Württemberg-Weiltingen, Julius Friedrich, Herzog 

Geburtsdatum/-ort: 03.06.1588; Mömpelgard
Sterbedatum/-ort: 25.04.1635;  Straßburg (Frankreich); begr. im Kloster St. Nikolaus in Undis Straßburg, 1640 Überführung in die Stiftskirche Stuttgart
Beruf/Funktion:
  • Herzog
Weitere Angaben zur Person: Verheiratet: 24.11.1617, Anna Sabina
Eltern: Vater: Herzog Friedrich I. von Württemberg
Mutter: Sibylla, geb. Fürstin von Anhalt
Geschwister: Friedrich Achilles (5.5.1591-30.12.1631)
Johann Friedrich (5.5.1582-28.7.1628)
Sibylla Elisabeth (20.4.1584-30.1.1606)
Ludwig Friedrich (29.1.1586-26.1.1631)
Eva Christina (16.5.1590-5.4.1657)
Agnes (7.5.1592-25.11.1629)
Barbara (14.12.1593-18.5.1627)
Magnus (12.12.1594-6.5.1622)
Anna (25.3.1597-4.11.1650)
Kinder: 9, Roderich (19.10.1618-19.11.1651)
Julia Felicitas (19.12.1619-3.1.1661)
Silvius Nimord (2.5.1622-26.4.1664)
Floriana Ernestine (8.5.1623-5.12.1672)
Faustina Marianna (2.8.1624-15.4.1679)
Manfred (I.) (5.6.1626-15.5.1662)
Julius Peregrinatius (5.9.1627-22.10.1645)
Sueno Martialis Edenolph (1.6.1629-30.4./10.5.1656)
Amadea Fridonia (30.7.163-27.5.1633)
GND-ID: GND/120064006

Biografie: Harald Schukraft (Autor)
Aus: Lexikon Haus Württemberg, S. 191-193.

