Bock, Max August 

Geburtsdatum/-ort: 29.10.1881; Altona
Sterbedatum/-ort: 15.03.1946;  Heidelberg
Beruf/Funktion:
  • Gewerkschaftssekretär, MdL-KPD, Verfolgter des NS-Regimes, Arbeitsminister des Landes Württemberg-Baden
Kurzbiografie: 1896–1900 Lehre als Schmied in Mecklenburg, anschließend Übersiedelung nach Berlin
1905 Teilnahme an d. ersten Russischen Revolution, danach Flucht in die Schweiz
1911–1915 Gewerkschaftssekretär in Zürich, später in Basel
1916–1918 Rückkehr nach Deutschland; Teilnahme am I. Weltkrieg, Landsturm
1917–1918 Übertritt von d. MSPD zur USPD; Parteisekretär in Südbaden
1918–1919 Sekretär des Arbeiter- u. Soldatenausschusses in Lörrach; Mitglied d. Landeszentrale, Elfer-Ausschuss, d. Arbeiter-, Bauern- u. Volksräte in Baden; Delegierter beim II. Rätekongress im April
1920 Teilnahme am Sonderparteitag d. USPD; nach Spaltung d. Partei Teilnahme am Vereinigungsparteitag mit d. KPD
1921–1933 MdL-KPD, bis 1929 Vorsitzender d. KPD-Landtagsgruppe, dann dessen Stellvertreter
1922–1924 Stadtrat in Lörrach
1923–1924 Verhaftung nach Teilnahme am oberbad. Aufstand; vom Sept. 1923 bis April 1924 inhaftiert
1933–1945 Mehrfache Haft in den Konzentrationslagern Kislau, Heuberg, Buchenwald u. Dachau; schwere Misshandlungen u. gesundheitliche Schäden
1945 Stadtrat u. Wohlfahrtsdezernent in Heidelberg
1946 Arbeitsminister des Landes Württemberg-Baden
Weitere Angaben zur Person: Religion: konfessionslos
Verheiratet: Maria, geb. Eilers (1895–1943)
Eltern: Vater: Hinrich, Gastwirt
Mutter: Charlotte Maria Dorothea Elisabeth, geb. Janker.
Geschwister: unbekannt
Kinder: unbekannt
GND-ID: GND/1018624503

Biografie: Michael Kitzing (Autor)
Aus: Badische Biographien. Neue Folge 6, S. 35-38

Bock lernte zunächst als Schmied in Mecklenburg, bevor er nach Berlin übersiedelte, wo er mit den Lehren von Marx und Engels vertraut wurde und sich zugleich aktiv im Deutschen Metallarbeiterverband zu engagieren begann.
Wanderjahre führten Bock dann nach Russland, wo er an der Revolution des Jahres 1905 mitwirkte, um anschließend mit einem Teil der russischen Revolutionäre in die Schweiz zu fliehen. In Zürich wirkte Bock als Gewerkschaftssekretär und lernte u. a. August Bebel, sowie den Schweizer Arzt und Sozialisten Felix Brubacher kennen. Er gehörte auch zu den regelmäßigen Zuhörern Lenins. 1912 war Bock als Gewerkschaftssekretär in Basel tätig, bis er 1915 aufgrund seiner Verbindung zu sozialistischen Gruppen aus der Schweiz ausgewiesen wurde.
Am Ende des I. Weltkrieges, an dem Bock 1916 bis 1918 als Landsturmmann teilgenommen hatte, wurde er im November 1918 in den Lörracher Arbeiter- und Soldatenrat und schließlich sogar in den Landesausschuss der Arbeiter-, Volks- und Bauernräte Badens, den Elfer-Ausschuss, gewählt. Gleichwohl blieben die politischen Einflussmöglichkeiten Bocks während und nach der Novemberrevolution begrenzt, da die Arbeiter- und Soldatenräte in Baden schon bald an Bedeutung verloren und auch die USPD, zu der Bock während des Weltkrieges übergewechselt war, bei den Wahlen zur Bad. Nationalversammlung kein einziges Mandat erringen konnte.
