Rigel, Maria Anna Susanna 

Geburtsdatum/-ort: 11.09.1869;  Adelsheim
Sterbedatum/-ort: 10.09.1937;  Konstanz; beigesetzt 13.9.1937 Mannheim
Beruf/Funktion:
  • Pädagogin, Mitglied des Landtags-Zentrum
Kurzbiografie: 1876-1883 Volksschule Adelsheim
1883-1884 höhere Mädchenschule Mannheim
1884-1887 Lehrinstitut „Unsere Liebe Frau“ (Internat) Offenburg
1887-1890 Lehrerinnenseminar Prinzessin-Wilhelm-Stift Karlsruhe
1889-1890 1. und 2. (= höhere) Lehrerinnenprüfung Karlsruhe
1890-1892 Unterlehrerin Forst
1892-1894 Unterlehrerin Überlingen
1894 Schulverwalterin Waldshut
1894-1896 Unterlehrerin Reichenau
1896-1902 Unterlehrerin Mannheim
1902-1924 Hauptlehrerin daselbst
1912-1933 Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes Mannheim
1919-1926 Stadtverordnete Mannheim
1919-1933 Mitglied des Landtags (Zentrum)
1924-1927 Oberlehrerin Mannheim
1927-1932 Rektorin daselbst
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: unverheiratet
Eltern: Vater: Hermann Cornel Rigel, Notar. 1. Ehe mit Karolina Katharina, geb. Hofmann
Mutter: Maria Carolina, geb. Hibschenberger (= 2. Ehe)
Geschwister: 4 Halbgeschwister; 1 Schwester
GND-ID: GND/1012561879

Biografie: Clemens Siebler (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 231-232

