Olpp, Gottlieb Friedrich Adolf 

Geburtsdatum/-ort: 03.01.1872; Gibeon/Südwestafrika
Sterbedatum/-ort: 24.08.1950;  Esslingen
Beruf/Funktion:
  • Prof. der Medizin, Direktor des Deutschen Instituts für ärztliche Mission (Difäm) und des Tropengenesungsheims Tübingen (TGH, Paul-Lechler-Krankenhaus)
Kurzbiografie: 1878–1891 Schulzeit am Johanneum, Gütersloh, Erziehung am Hof des Fürsten zu Salm-Horstmar (1880–1882)
1891 Abitur
1891–1895 Studium der Medizin in Marburg, Tübingen und München, Promotion zum Dr. med.
1896–1897 vielseitige ärztliche Spezialausbildung in Kursen vorwiegend an den Univ. München, London und Edinburgh für Tropen- und Infektionskrankheiten
1898–1907 Missionsarzt in Tungkun (Südchina)
1908–1909 Weiterbildung in Hamburg in Schiffs- und Tropenkrankheiten, Arbeit im Labor, Leitender Arzt an der Provinzial-Heilanstalt Herford
1909–1911 zunächst Zweiter, ab 1911 alleiniger Direktor des Difäm
1910 Habilitation in Tübingen
1917 Ernennung zum ao. Prof. (2. Juli)
19.10.1934 Ernennung zum Ehrendoktor der Theologie durch die Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg
1.10.1937 Ausscheiden aus dem Difäm/TGH
1937–1950 Übersiedlung von Tübingen nach Rummelsberg/Mittelfranken; Mitarbeit und Vorsitz im Bayerischen Verein für ärztliche Mission, ausgedehnte Reise- und Vortragstätigkeit, ärztliche Tätigkeit u. a. im Hospiz der Anstalten der Inneren Mission
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Mitgliedschaften: Mitgliedschaften und Ämter: Olpp zählt 38 Mitgliedschaften auf, darunter keine politische Gruppierung (Auswahl): Die christliche Studentenverbindung Wingolf in Marburg (1891), Tübingen (1893) und München (1897); Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft; Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin; diverse regionale ärztliche Missionsvereine; Universitätsbund Marburg; International Leproy Association; Freundeskreis des Ev. Vereins für das Syrische Waisenhaus in Jerusalem; Bund für Vogelschutz; China Medical Missionary Association
Verheiratet: 21.3.1899 (Hongkong) Agnes Christine, geb. Wagner (24.3.1873–22.4.1952)
Eltern: Vater: Johannes Olpp (5.7.1837–13.2.1920), Missionar in Diensten der Rheinischen Mission in Südwestafrika
Mutter: Luise, geb. Wagner (7.12.1844–11.8.1906)
GND-ID: GND/117122904

Biografie: Wilhelm G. Neusel (Autor)
Aus: Württembergische Biographien 2, 195-197

Aus der Überlegung, dass „unser … Christentum nicht bloß Weltanschauung sein (darf), sondern es .. sich durch die Tat bewähren (muss)“, hatte der Lackfabrikant Paul Lechler 1898 zunächst in Stuttgart einen Verein für ärztliche Mission ins Leben gerufen und dann die Idee eines Deutschen Instituts für ärztliche Mission geboren. Dank seiner „vielfältigen Beziehungen und seiner finanziellen Unterstützung“ konnte das Vorhaben realisiert und am 15.11.1906 in Frankfurt/Main aus der Taufe gehoben werden. Das Institut hatte seinen Sitz in Tübingen, anfangs in der heutigen Nauklerstraße, später im Neubau auf der Eberhardshöhe.
Zum zweiten Direktor wurde 1909 Gottlieb Olpp bestellt, der zuvor nach einer Spezialisierung auf Tropenkrankheiten praktische Erfahrungen als Arzt in der Mission im chinesischen Tungkun (Dongguan) erworben hatte. Olpp hatte nach seiner Rückkehr aus Südwestafrika, dem Missionsgebiet des Vaters, mit sechs Jahren zunächst das „Johanneum“ in Gütersloh besucht und dann seine Schulzeit 1891 am Gymnasium mit dem Abitur als primus omnium abgeschlossen. Bereits als Gymnasiast hatte sich Olpp für die ärztliche Mission interessiert und ergriff nun folgerichtig das Studium der Medizin, das er an den Universitäten Marburg (1891–1893), Tübingen (SS 1893) und München (1893–1895) absolvierte. An allen drei Studienorten meldete sich Olpp in der christlichen Studentenverbindung Wingolf aktiv, deren Mitglied er zeitlebens blieb. 1895 erfolgte die Promotion magna cum laude über das Thema „Ein Fall von eitriger Pyelonephritis nach Nephrolithiasis“, 1896 erhielt Olpp die Approbation. In den Folgejahren bildete sich Olpp in den Bereichen Infektions- und Tropenkrankheiten weiter bei Aufenthalten u. a. in London, Edinburgh, Liverpool, Berlin und auch Paris.
