Fremersberg, Franziskaner
| Kurzbeschreibung: | um 1411 Gründung Einsiedelei – 1426 Observantenklause – 1453/59 Eremitage – 1711–1757 Herabstufung zu einem Hospiz – 1826 Aufhebung Patrozinium: Heilige Dreifaltigkeit, Maria, Ursula und Elftausend JungfrauenOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) Provinz; 1427 Oberdeutsche Observantenvikarie; 1517 Oberdeutsche (Straßburger) Observantenprovinz, Kustodie RheinKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Ottersweier |
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| Beschreibung: | Name: cella (1453);1 heremitorium (1459);2 Fremersberg (1480);3 omnes fratres (1488);4 klösterlein (1624);5 conventus (1689, 1796)6 GeschichteHistorische EntwicklungDas Franziskaner-Observantenkloster Fremersberg lag, für eine Bettelordensniederlassung eher ungewöhnlich, siedlungsfern etwa auf einem Drittel der Höhe am Südwesthang des gleichnamigen Bergs zwischen der Stadt Baden-Baden und dem Dorf Varnhalt. Den Annalen des Klosters zufolge begann dort um das Jahr 1411 der Franziskanerterziar Heinrich, ein Leinenweber aus Mühlhausen (Mulhouse) im Elsass, eine Einsiedelei, der sich bald Gleichgesinnte zugesellten, so dass ein kleines Kloster entstand, dessen Kapelle 1425 durch den Bischof von Straßburg zu Ehren der heiligen Ursula und ihrer Elftausend Gefährtinnen geweiht wurde.7 Dennoch und obgleich Nikolaus Caroli, der in Heidelberg und anderwärts intensiv um die Reform des Franziskanerordens bemüht war, hier 1426 eine Observantenklause eingerichtet hatte, blieb diese Ordensniederlassung zunächst noch ohne weiteren Erfolg. Nachdem schließlich die reformierten Franziskaner die Aufmerksamkeit des Markgrafen Jakob I. von Baden (1431-1453) gefunden hatten, kam es 1453 zu einer Neugründung an gleicher Stelle, allerdings erst durch die Söhne des Fürsten nach dessen Tod.8 Dass noch im selben Jahr der wirkungsmächtige Wanderprediger Johannes Capistran mehrere Tage hier verbrachte, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Fremersberger Niederlassung der erste franziskanische Observantenkonvent der Region war. Die drei Altäre der Klosterkirche trugen dem Jahrzeitbuch zufolge in der frühen Neuzeit die Namen der Muttergottes, St. Franziskus’ sowie St. Antons und St. Sebastians. Die Geschichte der Gemeinschaft ist mit vielen Details dokumentiert in ihren bis in die 1760er Jahre protokollierten Annalen.9 Unklar bleibt die genaue diözesane Zuordnung der hiesigen Gemeinschaft. Gewöhnlich gilt die Oos als Grenze zwischen den bischöflichen Sprengeln von Speyer und Straßburg, und nach dem Dreißigjährigen Krieg war dieser Grenzverlauf wohl auch unstrittig. Dem steht allerdings entgegen, dass ein dem Kloster →Lichtenthal geschenkter Hof auf dem Fremersberg 1260 als der Pfarrei Baden (-Baden) und mithin der Diözese Speyer zugehörig bezeichnet wurde,10 und auch die päpstliche Bestätigung11 für den Fremersberger Franziskanerkonvent ordnet diesen, vermutlich aufgrund aus Baden(-Baden) gelieferter Informationen, 1459 ausdrücklich dem Speyrer Sprengel zu. Andererseits hat die Weihe der ersten Kirche zu Fremersberg 1425 der Bischof von Straßburg vorgenommen, was vielleicht damit zu erklären ist, dass die Oberdeutsche Provinz der Minoriten ihren Sitz in Straßburg hatte. Sehr wahrscheinlich war die Diözesangrenze im Oos- und Beurer Tal sowie auf seinen Randhöhen im Mittelalter im Zuge der dortigen Siedlungsentwicklung entstanden und folgte daher der südlichen Kirchspielsgrenze Baden (-Badens), das heißt im wesentlichen den Gemarkungsgrenzen gegen Sinzheim, Steinbach und Bühl. Im 18. Jahrhundert ordneten die Fremersberger Franziskaner sich selbst der Straßburger Diözese zu, aber dessen ungeachtet scheint die Frage der diözesanen Zugehörigkeit des Konvents nie abschließend geklärt und entschieden worden