Karlsruhe, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1730 Gründung im Rang eines Hospizes – 1804 Aufhebung Ordensgliederung: Rheinische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes bei St. German und Moritz, Landkapitel Ettlingen |
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| Beschreibung: | Name: P.P. Capucini (1730)1 GeschichteDie 1715 gegründete barocke Planstadt Karlsruhe stellte für die Rheinische Kapuzinerprovinz ein alles andere als leichtes Aktionsfeld dar. Dass katholische Seelsorge dort überhaupt möglich wurde, war Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (1709–1738) zu verdanken. Der Landesherr hielt sich an sein Versprechen, Katholiken in seiner Neugründung dulden zu wollen. Als Oberhaupt der evangelischen Landeskirche konnte er sich jedoch nicht dazu durchringen, die von ihm ursprünglich in Aussicht gestellte Erlaubnis zum Bau eines katholischen Gotteshauses zu erteilen. Stattdessen galt der im Verlauf des 18. Jahrhunderts nicht aufgegebene Vorbehalt, dass Katholiken jegliche Form der öffentlichen Religionsausübung untersagt sei. Zum Wegbereiter für ein konstantes seelsorgerliches Wirken der Kapuziner wurden zwei italienische Mitglieder der 1666 gegründeten Durchlacher Hofoper: der Musikdirektor Filippo Antonio Scandalibene († 1735) und der Bassist Natale Bettinardo († 1761). An seinen Zuzug nach Durlach hatte der zum Priester geweihte Sangeskünstler die Bedingung geknüpft, die heilige Messe lesen zu dürfen. Dem dort ab 1712 eine kleine katholische Gemeinde betreuenden, im priesterlichen Wirken auf seine eigenen Wohnräume limitierten Venezianer mangelte es an der Kenntnis der deutschen Sprache. Auf seinen Wunsch hin entsandte der →Bruchsaler Kapuzinerkonvent deshalb 1715 einen Prediger. Um sich Bettinardos Dienste zu versichern, ließ der Markgraf anlässlich des 1718 erfolgten Umzugs der Regierung nach Karlsruhe an der Ecke Lammstraße/Zirkel ein bescheidenes, aber zur Abhaltung von Gottesdiensten geeignetes Haus erbauen. Auch wenn Bettinardos Versuch, seinem Förderer 1719 die Erlaubnis zum Bau einer Kirche und einer ihr angeschlossenen Kapuzinerniederlassung abzuringen, scheiterte, so verschaffte er den Ordensmännern doch Eintritt in die Residenzstadt. Zum Durchbruch gelangten die Bemühungen um eine Kapuzinermission im Jahre 1730. Damals wurde zwei Patres und einem Laienbruder gestattet, in der ehemaligen Behausung Bettinardos ein Hospiz einzurichten. Als Hypothek erwies sich, dass die Ordensmänner nur in Privaträumen Seelsorge ausüben durften. Der protestantischen Geistlichkeit war es dagegen vorbehalten, die Taufbücher zu führen sowie Trauungen und Beerdigungen vorzunehmen. Obwohl die Kapuziner sich ihrer prekären Lage bewusst waren, erregten sie doch den Argwohn der protestantischen Geistlichkeit und Beamtenschaft. Markgraf Karl Wilhelm sah sich mehrfach dazu veranlasst, ein Machtwort zu sprechen und den Anfeindungen entgegenzutreten. Unter seinem Nachfolger Karl Friedrich (1746–1811) erlebte die die katholische Minderheit protegierende Konfessionspolitik einen weiteren Aufschwung. Nachdem die Ordensleute 1764 die Erlaubnis zum Abbruch des alten Bettinardo-Hauses erwirkt hatten, konnten sie an seiner Stelle ein Missionshaus errichten, dessen wichtigster Bestandteil ein am 6. Juni 1766 geweihter Betraum war. Ein Jahr später gelangte die Gemeinde durch eine große Spende des Fürstbischofs von Speyer, Franz Christoph von Hutten (1706–1770), in den Besitz eines benachbarten Hauses, welches als Schule eingerichtet wurde. Das Aussterben der katholischen Linie Baden-Baden (1771) war dazu angetan, die Stellung der Kapuziner und ihrer Gemeinde weiter zu festigen, weil der als Erbe eingesetzte Dynast nun um die Loyalität seiner sich zunehmend in Karlsruhe