1898 ging Olpp im Dienste der Rheinischen Mission als Arzt ins südchinesische Tungkun, wo er bis 1907 an einem „Chinesenhospital mit 100 Betten“ tätig war. Während des Boxeraufstandes war er 1900 für drei Monate des Landes verwiesen. In dieser Zeit vertiefte er sich in Studien über Malaria- und Pest-Erkrankungen. In Tungkun ließ Olpp ein neues Hospital nach modernsten Erkenntnissen errichten, das „heute noch als ein glänzendes Musterbeispiel deutschen Krankenhausbaues in Übersee gelten“ darf. Olpp beschäftigte sich intensiv mit der chinesischen Medizin und verfasste darüber eine ganze Reihe von Aufsätzen, u. a. über die chronische Opiumvergiftung der Chinesen, die er vorwiegend in der Deutschen Tropenmedizinischen Zeitschrift, der Münchner medizinischen Wochenschrift und der Zeitschrift „Die ärztliche Mission“, deren Schriftleiter Olpp selbst später vom 1.10.1920 bis 1.10.1937 nebenher noch war, veröffentlicht hat. Zur Vermittlung der chinesischen Medizin an das westliche Publikum hat er damit einen großen Beitrag geleistet (s. Lixin Sun: „Das Chinabild der deutschen protestantischen Missionare des 19. Jahrhunderts“, 158). Seine schriftstellerische Tätigkeit beschränkte sich nicht auf Aufsätze (bis 1942 allein 259 Artikel), sondern Olpp war auch als Buchautor erfolgreich.
Am 1.5.1909 trat Olpp aus der Rheinischen Mission aus, um nach Tübingen ans Difäm wechseln zu können. Die Stelle des Zweiten Direktors des Difäm trat Olpp am 1.1.1910 an und übernahm die Position des Ersten Direktors nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Dr. Max Fiebig am 1.10.1911. Seit dem 25.7.1911 war Olpp Privatdozent für Tropenmedizin nach seiner 1910 vorgelegten Habilitationsschrift „Beiträge zur Medizin in China mit besonderer Berücksichtigung der Tropenpathologie“. Im Juli 1917 ernannte ihn der württembergische König zum außerordentlichen Professor für Tropenmedizin an der Universität Tübingen. In seiner Tätigkeit als Lehrer hat Olpp 32 Dissertationen seiner Schüler, bei denen er sehr beliebt war, betreut. 1930 gab Olpp sein Standardwerk über die Tropenheilkunde heraus, in dem er den in 20 Jahren für klinische Vorlesungen sowie Tropenkursen für Ärzte, Schwestern und Missionare erarbeiteten Unterrichtsstoff zusammengefasst hatte. Ein weiteres medizinisches Werk („Das subaquale Darmbad“) ist erst nach dem Tode Olpps unter Mitarbeit seines Kollegen, langjährigen Mitarbeiters und Bundesbruders Dr. Johannes Winkler erschienen.
Gottlieb Olpp war ein Mensch, der tief im Glauben stand. Er empfand seine Tätigkeit im missionarischen Sinne. So nahm er nicht nur an tropenmedizinischen Kongressen teil, sondern auch an Konferenzen mit theologischem Hintergrund. Dieses Interesse und seine Arbeit wurden 1934 anlässlich der 25-Jahrfeier des Difäm gewürdigt mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg. Es freuten sich „alle, die ihn kannten, in der Überzeugung, dass er ihn verdient habe“, schrieb Johannes Baumann in einem Nachruf auf Olpp in den „Nachrichten aus der ärztlichen Mission“ im Dezember 1950: „Im Kampf für Christentum und Kirche stand er felsenfest auf der Seite der Bekennenden.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte er interessiert direkt und aus der Berichterstattung die Neu-Organisation der Evangelischen Kirche in Deutschland, wie aus einem regen Briefwechsel mit Johannes Winkler hervorgeht. Olpp hatte es am 1916 eröffneten und von ihm wesentlich mit vorangetriebenen Tropengenesungsheim, dessen Direktor und Chefarzt er in Personalunion war, mit verschiedenen Stellvertretern zu tun. Die Zusammenarbeit mit diesen Medizinern verlief nicht immer reibungslos, was zum Teil an Olpp, zum Teil an den Stellvertretern lag. Hier ist insbesondere die Auseinandersetzung mit dem ebenso ehrgeizigen Dr. Otto Fischer hervorzuheben, der seit dem 1.4.1931 als Oberarzt am Tropeninstitut in Tübingen arbeitete und sich im Sommersemester 1931 hier im Fach Tropenhygiene habilitierte. In ernsten Gesprächen mit Lechler und Universitätsrat Dr. Knapp (man wollte „die feindlichen Brüder nicht mehr sich selbst überlassen“) wurden immer wieder die Kompetenzen abgesteckt, meist nur mit kurzem Erfolg. Dass Olpp selbstbewusst war, geht bereits aus den Einstellungsverhandlungen 1909 hervor: Er wollte nicht Zweiter Direktor unter dem Ersten sein, sondern gleichberechtigt mit strikter Aufgabentrennung auf Augenhöhe neben diesem stehen.