zu sein. Bei der Ordensniederlassung am Fremersberg handelte es sich der 1459 erteilten päpstlichen Bestätigung zufolge noch immer um eine Einsiedelei (heremitorium).12 Deren weitere Entwicklung, insbesondere der vorgesehene Neubau litt zunächst unter den finanziellen Folgen der katastrophalen Niederlage, die Markgraf Karl (1453–1475) im Reichskrieg gegen die Pfalz erlebt hatte. Erst unter dessen Sohn und Nachfolger Christoph (1475–1515) wuchs der Konvent auf zwölf Mitglieder, außerdem wurde das Anwesen 1477 mit einer Mauer umfasst und fand so den einem Kloster gemäßen Abschluss. Ausweislich seines überlieferten Anniversarienbuchs erlebte der Konvent in den folgenden Jahren eine veritable Blüte sowohl in wirtschaftlicher als auch in geistlicher Hinsicht.13 Diese erfreuliche Entwicklung fand ihr Ende mit dem Bauernkrieg 1525, als der sogenannte Helle Haufen aus Malsch das Kloster plünderte, mit der jahrzehntelang unentschlossenen Haltung der Markgrafen von Baden-Baden gegenüber der Reformation und schließlich mit der sogenannten Oberbadischen Okkupation (1594–1622), als die Vettern aus Durlach in den von ihnen besetzten baden-badischen Landen den Protestantismus einführten. Dabei schränkte um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert die Herrschaft die Kompetenzen der Fremersberger Patres zwar immer weiter ein, entsprach aber doch zugleich ihrer Bitte um Unterstützung bei der Reparatur der Klosterkirche (1602/09). Dennoch wurden 1621 die letzten Konventualen vertrieben und die Bibliothek konfisziert. Aber schon 1623 konnten die Franziskaner nach Fremersberg zurückkehren. Nach den oft dramatischen Wechselfällen des Dreißigjährigen Kriegs konnte, weil das Haus Baden-Baden inzwischen entschieden katholisch war, das Kloster wiederhergestellt und wiederbelebt werden; auch die vom markgräflichen Hof traditionell gewährten Naturalalmosen wurden wieder gespendet wie zuvor. Der Wunsch der Patres, aus der Abgeschiedenheit des Fremersbergs in die Stadt Baden (-Baden), in die unmittelbare Nachbarschaft des Neuen Schlosses umzusiedeln und damit wie die →Jesuiten und →Kapuziner dem Thron näher zu rücken, ging gleichwohl nicht in Erfüllung, aber das bestehende Kloster am Fremersberg wurde 1685 noch einmal weiter ausgebaut. Dann machte 1689/93 der Orléans’sche Krieg alles Erreichte wieder zunichte. Als nach dem Krieg Markgraf Ludwig Wilhelm (1677–1707), der Türkenlouis, seine Residenz nach Rastatt verlegte und 1699 ganz in der Nähe seines dort im Bau befindlichen Schlosses ein →Franziskanerkloster ansiedelte, geschah dies mit Billigung des Bischofs von Speyer zulasten des Klosters am Fremersberg, das 1711 zum Hospiz zurückgestuft wurde, zeitweise nur noch drei Patres zählte und gewissermaßen als Strafkolonie für missliebig gewordene Rastatter Ordensleute diente, wie beispielsweise im Fall des Paters Fidel Maurer, der sich 1718 missfällig über den markgräflichen Hof geäußert hatte. Der Plan, am angestammten Ort des Klosters ein Jagdschloss zu errichten, hatte sich schon 1707 mit dem Tod des Türkenlouis zerschlagen. Zu allem Überfluss erlebte die kleine Gemeinschaft im Polnischen Erbfolgekrieg 1733/34 eine nochmalige Plünderung. 1757 wurde die einstige Einsiedelei schließlich doch wieder als Guardianat mit sechs Patres restituiert. Die Franziskaner am Fremersberg erlebten nun eine letzte Blütezeit. Besondere Wertschätzung wurde dem Konvent zuteil, als beim Begängnis des Markgrafen Ludwig Georg (1727–1761) 1761 sein Guardian Columban Beistel dem Leichenzug das Kreuz vorantragen durfte. 