Zwei geographische Zentren waren Rigel in einem tieferen Sinn Heimat: der fränkisch-pfälzische Raum des badischen Unterlandes und die Bodenseelandschaft. Ihr Vater, seines Berufs Notar, stammte aus dem Taubergrund; der mütterliche Großvater Rupert Hibschenberger war bei Meersburg beheimatet. Von Beruf gleichfalls Notar, war er seit 1851 Rentamtmann der Freiherren von und zu Adelsheim. Erwähnung verdient die Tatsache, daß eine Tochter Hibschenbergers und Tante Rigels seit 1883 mit J. G. Weiß verheiratet war. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Bertha wuchs Rigel nach dem frühen Tod der Mutter (1871) im Hause Rupert Hibschenbergers auf. Wahrscheinlich hat der Großvater die besondere Begabung der Enkelin entdeckt und gefördert. Der Besuch einer weiterführenden Schule eröffnete ihr die Möglichkeit, Lehrerin zu werden.
Ihr pädagogischer Beruf gestattete es ihr, auch als Frau in der Öffentlichkeit zu wirken. Neben ihrer aktiven Mitarbeit in der Berufsvereinigung katholischer Lehrerinnen nahm sie diese Gelegenheit dank ihrer religiösen Überzeugung vorrangig im kirchlich-sozialen Bereich wahr. Daher fühlte sie sich auch den gesellschaftspolitischen Zielsetzungen des Katholischen Deutschen Frauenbundes verpflichtet, der 1903 in Köln gegründet wurde und seit 1909 auch in Baden Fuß faßte. Die frühe Gründung des Zweigvereins Mannheim (1912) ging maßgeblich auf Rigels Initiative zurück, und bis 1933 war sie ununterbrochen dessen Vorsitzende.
Die Arbeit im Katholischen Deutschen Frauenbund gestattete ihr, wertvolle Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Als die politischen Veränderungen des Jahres 1918 auch den Frauen das aktive und passive Wahlrecht brachten, gehörte Rigel in Baden zu den Politikerinnen der ersten Stunde. Schon 1919 wurde sie für den Wahlkreis Mannheim in die Verfassunggebende Landesversammlung gewählt, und bis 1933 gehörte sie als Zentrumsabgeordnete dem badischen Landtag an. Ihr lokaler und regionaler Bekanntheitsgrad wurde dabei nachhaltig durch ihre Stellung im Katholischen Deutschen Frauenbund und ihre berufliche Arbeit in Mannheim gestützt, wo die besonders qualifizierte Lehrerin seit 1924 als Leiterin einer Mädchenschule wirkte.
Im Landtag selbst, wo sie zeitweilig dem Haushaltsausschuß angehörte, war sie ob ihrer Sachkompetenz allgemein geschätzt. Nachdrücklich hat sie sich für die Belange der Frauen und Familien eingesetzt. Hohe Achtung genoß sie auch in den Kreisen der Mannheimer Arbeiterinnen. In der unermüdlichen Bereitschaft zu helfen fand diese Frau der sozialen Tat eine echte Lebenserfüllung.
Gesundheitlich stark angegriffen, trat Rigel 1932 in den einstweiligen Ruhestand. Daher konnte sie sich auch 1933, von den neuen Machthabern unbehelligt, aus dem politischen Leben zurückziehen. Nach ihrer endgültigen Zurruhesetzung (1934) verzog sie, nicht zuletzt wegen fortschreitender körperlicher Gebrechen, nach Ludwigshafen am Bodensee. Die hier verbrachten letzten Lebensjahre, ihr Tod in einem Konstanzer Krankenhaus und die Erfüllung ihres letzten Wunsches, in Mannheim beigesetzt zu werden, bekommen im Hinblick auf ihre ungeteilte Liebe zu den beiden ihr besonders teueren Landschaften geradezu symbolische Bedeutung.
Daß Rigel zu den nahezu vergessenen Politikerinnen der Weimarer Jahre gehört, ist hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben, daß ihr Tod in die nationalsozialistische Ära fiel. Ihre sozialpolitischen Verdienste als frühere Landtagsabgeordnete konnten damals weder in Wort noch in Schrift gewürdigt und so der Nachwelt nur unzureichend übermittelt werden.
Werke: Die Frau in der Volksgemeinschaft, in: Frau u. Volk. Beiträge zu Zeitfragen, hg. v. C. Siebert, 1-10, Freiburg 1929.
Nachweis: Bildnachweise: StAF Bildnissammlung; Politik als Aufgabe, a. a. O., S. 194.

Literatur: O. Gehrig u. K. J. Rößler, Die verfassunggebende bad. Nationalversammlung 1919, 161, Karlsruhe 1919; C. Schmidt, Frauen in der Nationalversammlung, in: Frauenland. Organ d. Kath. Frauenbundes Dts, 12. Jg., Nr. 1-3, 9-10, Köln 1919; Handbuch f. d. Bad. Landtag, hg. v. K. Groß, IV. Landtagsperiode (1929/33), 162, Karlsruhe 1929; A. Rapp, Die bad. Landtagsabgeordneten 1905/29, 35, Karlsruhe 1929; C. Schmidt, M. Rigel †, in: Frauenland. Monatsschrift f. d. Kath. Dt. Frau, H. 12, 303-304, Köln 1937; J. G. Weiß, Lebenserinnerungen e. bad. Kommunalpolitikers, hg. u. bearb. v. J. Schadt unter Mitarbeit v. H. E. Keßler, Veröffentl. d. StadtA Mannheim, Bd: 6, 164, Stuttgart 1981; Politik als Aufgabe. Engagement christl. Frauen in d. Weimarer Republik. Aufsätze, Dokumente, Notizen, Bilder, hg. v. E. Pregardier u. A. Mohr, 437, Annweiler 1990; P. Brandt u. R. Rürup, Volksbewegung u. demokrat. Neuordnung in Baden 1918/19, 168, Sigmaringen 1991; Ina Hochreuther, Frauen im Parlament, Stuttgart 1992, 62 f. (mit Bild).
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