Nachdem er 1920 am „Spaltungsparteitag“ der USPD teilgenommen hatte, schloss er sich der KPD an, für die er im darauffolgenden Jahr erstmals in den bad. Landtag gewählt wurde und die Führung ihrer nur 3 Mann starken Gruppe übernahm. Das Programm der bad. Kommunisten für ihre Landtagsarbeit stellte Bock im Januar 1922 vor, wobei er sich einer überaus markigen, im Landtag bisher nicht gehörten Sprache bediente, etwa wenn er Staatspräsident Hummel (➝ III 133) vorwarf, die „Not der Proleten“ zu übersehen und eine Regierung anzuführen, „die nur das Vertrauen des besitzenden Volkes“ (Amtliche Berichte über die Verhandlungen des bad. Landtages 1921/1922, Sp. 385, 389) habe. Auch die bad. Justiz befinde sich im Dienste der herrschenden Klasse und um die „Klassenjustiz“ künftig zu verhindern, forderte Bock, „dass die Gerichte Volksgerichte und die Richter vom Volk gewählt werden.“ (ebd., Sp. 394) Auf dem Gebiet der Sozialpolitik plädierte Bock für die „Kommunalisierung des Wohnungswesen in jeder Gemeinde“ (ebd., Sp. 397), die ihm als Schlüssel zur Lösung der während der 1920er- Jahre herrschenden Wohnungsnot erschien. Die Gesetzesvorlage für eine Erwerbslosenfürsorge, die sich paritätisch aus Beiträgen von Arbeitgebern und Arbeitsnehmern zusammensetzte, wurde von Bock ebenfalls abgelehnt. Bock forderte, dass die Staatskasse für Erwerblose aufkommt und dass zur Linderung der Not der Arbeiterschaft für die unteren Steuerklassen ein „Steuerruhejahr“ eingeführt würde. Auf dem Feld der Außenpolitik riet Bock der Staatsregierung zur Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, da die Industriemacht Deutschland und das agrarisch geprägte Russland einander überaus gut ergänzten.
Bocks erster großer Redebeitrag im Landtag mündete in einer scharfen Polemik gegen die SPD, die einer Koalition angehöre, deren Methode es sei „die Masse niederzuhalten“ (ebd., Sp. 410). Die KPD wolle dagegen nötigenfalls die Diktatur des Proletariats auch gewaltsam durchsetzen.
Diese offene Drohung mit dem gewaltsamen Umsturz versuchte Bock schließlich zwei Jahre später umzusetzen, als er maßgeblich an der Entstehung der sog. „Oberbadischen Unruhen“ des Jahres 1923 beteiligt war. Bereits seit 1919 hatte sich Lörrach, wo Bock 1922 in den Gemeinderat gewählt worden war, neben Mannheim zu einer der Hochburgen der KPD in Baden entwickelt. Daher befürchtete Oberbürgermeister Gugelmeier (vgl. S. 158) seit Beginn der 1920er Jahre wiederholt einen kommunistischen Aufstand und wies vorbeugend darauf hin, dass in einem solchen Falle die Stadt Basel sofort die Grenze abriegeln würde, mit entsprechend negativen wirtschaftlichen Folgen für Lörrach.
Zur Eskalation der somit schon länger angespannten Situation kam es schließlich auf dem Höhepunkt der Inflation, als Mitte September 1923 die Arbeiterschaft die Auszahlung einer einmaligen Wirtschaftsbeihilfe in Höhe von 50 Schweizer Franken, wertbeständige Löhne, Kontrolle und Anpassung der Lebensmittelpreise an die Löhne und die Bereitstellung ausreichender Lebensmittel forderte. Zur Durchsetzung dieser Anliegen wurde der Generalstreik ausgerufen. Diesen primär von wirtschaftlicher Not ausgelösten Streik wollten die Kommunisten zum Ausgangspunkt einer allgemeinen Erhebung machen. Während gleichzeitig Unruhen in Freiburg, Emmendingen und Lahr im Keim erstickt wurden, kam es in Lörrach für einige Tage zu bürgerkriegsartigen Szenen mit Feuergefechten zwischen der von Innenminister Remmele (➝ II 225) nach Lörrach beorderten Schutzpolizei und „Proletarischen Hundertschaften“.