1760 erhielt das Kloster sogar noch einmal einen Neubau. Der 1765 zwischen den Häusern Baden-Baden und Baden-Durlach geschlossene Erbvertrag garantierte den Bestand des Fremersberger Konvents mit zwölf Patres und zwei Laienbrüdern auch für künftige Zeiten. Anlässlich der Seligsprechung des Markgrafen Bernhard durfte am 24. Juli 1770 der Fremersberger Guardian in Rastatt die Festpredigt halten. Der 1771 eingetretene Erbfall zugunsten der evangelischen Linie Baden-Durlach hatte für das Kloster zunächst keine negativen Folgen, selbst die bislang gewährten fürstlichen und städtischen Almosen blieben dem Konvent erhalten. Im Ersten Koalitionskrieg schändeten 1796 französische Truppen die Klosterkirche und den Tabernakel. Die Säkularisationen der Jahre 1802/03 gingen an der Ordensgemeinschaft, weil diese über keinen nennenswerten Besitz verfügte, scheinbar spurlos vorüber, es blieb 1805 bei der Verzeichnung von Gebäuden und Inventar.14 Allerdings durften keine Novizen mehr aufgenommen werden; stattdessen fanden die verbliebenen Angehörigen der bereits aufgehobenen Konvente in →Ettlingen und Rastatt hier Zuflucht. 1818 lebten so am Fremersberg noch fünf Patres und vier Brüder. 1826 aber wurde das Kloster, dessen Konvent mittlerweile nur noch aus einem Pater und zwei Brüdern bestand, aufgehoben. Den letzten Gottesdienst am Fremersberg feierte am 17. April des genannten Jahres mit angeblich dreitausend Teilnehmern der Kuppenheimer Pfarrer Franz Joseph Herr, ein natürlicher Sohn Großherzog Karl Friedrichs (1746–1811), der sich zuvor intensiv für den Weiterbestand der Ordensniederlassung eingesetzt hatte. Zum Schluss exsekrierte Herr Altäre und Kirche. Die Gebäude, auch die Kirche, wurden auf Abbruch verkauft. An die einstige Kirche erinnert noch heute ein 1838 errichtetes hohes Steinkreuz; der Obelisk (1830), der einst den Platz des Kirchenportals bezeichnete, ist inzwischen verschwunden. Der letzte Fremersberger Pater starb 1837 in seinem Heimatort Ulm bei Oberkirch. Besitz und WirtschaftAls Observantenkloster war den Brüdern der Besitz von Liegenschaften untersagt, sie lebten von Stiftungen. Neben den Fürsten des Hauses Baden kamen die Wohltäter der Franziskaner am Fremersberg vornehmlich aus der landesherrlichen Beamtenschaft, aus dem regionalen Ritteradel, aus dem Bürgertum der Städte Baden (-Baden) und Straßburg sowie aus den Dörfern und kleinen Städten der näheren Umgebung, aber auch von weiter her, so beispielsweise aus Basel, Nußloch bei Heidelberg, Lauterburg (Lauterbourg), Masmünster (Masevaux) oder Weißenburg (Wissembourg), darunter zahlreiche Geistliche. Zum Kreis der ritteradligen Förderer zählten die von Bach (1483, 1502), von Bettendorff (1776), Bock (1484), von Enzberg (1536), von Großweier (1492), von Heimenhofen (1477), Nagel von Königsbach (um 1500), von Neipperg (1498), Röder (1520, 1532), von Uttenheim (1480) und von Windeck (1491); den Speyrer Dompropst Ulrich von Helmstatt († 1488) rühmt das Totenbuch des Klosters als pater et singularis benefactor omnium fratrum.15 Aus dem altedelfreien und reichsfürstlichen Adel finden die von Lichtenberg (1488) und ein Fürst von Thurn und Taxis (1739) Erwähnung. Die adlige Dame Ursula von Homburg († 1480) aus Baden (-Baden) ließ sich in der Fremersberger Kirche bestatten. Religiöses und kulturelles WirkenDie überlieferten Bücherverzeichnisse lassen auf ein reges geistiges Leben im Konvent schließen, eine Kultur, die sich nicht nur rezeptiv, sondern auch produktiv äußerte. Von deren Niveau zeugt nicht zuletzt die Tatsache, dass im späteren 16. Jahrhundert die Kanzelpredigt in der Stiftskirche zu Baden (-Baden) von den Fremersberger Franziskanern versehen wurde. Um die Wende des 15. Jahrhunderts wirkte in dem Kloster der Vikar Johannes Funk als theologischer Schriftsteller. Die geistliche Außenwirkung des Konvents entfaltete sich in Gottesdienst, Predigt, Seelsorge und Krankenpflege. Aus ihrer Tätigkeit an der Stiftskirche in Baden wurden die Franziskaner zwar nach 1623 von den Kapuzinern verdrängt, aber der Gottesdienst in der oberen Kirche zu