niederlassenden katholischen Untertanen warb. Im Jahre 1804 ordnete Karl Friedrich an, dass die nie über den Status von geduldeten Gästen hinausgekommenen Kapuziner ihr Engagement zu beenden hätten. Mit dem kurz vor ihrem Weggang zur ersten katholischen Pfarrkirche Karlsruhes erhobenen Missionshaus hinterließen die vertriebenen Ordensmänner jedoch ein zukunftsweisendes Erbe. Bau- und KunstgeschichteDas kleine Kloster der Karlsruher Kapuzinermission ist architektonisch bemerkenswert, weil seine Fassade wie ein Stadtpalais aussah und präzise den benachbarten Wohnhäusern angeglichen war. Der durchaus konventionelle Kirchenraum im Inneren und das Kloster zeichneten sich in keiner Weise nach außen hin ab und waren nicht einmal an einem Glockentürmchen erkennbar. Es lag auf der Eckparzelle Lammstraße 1/Zirkel 23, also an der vom Schloss ausstrahlenden Achse, in der nach erster Stadtplanung weiter südlich die (nie gebaute) katholische Pfarrkirche stehen sollte. Das den Kapuzinern überlassene »Kirchenhaus« an der Lammstraße war 1718 mit einem Kirchenraum im Erdgeschoss und der Wohnung im Mansardgeschoss für den Priester Bettinardo gebaut worden; in dessen Wohnung wurden nun die Zellen eingerichtet. Außen fügte sich bereits dieses verputzte Fachwerkhaus bruchlos in die Fassaden und Dächer der standardisierten Karlsruher Modellhäuser ein. 1764 wurde das Kloster als zweigeschossiger Steinbau erneuert, nun im Kontext mit der angrenzenden Kirche am Zirkel, deren Bau am 3. Februar 1765 begann. Am 25. Juni wurde ihr Grundstein gelegt (1815 wiedergefunden), am 6. Juni 1766 konnte sie mit drei Altären geweiht werden. Die Nordfassade war entsprechend dem Straßenverlauf konkav gekrümmt; Ost- und Westwand standen schräg. Die 15-achsige Nordfassade wurde durch breite rustizierte Pilaster und einheitlich große geohrte Rechteckfenster in ein dreiachsiges, übergiebeltes Mittelfeld mit dem Haupteingang, je zwei begleitende Achsen und zwei vierachsige Seitenfelder gegliedert, in der Art von Risaliten, aber ohne Versprünge. Die Seitenfassade wies sechs Fensterachsen auf, dort befand sich ein Nebeneingang. Das Kirchenschiff war innen zwei Geschosse hoch und nahm die mittleren sieben Fensterachsen ein; das Hauptportal führte auf den kreuzförmig angelegten Gang zwischen den Bänken. Nach Osten hin war mit Fachwerkwänden in das Gebäude integriert eine große, eingezogene Apsis für den Hochaltar der Unbefleckten Empfängnis; an ihrem Eingang standen die zwei Nebenaltäre der Hll. Franziskus und Johann Nepomuk. In den Zwickelräumen befanden sich die Sakristei und der bei den Kapuzinern übliche Psallierchor des Konvents. Eine Westempore erstreckte sich weit in den Kirchenraum hinein. Das westlich angrenzende Klostergebäude nahm im Erdgeschoss Pfortenraum, Küche und Refektorium, im Obergeschoss die Konventstube und die Zellen auf. Ein schmaler Laubengang an der Südwand des Hofs ermöglichte es den Kapuzinern, Sakristei und Chor zu erreichen. Die Ausstattung der Kirche ist 1718 und 1770 durch Inventare überliefert. Bemerkenswert ist die Stiftung von Kelch, Patene und Kasel 1768 durch Papst Clemens XIII. (1758–1769). Diese Stücke gelangten 1815 an die Stadtpfarrkirche St. Stephan in Karlsruhe (erhalten). Hochaltar und Kanzel kamen nach Oberhausen(-Rheinhausen), Nebenaltäre und Taufstein nach Kuppenheim, die Orgel (1776 von Johann Ferdinand Balthasar Stieffell) nach (Bretten-)Bauerbach (erhalten), die Kommunionbank nach (Karlsruhe-)Durlach. BibliographieQuellen: Hierotheus Confluentinus 1735, S. 44–46. Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerhospiz Karlsruhe (Matthias Ilg). Literatur: Bader 1880; Ehrenfried 1962; Fecht 1887. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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