Bock hat bei der Organisation des kommunistischen Aufstands eine zentrale Rolle gespielt, was spätestens 1930 deutlich wurde, als auf einem Grundstück auf dem Tüllinger Berg, das vormals Bock gehört hatte, Waffen, Munition, Sprengstoff und ein regelrechter Generalstabsplan für die Durchführung der Aktion gefunden wurde. Bereits 1923 war Bock verhaftet und wegen Hochverrats zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er wurde jedoch schon 1924 aufgrund seines labilen Gesundheitszustandes wieder aus der Haft entlassen und konnte so seine Agitation gegen das „reaktionäre und kulturfeindliche Zentrum“ sowie die SPD fortsetzen, die sich „in die Front […] der bürgerlichen Parteien als Volksaushungerer eingereiht“ (Arbeiterzeitung vom 14.3.1929) habe. Im Zentrum der Angriffe Bocks stand nunmehr besonders Innenminister Remmele, dem er immer wieder überaus polemisch vorwarf, „Gewaltpolitik“ zu betreiben und mittels einer „Bürgerkriegspolizei“ völlig einseitig gegen die politische Linke vorzugehen. Lautstark formulierte Bock auch den Protest der Kommunisten im Landtag gegen das Verbot des Rot-Front-Kämpfer-Bundes in Baden im Mai 1929.
Eine neue Qualität erreichte die Agitation der kommunistischen Landtagsgruppe nach den Wahlen des Jahres 1929, als neben der KPD mit der NSDAP eine zweite radikale Partei in den bad. Landtag eingezogen war. Gemeinsam sorgten KPD und NSDAP gleich zu Beginn der IV. Landtagsperiode für einen Eklat: bei der Gedenkminute für den verstorbenen Prinzen Max von Baden (➝ III 15) verließen die Nationalsozialisten den Landtag, während die KPD-Gruppe sich nicht zum Gedenken an den Verstorbenen erhob, sondern demonstrativ sitzen blieb.
Im Mittelpunkt der kommunistischen Angriffe stand weiterhin die SPD, insbesondere als sie sich bei den Koalitionsverhandlungen bereiterklärt hatte, das von der Zentrumspartei angestrebte Konkordat zu unterstützen. Im Gefolge ihrer überaus scharfen Kampagne gegen die „Steigbügelhalter der schwarzen Reaktion“ (Arbeiterzeitung vom 26.11.1932) verbunden mit dem Aufruf zur „Einheitsfront im Kampf gegen Konkordatsschacherer und gegen Notverordnungspolitiker“ (ebd. vom 15.11.1932) gelang es der bad. KP unter Führung Bocks ihren Stimmenanteil von 7,3% bei den Reichstagswahlen 1928 auf über 15% im November 1932 zu steigern. Es bedeutete auch einen Erfolg für Bock und die bad. Kommunisten, dass die SPD nicht zuletzt aus Furcht weitere Stimmen linker Wähler zu verlieren im November 1932 aus der Koalition ausgeschieden war, so dass die Annahme des Konkordats im Landtag am Ende nur mit größter Mühe zustandekam.
Nach der NS-„Machtergreifung“ in Baden Anfang März 1933 wurde Bock sofort verhaftet und erst im Konzentrationslager Kislau, später auf dem Heuberg für mehrere Monate interniert. In den nächsten Jahren hatte Bock einen harten Leidensweg vor sich: bis 1945 wurde er noch zweimal verhaftet und in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau schwer misshandelt. Darüber hinaus ist jedoch wenig über Schicksal und Tätigkeit Bocks in den Jahren des NS-Regimes bekannt. Während des II. Weltkrieges übersiedelte er nach Heidelberg, wo er 1940 bis 1945 als kaufmännischer Angestellter in einem Industriebetrieb tätig war.
