Diez, Theopont 

Geburtsdatum/-ort: 18.02.1908;  Radolfzell
Sterbedatum/-ort: 19.10.1993;  Radolfzell
Beruf/Funktion:
  • Kommunal-Politiker und MdL-CDU
Kurzbiografie: 1927 Abitur an der Oberrealschule Konstanz
1927-1931 Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg/Schweiz, Berlin, München und Heidelberg
1931 Rechtsreferendarprüfung in Karlsruhe
1934 Rechtsassessor
1934-1939 Rechtsanwalt in Singen/Hohentwiel
1940-1945 Kriegsdienst (Leutnant); u. a. Einsatz und Verwundung in Russland
1946-1969 Bürgermeister (ab 1950 Oberbürgermeister) von Singen/Hohentwiel
1952-1972 MdL Baden-Württemberg (CDU)
1960-1979 Präsident und Mitbegründer des Hegau-Geschichtsvereins
1967 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1972 Landesbeauftragter für die Universität Konstanz
1973 Ehrenbürger der Stadt Singen/Hohentwiel
1974-1986 Präsident der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Konstanz
1975 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: römisch-katholisch
Verheiratet: Ilse, geb. von Riß (geb. 1911)
Eltern: Carl (1877-1969), Landwirt, MdR (Z)
Stefanie, geb. Vogler (1877-1961)
Geschwister: 11
Kinder: Monika Selig, Hechingen (geb. 1937)
Barbara Diez-Echle, Karlsruhe (geb. 1938)
GND-ID: GND/116124172

Biografie: Jürgen Klöckler (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 34-35

