Trumpfheller, Jakob 

Geburtsdatum/-ort: 09.01.1887; Erbach/Odenwald
Sterbedatum/-ort: 13.04.1975;  Mannheim
Beruf/Funktion:
  • Gewerkschaftssekretär, Bürgermeister, Mitglied des Landtags – SPD
Kurzbiografie: 1904-1922 Wanderschaft bis 1906, dann als Werkzeugschlosser bei verschiedenen Großunternehmen der Mannheimer Metallindustrie
1916-1917 Militärdienst bei einem Artillerieregiment an der „Heimatfront“
1919-1933 Stadtverordneter, seit 1927 Stadtrat der SPD in Mannheim und ab 1920 Mitglied des badischen SPD-Landesvorstands
1928-1929 Mitglied des Landtags (Baden) – SPD
1922-1933 Hauptamtlicher Bezirksgeschäftsführer des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbands/GV
1923-1933 und 1945/46 Vorsitzender des Ortsausschusses Mannheim des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB)
1945-1933 und 1945-1956 Vorsitzender der SPD Mannheim
1933-1945 Verfolgung und mehrmalige Inhaftierung
1945-1946 Mitglied des Beirats des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim sowie der Vorläufigen Volksvertretung für Württemberg-Baden
1945-1947 Vorsitzender des ADGB Groß-Mannheim
1946-1959 Erster Bürgermeister der Stadt Mannheim
1959-1963 Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Mannheim (GBG)
1964 Ehrenbürger der Stadt Mannheim
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev., dann konfessionslos
Verheiratet: 1912 (Mannheim) Josefine, geb. Hilger (1889-1975)
Eltern: Vater: Johann Jakob (1850-1888), Glaser- und Schreinermeister
Mutter: Elisabethe, geb. Jakoby (1854-1928)
Geschwister: 4:
Johann Balthasar (geb. 1876)
Johanna Christine (geb. 1877)
Heinrich (geb. 1879)
Marie (geb. 1882)
Johann Peter (geb. 1884)
Kinder: 4:
Elisabeth (geb. 1912)
Maria (geb. 1913)
Anneliese (geb. 1916)
Albert (geb. 1917)
GND-ID: GND/117427047

Biografie: Andrea Hoffend (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 4, 372-374