Gernsbach im Murgtal, einem Kondominat der Markgrafen von Baden-Baden mit den Grafen von Wolkenstein aus Südtirol, wurde ihnen belassen. Seit 1653 versahen sie die Frühmesse im nahgelegenen Sinzheim, seit 1700 die Seelsorge in Moos und anderen Dörfern der Umgebung. Von 1702 bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1826 wirkte stets ein Fremersberger Pater als Frühmesser, Festtagsprediger und Beichtvater in Bühl. 1739 erbat der Kommandant der Festung Kehl Patres für die Militärseelsorge. In der Hub bei Ottersweier, wo seit dem ausgehenden Mittelalter bei einer Thermalquelle ein Heilbad betrieben wurde, besorgten die Franziskaner von 1744 an den Sonn- und Feiertagsgottesdienst. 1773 wurde den Fremersbergern die seelsorgerische Betreuung des zur Pfarrei Bühl gehörigen ausgedehnten Gebiets von Herrenwies, Hundsbach, Biberach und Raumünzach auf dem Schwarzwald zwischen der Rheinebene und dem Murgtal übertragen, eine Aufgabe, für die sie jährlich 300 Gulden erhielten und die sie bis 1818 wahrnahmen; davor waren die Kapuziner aus Baden (-Baden) damit betraut. Als schließlich das Ende des Klosters am Fremersberg drohte, bemühten sich die Gemeinden in Altschweier, Bühl, Sinzheim, Steinbach, Vimbuch und andere mit Bittschriften an den Großherzog vergeblich, die seit Generationen geschätzte Seelsorge durch die Franziskaner für die Zukunft zu bewahren. Bibliothek und ArchivDas Klosterarchiv gelangte nach der Aufhebung ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe, die Bibliothek teils ins Kloster Lichtenthal, teils ins Freiburger Priesterseminar. Bau- und KunstgeschichteZwischen Varnhalt und der Stadt Baden-Baden, an der südwestlichen Hangseite des Fremersbergs erstreckt sich das ehemalige Klosterareal des gleichnamigen Franziskaner-Observantenklosters. Pläne anlässlich der Klosterweiterung ab 1759 zeigen anschaulich ein umfriedetes Klosterareal. Vor den Neubaumaßnahmen schloss westlich an die Saalkirche ein sechsachsiger Wirtschaftsflügel mit Pforte an. Im Norden befand sich der freistehende Konventsbau. Der teilweise Neubau unter Franz Ignaz Krohmer schuf unter Inkorporation der bestehenden Bauten eine Vierflügelanlage mit Kreuzgang, die 16 Zellen aufwies. Die historische Straßenführung sowie die Zugangssituation von Westen und Osten sind noch heute nachvollziehbar geblieben. Die südöstliche Pforte mit dem Klosterwappen hat sich erhalten. 1824 wurde im Zuge der Säkularisation das Klosterinventar verkauft und die Gebäude anschließend niedergelegt. Auskunft über die nachfolgende Bebauung gibt ein Stahlstich, angefertigt von Karl Lindemann-Frommel, aus dem Jahr 1841. Die Umfassungsmauer des Klosters wurde beibehalten. Auf dem ehemaligen Klosterareal steht das heute noch an der Süd-Ost Ecke hoch aufragende Kreuz, das wohl den ehemaligen Standort der Kirche markiert. Das Areal wurde in der Folgezeit um mehrere Gebäude ergänzt und dient heute als Standort eines Unternehmens und Weinguts. Die Umfassungsmauer wurde anlässlich der modernen Neubebauung im nord-östlichen Verlauf neu gebaut. Zwei der drei Altäre, die möglicherweise anlässlich eines Neubaus vom Baden-Badener Maler Gottlieb Schaffroth 1760 gestaltet wurden, sind 1824 mitsamt der spätbarocken Kanzel (1753 [i]) von der Pfarrkirche in Steinbach bei Bühl angekauft worden. Sie befinden sich seit 1904 in der Pfarrkirche St. Kornelius und Cyprian in Kirrlach. BibliographieQuellen: Heinrichsperger 1956. Handbücher und Lexika: AFA 1, S. 7–33 (Hans Bleibrunner); DI 78 (Ilas Bartusch); KB Rastatt Bd. 2, S. 494 (Kurt Andermann); KDM Bd. 11,1, S. 400–404 (Emil Lacroix); kloester-bw, Franziskanerkloster Fremersberg (Kurt Andermann). Literatur: Heizmann 1926; 1956; Müller 1978 (a). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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