Krozingen, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

1383 Ersterwähnung als Propstei von St. Blasien – 1806 Aufhebung

Patrozinium: Maria (in Kapelle auch Heiliger Geist und Nepomuk)
Ordensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei St. Blasien
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Benediktiner 1383-1806
Beschreibung:

Name: praepositus officii Brisgawensis (1383);1 probst von Krotzingen (1383)2

Geschichte

Krozingen entstand im Frühmittelalter aus drei Siedlungskernen, in denen Besitz der Klöster St. Gallen (800), →St. Trudpert (1144), →Beuron (1278) und →St. Blasien (1287) nachzuweisen ist.3 Da die Besitzungen in und um Krozingen deutlich zunahmen, wurde Krozingen zum Verwaltungszentrum der Sanblasianer Güter in diesen Raum, ein Konvent scheint nicht bestanden zu haben. Pfarreirechte, Zehntrechte und die umfangreichen Güter St. Trudperts und der reiche Besitz St. Blasiens machten seit 1299 zahlreiche Vereinbarungen zwischen den beiden Klöstern notwendig. Vogteirechte besaßen im 13. und 14. Jahrhundert die Herren von Staufen.4 Seit dem 16. Jahrhundert sind keine Vögte mehr nachweisbar, die Landeshoheit übte seit dem 14. Jahrhundert Habsburg aus.5

In der Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte die Propstei durch den Bevollmächtigen St. Blasiens in Wien, Marquard Herrgott († 1762), größere Bedeutung. Herrgott war 1728–48 Vertreter der vorderösterreichischen Stände in Wien und kehrte nach Krozingen zurück, als er diplomatisch ins Abseits geriet. Zuvor hatte er 1718–20 in Rom, Wien, Melk und 1724–25 bei den Maurinern in Paris mit Schwerpunkt auf Geschichtswissenschaft studiert. 1737 schuf er die zweibändige Genealogia diplomatica Augustae Gentis Habsburgicae und ab 1750 zur Verherrlichung des Hauses Habsburg die vierbändigen Monumenta Augustae Domus Austriacae. Der vierte Band wurde nach dessen Verlust von Martin Gerbert 1772 neu erarbeitet, die Kupferstiche des Werkes stammen von Peter Mayer. Nach seiner Rückkehr nach Krozingen ließ Herrgott die bestehende Kapelle umgestalten, in der er bestattet wurde. Nach ihm war Trudpert Neugart († 1825) Propst, der 1767–70 Professor für orientalische Sprachen in Freiburg war und als Kaplan Abt Martin Gerberts nach St. Blasien zurückkehrte. Als Stiftsdekan und Stiftsarchivar widmete er sich vor allem der Geschichte, indem er den Plan von Herrgott, eine Germania sacra zu erstellen, aufgriff und fortführte. Neugart verhandelte in den Kriegen mit Frankreich an Stelle des Abtes und erhielt 1801 als Belohnung die Propstei Krozingen zugewiesen, wo er 1803 den ersten Band des Episcopatus Constantiensis vorlegte. Er strebte vergeblich den Erhalt der Propstei Krozingen für sich auf Lebenszeit an, sowie eine Ansiedelung des Konvents St. Blasien in Österreich. Zunächst war Pyhrn ein Zufluchtsort, bis Neugart 1809 die Zuweisung von St. Paul im Lavanttal erreichte und dort bis zu seinem Tod Statthalter des Abtes war. Die Propsteigebäude in Krozingen wurden 1807 verkauft und sind seitdem in Privatbesitz. Unter Propst Alois Mader fanden »weiterhin prälatenständische Konferenzen«6 mit durchschnittlich 55 Prälaten in Krozingen statt.

Bei der Säkularisation wurden in der Bibliothek der Propstei 192 Werke festgestellt, von denen 83 an die Hofbibliothek in Karlsruhe und 99 an die Universitätsbibliothek Freiburg gingen. Als Wappen der Propstei wird 1562 ein roter Pfahl auf silbernem Grund dargestellt, ein Siegel ist nicht bekannt.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Der großteils von einer Mauer umfriedete Propsteibezirk liegt im Süden der Siedlung, ein Eingangstor führt von Norden her durch den umgebenden Garten auf die Hauptfassade des 1578/79 (i) unter Abt Caspar II. (1571–1596) mit polygonalem Treppenturm neu errichteten, 1749/50 umgebauten, dreigeschossigen Propsteigebäudes zu; nordöstlich steht eine freistehende Kapelle von 1608 (i). Nicht erhalten sind eine in einer Zeichnung von wohl 1747/48 gezeigte zweite Mauer samt zweitem Tor, die vermutlich den inneren vom Wirtschaftsbereich trennte, und eine Volière nahe des äußeren Tores sowie pavillonartige Gartenhäuser. Auf der Zeichnung nicht wiedergegeben wird ein an der östlich verlaufenden Straße, heute außerhalb des historischen Grundstückes stehendes, über einem Gewölbekeller zweigeschossiges Steinhaus mit Treppengiebel und teils spätgotischen Fenstergewänden, das wohl im 17. und 19. Jahrhundert umgebaut wurde und vermutlich als Wirtschaftsgebäude der Propstei diente (Am Schlosspark 1; heute Wohnhaus). Auch ein westlich des Hauptgebäudes liegendes Wirtschaftsgebäude (1980 durch ein Wohngebäude ersetzt) ist auf der Zeichnung (noch?) nicht zu sehen.