Die Laufbahn des Politikers scheint Diez schon in die Wiege gelegt worden zu sein: Wie sein Vater Carl, der Radolfzeller Landwirt und Reichstagsabgeordnete, engagierte sich der junge Theopont schon während seines Studiums für die Zentrumspartei und den Windthorstbund. Durch die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten erfuhr seine politische Karriere freilich eine lange Unterbrechung; nach bestandener Assessorenprüfung wurde er zudem aufgrund seiner beharrlichen Weigerung, in eine Formation der NSDAP einzutreten, nicht in den Staatsdienst übernommen. Daher arbeitete Diez unweit seiner Heimatstadt – im nahen Singen – als Rechtsanwalt in der Kanzlei von Hans Bohl, die er bald übernehmen sollte. Die Interessen von Juden und politisch Verfolgten wurden hier wahrgenommen. 1940 mußte Diez zur Wehrmacht einrücken, um in den folgenden Jahren – zuletzt als Leutnant an der Ostfront – eingesetzt zu werden. Im Juli 1945 kehrte Diez aus britischer Kriegsgefangenschaft nach Singen zurück.
Sein Vater Carl gehörte im Dezember 1945 in Freiburg zu den Gründungsmitgliedern der Badisch Christlich Sozialen Volkspartei (BCSV) und seinem Sohn oblag es, alsbald die Bezirksgruppe Singen zu führen. Nach den ersten Gemeinderatswahlen vom Herbst 1946 löste er Bernhard Dietrich vom Amt des Singener Bürgermeisters ab. Jetzt war für den willensstarken und unbeugsamen Diez der Weg frei: Nach einer überstandenen politischen Affäre im Jahr 1947 wurde er am 4. Mai 1950 zum ersten Singener Oberbürgermeister ernannt. In den nachfolgenden Jahren legte er die Grundsteine für die rasante Entwicklung der jungen Industriestadt. Die markantesten Punkte sind sicherlich im forcierten Wohnungsbau, im weitsichtigen Ausbau der Infrastruktur und in der großräumigen Entwicklung von Industrie und Gewerbe zu sehen. Ein wichtiges, greifbares Ereignis für Singen war die von Diez energisch betriebene Eingemeindung des Hausberges Hohentwiel zum 1. Januar 1969. Damit hatte Diez kommunalpolitisch aber seinen Zenit überschritten, im Herbst desselben Jahres unterlag er bei der Oberbürgermeisterwahl seinem SPD-Herausforderer Friedhelm Möhrle.
Doch schon seit 1952 hatte sich Theopont Diez politisch auch in der Landespolitik betätigt. Als CDU-Abgeordneter wirkte er entscheidend in der Verfassunggebenden Landesversammlung mit und zog für zwei Jahrzehnte in den Stuttgarter Landtag ein. Nicht wenige Kritiker hielten die Doppelbelastung als Oberbürgermeister und Landtagsabgeordneter für ungut. Dennoch sind Diez‘ Leistungen im Landtag bemerkenswert, sein spezielles Interesse galt der notwendigen Verwaltungsreform, den Schulen und der Verkehrspolitik. Insbesondere die Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn und der Bau der Autobahn Stuttgart-Westlicher Bodensee lagen ihm am Herzen. Mehrfach wurden ihm Ministerämter in der Landesregierung angeboten, aber der „Löwe vom Hegau“ gab sich zu keiner Zeit mit der zweiten Reihe zufrieden.
Neben seinen politischen Aufgaben vergaß Diez nach 1945 niemals seine kulturellen und wissenschaftlichen Neigungen. So legte er durch den Ankauf von Kunstwerken den Grundstein zur städtischen Kunstsammlung, eröffnete 1951 das Museum für Ur- und Frühgeschichte und war Mitbegründer des Hegau-Geschichtsvereins. Das Thema „Krieg und Frieden“ des Gemäldes von Otto Dix, das den Stadtratssaal des neugebauten Rathauses seit 1960 schmückt, ist von Diez angeregt worden. Auch für die Entwicklung der Universität Konstanz ist der Singener Oberbürgermeister tatkräftig eingestanden. Nachdem Ministerpräsident Kiesinger im September 1959 in Singen seine Entscheidung öffentlich bekanntgegeben hatte, in Konstanz eine Modelluniversität zu errichten, war Diez von der Notwendigkeit einer festen Verwurzelung der Universität in der Landschaft überzeugt. Deshalb trat die Stadt Singen 1966 der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Konstanz bei, deren Präsidentenamt Diez von 1974 bis 1986 innehaben sollte. Als es 1972 zum heftigen Streit zwischen Universität und Kultusministerium kam und die akademische Autonomie auf dem Spiel stand, verstand es Diez als Landesbeauftragter, das Konstanzer Reformmodell aufrechtzuerhalten. In nur elf Monaten erfüllte er diese Aufgabe. Seinen Lebensabend verbrachte Diez in Singen, bis er nach einem zweiten Schlaganfall in seine Heimatstadt Radolfzell zurückgekehrt ist. Nach wenigen Monaten verstarb er am 19. Oktober 1993 im dortigen Hospital zum Heiligen Geist und wurde in heimatlicher Erde beigesetzt.
Quellen: Nachlaß im Stadtarchiv Singen und im UA Konstanz
Werke: Das Zusammenwirken von Kirchen und Gemeinden in kommunalpolitischer Sicht, in: Veröffentlichungen der katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg 16, 1969, 51-57; Der Hegau. Landschaft zwischen Rhein, Donau und Bodensee, 2. Aufl. 1979
Nachweis: Bildnachweise: Foto bei Kappes, Bürgermeister, 1994, 189 (siehe Literatur)

Literatur: Erich Greuter, Zum 20jährigen Amtsjubiläum von Oberbürgermeister Theopont Diez, in: Singener Jahrbuch 1967, 15-27; Klaus Erdmenger, Theopont Diez – der Hohentwielkreis und die Universität Konstanz, in: Konstanzer Blätter für Hochschulfragen 78-80 (1983), 24-34; Horst Sund, Theopont Diez zum 75. Geburtstag, in: ebd. 5-14; Reinhild Kappes, Singens Bürgermeister und Ehrenbürger von 1899 bis heute, in: Singener Stadtgeschichte, Bd. 3, 1994, 184-190
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