Über die Zeit des Nationalsozialismus und Olpps Stellung dazu gibt es nur wenige Anhaltspunkte. Offenbar war aber Olpp dem Regime nicht ergeben, wie aus Baumanns Formulierung zu entnehmen ist. Zumindest scheint Olpp den neuen Machthabern reserviert gegenüber gestanden zu sein. Fest steht jedenfalls, dass er anlässlich der Jubiläumsfeier des Difäm 1934, anders als Paul Lechler jun., in seiner Rede kein Loblied auf die „neue Zeit“ gehalten hat. In Olpps vielfältiger Korrespondenz mit Kollegen, Instituten und Ämtern benutzte er allenfalls die Formulierung „Mit deutschem Gruß!“, nie „Heil Hitler!“. Mitglied der NSDAP ist Olpp nie gewesen. Was Olpp sicher nicht zugelassen hätte: Sein Nachfolger, Professor Dr. Otto Fischer, hat versucht, das Institut und das Tropengenesungsheim „auf eine weltliche Organisation zu übertragen, die dem Einfluss der NSDAP offen gegenüber steht“. Fischer, Mitglied der NSDAP, ist damit gescheitert und wurde entlassen.
Nach fast 27-jähriger Tätigkeit ist Gottlieb Olpp zum 1.10.1937 mit angegriffener Gesundheit aus den Diensten des Difäm und des Tropengenesungsheimes geschieden. Im mittelfränkischen Rummelsberg, wohin er aus Tübingen zog, hat er sich erholt und weiter um die Belange der ärztlichen Mission gekümmert, als Arzt praktiziert und seine Arbeit über das subaquale Darmbad aktualisiert und zur Druckreife gebracht. Die Veröffentlichung hat er allerdings nicht mehr erlebt.
Quellen: UA Tübingen: UAT 126/491: PA des Rektoramts; UAT 372/17: Aufzeichnungen über den Univ.rat Knapp; A des Tübinger Wingolfs: Briefwechsel mit Johannes Winkler; Lebenslauf Gottlieb Olpp vom 25. April 1910; Difäm-A: Schriftwechsel Olpps.
Werke: (Auswahl): Die ärztliche Mission und ihr größtes Arbeitsfeld, 1909 und 1918; Beiträge zur Medizin in China mit besonderer Berücksichtigung der Tropenpathologie, 1910; Malaria: Winke für Laien, 1923; Die deutsche ev. ärztliche Mission, 1928; Tropenheilkunde: Leitfaden für die Praxis, 1930; Hervorragende Tropenärzte in Wort und Bild, 1932; 25 Jahre deutsche ärztliche Mission, 1934; Ruf und Dienst der ärztlichen Mission, 1935; Charakterköpfe der Tropenmedizin, 1936; Das subaquale Darmbad, 1954 (posthum).

Literatur: H. Meinhof, Prof. Gottlieb Olpp als Lehrer, in: Unserem verehrten Prof. Dr. Gottlieb Olpp zur Vollendung des 60. Lebensjahres, 1932; Brief des Dr. Knapp an P. Lechler jun. vom 10.1.1932; Gottlieb Olpp, in: 25 Jahre Deutsche ärztliche Mission, 1934, 40; S. Müller, Gottlieb Olpp zum 70. Geb., in: Deutsche Tropenmedizinische Zs. 1 (1942); Aufzeichnungen des Bruders Theodor Olpp vom 25.1.1951, in: FS des Gütersloher Gymnasiums zur Hundertjahrfeier, 1951; Bernd Liebendörfer, Difäm: 100 Jahre weltweite partnerschaftliche Gesundheitsarbeit, in: Der Mensch ist die Medizin des Menschen; 100 Jahre Difäm, Jubiläumsbroschüre, 2006, 9.
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)