Die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte Julius Friedrich mit seinen Eltern und Geschwistern in Mömpelgard. Seit der Regierungsübernahme seines Vaters in Württemberg im Jahre 1593 lebte er in Stuttgart. Nach seiner Ausbildung am Tübinger Collegium Illustre beteiligte er sich 1610 an militärischen Operationen im Elsaß und nahm am Jülichen Erbfolgekrieg teil. Später unternahm er ausgedehnte Reisen durch Europa und nach Kleinasien, so 1613/14 nach Malta und Ephesus, bei dessen Eroberung er mitgewirkt hat. 1615/16 beteiligte er sich an einer Expedition nach Lappland.
Er erhielt am 28. Mai 1617 im Fürstbrüderlichen Vergleich die Herrschaften Weiltingen und Brenz sowie ein Deputat aus der Herrschaft Heidenheim zugesprochen. Am 24. November 1617 schloß er in Sonderburg den Ehevertrag mit Herzogin Anna Sabina von Schleswig-Holstein-Sonderburg ab, das Beilager fand am 1. Januar 1618 ebenfalls in Sonderburg statt. Nach seiner Eheschließung zog er zunächst nach Brenz, im Januar 1619 dann ins Schloß von Weiltingen.
Im folgenden Jahrzehnt führte er immer wieder kleinere militärische Aktionen durch, so beispielsweise 1623 die Eroberung von Burg Staufeneck. Als am 26. Januar 1631 der Administrator des Herzogtums Württemberg, Herzog Ludwig Friedrich, in Mömpelgard starb, übernahm Herzog Julius Friedrich am 2. Februar die Vormundschaftsregierung für den noch unmündigen Eberhard III.. Allerdings ließ er sich vorher zusichern, daß ihm jeder Schaden, den er in Zusammenhang mit seiner Regentschaft erleiden würde, ersetzt werden solle. Im Frühjahr 1631 beteiligte er sich am sogenannten Leipziger Bund, von dem er zum Direktor des Schwäbischen Kreises ernannt wurde. Auf Drängen des Grafen Egon von Fürstenberg, der ein kaiserliches Heer nach Südwestdeutschland führte, mußte Julius Friedrich am 1. Juli 1631 in Tübingen dem Leipziger Bund entsagen, Einquartierungen akzeptieren und hohe Abgaben leisten. Völlig entmutigt und von den Untertanen heftig kritisiert wollte er nun die Administration niederlegen, was die Räte jedoch mit finanziellen Zugeständnissen zu verhindern wußten. Zu seinem eigenen Schutz hielt sich Julius Friedrich deshalb im Sommer 1631 auf dem Hohenasperg auf, wo ihm seine Gemahlin die Tochter Amadea Fredonia gebar, die aber nicht einmal zwei Jahre alt wurde. Als die schwedischen Truppen immer näher an Württemberg heranrückten, erreichte er durch Verhandlungen den Abzug der kaiserlichen Besatzer. Anfangs lehnte er es ab, mit Gustav Adolf von Schweden ein Bündnis einzugehen, doch konnte er sich auf Dauer nicht dagegen wehren. Schließlich wurden alle Zahlungen an den Kaiser eingestellt und das Restitutionsedikt aufgehoben. Julius Friedrich ging nun offen mit den Schweden zusammen und eroberte weite Teile Südwestdeutschlands. Offensichtlich war sein Ziel, sich ein von Württemberg unabhängiges eigenes Fürstentum zu schaffen. Zu diesem Zweck ließ er sich Ende Oktober 1632 vom Führer der Protestanten, eben König Gustav II. Adolf von Schweden, sämtliche in Württemberg gelegenen, jedoch damals staatsrechtlich noch unabhängigen Klöster und geistlichen Güter, die Grafschaft Sigmaringen und die Hälfte der Baar sowie die Herrschaft Hohenberg schenken.
Im Sommer 1632 hatte die Herzoginwitwe Barbara Sophia für ihren Sohn, Herzog Eberhard III., die Regierung gefordert. Die Oberräte rieten jedoch von einem derartigen Schritt ab, da bei Aufrechterhaltung der Administration ein unglücklicher Ausgang der Annäherung an Schweden Herzog Julius Friedrich angelastet werden könnte. Gegen Ende des Jahres 1632 versprach dieser endlich, in Kürze die Regierung an seinen Neffen übergeben zu wollen, was im darauffolgenden Frühjahr dann tatsächlich auch geschah. Noch immer verfolgte er jedoch seine Absicht, sich ein eigenes Fürstentum zu schaffen. Im Vorfeld des Heilbronner Konvents, während dem erstmals ein förmliches Bündnis zwischen Württemberg und Schweden geschlossen wurde, wurden Julius Friedrich die geistlichen Gebiete und die Grafschaft Hohenberg durch den nun regierenden Herzog Eberhard III. wieder abgenommen, beziehungsweise gegen die Grafschaft Haigerloch, die Landgrafschaft Nellenburg und das Amt Oberndorf getauscht.
Nach der Schlacht von Nördlingen im Spätsommer 1634 floh Herzog Julius Friedrich mit seiner Familie und dem ganzen herzoglichen Haus nach Straßburg ins Exil. Dort begab er sich in französische Dienste. Als er gerade im Begriff war, ein Regiment zu werben, starb er völlig überraschend an einem Schlaganfall.
In den Quellen werden seine hohe Bildung und Begabung gerühmt, gleichzeitig aber sein ausgeprägter Eigennutz getadelt. So soll er zu Zeiten höchster Gefahr für das Herzogtum ausgiebig gejagt haben. Auch wurde ihm vorgeworfen, die Hilfe der Schweden eher zum Aufbau eines eigenen Territoriums als zum Wohl Württembergs in Anspruch genommen zu haben.
Nachweis: Das Haus Württemberg: ein biographisches Lexikon / hrsg. von Sönke Lorenz ... In Zusammenarbeit mit Christoph Eberlein ... und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Stuttgart; Berlin; Köln 1997; Bildnachweise: Landesmuseum Württemberg
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