Mit Trumpfhellers Abgang aus der aktiven Politik nach mehr als 50-jährigem Wirken in der und für die Stadt Mannheim war mehr als ein gewöhnlicher Stabwechsel markiert: In ihm verließ zugleich der letzte Angehörige jener alten „Arbeiteraristokratie“ die politische Bühne, die die Geschicke der Industriestadt bereits im Kaiserreich, vor allem aber dann in der Weimarer Republik und in der ersten Nachkriegsdekade maßgeblich mitgestaltet hatte.
Im Odenwaldstädtchen Erbach als fünftes und jüngstes Kind eines bald schon bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommenen Handwerksmeisters geboren, wuchs Trumpfheller nicht nur vaterlos, sondern auch in großer Armut auf. Nach der 1904 abgelegten Gesellenprüfung als Bau- und Kunstschlosser ging er auf zweijährige Wanderschaft durch Baden und die Schweiz, wo er erstmals mit der Arbeiterbewegung in Kontakt kam. Die weiteren, allesamt in Mannheim absolvierten Stationen von Trumpfhellers Karriere sollten Frucht eines kräftezehrenden ehrenamtlichen Engagements sowie eines zähen, disziplinierten Selbststudiums sein, mittels dessen er trotz bis zu 60-stündiger Wochenarbeitszeiten spät abends und am Wochenende die Versäumnisse der nur 8-jährigen Schulbildung auszugleichen suchte.
18-jährig kam Trumpfheller in die boomende Industriemetropole, um hier zunächst beim Landmaschinenhersteller Lanz, später dann beim Maschinenbauunternehmen Vögele und schließlich bei der Autofirma Benz sein Auskommen zu finden. Die mehrfachen Stellenwechsel erklärten sich nicht zuletzt aus seinem politisch-gewerkschaftlichen Engagement, das auf Arbeitgeberseite starkes Missfallen erregte: Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in der Mannheimer Großindustrie war Trumpfheller in den Deutschen Metallarbeiterverband und bald auch in die SPD eingetreten, für die er in der Übergangsphase 1918/19 dem örtlichen Arbeiter- und Soldatenrat angehörte. Seit 1922 als Bezirksgeschäftsführer des die öffentlichen Bediensteten organisierenden Gemeinde- und Staatsarbeiterverbands hauptamtlich für die SPD-nahe Gewerkschaftsbewegung aktiv, übernahm er wenig später auch den ehrenamtlichen Vorsitz des ADGB-Ortskartells, der lokalen Dachorganisation der sozialdemokratisch orientierten Gewerkschaften. Fortan sollte dem vierfachen Vater eine wichtige Rolle auch in der Kommunalpolitik der Arbeiterstadt zukommen.
Aus dem 96-köpfigen Bürgerausschuss, dem er seit dem demokratischen Umbruch angehört hatte, wechselte Trumpfheller 1927 in den Stadtrat als das eigentlich beschlussfassende kommunale Gremium. 1928/29 gehörte er als Nachrücker für Adam Remmele für kurze Zeit auch dem Badischen Landtag an, ließ sich dann aber nicht wieder aufstellen. Zu sehr war er von seinen Aufgaben vor Ort in Beschlag genommen, hemmte doch auch und gerade in Mannheim die sich ankündigende Weltwirtschaftskrise die Schlagkraft der gewerkschaftlichen Organisation ganz entscheidend. Die politischen Verwerfungen jener Zeit machten unterdessen auch vor dem Bürgerausschuss des „roten Mannheim“ nicht halt, seit dem Herbst 1930 pöbelten NSDAP-Vertreter nun auch dort gegen die „Judenlümmel“ von der SPD. Anfang 1932 kam es in dem Gremium sogar zu einer handfesten Schlägerei, die Trumpfheller – mittlerweile an der Spitze der Mannheimer SPD stehend – sowie vier weiteren Genossen eine Verurteilung wegen „erschwerter Körperverletzung“ eintrug, während das Gros der an den Ausschreitungen beteiligten Nationalsozialisten unbehelligt blieb.
Aufgrund seiner doppelt exponierten Position in der Mannheimer Arbeiterbewegung fiel Trumpfheller gleich zu Beginn der NS-Diktatur einer „Schutzhaft“-Aktion zum Opfer. In den folgenden Jahren stand er unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo und war insgesamt achtmal ohne Gerichtsverfahren inhaftiert. Seit 1933 arbeitslos, brachte er gemeinsam mit seiner Frau Josefine die Familie schließlich mit einem Heißmangelbetrieb durch die NS-Zeit.
Zusammen mit dem Christdemokraten August Kuhn und dem Kommunisten Paul Schreck gehörte Trumpfheller im Frühjahr 1945 zu den „Männern der ersten Stunde“ in Mannheim. So war er Mitglied des ehrenamtlichen Beirats des Oberbürgermeisters, der vor der ersten demokratischen Kommunalwahl des Jahres 1946 die Volksvertretung ersetzte. Vor allem aber machte er sich umgehend daran, die zerschlagene Parteiorganisation der Mannheimer SPD sowie die Gewerkschaftsorganisation wieder aufzubauen, die sich nunmehr nach dem Willen aller Beteiligten als Einheitsgewerkschaft darstellen sollte.
1946 zum Ersten Bürgermeister der Stadt ernannt, kam Trumpfheller in den Jahren des Wiederaufbaus die politische Schlüsselrolle in der „Kurpfalzmetropole“ zu: Als für das Personalwesen, für die Städtischen Betriebe und für den Sozialen Wohnungsbau zuständiger „Superdezernent“ zeichnete er für den Aufbau einer demokratischen Verwaltung, für die Wiederherstellung der kommunalen Infrastruktur und zugleich für eine möglichst schnelle Schaffung von neuem Wohnraum in der stark kriegszerstörten Stadt verantwortlich. Die Entnazifizierung des städtischen Personals trieb er konsequent voran, und mit einer geschickt betriebenen Baupolitik, die Projekte des sozialen Wohnungsbaus in den Mittelpunkt rückte, gelang binnen weniger Jahre der Wiederaufbau.
Zweimal – zunächst im Sommer 1949 nach dem plötzlichen Tod von Oberbürgermeister Fritz Cahn-Garnier und dann wieder 1955/1956 nach der Anfechtung der Wahl Hans Reschkes zum Oberbürgermeister – musste Trumpfheller über einen längeren Zeitraum hinweg neben den eigenen Aufgaben als Erster Bürgermeister zusätzlich auch die des Mannheimer Stadtoberhaupts wahrnehmen. Er selbst hatte diese Position nie angestrebt, sondern zog es vor, aus der zweiten Reihe heraus zu agieren. Bei der Kür eines Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl des Jahres 1955 allerdings hatte ihm, den sie in der örtlichen SPD nur den „Vadder“ nannten, die Partei die Gefolgschaft versagt – und dies prompt mit dem Verlust des Oberbürgermeister-Sessels bezahlt.
Nachdem Trumpfheller 1956 den Parteivorsitz an den um eine Generation jüngeren Ludwig Ratzel abgegeben hatte, trat er drei Jahre später, mittlerweile 72-jährig, von seinem Posten als Erster Bürgermeister zurück; auch in diesem Fall hieß der Nachfolger Ratzel. Fortan engagierte Trumpfheller sich ehrenamtlich noch anderthalb Jahrzehnte lang für sein politisches Lieblingskind, den gemeinnützigen Wohnungsbau. 1975 starb Trumpfheller 88-jährig, wenige Tage nach ihm seine Frau. Noch im selben Jahr wurde in Mannheim die Straße „Am Herzogenriedpark“, in der Trumpfheller in den letzten Jahrzehnten seines Lebens gewohnt hatte, nach ihm benannt.
Quellen: StadtA Mannheim, Nachlass J. Trumpfheller (0,35 lfm 1945-1970), ferner dort städt. Bestände; Jörg Schadt (Hg.), Im Dienst an d. Republik, 1977; Wolfgang Brach u. Fritjof Kleff (Bearb.), „Säumt keine Minute“, 1986; Josef Kaiser (Bearb.), „Jetzt erst recht“, 1993.
Werke: Pflichtbewußte Mitarbeit, in: Die Kommune 4, 1931, 46 f.; 75 Jahre Baugenossenschaft Spar- u. Bauverein Mannheim 1895-1970, 1970.
Nachweis: Bildnachweise: StadtA Mannheim; J. Trumpfheller – 75 Jahre, 1962 (vgl. Lit.).

Literatur: J. Trumpfheller – 75 Jahre, 1962; Ludwig Ratzel, J. Trumpfheller, in: 100 Jahre SPD in Mannheim, 1967, 105-107; Andrea Hoffend, J. Trumpfheller (1887-1975), Bürgermeister des Wiederaufbaus, in: Mannh. Geschichtsbll. NF 8, 2001, 385-410; dies., „Ich liebe Mannheim wie meine Familie“ – J. Trumpfheller, in: Die höchste Auszeichnung d. Stadt, 2002, 144-148; Christian Peters, „Glücklicherweise bilden wir eine Ausnahme“. Mannheim in den [19]fünfziger Jahren, 2002.
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