Kirche und Konventsgebäude

Das Hauptgebäude der Propstei, ein 1578/79 durch die Brüder Hans und Albrecht Lermina errichteter, dreigeschossiger Putzbau über rechteckigem Grundriss bedeckte laut Zeichnung ein Satteldach mit Treppengiebeln und einem Dachhäuschen mit Aufzugsluke; ein überdachter Abgang führte in den Keller. Beim Umbau unter Abt Meinrad (1749–1764) bzw. Propst Marquard Herrgott durch Johann Kaspar Bagnato erhielt das Haus ein Walmdach und wurde mit neuen Fenstergewänden in reduzierten Barockformen zu neun leicht unregelmäßigen Achsen geordnet und einheitlich roséfarben gestrichen; der renaissancezeitliche, azentrisch vorgelagerte Treppenturm samt Wappen Abt Caspars II. (1571–1596) von 1579 (i) wurde entgegen Herrgotts Abrisswünschen beibehalten. Im Inneren des teilunterkellerten Gebäudes sind die Räume im Erdgeschoss beiderseits eines Mittelgangs angeordnet und dienten wohl Wirtschafts- und Verwaltungszwecken. In den oberen Geschossen sind die Räume seit dem Umbau zu je einem appartement double mit Enfiladen geordnet und dienten Propst und Abt zum repräsentativen Wohnen und Arbeiten; hier dürfte sich auch die Bibliothek befunden haben. Für den 15 m × 8 m großen »Fürstensaal« im zweiten Obergeschoss könnte unter anderem eine Nutzung auch für Versammlungen des Prälatenstandes, innerhalb derer der Abt mindestens ab 1567 den Vorsitz innehatte, in Frage kommen.

Ein laut Bauauftrag von 1578 zu errichtendes betthüslin7 wurde eventuell 1595 geweiht oder mit einem neuen Altar versehen, wohl wegen bis heute bestehender Feuchtigkeitsprobleme unter Abt Martin (1596–1625) niedergelegt und an gleicher Stelle 1608 neu errichtet: Die Kapelle ist ein einschiffiger Putzbau unter Satteldach mit polygonalem Ostschluss, Portal und Fenstergewände sind spitzbogig ausgeführt, die Westfassade ist als monumentaler Volutengiebel mit Obelisken und Aufsatz ausgeführt. 1749 ließ Herrgott die Fenster vergrößern und das Innere durch Francesco Pozzi stuckieren.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

In den Obergeschossen des Hauptgebäudes konnten Spuren älterer Bemalung nachgewiesen werden; beschäftigt waren hier bauzeitlich ein Zimmermeister Schnell aus Basel und ein Schreinermeister Holtzmeyer aus Waldshut; seit dem Umbau sind sie mit aufwändigen Parkettböden und überwiegend in ungegenständlichen Rokokoformen stuckierten Decken (wohl von Francesco Pozzi) ausgestattet. Der Fürstensaal besitzt offene Marmorkamine und eine gewachste Leinwandtapete mit ländlichen Szenen, wie sie zwischen 1720 und 1750 verbreitet waren. Die Stuckdecke zeigt hier in Rocaillen Putten mit Feuerkörben. Der Altar von 1735 in der Kapelle wird Johann Christian Wentzinger aus Freiburg zugeschrieben.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 30 (Dagmar Zimdars); GermBen V, S. 363–368 (Franz Quarthal); kloester-bw, Benediktinerpropstei Krozingen (Dennis Nagel/Karl-Heinz Braun).

Literatur: Bader 1851; Kunze/Strotz 2009; Hagen 2018.

Anmerkungen

  • 1 GLA 67 Nr. 695.
  • 2 Bader 1855, S. 119.
  • 3 Kunze/Strotz 2009, S. 2 7-29.
  • 4 UB St. Blasien, Nr. 33 S. 429, Nr. 535 S. 691, Nr. 684 S. 897, Nr. 744 S. 967; Bader 1851, S. 32 9-341; Ott 1969, insbes. S. 24, 51.
  • 5 GermBen V, S. 36 3-366.
  • 6 GermBen V, S. 365.
  • 7 GLA 229 Nr. 56372, fol. 9 v
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Dieter Speck [Autor]
  • Kristina Hagen [Autor]
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