1946, in seinem letzten Lebensjahr, hat sich Bock wieder aktiv am politischen Neuanfang in Heidelberg und in Württemberg-Baden beteiligt. Er war Stadtrat und Wohlfahrtsdezernent in Heidelberg und hat an der Gründung des Allgemeinen Freien Gewerkschaftsbundes, AFGB, wie auch der KP mitgewirkt. Während ihrer gemeinsamen Haft in Dachau 1944 hatten sich vormals führende Vertreter von SPD, KPD und Gewerkschaften aus Heidelberg auf die Gründung einer Einheitsgewerkschaft in Heidelberg gleich nach Kriegsende verständigt. Schon am 30. März 1945, unmittelbar nach dem Einmarsch der Amerikaner, bildete sich ein „vorläufiger, vorbereitender Ausschuss“ zur Neugründung der Gewerkschaften mit Bock als Schriftführer. Nachdem der AFGB am 2. Juli offiziell durch die Besatzungsmacht anerkannt worden war, behielt Bock dieses Amt bei.
Zur gleichen Zeit, im April 1945, bemühte er sich zusammen mit Franz Böning und Anton Böhner, die KPD in Heidelberg wiederzugründen, was dann im August/September geschah. Programmatisch bekannte sich die neuentstandene Partei zur Durchsetzung der Lehren von Marx und Engels als Fernziel, zunächst aber um eine umfassende Demokratisierung der Gesellschaft. Als Zielvorgaben wurde definiert: „Einheit der Arbeiterklasse, die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Parteien, Schaffung einer demokratischen Verwaltung, die Enteignung des Großgrundbesitzes, sowie die Überführung der Betriebe der Faschisten und Kriegstreiber in die Hände der Landes- oder Stadtverwaltungen“ (RNZ vom 27. 2. 1946). Die Kommunisten bekannten sich auch zur Kollektivschuld der Deutschen. Bock forderte in einer seiner ersten programmatischen Äußerungen ein ehrliches Bekenntnis der Deutschen zu ihrer eigenen Mitschuld. Die Deutschen müssten, nachdem sie zwölf Jahre der Welt den Nationalsozialismus angetan hätten, sich jetzt ehrlichen Herzens zur Wiedergutmachung bereitfinden.
Als KP-Vertreter wurde Bock noch 1945 zum Landesdirektor für Aufbau und Wohlfahrt im Landesbezirk Nordbaden und schließlich im Januar 1946 zum Arbeitsminister des Landes Württemberg-Baden berufen, er konnte jedoch auf dieser Position so gut wie keine Wirksamkeit mehr entfalten, da er bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt noch nicht 65 Jahre alt verstarb.
Quellen: GLA Karlsruhe 231/10956 fol. 53–55 u. 231/ 5171; Verhandlungen des bad. Landtages 1921–1933; Arbeiterztg. Jgge.1922–1933; RNZ Jgge. 1945/46.
Werke: „mehrere Schriften, die auf die Arbeiterbewegung Bezug haben“, so Bocks Eintrag im Personalbogen des bad. Landtages, bibliographisch aber nicht nachweisbar.
Nachweis: Bildnachweise: GLA 231/2937, 896; RNZ vom 20.3.1946.

Literatur: Erwin Gugelmeier, Von 1906–1926 in d. Dt. Südwest-Ecke, o. J.; Karlheinz Mundhenke, Versuch einer sozialpsychologischen Analyse des Oberbad. Aufstandes im September 1923, 1930; Oberbad. Volksblatt vom 31. Mai 1930 (zu den Funden auf dem Tüllinger Berg); Max Bock gestorben, in: RNZ vom 20. 3. 1946; Christoph Heinrichs, Die September-Unruhen von 1923, in: Unser Lörrach 2, 1971, 129–141; Erinnerung an Max Bock, in: Heidelberger Amtsanzeiger vom 30.10.1981; Hugo Ott, Lörrachs Weg zur Industriestadt, in: Lörrach. Landschaft, Geschichte, Kultur, 1982, 283–476; Lena Ruuskanen, Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel d. Zeit, 1992, 113; Fred Ludwig Sepaintner, Politisches Leben u. Wahlen, in : Der Landkreis Lörrach, 2 Bde, Bd. 1, 1993, 432–443, bes. 438 f.; Friederike Reutter, Heidelberg 1945–1949, 1994; Thomas Kurz, Feindliche Brüder im dt. Südwesten, 1996; Hermann Weber/Andreas Herbst, Dt. Kommunisten: Biogr. Handb. 1918–1945, 2008, 105; Michael Braun, Der Bad. Landtag 1918–1933, 2009.
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