager (1973/74 abgebrochen) und einem kleinen Garten mit Springbrunnen vor die Nordfassade des unter Abt Franz I. (1638–1664) ab 1662 (i) neu errichteten Hauptgebäudes; nordwestlich befindet sich eine kleine freistehende Kapelle, die 16642 geweiht wurde. Südöstlich schließen an das Hauptgebäude ein eingeschossiges Gebäude unklarer Funktion des 17. Jahrhunderts und daran eine eingeschossige Orangerie unter Mansarddach (heute Hauskapelle) aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts an, südlich ein großer Garten. Im Westen liegt, abgetrennt durch ein zweites (verlorenes) Tor ein einstiger Wirtschaftshof, in dem 1721 eine (nicht erhaltene) Scheune mit Treppengiebeln errichtet wurde. Ein Inventar von 1806 nennt zudem eine Weintrotte mit drei Trottbäumen, eine Säge und eine Ziegelhütte.3 Kapelle und KonventsbauDie gewestete Kapelle ist ein einschiffiger Putzbau unter Satteldach mit polygonaler Apsis; die Außenseite ist vertikal durch Pilaster und beidseitig je drei Rundbogenfenster gegliedert; im Inneren ist die Kapelle kreuzgratgewölbt. Im Dachreiter klingt eine Glocke von 1673 (i) mit Wappen von Abt Romanus (1672–1695). Das Hauptgebäude, ein 1662 durch »Meister Domenico«4 begonnener, dreigeschossiger Putzbau über rechteckigem Grundriss und unter einem Satteldach mit markanten Treppengiebeln, bildet als Mittelachsen der symmetrisch aufgebauten, siebenachsigen Längsseiten je einen integrierten, viereckigen Turm aus, der in zweigeschossigen Zwerchhäusern mit Satteldach endet. Das Erscheinungsbild des weitgehend ungegliederten Gebäudes prägen illusionistische Malerei in Form von Diamantquaderung der Gebäudeecken und gewundener vertikaler Bänder, die die Mittelachse der Längsseite bzw. den Treppenturm zusätzlich betonen, sowie einheitlich gestaltete, breite Rechteckfenster mit einfach gekehlten Werksteingewänden und quergestreiften Schlagläden. Der westliche Turm diente wohl zunächst als Haupteingang, vermutlich vor 1726 wird der Bau über eine Freitreppe von Norden her erschlossen. Im Inneren des vollunterkellerten Gebäudes sind die Räume beiderseits eines jeweils in Nordsüdrichtung verlaufenden geräumigen und kreuzgratgewölbten Mittelgangs angeordnet. Der heutige Haupteingang führt somit direkt auf den Mittelgang. Das Inventar protokolliert hier 1806 neun Räume: kleine und große Kanzlei, ein Zimmer mit Platten und Geschirr, Diener- und Gesindezimmer, Hausnerzimmer, Speisezimmer, Küche und Obstkammer. Im ersten Obergeschoss werden sieben Räume aufgezählt: zwei Nebenzimmer, drei kleine Tafelzimmer, die Pfarrwohnung und das Propsteizimmer mit Schlafzimmer; im zweiten Obergeschoss befanden sich das Fürsten- und Fürstenschlafzimmer, Großes Tafelzimmer, Gastzimmer und Gesinderäume. Das Erdgeschoss diente somit Wirtschafts- und Verwaltungszwecken, die beiden Obergeschosse Wohnzwecken. Stilistisch ist das Propsteigebäude am Übergang von Renaissance zum Frühbarock einzuordnen. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie Kapelle wurde wohl durch Johann Christoph Feinlein aus Waldshut ausgestattet, der bauzeitliche Altar mit Immakulata auf dem Altarblatt ausweislich des Wappens von Abt Franz I. (1638–1664) in Auftrag gegeben.5 Im Propsteigebäude ist ein Fayence-Kachelofen erhalten, der wohl 1690 in der klostereigenen Ofenmanufaktur zu Grafenhausen gefertigt wurde. Neben hölzernen Doppeltüren vor allem im zweiten Obergeschoss weist es reiche Stuckdecken von Franz Joseph Vogel aus Freiburg auf sowie die farbig stuckierten Wappen der Bauherren Blasius III. (1720–1727) und Franz II. (1727–1747); zudem Deckenmalereien in Schwarzlot von Johann Georg Glücker aus Rottweil: Medaillons stellen dialektisch die Beherrschung der Natur durch den Menschen und die Endlichkeit alles Irdischen gegenüber. Im sogenannten Abtszimmer zeigt der Deckenspiegel Putten mit Füllhörnern, Grisaillemalereien in den Raumecken zeigen Putten mit Wappensymbolen Abt Blasius’ III. Die Malereien fügen sich mit den dazwischenliegenden Landschaftsreliefs, die die vier Elemente symbolisieren, zu einem ikonografischen Programm, das die umfassende und wohlstandbringende Herrschaft des Abtes lobt. Das zentrale Deckengemälde des Großen Tafelzimmers zeigt personifizierte Künste, mit denen sich der Auftraggeber offensichtlich beschäftigte, in freier Kombination und ohne dezidiert kirchlichen Bezug: Ein jugendlicher Apollon mit Leier – die Musik vertretend – ist umgeben von Astronomie/Geografie, Baukunst, Malerei, Literatur, Bildhauerei und Alchemie auf dem Parnass (?) vor einem durchfensterten Rundturm und einem anschließenden Gebäudeteil zu sehen. Möglicherweise handelt es sich um die Vierflügelanlage mit Bastionen an jeder Ecke, deren Grundriss die Baukunst in Händen hält. Stuckreliefs in den Ecken stellen die vier Jahreszeiten dar. Das jüngere Deckengemälde über dem Ofen spielt vermutlich auf die Herrschertugenden Blasius’ III. an. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 263 (Dagmar Zimdars); kloester-bw, Benediktinerpropstei Gurtweil (Dominik Rimmele/Karl-Heinz Braun). Literatur: Beringer 1960; Bernhard/Sutter 2003. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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